Warum mir angewandte Biochemie so wichtig ist

angewandte biochemie

Manche, vor allem solche die mich nicht verstehen, behaupten gerne, ich sei ein Theoretiker. Na ja, es soll noch Menschen geben, die sich für das Tun und für die Theorie interessieren.

Ungeahnte Möglichkeiten durch Biochemie

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich als kleiner Junge auf meinem Traktor übers Feld gefahren bin und einen mit meiner Oma befreundeten Landwirt getroffen habe. Der hat mir, statt der mir bekannten normal großen Tomaten, eine kleinere Tomate in die Hand gedrückt, die ganz anders schmeckte. Ich war so fasziniert davon, dass ich schon damals gerne gewusst hätte, was die beiden Sorten voneinander unterscheidet.

Das Internet war später dann gefundenes Fressen für mich, weil ich mich diesbezüglich austoben konnte. Und bis heute finde ich nichts faszinierender als die Mechanismen und Funktionsweisen meines eigenen Körpers zu erkunden. Natürlich vor allem solche, auf die ich Einfluss habe.

Irgendwann bekam ich ein Biochemie-Buch geschenkt und das hat mir den größten Aha-Moment geschenkt. Es hat mir Möglichkeiten an die Hand gegeben, die ich niemals für möglich gehalten hätte:

Die Tatsache nämlich, dass chemische Reaktionen in meinem Körper unbedingt von dem abhängig sind, was ich esse. 

Mit diesem Wissen habe ich mir schon oft geholfen. Und es funktioniert immer wieder. Oft frage ich mich dann, wie meine Mitmenschen eigentlich so leben. Wie können die ohne dieses Wissen so leben?

Das bekannteste Beispiel hier im Blog ist die Verdopplung meiner freien T3-Werte. Erreicht nicht durch den Arzt, nicht durch den Psychologen, nicht durch Sport-Abstinenz, nicht durch Ernährungsumstellung – und auch nicht durch eine Medikation. Sondern durch „angewandte Biochemie“.

Wenn man sowas mal erlebt, kann man sich über so manch einen hochnäsigen Kommentar in irgendwelchen Foren nur wundern.

„Na klar und durch Vitamin D kann man dann 10 kg mehr drücken.“

Jemand, der ovolakto-vegetarisch lebt und kein rotes Fleisch isst, wird vielleicht Eisen-Probleme haben. Ich weiß das deshalb, weil meine Werte schon mal monatelang engmaschig kontrolliert wurden. Und ich weiß deshalb, dass es zumindest beim Eisen gut und gerne sogar mehr als 10 kg ausmachen können. Den Selbstversuch sollte jeder mal machen, so wie ich das auch schon mehrfach getan habe. Jedes Mal eine große Überraschung!

Metalle im Körper – Eisen, Kupfer und Zink

Denn an dieser Stelle können wir uns fragen, wo die Energie, die wir hoffentlich haben, eigentlich herkommt? Das hat mit Essen oder Nicht-Essen viel weniger zu tun als gemeinhin angenommen wird.

Die größten Effekte haben meiner Erfahrung nach Eisen und Kupfer. Das liegt daran, dass beide wichtige Bestandteile von mitochondrialen Protein-Komplexen sind, die an der Energiegewinnung beteiligt sind. Genau das hatten wir im Grundlagen-Kurs oder im Energiebuch schon besprochen. Nach Eisen und Zink ist Kupfer das dritthäufigste Übergangsmetall im menschlichen Körper — Eisen steht also an erster Stelle. Könnte etwas über die Bedeutung sagen, nicht wahr?

Wer braucht schon Spurenelemente

Okay. Das liest sich hier so banal, weil wir fast alles auf den Muskel beziehen. Was aber, wenn das mal in den Mitochondrien im Gehirn passiert? Wenn dort mal zu wenig Eisen und Kupfer ankommt? Geht sowas?

Auch das kann jeder selber testen, indem er Eisen, Kupfer o. Ä. einfach mal so gut es geht weglässt. Ist bei diesen beiden Metallen einfacher als bei vielen anderen Stoffen. Wer will, kann das, wie ich, auch im Blut überprüfen lassen.

Es passieren ziemlich interessante Dinge, das markanteste Zeichen bei Eisen-, Zink- oder Kupfer-Insuffizienz ist der Verlust des Riechens.

Das kann viele Ursachen haben. Eine davon ist, dass die Gehirnzellen, die dafür zuständig sind, faul werden, nicht genug Energie produzieren.

Leider lesen sich solche Abhandlungen immer so lapidar. Wenn man aber vom „tiefen Eisen“ ins „normale Eisen“ übergeht und das Gehirn aufwacht und man plötzlich Dinge (u. a. Gerüche) wahrnimmt, die vorher gar nicht da waren, wird man anders darüber denken.

Das Problem ist, dass wir es erst merken, wenn wir schon tief drin stecken. Die meisten Menschen merken sowas gar nicht oder nehmen es eben hin. Es ist halt so. Wenn man allerdings plötzlich wieder merkt, was eigentlich normal ist und wie es sich normalerweise anfühlen soll … Dann wird man plötzlich kleinlaut und wünscht sich, man hätte sowas vorher gewusst.

Ernährung und Co. ist für viele eine Spielerei. Für die Mehrheit der Deutschen, nicht wissend, die Ursache eines frühen körperlichen Verfalls und unter Umständen eines zu frühen Ablebens. Bis wir darauf allerdings kommen und routinemäßig Vitamin D bis Eisen checken und Menschen dann mal wirklich aufwachen und tatsächlich geholfen wird, werden noch viele Reden im Internet und auf Fachkonferenzen geschwungen, Tenor:

Alles Blödsinn, Spurenelemente und Co. haben wir alle genug.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Vitamine und Co. sind bestimmt keine „Heilmittel“, können nicht „alles“, können manche Therapien nicht ersetzen und sollen schon gar nicht stur über einen längeren Zeitraum hochdosiert via Präparate eingeschmissen werden. Im Gegenteil. Wer es bewiesenermaßen schafft, sich auch ohne viele NEM nette Blutwerte zu erarbeiten (hier, ich), der kann das alles ganz gelassen lesen. Wie das mit der Ernährung geht, hatten wir hier schon mal erklärt. Um manche NEM allerdings kommt man fast nicht herum — Magnesium oder eine regelmäßige Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren wären solche Beispiele.

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6 Kommentare, sei der nächste!

  1. Das mit dem Riechen ist interessant. Habe mal irgendwo im Netzt gelesen, dass wenn bei Menschen der Geruchssinn langsam schwindet, diese dann bald sterben. Sollte das mit schwindenden Speichern zusammen hängen oder wieder nur so eine Schrottstudie?

  2. Das mit den Schilddrüsenhormonen kann ich bestätigen. Die Erhöhung der Werte via „Schilddrüsenprotokoll“ hat bei mir auch gut funktioniert. Sicher hat die Steigerung der Kohlenhydrataufnahme dabei mitgeholfen.
    Nur eines lässt mich im Moment etwas grübeln: Aufgrund von Herzrhythmusstörungen suppe ich seit vielen Monaten Mg. Der Wert hielt sich hartnäckig bei um die 0,8mmol/l. Nach Zugabe von 1g/d Taurin über ca. 4 Wochen kletterte er auf knapp unter 0,9mmol/l, allerdings unter Begleitung von ständigen Extrasystolen, bleierner Müdigkeit u. argen Schwankungen der Stuhlkonsistenz. Nach weglassen von Taurin u. Mg jetzt schon paar Tage Ruhe. Kann es sein, dass bei so unbedenklichen Blutwerten Symptome von Hypermagnesiämie auftreten? Oder anders gefragt: Können individuelle Referenzbereiche derart tief angesiedelt sein? Denn auch beim Anheben der fT3-Werte bin ich mit weitaus weniger Zündstoff ausgekommen als im Protokoll empfohlen.

    1. Hallo Christiane,

      danke für den Tip. Kalium war bisher immer gut. Habe damit auch schon experimentiert (niedrig dosiert) und mir dabei ebenso vermehrt Extrasystolen eingefangen. Also wieder Finger weg.

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