Die Regeln des (gesunden) Lebens

Ich hatte mir mal ein Buch gekauft, hieß, glaube ich, „Die Regeln des Lebens“ oder so. Da stand natürlich der typische Stuss drin.

Wovon können …

  • alte, sterbende Menschen,
  • ein Chris Eikelmeier,
  • ein Chris Michalk
  • und andere (ehemals) Kranke

ein Lied singen?

Bleibst du liegen, stirbst du.

Das ist nicht nur sinnbildlich gemeint, übersetzt in Aufgeben, sondern wörtlich.

Kurz bevor alte Menschen (natürlich) sterben, verfällt der Körper in eine Art Starre. Die Menschen essen nichts mehr und der Körper geht über in einen schlafähnlichen Modus. Normales Sterben, so Leute, die das auf täglicher Basis erleben, ist ganz harmlos und friedlich.

Auch richtig: Menschen beginnen schon viel früher zu sterben. Viele Menschen im gehobenen Alter essen und trinken einfach nicht mehr genug. Dazu kommt, dass sie sich kaum mehr bewegen. Der Körper krepiert oft Jahre oder Jahrzehnte lang — bis letztlich die Erlösung kommt. Und wir, die Beteiligten, gucken hilflos zu.

Das Gegenteil stimmt natürlich auch: Es gibt ältere Menschen, mir persönlich bekannt, die sind weit über 90 Jahre alt, leben alleine im großen Haus, mähen selber den riesigen Rasen und hauen sich auch gerne mal ein Steak rein.

Es gibt also, grob gesprochen, zwei Sorten: Diejenigen, die wollen, die tun, die aktiv sind. Und diejenigen, die zwar sicher auch nicht sterben wollen, aber … zu passiv, zu inaktiv sind.

Das ist für mich eine Regel des Lebens.

Du selbst signalisierst dem Leben, ob du leben oder sterben willst.

Ich kenne einige Menschen in meinem privaten Umfeld, die mal krank wurden.

Auch hier gibt es solche, die sich an die Regeln des Lebens halten. Und solche, die es — natürlich ist das denen nicht bewusst — nicht tun.

Letztere sind krank, aber statt irgendwie vorwärts zu gehen, also aktiv zu werden, verfallen sie in eine Art (Schock-)Starre und tun einfach nichts. Häufig vergessen die noch das Essen, bewegen sich weniger (man muss sich ja schonen!) und verlieren auch noch Körpermasse, oft die Muskeln. Die sehen dann nicht nur aus wie Leichen, im Grunde sind sie schon Leichen.

Genau das Gleiche habe ich erlebt. Ich, wegen Krankheit mal monatelang im Bett gelegen und nicht mehr an mich, mein Leben bzw. meine vorher gelebte Philosophie geglaubt. Und dann beginnt das Leben einem alles zu nehmen, was man mal geliebt hat.

Wer sich selbst aufgibt, der wird aufgegeben.  

Kranke sehen das nicht. Sie sehen nur, was ihnen gerade Schlimmes passiert. Zu allem Übel glauben sie nicht mehr, wie ich, dass man dem Leben signalisieren muss,

dass man will. 

Doch wie kann dem Leben signalisieren, dass man will?

  • Man muss sich bei der Ernährung Mühe geben. Aber das alleine reicht nicht.
  • Man muss das erhalten und aufbauen, was den Organismus und die Psyche panzert: Muskeln.
  • Heißt konkret: Wer Muskeln verliert, in erster Linie durch zu wenige Proteine in der Nahrung, der verliert einen Großsteil seiner psychischen und physischen Widerstandskraft.

Doch das Wichtigste ist und bleibt:

  • Körperliche Anstrengung. Schwitzen.

Erst damit signalisiert man der Natur:

Ja, ich bin verletzt. Ja, mein Körper streikt. Aber ich will! 

Das verletzte Reh in der Wildnis hat genau die zwei Möglichkeiten. Entweder es geht weiter. Oder es bleibt liegen und stirbt. Bleibt das Reh liegen, wird es nicht essen und geht stattdessen über in den Sterbemodus. Steht es auf, frisst es, kann das Tier heilen, hat es der Natur gezeigt, dass es noch lebt und leben will.

Genau das hat ein Chris Eikelmeier, ein Chris Michalk und viele andere Menschen erlebt. Ich hätte diese Kraft auch nicht für möglich gehalten. Es ist, wie so oft: Was wir nicht selbst erlebt haben, können wir nicht nachvollziehen. Deshalb muss man manchmal glauben. Glauben heißt nicht, irgendeinen Placebo-Effekt zu leben.

Glauben heißt, dem Leben vertrauen zu schenken, indem man etwas tut, auch, wenn wir irgendwie nicht davon überzeugt sind. 

Genau das tun wir, indem wir, trotz des kranken Körpers und trotz des in Mitleidenschaft gezogenen Geistes, TUN. Nicht irgendwas, sondern das, was jedes Lebewesen tun muss, um dem Leben zu signalisieren, dass es will.

Mit Sitzen und Kartenspielen hat das freilich wenig zu tun.

Das Schöne ist: Wir werden belohnt. Alles, was wir lieben, liebt uns auch wieder. Das Leben ist manchmal leider nicht so bedingungslos, wie wir uns das erhoffen. Oft ist mehr Ökonomie im Spiel als wir glauben. Erst müssen wir liefern, dann liefert das Leben. Period.

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13 Kommentare, sei der nächste!

  1. Man darf dabei aber auch nicht vergessen, daß den Menschen auch die Umstände formen. Bis vor gar nicht langer Zeit mußte der Mensch tatsächlich noch um das tägliche Überleben „kämpfen“, auf jeden Fall etwas dafür tun. Das Leben auf dem Land zeigt ja heute noch „rudimentär“, was damit gemeint ist. Er mußte den Boden bearbeiten, er mußte säen, ernten, auch weiterhin Tiere jagen oder züchten, Fische fangen usw., oder er mußte etwas anderes Materielles erarbeiten, daß er gegen Nahrungsmittel tauschen konnte usw. Wie der Artikel richtig schreibt, man mußte etwas tun, um zu leben und zu überleben. Das alles ist noch gar nocht so lange her.
    Heute ist der Mensch in erster Linie Konsument und das wird sich durch die Technisierung weiter steigern. Und das ist leider auch der Haupt-Sinn und Zweck, den die moderne Gesellschaft und vor allem die Wirtschaft dem Menschen zubilligt. Damit sich der Wirtschaftskreislauf immer weiter dreht, das nächste, neueste Handy, das neue Auto…usw. Da bei wird die pers. Freiheit des Einzelnen nicht größer, trotz der modernen Technik, im Gegenteil, die Arbeitsbelastung wird zeitlich immer höher, die permanente Erreichbarkeit garantiert 24h Stress, wenn man es darauf anlegt und die Sicherheit der Jobs nimmt permanent ab. Und in all das versuchen zumindest einige Menschen auch noch körperliche Belastung durch Sport etc. einzubauen, weil sie im normalen Leben keine mehr haben. Ich denke, das alles zusammen macht die moderne Gesellschaft so krank und so anfällig für früher unbekannte physische und psychische Beschwerden und Krankheiten. Wir sind nun einmal soziale Wesen, all das zerstört die moderne Gesellschaft Schritt für Schritt, bis hinein in die Familien. Aus meiner Sicht ist das das Hauptübel bei uns. Im Vergleich dazu sind in noch sozial intakten Ländern und Gebieten viele dieser modernen Zivilisationskrankheiten, wie wir sie dann verschämt wissenschaftlich nennen, weitgehend oder komplett unbekannt. Und das trotz einer „Mangelernährung“, im Vergleich zu unserer Überfluß-Ernährung nebst NEM & Co. Man könnte das endlos fortsetzen, ich denke, es wird klar, was ich sagen möchte.

    1. Absolut! Uneingeschränkt einverstanden.

      Es geht natürlich auch darum, herauszufinden, warum man überhaupt krank wurde. Hier kommen viele (deiner) Argumente ins Spiel. Wer auch wegen des Hamsterrads krank wurde, der braucht sich nicht zu wundern, wenn er wieder krank wird, wenn er sich wieder diesem Strom hingibt. Da man aus der Nummer nicht so leicht raus kommt, zeigt sich natürlich dieses doofe Dilemma, in dem wir stecken.

      Auch der soziale Aspekt spielt hier eine Rolle. Wer sich sozial isoliert oder nur in Haifischbecken begibt, der wird auch verlieren. Das Thema an sich ist sehr komplex.

      1. Du sagst es, Chris, es ist sehr komplex und alles hängt irgendwie miteinander zusammen. Nimm allein das Thema der „Dauoptimierung“. Die Menschen sollen heute beruflich und persönlich immer mehr optimiert werden und werden dahingehend schon von früh auf gedrängt und „abgerichtet“. Nur mit dem besten Schu-und Studiumabschluß bekommst du den begehrten und bestbezahlten Job in der Weltfirma, während des Job wird ehrgeiziges Karrierestreben und ein hartes Konkurrenzkampg genauso ein Muß wie die ständige Weiterbildung. Die erreichten Karrierestufen bezahlt man dann mit 60h-Stunden-Wochen. Dabei muß sich auch körperlich fitt gehalten werden, sonst steht man das kaum lange durch. Also noch weniger Zeit, für sich und die Familie z. B., die natürlich auch Forderungen und Wünsche hat usw. Bei all dem dann noch „höchste Flexibilität“, denn die Menschen werden heute überall dort hingeschickt, wo das Unternehmen sie haben will. Gerade Haus gekauft für die Familie, sorry, dann müssen sie eben Wochenendpendler sein, geht doch auch, seien sie froh, daß sie diesen gutbezahlten Job haben! So läuft das heute, in vielen Branchen und Unternehmen aller Größenordnungen. Von den Unsicherheiten der befristete Jobs foder Leiharbeit ür Millionen nicht erst zu reden. Dabei ist der Mensch als soziales Wesen immer mehr als „lonely wolf“ unterwegs, denn so richtig trauen kann er auf diesem Weg niemanden und hat vor allem eines nicht, Zeit für sich. Auch das kann man lange weiterführen und ist schon lange kein Klischee mehr oder Kulisse für einen spannenden Fernsehabend. Das war meine pers. Realität und ist die von Millionen Menschen weltweit. Und wer mal erlebt hat, wie in Asien oder den USA und GB in großen Unternehmen gearbeitet wird und was da für Zustände herrschen, weiß genau was ich meine. Und auch Deutschland, in das alles zwar immer etwas später, aber dann oftmals um so gründlicher schwappt, hat sich im Rahmen der sog. Globalisierung stark in dieser Hinsicht verändert. Die Zeiten der überall vorhanden gewesenen netten Betriebssportgruppen und geselligen Firmenfeiern, in denen sich die Menschen nach der Arbeit zusammengefunden und auch gefeiert und entspannt haben sind auch hier längst vorbei. Weshalb sind oftmals die glücklichsten Menschen diejenigen, die sich bewußt und gezielt aus diesem permanenten Wettbewerb herausnehmen. Viele davon beruflich sehr erfolgreiche Menschen, die eines Tages die Sinnhaftigkeit des Ganzen bisherigen in Frage stellen und sich auf die Suche machen und dabei völlig andere Wege einschlagen? Nicht nur der Sinnhaftigkeitsfrage wegen allein, sondern auch, weil viele erkannt haben, das dies in der Tat ein Hamsterrad ist, auch wenn es für einige ein goldenes Hamsterrad ist. Und das dies auch nicht gesund ist, weil es eben viele relevante Dinge des Menschsein und des gesund und glücklich sein außer acht läßt. Dabei muß nicht jeder krank werden, aber das Gefühl, das dies kräftezehrend und ungesund ist haben sehr, sehr viele Menschen. Auch von denen, die ihren Job mögen. Es ist oftmals eben nicht der Job an sich, sondern es sind die Umstände und das, wozu man heute die moderne Gesellschaft gemacht hat. Zu einer konsumgeilen Ellenbogengesellschaft, in der Jeder sofort ersetzbar und der Mensch auch zu einer Art „Ware“ verkommen ist. In der man so viel wie möglich, am besten alles, über ihn weiß und ihn rund um die Uhr zu weiterem Konsum motiviert und manipuliert, man ihm dabei gerade so viel Freizeit läßt, daß er weiter funktionieren kann und ihn dabei mit allem möglichen vollstopft, daß ihn süchtig nach noch mehr macht. Bis der Studienjahrgangsbeste an die Tür klopft und sich der Kreislauf des oben geschilderten wieder unweigerlich fortsetzt. Der Mensch ist krank, nicht weil die Böden ausgelaugt sind oder weil auf einmal Fleisch „ungesund“ sein soll oder weil eben Bier, dann wieder Wein und danach wieder Milch ungesund sei, sondern weil die Gesellschaft krank ist und die Menschen mit all dem was sie ausmacht und was sie sorgt und bewegt allein läßt und die Gesellschaft entsozialisiert, weil isolierte Konsumenten viel leichter, gezielter und besser zu manipulieren sind, als ganze Massen, in denen vielleicht sogar die einen oder anderen Klugen, Belesenen und Renitenten dabei sind.

        1. Deine (treu) Gedankengänge sollte von vielen Leuten gehört und verstanden werden. Super Kommentar, trag es weiter in die Welt hinaus.

          Kann dazu nur von mir berichten, getreu dem Motto nicht mit oder gegen den Strom zu schwimmen, ich steige einfach aus dem Fluss, habe ich vor kurzem auf einem Bauernhof gewohnt, um mal zu schauen, wie das so ist, nur mal 6 Wochen.
          In dieser Zeit bin ich so sehr runtergekommen, ich musste nach der Zeit regelrecht „resozialisiert“ werden.
          Diese ganzen Möchtegern-Problemchen, die wir heute haben sind so sinnlos, genau wie unsere Umwelt genaugenommen sinnlos ist. Für was arbeiten wir denn?
          Auf dem Hof, war jede Arbeit sinnvoll, ob man das Heu einfährt, die Weidezäune freischneidet, den Saustall ausmistet oder die Hühner schlachtet, Holz spaltet oder Beeren sammelt. All das hat direkt und nicht über 1000 Ecken mit dem Leben zu tun, mit meinem Überleben.
          Tagsüber war ich teils den ganzen Tag ohne Proviant (nichtmal trinken) im Wald schwer arbeiten, als ich zurück kam, war da nicht die Frage soll ich jetzt dies oder jenes essen, ich wollte einfach essen, es soll Energie haben, soviel wie möglich. Aber erst ein Bier, für den Durst und den Hunger vorerst klein zu halten. Danach ins Bett und geschlafen wie ein Baby.
          In diesen Momenten spürt man was Leben ist, man versteht auch eine gewisse Philosophie dahinter.

          Es ist heute so wichtig sich wieder zu besinnen woher wir kommen und wohin wir gehören. Es ist nicht die Glitzerwelt, die uns krank macht…

    2. Ein toller Artikel und ein toller Leserkommentar dazu! Vielen Dank!

      Dazu auch noch eine kleine Ergänzung von mir. Als vielleicht meine „größte“ Lebensleistung würde ich es ansehen, dass es mir als Mann gelungen ist, eine Halbtagsstelle zu bekommen. Genau aus besagten Gründen im Leserkommentar, die ich nur unterstreichen kann. Die dadurch gewonnene freie Zeit ist mit nichts aufzuwiegen. Die materielle Einschränkung ist mir sehr leicht gefallen. Man braucht kein neues Auto, keine Markenklamotten, IPhone, etc. Auch NEM braucht man nicht wirklich, wenn man selber saisonal und immer frisch kocht und viel in der Natur ist. Wildkräuter, und hier vor allem die Brennessel, liefern alles an Vitaminen, was man benötigt.

      Gruß
      Rochus

      1. Hi Rochus,

        großartig! Danke für deinen wertvollen Input. Genau so sehe ich das auch. Wir haben falsche Vorstellungen von „großen Lebensleistungen“.

  2. Wieder mal ein starker Artikel.Menschen sind ja verschieden und bekommen bestimmte Merkmale in die Wiege gelegt.Ich möchte das näher erklären.Wenn ein Mensch krank wird, insbesondere eine schwere Krankheit, braucht er eine gewisse mentale Fitness, diese aktiv zu bewältigen. Es gibt Menschen, die lassen das Leben bzw. die Krankheit über sich ergehen und erkennen nicht, was sie aktiv zur Genesung tun können oder meinen der Arzt und die Tablette wirds schon richten. Selbst erlebt in der Familie mit tragischen Konsequenzen.Dann gibt es den Kämpfertyp, der versucht etwas zu tun und zu ändern, z. B. Lebensstil oder Auseinandersetzung mit einer Therapie usw.Aber auch der Kämfer kann verlieren.
    Immer wieder aufstehen, trotz alledem,so lange es geht,weitermachen, wie Du schon schreibst, aber manchmal sitzt man verdammt tief im Keller.Wenn dann das persönliche Umfeld nicht passt, wird es um so schwerer, sowieso, je älter man wird.
    Insoweit stimme ich mit Dir überein, aber mit einer schweren Grippe sollte man wohl doch lieber ein paar Tage das Bett hüten.Und bei einem Infekt heroisch zur Arbeit zu gehen, hast Du sicher auch nicht gemeint😏

  3. hey Chris,

    „Ja, ich bin verletzt. Ja, mein Körper streikt. Aber ich will! … Ich hätte diese Kraft auch nicht für möglich
    gehalten..“
    Und was räts Du denen, bei denen die Krankheit gerade darin liegt, dass „diese Kraft“ eben nicht (mehr) vorhanden ist, dass genau dieser Wille wie gelähmt erscheint oder gelähmt ist ?

  4. Wow!

    Ich lese bei Euch schon sehr lange mit, habe auch 2 der Bücher und bin sehr stark damit beschäftigt zu lernen, meinen bisherigen Umgang mit den hier behandelten Themen zu überdenken, auszuprobieren, was in meinem Leben für mich und meine Lebensumstände funktioniert und die – für mich – wichtigsten Erkenntnisse in mein tägliches Leben zu integrieren. Aber weil ich bei all dem noch immer kein Profi bin von dem andere profitieren können, schreibe ich normalerweise keine Kommentare.

    Dieser Artikel hat mich allerdings an einem ganz besonderen Punkt „erwischt“. Daher traue ich mich heute. Zunächst jedoch: Allerherzlichsten Dank an das edubily-Team für Eure Arbeit – und Danke auch an die Kommentatoren, die diese Artikel mit ihren Beiträgen bereichern! Ihr hier seid schon eine ganz besonders wertvolle Gruppe – auch wenn ich mit manchem nicht mit kann oder auch mal nicht mit will. Aber es ist MEIN Leben… 😉

    Aus eigener Erfahrung kann ich – sowohl den Artikel – als auch die entsprechenden Kommentare dazu zu 100% – ach was zu 10.000% – bestätigen. Das „wirklich Wollen“ – und das daraus resultierende „Tun“ ist der Schlüssel zu so vielem. Auch wenn das im Krankheitsfall richtig hart sein kann. Es geht wieder einmal darum, im Körper die richtigen Signale/ Reize zu setzen. Mal mit dem entsprechenden Essen, mal mit dem entsprechenden Muskeltraining, mal mit dem entsprechenden „was auch immer“ und im Krankheitsfall mit den entsprechenden Signalen an die Selbstheilungskräfte.

    Eine weise ältere Dame hat einmal zu mir gesagt „Wenn Du alt werden willst, brauchst du jeden Tag einen richtig guten Grund um aufzustehen. Einen, der dich aus dem Bett treibt, auch wenn du dich kaum berappeln kannst!“

    Für die, die mental im tiefen Loch sitzen, gilt es, diesen Grund zu finden. Das ist über-lebens-wichtig. Hast du keinen Grund, hast du nichts, wofür es sich zu kämpfen lohnt, – wo soll dann der Wille herkommen, dich mit dem Aufstehen, mit dem Trainieren, Kochen – oder was auch immer zu tun ist – … zu quälen? Und es ist tatsächlich so: wenn du aufgibst, stirbst du. Erst emotional/ mental und dann irgendwann physisch.

    Für alle die vorbeugen wollen: m. E. kann man dieses Wollen und das daraus resultierende Tun, das sich wieder und wieder Aufrappeln, wie einen Muskel trainieren. Täglich. In dem man sich eigene und – für einen selbst – wirklich sinnvolle Ziele setzt und täglich etwas dafür tut. Gerade auch dann, wenn es einem heute so gar nicht reinläuft.

    Nicht aufzugeben, auch wenn man zum wiederholten Male an der gleichen Stelle „aus dem Spiel geflogen“ ist, versuchen das Ziel auf einem anderen Weg zu erreichen, als auf dem, an dem man gerade wieder gescheitert ist und diese ganzen Dinge sind u. U. recht anstrengend, weil man sich nämlich m. E. zunächst einmal mit dem oben beschriebenen Systerm incl. Hamsterrad auseinandersetzen und seinen wirklichen Platz und seine wirkliche Berufung im System gefunden haben muss. Und sich auch darüber klar werden muss, welchen tatsächlichen – persönlichen – Preis man bereit ist, für seinen Platz im System zu bezahlen.

    Ich glaube, dass man erst dann seinen „wirklich guten Grund“ fürs tägliche Aufstehen gefunden hat – einen guten Grund der trägt auch wenn es wirklich richtig hart wird – wenn man an diesem Punkt mit sich im Reinen ist. Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass die Aussicht auf das neueste Smartphone, die neueste Handtasche, den nächsten Urlaub, den zigsten Social Media Freund (oder like oder …) und solche Dinge im Zweifel nicht dauerhaft tragen.

    „Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ – Immanuel Kants Interpretation von „Sapere aude“ – gilt eben nicht nur für alles rund um edubily, sondern für das gesamte Leben!

  5. Ein sehr gelungener Beitrag, vielen Dank!

    Ich empfehle das Buch „Trotzdem Ja zum Leben sagen“ vom Holocaust-Überlebenden Wiener Psychiater Viktor Frankl, bietet eine Interessante medizinische Betrachtung und viele geschilderte Aspekte können auf das eigene Leben übertragen werden.

    Zum Thema „Bedürfnisse“ in der kapitalistischen Gesellschaft: das Hamsterrad wird langsam aber sicher an seine Grenzen kommen, exponentielles Wirtschaftswachstum auf einem Planten mit begrenzten Ressourcen kann denk-logisch nicht ewig weitergehen, auch wenn der Großteil der Politiker und Ökonomen genau das Vorleben.
    Zum Thema „voluntary simplicity“ und Postwachstumsgesellschaft empfehle ich sehr die Werke und Arbeiten der Professoren Harald Welzer, Niko Paech und Hartmut Rosa.

    Jeder Einzelne kann sich diesem Hamsterrad entziehen, auch wenn es am Anfang schwer ist.

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