Vitamin-D-Mangel macht Insulinresistenz

Das da oben ist Portofino. Vitamin-D-Mangel ausgeschlossen 😛


Manchmal verwechseln wir Ursache mit Wirkung.

Nehmen wir als Beispiel mal (wieder) das Insulin.

Die Natur hat Insulin nicht gemacht, um den Organismus in seiner Funktion zu beeintrĂ€chtigen. Ganz im Gegenteil. Insulin gibt es, weil es heilend wirkt. Das kann man prĂ€zise erklĂ€ren. Auch die Wachstumshormone IGF und HGH vermitteln ihre zellulĂ€ren Effekte gĂ€nzlich bzw. teilweise ĂŒber diesen Signalweg. Alle Handbuch-Leser erinnern sich: Am Ende der Kaskade steht u. a. mTOR. Das Ganze, von Insulin/IGF/HGH bis nach mTOR, nennt sich anaboler Signalweg.

Anabol. Also: aufbauend.

  • Knochen-aufbauend
  • Muskel-aufbauend
  • Gehirn-aufbauend
  • Immunsystem-aufbauend
  • Fettgewebe-aufb…

Ups! Genau. Insulin sorgt auch dafĂŒr, dass wir nicht von den Knochen fallen. Zumindest, wenn wir es mit einer ordentlichen Kalorienmenge paaren.

ZurĂŒck zur Ursache und Wirkung: Wenn wir dick werden, uns nicht bewegen und die MikronĂ€hrstoffe vergessen (merkste was? so leben wir heute), werden wir insulinresistent. Das Insulin steigt als Folge im Blut an. Viele Menschen machen daraus: Insulin steigt und dann werden wir dick, bewegen uns nicht mehr und … Da sich meistens noch chronische Erkrankungen dazugesellen, mĂŒssen wir schnell einen Feind finden, Insulin. Was ist aber, wenn die fehlende Wirkung von Insulin krank macht, nicht aber die Wirkung von Insulin an sich? Das nĂ€mlich muss man ableiten, wenn man Ursache nicht mit Wirkung vertauscht.

Wer zu dem Schluss kommt, der meidet Insulin nicht mehr, sondern kĂŒmmert sich um die maximale InsulinsensitivitĂ€t. Viele von unseren Lesern haben das lĂ€ngst begriffen!

Feinde können also zu Freunden werden. Und Freunde leider zu Feinden.

Denn wir sagten auch: Insulin/mTOR usw. funktioniert nur im stetigen Wechsel mit Katabolismus, also mit Energieverbrauch, und einer entsprechenden AMPK-Aktivierung. Der AMPK-Signalweg macht langlebig. Teilweise vermittelt werden diese Effekte via FOXO1, ein berĂŒchtigtes Protein, das immer aktiv ist, wenn Insulin niedrig ist. Ergibt Sinn. Wir essen (= anabol = Insulin) und dann essen wir wieder nichts (= katabol = wenig Insulin).

Ich sage deshalb berĂŒchtigt, weil FOXO1 (bzw. manche FOX-Proteine im Allgemeinen) in Kreisen der Langlebigkeitsforscher gefeiert wird. Endlich mal wieder so ein Schalter, der uns gesund und langlebig macht. Logik: Man muss ihn nur dauerhaft drĂŒcken.

Bei edubily lernen wir, dass wir am besten gar nichts dauerhaft drĂŒcken, weil sonst irgendwas anderes kaputtgeht. Überraschenderweise nĂ€mlich findet man Diabetikern dauerhafte FOXO1-AktivitĂ€t, z. B. im Muskel. Klar, Insulin darf nicht mehr wirken. Die mĂŒssten ja supergesund und langlebig sein, nicht wahr?

Nur: FOXO1, wenn chronisch aktiv, schaltet zusÀtzlich das Insulin-Signalling ab. 

Freunde werden zu Feinden.

Warum ich das sage? Weil Forscher letztes Jahr herausgefunden haben, warum Vitamin-D-Mangel Insulinresistenz macht.

Im Labor kann man Tiere zĂŒchten, die keinen Vitamin-D-Rezeptor mehr haben, Vitamin D kann nicht mehr wirken. Damit mimt man dann eine schlechte Versorgungslage. Diese Tiere zeigen Glukoseintoleranzen und Insulinresistenzen.

Warum?

Weil dieser chronische Vitamin-D-Mangel dafĂŒr sorgt, dass FOXO1 dauerhaft aktiv ist. 

Freunde werden zu Feinden.

Vitamin D schaltet das FOXO-Signaling teilweise ab und der Muskel reagiert wieder auf Insulin.

Man kann es ja nur immer wiederholen. Insulinresistenz ist hausgemacht. Viele Menschen in Deutschland tun wirklich alles dafĂŒr, ja betteln quasi, insulinresistent zu sein. Umgekehrt gilt: FĂŒr eine gute InsulinsensitivitĂ€t muss man arbeiten. In erster Linie im Kopf, nennt sich „Denken“.

Chen, S., Villalta, S. and Agrawal, D. (2015). FOXO1 Mediates Vitamin D Deficiency-Induced Insulin Resistance in Skeletal Muscle. Journal of Bone and Mineral Research, 31(3), pp.585-595.

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Ein Kommentar, sei der nÀchste!

  1. „Vitamin-D-Mangel macht Insulinresistenz“ – hoffentlich bald auf ner Titelseite einer Tageszeitung, aber wie so oft, eher ein nicht gewolltes prozedere…
    Dennoch von meiner < Seite ein großes Lob fĂŒr diesen Artikel, sehr gut geschrieben und auf den Punkt gebracht! GrĂŒĂŸe aus Österreich, fĂŒr mich geht es im JĂ€nner fĂŒr 2 Wochen nach Thailand zum Vitamin D tanken!

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