Gesundes Essen ist bäh

Da gibt es ein interessantes Buch von einem Neurobiologen und obesity researcher, Stephan Guyenet:

The Hungry Brain: Outsmarting the Instincts That Make Us Overeat

Das hungrige Gehirn. Damit kennen wir uns bestens aus, nicht wahr?

Um was geht’s da?

The Hungry Brain isn’t about denying yourself the food you love, or never eating pudding again, but the bottom line is that we often eat too much and don’t really know why; Guyenet will help the reader to understand exactly why – and more importantly, what to do about it.

Es geht also nicht darum, mal wieder auf das einzuhauen, was wir besonders mögen (oder nicht, Stichwort Kohlenhydrat-Phobie). Es geht viel mehr um die Frage, warum wir oft zu viel essen. Herr Dr. Guyenet erklärt uns also beispielsweise, was da eigentlich im Gehirn passiert, wenn wir bei McDonald’s einkehren.

Wer einen Eindruck von den Buchinhalten haben möchte, der kann sich auch gerne mal das folgende Video angucken. Für die tl;dw-Fraktion, darunter findet sich mein Kommentar.

Also: Wir können mal etwas ganz Wesentliches, ja Bemerkenswertes festhalten.

a) Die Signalwege im Gehirn, die mit Nährstoff-Sensing zu tun haben, scheinen extrem konserviert und uralt zu sein. So extrem alt, dass sie sich im Ratten- und im Menschengehirn wiederfinden lassen.

b) „Gesundes“ Essen wird von Ratten komplett ignoriert, sobald man ihnen zusätzlich Kekse, Salami, Chips, Erdnussbutter, also Essen mit extrem hoher Kaloriendichte, serviert.

Wir hassen also Linsen, Bohnen, Sellerie und so weiter. Und lieben stattdessen Pizza.

Damit ist eigentlich alles gesagt, oder?

Jeder Top-Athlet tut immer so als wäre Training die geilste Sache der Welt. Natürlich nur, damit er damit angeben kann. Die Vier-Augen-Gespräche sind dann immer anders. Dort heißt es dann, „ja, ehrlicherweise macht Training oft echt keinen Spaß“. Das wird dann so im Nebensatz rausgehauen.

Natürlich macht Training oft kein Spaß. Ernsthaftes Training tut weh, man fragt sich währenddessen oft, warum man das eigentlich macht, sucht ständig Ausreden und quält sich die meiste Zeit.

Klar, wir selbst wissen um den Benefit des Trainings. Deshalb tun wir es ja. Wir ignorieren also diese penetrante Stimme in unserem Kopf und machen einfach. An manchen Tagen hat man sogar neurochemischen Rückenwind, manchmal halt nicht und dann tut’s weh.

Dauerhaft einen gesunden Lebensstil zu praktizieren, setzt also vor allem eine Sache voraus:

wir brauchen Eier in der Hose.

Das muss endlich mal im Schädel verankert sein. Nur so entwickelt man auch die nötige mentale Härte, um sich nicht immer und immer wieder konstant selbst zu sabotieren.

Diäten verkaufen sich genau deshalb so gut. Je attraktiver eine Diät aussieht, umso lieber machen wir sie. Wenn eine Diät Kaffee erlaubt, sind wir vielleicht dabei. Wenn eine Diät Sahne erlaubt, noch eher. Erlaubt eine Diät sogar Orangensaft und Käse (Ray Peat lässt grüßen), dann sind wir direkt dabei.

Und so probieren wir alle Diäten der Welt. Und ignorieren einfache, aber harte Wahrheiten. Denn:

Wer will sich schon wochenlang von Gemüse, Reiswaffeln, Pute und n paar Nüssen ernähren?

Das liest sich zwar noch ganz angenehm, aber wer es mal konsequent durchzieht, wird sehen, dass das einfach nicht so viel Spaß macht, unter anderem weil Dopamin fehlt.

Jack Lalanne, das große amerikanische Fitness-Idol, sagte einmal:

Leben kann richtig hart sein. Du musst dafür arbeiten. Sterben ist einfach.

Das ist ernüchternd, nicht wahr? Im Grunde schwimmen wir ein Leben lang gegen einen Strom, erzeugt von unserem eigenen Gehirn.

Stephan Guyenet meint: Unsere Vorfahren hatten Glück im Unglück. Die hatten einfach seltener Zugang zu Fett- und Kohlenhydrat-Bomben, vor allem in Kombination. Fühlte sich im Kopf sicher nicht gut an, die Gesundheit aber profitierte davon.

Soeben lagen zwei Kartoffeln, ein paar Gartenbohnen und ein Steak auf meinem Teller …

Bäh. 

🙂

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6 Kommentare, sei der nächste!

  1. Interessant. Da bei meiner letzten Blutuntersuchung die Nierenwerte nicht erfreulich waren, esse ich die nächsten vier Wochen „Schonkost“.
    Das macht schon nach zwei Tagen keinen „Spaß“ mehr, aber egal ist eben Nahrungsaufnahme und kein Gourmet Marathon.

  2. So ist das eben in unserer heutigen „Spaßgesellschaft“, kaum jemand will sich noch quälen, die meisten können es auch nicht. Werbeverseucht, konsumrauschartig manipuliert und das ganze ungesunde Zeugs so herrlich lecker präsentiert, mit der Zeitknappheit vieler Menschen spielend als „schnell, einfach und garantiert gelingend“ verkauft und dabei überall junge, schlanke und attraktive Menschen auf Party und in Feierlaune. Wer der jungen Frauen heute kann überhaupt noch richtig kochen und nicht nur die Mircowelle für die TK-Pizza halbwegs bedienen? Es ist schwer, sich diesem ganzen verlogenen Mist zu entziehen und den Weg back to the roots zu finden. Allein diese Suche ist „schmerzhaft“ und durchaus lang, und wie wir wissen, will unser Gehirn die schnelle Belohnung und die winkt überall und ruft, iss mich, auch to go, schmeiß mich in die Mircowelle oder mach mich ganz schnell einfach warm! Ein Teufelskreis! 😉

  3. Ich verstehe diese ganzen Diskussionen nicht. Ich meine, wenn es jemand noch nicht mal schafft,
    die Ernährung umzustellen und ein paar Monate und dann auch dauerhaft anders zu essen,
    was will der überhaupt mal schaffen? Arbeit ist auch nicht immer das reinste Glück, egal worum es sich handelt.
    Ich finde, das Schreiben einer Dissertation ist schlimmer als Ernährungsumstellung und Fitnessstudio
    zusammen. Die Memerkung mit den Eiern war schon richtig.

    Unser Gehirn verführt zwar (besonders der unbewusste Teil), aber war haben ja auch einen bewussten
    Teil, der doch ab und an die Führung übernehmen sollte.

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