Wie du mit diesem einfachen Trick mehr Ketonkörper produzierst

Ketonkörper durch Kaffee

Raucher sind oft schlank oder schlanker als wir.

Gerade neulich ist mir das wieder aufgefallen. Bei einem Geburtstag habe ich mir ein Steak nach dem anderen gegönnt, während der schlanke Herr mit seinem Dampfgerät am gegenüberliegenden Ende des Tisches … irgendwie … einfach keine Lust hatte zu essen.

Ein kleines Stück Fleisch mit ein paar Beilagen hat er schon gegessen. Aber meines Erachtens hat er einfach mal von seinen eigenen Ressourcen gelebt.

Klar, das was ich da gerade beschrieben habe, ist eines von vielen Szenarien. Vielleicht hatte sich der Herr einfach zwei Stunden vorher schon eine nette Mahlzeit gegönnt?

Nikotin allerdings verfügt über ein paar herrliche Eigenschaften. Es bindet an sogenannte nikotinische Acetylcholin-Rezeptoren. Zusätzlich veranlasst es die Ausschüttung von klassischen Katecholaminen wie Noradrenalin, Adrenalin und Co. Unterm Strich sorgt all das dafür, dass unsere Fettzellen Fettsäuren in den Blutstrom abgeben. Einfach so.

Was das macht? Satt und schlank. Wir ernähren den Körper von seinen eigenen Ressourcen. Groß, schlank und ohne Bauch? Morgens, mittags, abends, Kaffee und Zigarettenrauch. 🙂 Ingenieure und andere Macher und Denker kennen sich hier bestens aus. Verliebte übrigens auch. Wobei hier meistens noch ein bisschen Sport dazu kommt.

Genug geflachst.

Kaffee wirkt ähnlich

Da gibt es die Studie von Cunnane und Kollegen. Die haben — mal wieder — gezeigt, dass die Koffein-Gabe, etwa im Bereich von ein bis drei Tassen Kaffee, die Ketonkörper-Konzentration im Blut mal eben verdoppelt. Das ist ganz nett, ist im Wesentlichen allerdings ein Marker dafür, dass Koffein gerade massig Fettsäuren aus dem Fettgewebe freigesetzt hat. Die werden nun oxidiert, also verbrannt, zum Beispiel in der Leber. Ketonkörper entstehen.

Das „Bemerkenswerte“ daran ist, dass die Teilnehmer der Studie, sehr kohlenhydratlastig frühstücken durften, mit Orangensaft, Toast und so weiter.

Das ist jetzt nicht die beste Variante, denn die freigesetzten Fettsäuren sollten ja verbrannt wird. Nichtsdestotrotz finde ich es deshalb „bemerkenswert“, weil seltsamerweise der Irrglaube herrscht, sowas ginge gar nicht. Denn:

Kohlenhydrate = Insulin = keine Fettsäuren im Blut

Ergo: Man könne nur abnehmen bei Kohlenhydrat-Verzicht.

Aus ähnlichen Gesichtspunkten heraus hat sich ein irrer Trend entwickelt, bei dem Menschen das Verhalten von Menschen emulieren, die irgendwo bei eiseskälte im Hochgebirge massig Energie zuführen müssen, um zu überleben. Aus Butter-Tee wurde Butter-Kaffee.

Seien wir fair: Es gibt tatsächlich Menschen, die gerne Fette verbrennen möchten und Energie haben wollen, ohne dabei Gewicht zu verlieren oder abnehmen zu müssen. Die können das entstandene Kalorienloch ja tatsächlich mit einer Ladung Butter füllen.

Es gibt aber viele andere Menschen, die sollten erst mal eine banale Wahrheit kennen lernen: Koffein setzt Fettsäuren frei und die kann man ganz einfach verbrennen.

Verbrannt heißt, ich bin gerade Körperfett losgeworden. Wenn ich also nun wieder Fette zuführe, dann könnte sich das ja theoretisch ausgleichen …

Manchmal verirren sich Menschen im Keto-Irrsinn. Sogar der oft zitierte Dr. Eades, der ja immer wieder geholfen hat diesen Stein ins Rollen zu bringen, hat bei einem Vortrag mal verkündet, dass die Ketose ja gar kein so besonderer Zustand sei. Schon eine Kalorienrestriktion (= Diät) sorge dafür, dass Ketonkörper ansteigen.

Immer diese Kalorienbilanz

Das führt uns letztlich wieder zu den Kalorien. Wir können Fette oder Kohlenhydrate als Energiesubstrat oxidieren. Das hat erst rein gar nichts mit Körperfettverlust zu tun. Senken wir die Kalorienzufuhr, „merkt“ das der Körper und bedient sich am eigenen Speicher — und zwar genau so viel, dass die Diskrepanz gedeckt wird. Also Folge werden Fettsäuren aus dem Fettgewebe freigesetzt und es entstehen als „by product“ Ketonkörper. Ganz ohne Low-Carb. Eine radikale Version dieser „Diät-Form“ gibt es mittlerweile als „Potato hack“ zu kaufen. Funktioniert anscheinend.

Diese einfache und für jeden Menschen eigentlich greifbare Tatsache hat sich in Deutschland noch nicht durchgesetzt. Hierzulande glaubt man noch, Insulin mache fett und Ketonkörper-Produktion funktioniere nur mit Hilfe von Low-Carb und massig Fett (zum Beispiel im Kaffee).

Das sorgt dann dafür, dass der eine oder andere moppelige Kandidat mit Insulinresistenz Low-Carb-Nusstorten mit Sahneberg isst. „Ich fühle mich super, niedriger Glukose-Wert und viel Ketonkörper im Blut.“ Der ist aber immer noch insulinresistent. Noch nicht so viel verstanden, leider.

Für diese Fraktion gilt:

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3 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hi,

    super (erfreulicher) Artikel, da dies ja den meisten relativ leicht fallen dürfte (da Kaffee sowieso getrunken wird)!

    Ich frage mich nur (weil ich zur Teefraktion gehöre), ob mit Grüntee der gleiche Effekt erreicht wird?

    VG

    1. Hey Chris,

      ja, das dürfte für Grüntee auch gelten! Ich glaube sogar, dass Grüntee insgesamt sogar förderlicher wirkt als Kaffee. Kaffee schmeckt m. E. einfach besser 🙂

      LG

  2. Hallo Chris,
    schön, dass ihr zurück seid!
    Danke für dein Hinweis zu Potato-Hack, kannte ich bis jetzt nicht, habe das Buch nicht gelesen, würde jetzt aber behaupten, dass diese Diät, eine der wenigen ist, die wirklich funktionieren.
    Eine Kalorie ist eine Kalorie, ich stimme dir zu. Die Bestandsteile (und teilweise Verunreinigungen) des Essens wirken im Körper unterschiedlich auf Gene aus. Und diese Gene können die Fähigkeit des Körpers Fett zu verbrennen / Energieumsatz zu erhöhen deutlich verändern.
    Ich weiß nicht, wie der Entdecker des Potato-Hacks die Wirkungsweise seiner Diät erklärt, aber meiner Meinung nach hat es wenig mit Ketonkörper zu tun und geht so:
    Die neusten Studien zeigen, dass (intermittierende) Methionin-Fasten fast die gleichen Auswirkungen auf Langlebigkeit und Gewicht hat wie ganz normales Fasten (bzw. Kalorienrestriktion). Die Auswirkungen auf Exprimierung sind gewaltig.
    Weiter sind ein Paar zusammengewürfelte Sätze aus Studien, mit meiner kurzen Werte-Abschätzung:
    In the liver, MR produced a significant downregulation of the lipogenic genes, ACC2 (ca. 2.2-fach), SREBP1c (3-fach), and SCD1 (5-fach) in 12-month-old mice. MR significantly increased hepatic mRNA expression of PPARγ (ca. 1.5-fach), CD36 (ca. 2.2-fach), and adipose triglyceride lipase (ATGL, ca. 1.6-fach) in 12-month-old mice. Increased levels of serum FGF21 by 2.5-fold in 12-month-old mice and significantly increased hepatic gene expression of FGF21. FGF21 induction in the liver is linked to the SIRT1-PGC-1α-PPARa pathway, and we found SIRT1 (1.5-fach) to be significantly increased by MR in 12-month-old mice. Upregulated mRNA expression of ATF4 (ca. 1.7-fach) and SOCS2 (2-fach). Significantly decreased insulin-stimulated IRE1α (2.2-fach) phosphorylation.

    Und was hat das mit Kartoffeln zu tun? Richtig: Kartoffel hat mit die geringste Methionin-Konzentration: ca. 30 mg/100g.
     Man kann also die CR mit einer Kartoffel-Diät „mimmen“.

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