Insulin heilt.

insulin heilt

Unvergessen, als ich das erste Mal verstand, was das Wachstumshormon, Somatotropin, oder, kurz, HGH bedeutet.

Dieses Hormon ist bis heute mein Lieblingshormon, weil ich die Wirkung wie bei keinem anderen Hormon derart live und regelmäßig miterleben konnte, schon als Teenager.

Oft haben wir früher mit Freunden DVD-Abende gemacht. Irgendwann tagsüber noch ein bisschen trainiert, lag man dann abends gemütlich auf der Couch, es ist dunkel, gemütlich, die Filmgeräusche im Hintergrund irgendwie monoton … Was folgt? Die Augen werden schwer. In diesen Momenten hatte ich oft ziehende, tiefe Muskelschmerzen. Viele Sportler werden sich hier auskennen.

Oft bin ich eingeschlafen und irgendwann nach Stunden urplötzlich wieder wach geworden, meistens natürlich geweckt. Die Muskelschmerzen waren weg, stattdessen spürte man die Reste des den Körper vor einigen Minuten gefluteten Wachstumshormons. Die Arterien sind geweitet, der Körper angenehm durchblutet und man ist extrem entspannt. So stellt sich jeder „Regeneration“ vor.

Für mich ist diese Wirkung bis heute immer wieder beeindruckend. Dieses Hormon flickt einen einfach immer wieder zusammen.

Nun … Wenn man sich ein bisschen mit der Wirkung beschäftigt, wird klar, dass vieles davon, speziell am Muskel und den Organen, dieselben Ziele wie Insulin bzw. IGF (Insulin-like growth factor) hat. Mit anderen Worten: Insulin, IGF und HGH haben ähnliche, wenn nicht oft sogar die gleichen Wirkungen auf die Muskeln bzw. Gewebe im Allgemeinen.

Warum ich darauf komme?

Soeben esse ich eine riesige Wassermelone. Noch während ich die verspeise, werden meine Hände, Beine und Füße angenehm warm, auch die Muskulatur strahlt diese typische „Regenerationswärme“ ab, die kommt, wenn der Muskel mit Energie (hier in Form von Kohlenhydraten) plus Insulin versorgt wird oder, wie in der Nacht, mit HGH plus Fettsäuren.

Der eigentliche Punkt ist allerdings: Der Grund, warum Wassermelone hier besonders gut funktioniert, ist der Inkretin-Effekt. Denn Nahrung, die besonders voluminös ist, stimuliert die Ausschüttung bestimmter Hormone im Darm, die wiederum die Insulin-Ausschüttung potenzieren. Logischerweise will man das „mimen“, um Diabetikern zu helfen, die ja oft nicht mehr ausreichend Insulin produzieren.

Für mich ist das der ganz, ganz große Unterschied zwischen dem Verspeisen von Früchten und dem Trinken von Fruchtsäften. Und ein Grund, warum die Kohlenhydrat/Volumen-Ratio enorm wichtig für die allgemeine Stoffwechselgesundheit ist. Man kann es nur oft genug sagen.

Insulin ist kein Gift, das Gegenteil ist der Fall. Jeder Bodybuilder lernt in seiner ersten Trainingsstunde von Papa Rühl, dass Insulin „das anabolste Hormon“ ist und es unbedingt notwendig ist, eine Insulin-Ausschüttung immer und immer wieder zu forcieren, damit der Muskel schön wächst.

Moment: Wir sind ja nicht blöd. Wir haben gelernt, dass Zyklen wichtig sind. Daher möchte ich kurz daran erinnern, dass ich im Laufe des Tages trainiert und sowieso wenig gegessen habe. Wir zwingen die Zelle also dazu, katabol zu werden. Denn nur dadurch wird sie maximal aufnahmefähig und später auch wieder maximal anabol, also soeben, dank der Wassermelone.

Das Schöne ist, dass das nicht nur auf die Muskulatur zutrifft. Auch der Knochen wächst dank Insulin (deshalb macht Insulinresistenz den Knochen schwach), es stimuliert das „Wachstum“ des Immunsystems, den Aufbau von Eiweißen in der Leber, die Reparatur der Gefäßschichten, ja, es schützt in diesen Mengen sogar vor Arteriosklerose, indem es die Ausschüttung von dem uns bekannten NO (Stickoxid, gibt’s ein Heft dazu) forciert — Letzteres ist der Grund, warum Insulin, bei Nicht-Insulinresistenzlern, die Hände und Füße warm macht.

Leider funktioniert dieser „Insulin-Trick“ nicht, wenn man ketogen lebt. Denn das macht unweigerlich und ohne Diskussion eine physiologische Insulinresistenz in Geweben. Glücklicherweise betrifft das nicht das nächtliche HGH — das wirkt immer noch, nur braucht es dafür keinen Insulin-Rezeptor. Aber: es sollte immer daran gedacht werden, dass auch hier Zyklen gebraucht werden. Stimuliert man HGH, etwa beim Fasten, zu oft, gibt es eine periphere HGH-Resistenz und die Wirkung verpufft im Nichts.

Die Natur hat wohl nichts in uns entwickelt, was uns per se krank machen will. Eine große Weisheit, wie ich meine. Wer das mal verstanden hat, sucht den Feind nicht mehr in Form von bösen Makronährstoffen oder bösen Hormonen, sondern denkt ggf. an Mäßigung und Zyklen. Dann klappt es auch mit der in Mode gekommenen metabolischen Flexibilität.

Mäßigung ist eben nicht „Durchschnitt“ bzw. das, was wir mit dem Durchschnitt assoziieren. Ich weiß, wir wollen alle ganz besonders sein. Hilft uns bei der Ernährung leider nicht, im Gegenteil. Der Körper wäre gerne normal, nicht extrem.

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