Zucker gegen Problemzonen

Da gibt es einen schweizerischen Ernährungswissenschaftler, selbst mal Athlet gewesen und arbeitet heute unter anderem für den Bund Deutscher Radfahrer. Er selbst ist in der Diagnostik tätig und arbeitet mit diversen Athleten zusammen.

Jürg Hösli, kann man mal googeln, hat am Anfang dieses Jahres einen interessanten Artikel veröffentlicht, der die Überschrift trägt:

Gegen Problemzonen ist Zucker das beste Rezept

Bevor man einsteigt, könnte man schon mal auf eine andere „Problemzone“ treffen, eine argumentative: Kann man überhaupt Fett an bestimmten Stellen verlieren? Wir dachten doch immer, das gehe gar nicht. Wir hatten dazu mal unsere Meinung geäußert: Na klar, das geht sehr wohl theoretisch. Das lipolytisch aktive und vom Muskel bei Anstrengung sezernierte IL-6 (Interleukin 6) macht es möglich.

Immer wieder kommen Frauen in unsere Beratung mit der Aussage, sie würden sehr viel und intensiv trainieren und immer mehr an den Beinen und Armen zunehmen.

Dafür aber gebe es eine „einfache Lösung“.

Zuerst sei ihm das bei einer Eiskunstläuferin aufgefallen. Die hatte an einem Bein mehr Fett als am anderen. Ein ähnliches Bild ergab sich bei halbseitig Gelähmten, dort war die gelähmte Seite fettfreier. Daraus folgerte er:

Je überlasteter ein Muskel ist, desto schlechter wird das darüber liegende Fettgewebe lokal abgebaut.

Und dann die etwas unorthoxode Lösung:

Bei der Eiskunstläuferin haben wir nach der ersten Messung die Kohlenhydrate vor und während des Trainings hochgefahren. Statt 14 und 18 mm waren zwei Wochen (!) später 12.4 und 13.2 mm zu messen!

Ups! Ein Wissenschaftler würde sofort denken, das Ganze sei so nicht aussagekräftig. Aber dann:

Sofort haben wir diese Resultate mit dutzenden weiteren Personen überprüft. Bei Frauen mit deutlichen Problemzonen an Armen und Beinen haben wir den Zucker während des Trainings hochgefahren. Die Resultate waren eindeutig. Ein Laugenbrot mit Bünderfleisch rund 60 – 90 Minuten vor dem Training, während des Trainings Apfelschorle und nach dem Training einen Schoko-Milchdrink, und die Körperfettfalten an den Beinen und Armen nehmen bei gleichbleibendem Training deutlich ab. Was unglaublich tönt, haben wir in den letzten Jahren an über 4500 Einzelfällen zeigen können.

Die Erklärung hierfür: Isst man bei hoher körperlicher Belastung ganz bewusst Low-Carb, was sich bei vielen Athleten ja bereits herumgesprochen hat, hat man bei hoher Belastung vielleicht eine höhere Fettverbrennung. Der trade off allerdings ist, dass der Muskel gestresster ist und im Endeffekt weniger Fett verbrennt.

Wenn der Muskel weniger Fett verbrennt, braucht er weniger Sauerstoff (Kohlenhydrate verbrennen wir unter Verbrauch von weniger Sauerstoff). Wenn der Muskel aber intensiv arbeitet, ist er mit Sauerstoff eher unterversorgt. Wer nur Wasser nimmt, dem geht auf zellulärer Ebene schneller der Sauerstoff aus, was wiederum für einen höheren Stress sorgt. Und genau dieser Stress scheint auf den lokalen Fettabbau einen grossen Einfluss zu haben.

Zucker, so Hösli, sei nichts Böses, der Zeitpunkt der Einnahme und die Menge mache das Gift. Hört, hört! Ganz im Gegenteil sogar:

„Zucker ist der beste Fatburner und kurbelt bei Überlastung die Regeneration wieder an.“

Wohlgemerkt: Ich persönlich sehe hier nicht unbedingt einen lokalen Fettabbau. Möglicherweise wohl aber einen generellen Fettabbau. Außerdem erscheint mir das Ausmaß schon gewaltig. Nichtsdestotrotz wurde es gemessen. Der Punkt ist viel mehr, und das hatten wir auch schon oft angeschnitten, dass Zucker an sich Magie für den sportlich tätigen Menschen ist. Kein Gift. Sondern ein Helfer gegen Überlastung.

Wer die anderen Artikel, Interviews oder Videos von Herrn Hösli mal anguckt, wird sehen, dass man hier große Überschneidungen findet. Wie gesagt, man kann anhand der Argumentation sehen, wie gereift ein Coach o. Ä. ist. Wir müssen, inhaltlich, nicht immer mit allem einverstanden sein, aber die Art der Argumentation macht den Unterschied. Leider heute nicht mehr so oft zu finden.

Beispiel gefällig?

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4 Kommentare, sei der nächste!

  1. Wiedermal sehr interessant.
    Was für Training machten die Probandinnen denn?
    Spielte es eine Rolle, dass Frauen generell eher „glykogensparender“ sind?

  2. Klingt zu gut um wahr zu sein aber die Ergebnisse scheinen ja für sich zu sprechen 🙂

    Jetzt muss ich nur einen weg finden es bei mir einzubauen. Ich mache 20/4 IF. Gegen 19 Uhr das letzte Essen, am nächsten Tag zwischen 11 und 12 trainieren (Mittagspause) und gegen 15 Uhr das erste Essen.

    Wie gewohnt ein feiner Artikel!

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