Die Steinzeit in den Knochen: Der Weg zum Glück?

Die Steinzeit steckt uns in den Knochen

Die Steinzeit steckt uns in den Knochen — so heißt ein Buch von Detlev Ganten, seines Zeichens ein Mediziner, der mal Vorstandsvorsitzender an der Charité in Berlin war. Befasst hat er sich mit der Entstehung und den Mechanismen von Bluthochdruck und später auch mit evolutionärer Medizin.

Ich selbst fand die Idee gut, das Buch allerdings weniger. Drei Jahre später, also 2014, hat er das Ganze ein bisschen präzisiert und griffiger verpackt, nannte sein nächstes Buch dann Die Gesundheitsformel.

Doch was bedeutet das eigentlich, „Steinzeit in den Knochen“?  

Ich dachte immer, wenn ich die Zelle studiere (Mitochondrien und so weiter), verstehe ich, wie man sein „Glück“ (Leistungsfähigkeit usw.) selbst machen kann. Deshalb wollte ich in der Zellbio landen.

Wo sonst sollte es „gemacht“ werden?

In der Tat: Mitochondrien, als Beispiel, machen Glück. Das leuchtet auch ein … Wenn die Zelle keine Energie produziert, wie soll dann überhaupt Glück entstehen? Das heißt, ja, eine „gesunde Zelle“ ist definitiv ein Eckpfeiler dabei.

Nun hat sich der Blog in den letzten Monaten und Jahren von einem „Zellbio-Blog“ zu einem „Lifestyle-Blog“ entwickelt. Das liegt in erster Linie daran, dass ich alles, was ich im Leben erfahre, hier mit einfließen lasse und selbst ständig dazulerne.

Die Frage ist: Wieso lesen Menschen hier überhaupt?

Oberflächlich, weil sie was über Ernährung und so weiter erfahren wollen. In Wahrheit aber, weil es ihnen oft an irgendwas anderem fehlt. Die meisten Menschen leben in einer Seifenblase, über die sie gar nicht nachdenken. Nicht mal eine Sekunde.

Die nächste Frage ist: Können wir unsere eigene Biologie bescheißen?

Das nannte ich hier im Blog schon oft mal „menschlichen Hochmut“. Das wollen wir meistens nicht hören, weil wir dann nämlich akzeptieren müssten, dass wir selbst gar nicht so toll unabhängig sind und wir doch nicht alles so in der Hand haben, wie wir immer meinen.

Also fragen wir uns doch mal, was „unsere Biologie“ doch eigentlich ist.

Ernährung:

Kann uns eine „falsche Ernährung“, was auch immer das ist, krank machen? Definitiv ja.

Bewegung:

Macht uns Bewegungsarmut krank? Natürlich.

Familie:

Immer wieder ein toller Streitpunkt. Aber in Wahrheit würden uns doch ziemlich wohlfühlen … in einer „intakten“ Familie.

Freunde:

Könnte es krank machen, wenn wir uns sozial isolieren? Im Gegenteil: Könnten uns enge Freundschaften etwas geben?

Hunde:

Jeder Hundebesitzer weiß Bescheid 😉

Und so weiter.

Wir alle haben archetypische, idealisierte Bilder vor Augen, wie sowas aussehen könnte. Dazu brauchen wir uns nur mal Bilder von Buschmännern anzugucken. Die Männer gehen mit ihren Kumpels jagen, freuen sich ob ihres Jagderfolgs und sind stolz, dass sie ihre Familie versorgen können. Männer scheinen einfach gestrickt zu sein, nicht wahr? Denn was ist das letztlich? Glück. Oder, etwas anders formuliert: Das, was der Mann instinktiv am liebsten tut, manchmal ohne Rücksicht auf Verluste (die arme Frau!).

Wir Menschen aber denken darüber nicht oder nicht richtig nach. Stattdessen kommt die Einsicht oft spät und wir versuchen zu kompensieren.

Häufig habe ich schon erlebt, dass Mit-40er-Frauen, bei denen der Reproduktionszug am Abfahren ist, plötzlich anders denken. Plötzlich „leihen“ sie sich Kinder von beispielsweise engen Freunden oder der eigenen Familie, um doch noch irgendwie einen „Nachwuchs“ zu haben.

Klar: Wenn wir voll im Saft stehen und wir uns ziemlich groß fühlen, dann brauchen wir über sowas nicht nachzudenken. Aber später keimt ggf. die Frage auf, ob eigener Nachwuchs nicht irgendwann eine ganz tragende Rolle in meinem eigenen Leben spielen wird.

Denn um was dreht es sich in der Biologie eigentlich?

Reproduktion:

Könnte es böse Folgen für uns haben, wenn wir so eine essentielle Wahrheit einfach … ignorieren?

Was ich damit sagen will: Wir hängen an einer Jojo-Schnur, die sich „Biologie des H. sapiens“ nennt. Wir können uns davon nicht lösen, wir können nicht weg, wir werden, mit Schmerzen oder „einfach so“, irgendwann wieder dahin zurückgezogen. Es ist unumgänglich.

Je mehr wir uns nicht an diese Spielregeln halten, umso härter fallen wir. 

Und genau das meint „Steinzeit in den Knochen“, wenn auch etwas höflicher und weniger unbequem formuliert.

Aber auch für uns selbst gilt, dass wir eine ganz eigene Biologie haben. Auch die können wir, bei aller Rationalität, nicht bescheißen.

Zu Studienzeiten hat das mein Genetik-Professor mal ziemlich brachial ausgedrückt: Wir Menschen machen uns selbst Probleme, weil wir uns über die ganz eigene Biologie stellen. So würden wir uns nicht verpaaren, weil wir „einfach so“ mit diesem einen Menschen intim werden wollen, sondern weil wir im Kopf beschließen mit Partner X ein Kind zu bekommen. Er wollte damit ausdrücken, dass das Leben eigentlich „anders“ gesteuert vonstatten geht, wir Menschen diese Mechanismen aufgrund unserer eigenen Vorstellung oft umgehen.

Der Punkt ist aber, dass wir das ziemlich oft ganz genau wissen … oder zumindest ahnen. Wir wollen es nur nicht wahrhaben.

Natürlich könnte man das jetzt auf sämtliche Lebensbereiche übertragen — lassen wir das. Fakt ist, dass es nicht reicht, sich „um die Zelle zu kümmern und dann wird alles gut“. Das ist vielleicht ein Anfang. Im Endeffekt aber geht es um viel mehr! Es geht darum, sich selbst richtig zu positionieren im Leben und das hat viel mit fühlen zu tun. Weil wir nur so erahnen können, was uns unser großes Unterbewusstsein eigentlich sagen will.

Dann kommen biochemische Erklärungen und Hintergrundinfos dazu. Warum ist das alles so, wie es ist? Wahrheiten aber brauchen keine biochemische Erklärung — man weiß um sie!

Letztlich geht es nicht darum, ein Leben als Steinzeitmensch zu führen. Auf der anderen Seite gibt es Bedürfnisse und Grundverhalten einer jeden Spezies, die uralt sind und die wir bei aller modernen Oberflächlichkeit und Erhabenheit nicht vergessen dürfen. Sonst tut es unter Umständen weh.


PS: Mir ist schon auch klar, dass das hier ein sehr streitbares Thema ist. Wie immer, wenn man Menschen das Gefühl gibt, dass „etwas anderes“ regiert … und nicht sie selbst.

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7 Kommentare, sei der nächste!

  1. Trefflich, trefflich.

    „… sondern weil wir im Kopf beschließen mit Partner X ein Kind zu bekommen.“
    Oftmals sind es aber nicht (nur) die eigenen Beschlüsse, sondern uns auferlegte gesellschaftliche/ religiöse Zwänge. Aus der Kiste kommt man nicht so einfach raus. Da kämpft oft das Unterbewusstsein mit dem Verstand … und verliert.

    1. Und ich dachte immer, es wären die Pheromone, also wieder Biochemie statt Verstand? Zumal der ja bei wohl allen ab einer gewissen Erregungsstufe mehr oder weniger komplett ausgeschaltet und einfach nur noch spitz wie Nachbar´s Lumpi wird? 😉 Auch mit dem Risiko, daß es da zu unerwünschten Folgen aller Art kommt.

  2. Hm das mit der „Jagdgruppe“ kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, während meiner Zeit beim Militär war ich
    rückblickend betrachtet sehr glücklich, trotz hohem physischen, psychischen Stress und schlechter Ernährung 🙂
    Habe immer noch guten Kontakt zu damaligen Kameraden, wofür ich sehr dankbar bin.

  3. Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, alles ist machbar, bzw.alles unter Kontrolle haben zu wollen.Das klappt nur bis zu einem gewissen Punkt, dann kommt unser altes Reptiliengehirn durch, bzw der Zufall beschert uns gute oder böse Erfahrungen. Wer das akzeptiert, nimmt sich viel Stress aus seinem Leben.

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