Haben wir ein Kupfer-Problem?

Kupfer Mangel im Körper?

Wir starten mit zwei wichtigen Punkten:

  • Meines Erachtens richtigerweise schreibt ein Sprössling (dessen Namen ich hier nicht nennen möchte) von Linus Pauling: Tiere bekommen keinen Herzinfarkt. Der Grund heißt: Vitamin C. Tiere nämlich produzieren ihr eigenes Vitamin C, wir nicht (mehr). Auf welche großartige (oder auch nicht) Idee kommt man da? Dazu gleich mehr.
  • Wenn Menschen ein Psycho-Problem haben, also z. B. Burn-Out, kommen sie auf die bisweilen ulkige Idee, ihr Dopamin-/Noradrenalin-Tief mit Mega-Mengen Tyrosin auszugleichen. Tyrosin ist die Aminosäure, aus denen diese Katecholamine hervorgehen.

Oft habe ich schon gesagt, dass die menschliche Physiologie bzw. die Biochemie dahinter ein bisschen komplexer ist. Man kann stupide Logiken nicht einfach auf den Menschen anwenden.

Beispiel Vitamin C: Vitamin C können Menschen nicht einfach so in hohen Mengen, etwa im Grammbereich, ergänzen. Mittlerweile dürfte bekannt sein, dass das keine guten Folgen für die Mitochondrien hat. Darüber hinaus kann der Mensch diesen evolutiven Vitamin-C-Mangel via Blutzellen ziemlich gut kompensieren und hat vermutlich noch andere Wege entwickelt, dieses Antiox-Loch zu kompensieren (z. B. via Harnsäure).

Beispiel Psycho-Problem: Es mag richtig sein, dass beim Depressiven Dopamin und Noradrenalin fehlt, aber daraus gleich ein Tyrosin-Problem zu machen, halte ich für zu kurz gedacht. Denn: Häufig wird vergessen, dass diese Konversionen Hormon- und Enzym-abhängig sind.

Bringt mich zu zwei ganz wichtigen Punkten:

  1. Kupfer ist Teil des wohl wichtigsten Antiox-Systems im Blut bzw. den Arterien, Kupfer/Zink-Superoxid-Dismutase.
  2. Kupfer reguliert z. B. das Enzym Dopamin-ß-Hydroxylase. Dieses Enzym macht die Umwandlung von Dopamin in Noradrenalin (positiver Stress! Raucherhormon!) überhaupt erst möglich.

Frage an dich: Hattest du jemals Kupfer auf dem Schirm?

Die Kupfer-Story

Eine kleine Geschichte:

Ein Wissenschaftler namens Dr. Klevay untersucht(e) zirka drei Jahrzehnte lang die Auswirkungen von Kupfer auf Organismen.

Er startete damit, weil er damals etwas herausfand: Füttert man Versuchstieren viel Schweinefett, werden die krank: Arteriosklerose bildet sich, es bilden sich Blutpfropfen, Arterien verkalken und das Herz zeigt Anomalien. Das „Gegengift“ zu diesen pathologischen Veränderungen war nicht etwas „Fett-Weg“, sondern … Kupfer. Er fand heraus, dass die Nahrung dieser Tiere wohl nicht genügend Kupfer enthielt.

Nach Jahrzehnten war Klevay der Champion unter den Kupfer-Forschern. Er zeigte, dass suboptimale Kupfer-Versorgung zu folgenden Veränderungen führt:

  • Herzinfarkt
  • Blutpropf in Arterien
  • Arteriosklerose
  • Kalzifizierung von Arterien
  • Reißen von Blutgefäßen (= Blutungen)
  • Auffälliges EKG
  • Hohe Cholesterin- und Triglycerid-Werte
  • Hoher Blutdruck

Viele Pathologien gehen aus Kupfer-Mangel hervor

Doch das geht noch weiter: Suboptimale Kupfer-Versorgung führt zu Störungen im Lipid-Haushalt (s. o.), aber auch zu Störungen im Glukose-Haushalt, denn Kupfer-Mangel macht insulinresistent. Neben der Tatsache, dass die Gewebe nicht mehr ordentlich auf Insulin reagieren, wird auch Insulin selbst nicht mehr so stark ausgeschüttet.

Hier noch ein paar ausgewählte Biochemie-Fakten:

  • Kupfer sorgt im Organismus dafür, dass das gegessene Eisen überhaupt verwertbar ist für die vielen Körperzellen.
  • Kupfer spielt eine große bei der Energiegewinnung der Zellen: In der Atmungskette (Mitochondrien) ist es Cofaktor der Cytochrom-C-Oxidase. Eine schlechte Kupfer-Versorgung sorgt für einen Abfall der COX-Aktivität, was letztlich zu einem Abfall der ATP-Werte führt.
  • Kupfer reguliert das Enzym Tyrosinase, das für die Pigmentierung verantwortlich ist (der Sommer wird kommen! 🙂 ).
  • Kupfer reguliert das Enzym Lysyloxidase, das extrem wichtig ist für ein gesundes, elastisches Bindegewebe.
  • Kupfer reguliert das Enzym Thioloxidase, das Disulfidbrücken-Bildung in Proteinen forciert. Das führt via Keratin beispielsweise für stabile Zellstrukturen.

Kupfer macht also sehr viel in deinem Körper. Extrem viel. Mit Eisen und Zink dürfte Kupfer das wichtigste Spurenelement sein, denn es reguliert unzählige Enzyme.

Kupfer reguliert die NO-Werte im Blut

Für unser häufigstes Problem, die Entzündung (Stichwort Arteriosklerose, Stichwort Insulin-Resistenz, Stichwort Zahnfleischrückgang, Stichwort …), ist die von Kupfer regulierte Superoxiddismutase wohl das wichtigste Protein bzw. Enzym.

Denn diese Cu-SOD neutralisiert freie Radikale. 

Damit wären wir beim Grundproblem angelangt. Kupfer schnappt via Cu-SOD freie Radikale weg. Die wiederum machen z. B. unsere Arterien krank oder den Stoffwechsel kaputt, weil sie unser Stickoxid kaputt machen. Tatsächlich entsteht aus unserem so wertvollen Stickoxid ein sehr giftiges Radikal namens Peroxynitrit — verursacht durch freie Radikale.

Umgekehrt sorgt Cu-SOD dafür, dass unsere NO-Werte erhalten bleiben. Wer unsere Werke kennt, der weiß: Wenn NO in den Arterien hoch bleibt, dann sind wir weitestgehend von Arteriosklerose und somit Herzinfarkt etc. geschützt. Übrigens: Genau aus diesem Grund gab es die gelbe Tabelle und einen Text, der dir sinngemäß erzählt hat, dass du nicht Arginin fokussieren sollst, sondern die NO-Verfügbarkeit, denn NO macht der Körper im Normalfall eh genug.

Haben wir ein Kupfer-Problem?

Viele Forscher, die an und mit Kupfer forschen, schreiben: Wir Europäer und Amerikaner haben ein Problem mit Kupfer. Wir schaffen es kaum, die nötige Menge an Kupfer aufzunehmen, die zu allem Übel vermutlich sowieso zu niedrig angesetzt ist. Das Kupfer, das wir essen, kommt zudem hauptsächlich aus Pflanzen, vornehmlich aus Getreide und Hülsenfrüchten. Dieses Kupfer kann der Körper, wie bekannt, schlecht(er) aufnehmen (Phytinsäure!).

Die Abhilfe schaffen Meeresfrüchte. Muscheln, Austern, Hummern, Krabben und so weiter … Oder Innereien wie Leber.

Im Internet finden sich Nahrungsmittel-Listen. Jeder sollte mal seinen Kupfer-Haushalt checken, wenigstens einmal abschätzen, wie viel Kupfer er zuführt. Mein Ratschlag: Lieber auf Nummer sicher gehen und 1-2 mg ergänzen oder, wie oft empfohlen, ein niedrig dosiertes Multi nutzen.

So kann man messen lassen

Wichtig: Kupfer kann man nicht einfach so im Blut messen. Also … man kann es schon messen, aber die Aussagekraft ist nicht gut. Viel bessere Marker wären: Cytochrom-C-Oxidase-Aktivität der Thrombozyten, deren Kupfer-Gehalt oder die Aktivität der Glutathion-Peroxidase. Alternativ auch die Erythrozyten-SOD bzw. das Kupfer-Speicherprotein namens Ceruloplasmin, wobei das eher ein nicht so sensitiver Marker ist, wie bisweilen angenommen.

Also: Bevor sich jemand 10 g Vitamin C oder 10 g Tyrosin reinzieht … Kupfer checken. 

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  • Dennis

    Kupfer im Vollblut ist also nichts?

    • edubilyde

      Als Referenz bzw. zusätzlicher Marker sicher sinnvoll, aber ich würde immer mehrere Marker nutzen, um eine Aussagekraft zu generieren.

  • Csaba

    Danke wieder für den tollen Artikel, welcher wieder zeigt, wenn ein Kettenglied fehlt dann sollte man das fehlende Kettenglied vervollständigen und erst dann die komplette Kette stärken

    • edubilyde

      Danke. Und perfekt ausgedrückt von dir. Genau das meine ich auch.

  • Cagri Meltem

    In einem älteren Artikel von euch hiess es daa deutschland wegen den kupferrohren überkupfert sei.
    Das thema war zink da es ja das Kupfervermindert.
    Jetzt aber ist das gegenteil der Fall ??!!!

    • edubilyde

      Das habe ich so nie gesagt.

      Richtig ist, dass es durchaus möglich ist, dass eine Kupfer-Belastung via Rohre gegeben ist. Das ist ja aber nicht generell der Fall und muss genauso in die Rechnung eingehen, wie im Artikel beschrieben: Jeder sollte gucken, wie viel Kupfer er zu sich nimmt.

      • Peter A.

        Es stimmt allerdings, dass unser Trinkwasser mehr Kupfer enthält, weil der Anschluss an die Stadtleitung in der Regel mit Kupferrohren erfolgt. Vor allem wenn das Wasser längere Zeit in der Leitung steht (über Nacht), kann man deutlich mehr Kupfer nachweisen. Habe ich schon selbst gemacht. Ich erinnere mich aber leider nicht mehr an die Werte. Die meisten Wasserbetriebe bieten einen Analyseservice an, den man evtl nutzen sollte.
        In jedem Falle gilt: wenn man weniger Cu aufnehmen möchte sollte man erst nach dem duschen den Tee kochen.

        Wie siehts mit Cu-und Zn-Werten im Urin aus? Bessere Marker als im Blut?

        Peter A.

  • Thorsten Schütte

    Sehr guter Artikel. So etwas hatte ich bei mir persönlich festgestellt. Zink war u.a. massiv im Keller. Kupfer normal im Toleranzbereich des Labors (Vollblut). Habe monatelang Zink ergänzt; brachte aber nur wenig. Wurde sogar müde davon …
    Erst durch Kupfer ging die „Sonne“ auf.

    1 bis 2 mg schreibt ihr. Es heißt in der Literatur 1/5 oder 1/10 der zus. Zinkmenge. Bei 30mg Zink zusätzlich (als z.B. Picolinat) wären das 3 bis 6mg zus. Kupfer. Oder wie darf man die 1 bis 2 mg verstehen?

    • edubilyde

      Danke dir.

      Ja, das ist oft so. Man drückt irgendwo irgendwo ganz stark, bis man merkt, dass man Justus von Liebig vergessen hat 🙂

      Ich orientiere mich an dem, was gebraucht wird. Nicht an dem, was theoretisch gebraucht wird, wenn ich Zink hochdosiere.

      Wenn du Zink-Chelat nutzt hast du das Kupfer-Problem evtl. nicht mehr. Oder, wie du richtig schreibst, mehr Kupfer. Bei höheren Zink-Dosen macht das dann auch Sinn.

      (Beachten sollte man jedoch immer: Je besser die Bioverfügbarkeit eines Stoffes, umso weniger braucht man. 30 mg Zink halte ich eigentlich schon für die Obergrenze für jemanden, der die Bioverfügbarkeit optimiert hat.)

  • Wolfgang Muees

    Danke, Chris, Durch diesen Artikel, verbunden mit meiner persönlichen Erfahrung, weiß ich jetzt, das Kupfer den Zustand meines Zahnfleisches enorm verbessern kann. Ein echter Erkenntnisgewinn!

  • edubilyde

    Stellvertretend für Manuela Zimmer gepostet:

    Hallo,

    spannender Artikl. Aber ich möchte auch warnen, denn:
    ich bin bei einer Heilpraktikerin in Behandlung, die per
    Haarmineralanalyse einen Kupferüberschuss (und anderes, z.B.
    Östrogendominanz und Erschöpfung der Nebenbieren) festgestellt hat.
    Keine Ahnung, was man hier von diesem Test hält, er gilt oft als nicht
    zuverlässig. Monate zuvor war allerdings auch Kupfer im Vollblut erhöht.

    Jedenfalls hat die Dame einen sehr interessanten Artikel zu Folgen eines
    Kupferüberschusses geschrieben, der mir insofern plausibel erscheint
    (erscheinen soll), weil er mir eine Erklärung für meine
    Gebärmuttererkrankungen (bzw. hormonellen Probleme) liefert, die ich von
    der Schulmedizin nicht erhalte. Er erklärt auch, warum die Gabe von
    Progesteron und pfanzlichen Wirkstoffen mit Wirkung auf Progesteron und
    Östrogen (Mönchspfeffer und Traubensilberkerze – heute frage ich mich
    selbst, warum diese Kombi) innerhalb kürzester Zeit ein Myom wachsen
    ließen, anstatt die Endometriose zu bekämpfen, wie eigentlich gedacht.

    Da sie mir andererseits vom Jodprotokoll abrät
    (bzw. von höherer Einnahme von Jod – ein Artikel hier empfahl kürzlich
    bis zu 6 gramm – sie hat die Erfahrung gemacht, dass man davon eine
    Autoimmunerkranung entwickeln kann, vielleicht Selen vergessen? Ich
    selbst hab eigentlich gar nix gemerkt, ich habe es mehrere Monate
    praktiziert, mein TSH ist allerdings sehr langsam von über 2 auf 1,3
    gesunken, T3 unverändert),
    bin ich (als biochemischer Laie) unsicher, was ich davon halten soll.
    Ich wüde mich freuen, wenn Chris den Artikel mal lesen würde und einen
    Kommentar dazu schreibt? Immerhin kann Kupfer demnach auch enorm viel
    Schaden anrichten (was man von Morbus Wilson ja auch weiß). Der Artiel
    ist hier zu finden:
    http://katiatrost.de/2015/10/06/kupferuberschuss/

    Mein TSH ist inzwischen unter 1, nachdem die Dame meine Ernährung
    normalisiert hat (hatte mich mit dem intermittierenden Fasten
    vergaloppiert).
    Vielen Dank, für deine Abeit Chris. Ich bemühe mich, alles zu verstehen,
    gelingt mir leider nicht immer.
    Viele Grüße
    Manuela Zimmer