Der Lifestyle macht’s: Drei Beispiele aus dem Leben

Also nur noch mal, dass es klar wird:

  • Wir machen hier Populärwissenschaft. Das macht jeder — auch diejenigen, die vor der Kamera rumhüpfen und aus Meta-Analysen zitieren. Falls immer noch nicht klar sein sollte, was Populärwissenschaft eigentlich ist, der kann sich noch mal in Ruhe diesen Artikel durchlesen oder auch mal bei Wikipedia schnuppern, reicht aus.
  • Das hier ist ein Blog. Ein Blog. Der Blog muss meinen eigenen Ansprüchen genügen. Das hier ist kein Magazin, und erst recht keine Fachzeitschrift.

Wem das alles soweit klar ist, der darf diese Artikel hier gelassen lesen, mit dem Wissen, dass es einigermaßen Spaß machen soll.

Heute mal was zum Lifestyle.

Wenn Alkohol zum Problem wird

Das „big picture“ von Alkohol (oder alkoholischen Getränken) ist tatsächlich big und komplex. Chronisch, moderat genossen — das kann man in jeder Frauenzeitschrift lesen — soll er ja das Herzkreislaufsystem gesund halten. Das geht natürlich auch anders, aber wir wissen ja, dass wir gesundheitliche Benefits gerne mit Genuss kombinieren. Einverstanden!

Es gibt aber noch andere Facetten von Alkohol, die nicht so nett sind.

Mir persönlich ist vor einigen Monaten, nach regelmäßigen (aber mäßigem) Biergenuss aufgefallen, dass ich Probleme hatte, ein paar Stunden nichts zu essen. Zunächst sah ich keine Verbindung — warum auch? Irgendwann wurde das Problem so gravierend, dass ich nachts mit starkem Hunger-Gefühl aufgewacht bin.

Das war so kein Zustand. Wie soll man da gesund (= mäßige Kalorienrestriktion) leben? Da ist man zwangsläufig auf die Zuckerfreisetzung (Glykogenolyse) bzw. Zuckerbildung (Gluconeogenese) der Leber angewiesen.

Per Zufall fand ich heraus, dass das nicht passiert, wenn ich ganz einfach auf Alkohol und Bier verzichte. Bis heute habe ich keine Probleme mehr. Fakt ist: Ethanol und speziell Bier (auch wegen des Purin-Gehalts) haben massiven Einfluss auf die Leberfunktion. Ich hätte es nicht geglaubt, hab’s aber selbst erlebt.

Wieso ich das schreibe? Vielleicht hilft es dem einen oder anderen Genusstrinker, der alle 2 Stunden essen muss. Ausmachen und Weglassen von Störfaktoren erweist sich oft als extrem hilfreich.

Vitamin D macht niedrigen Blutdruck

Auch das habe ich selbst erlebt und möchte noch einmal dran erinnern: Vitamin D hemmt ein Enzym, das den Blutdruck ansteigen lässt. Das machen auch blutdrucksenkende Medikamente.

Ich selbst kann den Blutdruck (systolisch) hierbei um bis zu circa 10 mmHg senken (mit Vitamin D) bzw. steigen lassen (ohne Vitamin D).

Nasri und Kollegen (2014; PMID: 24644541) zeigten Ähnliches (bei 50.000 IE pro Woche), allerdings bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, nicht gerade meine Kategorie. Nichtsdestotrotz sank bei diesen Herrschaften der sowieso schon normale Blutdruck (121 mmHg) auf niedrig-normale Werte (110 mmHg).

Ich bin mir sicher: Auch solche vermeintlich kleinen Änderungen können auf Dauer (= Jahrzehnte) große Unterschiede machen, was die Gesundheit des Herzkreislaufsystems angeht.

#kannmanwissen

Krafttraining vs. Cardio?

Es gibt kein „Krafttraining vs. Cardio“. Es gibt allerhöchstens ein paar Vorlieben und die jeweiligen Extreme. Das heißt: Klar, Maximalkrafttraining hat ziemlich wenig mit Ausdauersport zu tun. Und extensive Langläufe ziemlich wenig mit Kraftsport.

Es gibt allerdings ein Zwischendrin.

  1. Maximalkrafttraining steht, bildlich gesprochen, über (Kraft-)Ausdauer und Schnellkraft. Heißt: Ein kräftiger Muskel kann generell mehr leisten, auch beim Ausdauersport. Genauso haben wir früher trainiert (für Ausdauer).
  2. Krafttraining kann — von der Intensität und Co. her — so eingestellt werden (z. B. Supersatztraining), dass das Herzkreislaufsystem konstant arbeiten muss. Der Muskel arbeitet sowieso, das Herzkreislaufsystem dann auch.
  3. Gießing (mein alter Sportprof), McGuff und Co. gehen noch einen Schritt weiter und sagen, dass das Ganze gar nichts mit Sätzen zu tun hat, sondern, grob gesprochen, mit time under tension, die im Wesentlichen nicht abhängig davon ist, wie viele Sätze wir machen. McGuff meint: Kardiovaskuläre Fitness wird von „unten nach oben“ gesteuert, beginnt also im Muskel. Macht Sinn, jedenfalls im Zeitalter der Myokine und so weiter.

Heißt im Grunde braucht sich ein Kraftsportler nicht zu schämen, auch er wird, bei richtigem Training, ein gesundes Herzkreislaufsystem ernten. Umgekehrt kann ein Ausdauersportler enorm von einem Krafttraining profitieren.


Hier noch einmal die bottom line von dem, was wir heute gelernt haben (= die Message):

  • Alkohol ist nicht immer gut und kann eine Bremse sein, speziell für den, der abnehmen will. Allgemein ist Alkohol nicht nur schlecht (natürlich nicht), allerdings mit vielen möglichen, auch chronischen Effekten, deren Einfluss auf unsere Gesundheit wir (noch) nicht kennen.
  • Vitamin D ist immer wichtig und jeder, der beginnt sich mit einem gesunden Lebensstil befasst, sollte zunächst den Vitamin-D-Wert checken. An easy thing to do. Man muss nicht übertreiben. Aber einen Mangel sollte man auch nicht haben. Vitamin D kann im idealen Fall den Unterschied zwischen „quasi krank“ (= hoher Blutdruck) und „gesund“ (= normaler Blutdruck) machen.
  • Sport ist wichtig. Krafttraining sowieso. Es sollte nicht heißen, „Kraftsport oder Ausdauer?“, es sollte für uns Nicht-Profis heißen, „intelligent geplantes Krafttraining zuerst“.
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7 Kommentare, sei der nächste!

  1. Alkohol chronisch moderat. Alternativ dazu stellt sich die Frage, statt regelmässig ein oder zwei Bierchen, sagen wir 3 mal im Jahr aber dann ordentlich. Also Vollgas mit Freunden und Party bis morgens um 6. Statt 2 Bier dann wohl 4 Liter. Sonst gar nichts, Null Alkohol. Auch eine Art von Genuss …

    Ist das nun weniger gesundheitsschädlich? Reagiert der Körper auf solche „Spannungsspitzen“ oder ist der „Mittelwert“ relevant.

    Solche Gedanken kommen mir bei dem Artikel …

    1. Ich habe keine Ahnung Thorsten. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mal, wie repräsentativ mein Erlebnis ist. Vielleicht ist das bei anderen ganz anders. Ich war nur ziemlich überrascht, dass moderate Dosen solche Effekte haben, selbst dann, wenn ich gerade keinen Alkohol trinke.

  2. Eine einfache und leicht verständliche Aussage zum Thema Alkohol ist auf der Seite des Krebsinformationsdienstes zu finden :

    „Für das Krebsrisiko gilt: Wissenschaftler weisen darauf hin, dass es keine Menge an Alkohol gibt, die bedenkenlos konsumiert werden kann.“

  3. Es gibt gemäß der WHO auch keinen risikofreien sondern lediglich einen risikoARMEN Genuß, wenn es um die tägliche Höchstmenge in Gramm für die Geschlechter geht.

    Risiko-freien Alkoholgenuss gibt es nicht.

    1. Ja, die WHO. Wenn es nach der ginge, dann wären die Italiener, Franzosen oder Griechen, usw. alle schon ausgestorben, allein schon bei deren täglichen Alkoholkonsum deutlich oberhalb der 1-2 Gläser Wein/Tag z. B., oder die Briten mit ihrem Bier-und Spirituosenverbrauch. Naja und in Deutschland nicht nur die Bayern. 😉 Ich persönlich denke, Rauchen und exzessive Fehl-und Überernährung sowie Bewegunsgmangel sind weit gefährlicher als sich nicht sklavisch an die WHO-Alkoholempfehlungen zu halten.

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