Die neue Hadza-Studie: So leben Jäger und Sammler

hadza-studie

Eine neue Hadza-Studie ist erschienen. Im Internet gibt es viele Berichte zu den Hadza. Das ist eine Jäger-und-Sammler-Volksgruppe, die in Tansania ansässig ist. Wenn ich mich recht erinnere gibt es ca. 700 bis 800 Individuen, allerdings verstreut über eine große Landfläche, gruppiert in kleine Gemeinschaften mit ca. 40 Individuen.

Das Bemerkenswerte ist, dass diese Hadza zu den letzten Gruppen zählen, die tatsächlich noch relativiert ursprünglich leben.

Daher finden sich im Internet auch so viele Berichte. Man will natürlich gucken, wie die so leben, was die so machen.

Hadza sind uns bereits bekannt:

Warum mir persönlich Hadza so sympathisch sind, darüber sprechen wir gleich.

Doch jetzt zur Neuigkeit: Gerade erschienen ist eine Arbeit. Dort hat man Hadza-Individuen untersucht und, kurz gesagt, herausgefunden, dass die sich sehr viel bewegen und, man höre und staune, ein gegen Null gehendes Risiko haben, Herzkreislauferkrankungen zu entwickeln.

Ich habe mir also sogleich die Hadza-Studie gekauft und inspiziert.

Ich fasse hier mal zusammen:

Dass Sport wichtig ist, das wissen wir. Darauf brauche ich nicht noch einmal einzugehen. Die Arbeit macht das noch einmal relativ extensiv, aber das interessiert uns gerade nicht. Noch einmal nennen möchte ich das Hormesis-Modell, das auch in der Hadza-Studie aufgegriffen wird: Wir sind wohl adaptiert an den durch Sport induzierten Stress, brauchen ihn sogar, ansonsten atrophieren wir und werden krank („Mismatch-Hypothese“). Darüber hatten wir erst neulich berichtet.

Das Problem: Klingt alles logisch, allerdings beruhten viele Aussagen auf Theorien und Berechnungen. Erste „richtige“ Untersuchungen ließen aufhorchen: Der Energieverbrauch dieser Menschen unterscheidet sich nicht oder kaum von unserem — trotz der Tatsache, dass sie sich viel bewegen müssen. Essen beschaffen, Trinken holen, Feuerholz suchen und Nachbar-Camps (ohne Auto!) besuchen.

Drum: Was ist da los? Das war die Leitfrage der Hadza-Studie

Was hat man gemacht? Man hat den Individuen einfach mal eine Pulsuhr umgeschnallt. Klar: Der Puls reagiert auf die Intensität der Belastung. Daraus lässt sich dann das Aktivitätslevel kalkulieren.

Zur Erinnerung: Uns (genauer: den Amerikanern) wird empfohlen, uns wöchentlich ca. 150 Minuten lang mit moderater Intensität oder 75 Minuten mit intensiver Belastung zu bewegen. Alternativ kann man beides kombinieren. Das nennt sich dann moderate-to-vigorous physical activity oder, kurz, MVPA.

Damit das wirkt, sollte man sich möglichst min. zehn Minuten am Stück bewegen, die oben angegeben Zeit also ggf. stückeln.

Was machen die Hadza?

Die machen MVPA auf täglicher Basis (!), insgesamt 135 Minuten. Nur, damit es klar wird: Die machen das, was uns für die Woche vorgeschrieben wird, an einem Tag! Wir sollen uns zehn Minuten am Stück bewegen, die machen durchschnittlich 76 Minuten am Stück. Am Tag. Doch nicht nur das: Es gibt dort keine Ausreden. Sowohl Männer als auch Frauen bewegen sich sehr viel. Gleiches gilt fürs Alter. Sogar ein Opa bewegt sich so viel.

Was heißt das jetzt übersetzt?

  • Moderate Aktivitäten sind beispielsweise: Strammer Spaziergang, Tanzen, Gartenarbeit, Hausarbeiten, mit Kindern oder Tieren spielen, Getränkekisten oder Einkaufstüten ins Haus tragen.
  • Intensivere Aktivitäten können sein: Laufen, Wandern, zügiges Radfahren, zügiges Schwimmen, Mannschaftssport (Basketball, Fußball, Handball und Co.), schweres Tragen.

Ich denke, wir können uns nun etwas unter MVPA vorstellen. Es ist anstrengend, aber nicht so, dass wir gleich in Ohnmacht fallen. Wenn ich so ein bisschen drüber nachdenke, könnte das genau das Pensum sein, was man als Sportstudent absolviert.

Und was ist mit dem Energieverbrauch?

Der unterscheidet sich tatsächlich kaum von uns. Die Wissenschaftler wissen nicht warum, aber spekulieren: Die könnten das einfach kompensieren, z. B. dadurch, dass sie weniger reproduktive Aktivität (also Sex) zeigen.

Was ist mit der Gesundheit?

Das ist nicht alles: Bluthochdruck ist dort quasi unbekannt, alle Altersgruppen haben einen Blutdruck von ca. 115 bis 126 — Jüngere eher 115, Ältere entsprechend eher 126.

Bemerkenswert ist darüber hinaus, dass diese Menschen sehr niedrige Cholesterin-Werte aufweisen. Von 24 Individuen haben 17 Individuen einen Cholesterin-Wert unter 120. Lediglich zwei Individuen haben einen Cholesterin-Wert über 150. Freilich oft einhergehend mit relativ niedrigen HDL-Werten, um die 35. Triglycerid-Werte waren für unsere Standards relativ normal, bewegen sich so zwischen 60 und 120 mg/dL.

Raffiniert auch: Entzündungen wurden via CRP ausgeschlossen.

Damit (Blutdruck, Cholesterin, Triglyceride, CRP) ergibt sich ein sehr niedriges Risiko für Herzkreislauferkrankungen.

Weißt du auch, was die essen?

Natürlich wissen Wissenschaftler auch, was die an Nahrung zuführen.

Zwei wichtige Anekdoten vorab:

  • Hadza haben morgens kein Frühstück im Camp, sammeln und essen alles während des Tages, wenn sie „auf Tour“ sind.
  • Hadza bezeichnen Wissenschaftler und Besucher bisweilen als „pompom“, was so viel wie „der Dicke“ heißt.
  • Das liegt daran, dass Hadza-Menschen sehr mager sind.

Also: Wir wissen jetzt schon mal, dass die sehr mager sind und vermutlich auch ab und an fasten müssen oder wenig zu essen bekommen, Stichwort temporäre Kalorienrestriktion, alles schon besprochen hier.

Hadza essen:

Ernährungskuchen laut der neuen Hadza-Studie

  • Zu 20 % Beeren
  • Zu 33 % Wurzeln (ja, Kartoffeln und solche Sachen, um in unserer Sprache zu bleiben!) und Baobab
  • Zu 32 % Fleisch
  • Zu 15 % Honig

Die Zahlen können je nach Jahreszeit natürlich variieren, allerdings stammt ein signifikanter Anteil der Nahrungskalorien aus Honig, ein sehr großer Anteil aus Beeren — also Zucker, pur. In der Tat solltest du dir das Video, das ich unten angefügt habe, einmal ansehen und über die Tatsache staunen, dass diese Menschen wirklich sehr fokussiert sind auf Honig.

Nachdem das gesagt ist: Wir dürfen nicht den Fehler machen und glauben, wir — die fetten Nordeuropäer — könnten konstant genauso mager sein, selbst dann nicht, wenn wir das Leben emulieren. Meine afrikanischen Kommilitonen aus Ruanda essen deutsches Essen, aber man erschrickt, wenn man sie berührt. Die bestehen nur aus Muskeln. Da ist einfach kaum Unterhautfettgewebe. Ich weiß, es ist nicht gerne gesehen, aber meine persönliche Erfahrung, auch mit Blick auf gewisse biologische Gesetze (Zusammenhang Habitat-Temperatur und Körperkomposition), sagt mir, dass das ein genetisches Mitbringsel ist. Afrikanische Tiere sind halt von Haus aus mager. Die afrikanischen Volksgruppen sind genetisch oft sehr homogen und alt, weswegen sich hier wahrlich die Anpassung an Nischen zeigt.

Fazit 1

Wir haben also gerade von einer der ältesten Populationen des Menschen gelernt. Sicher, wir können viel davon lernen. Uns sollte aber gleichzeitig bewusst sein, dass afrikanische Volksstämme genetisch sehr alt sind und beispielsweise kein Neanderthaler-Genom (etc.) in sich tragen, auch keine Anpassung an nordische Klimate zeigen, was letztlich dazu führen kann, dass für uns eben andere Spielregeln gelten. Beispiel Fruktose und Zucker. Aber hier möchte ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, das muss erforscht werden.

Wichtiges Fazit 2

Ein großes PS:

  • Punkt 1) Wer unseren Trainingsguide gelesen hat und tatsächlich auch danach lebt, der macht schon sehr viel richtig. Wer ihn nicht gelesen hat, der könnte das Geld jetzt gut investieren.
  • Punkt 2) Man kann sich ja auch mal ein paar Bilder (siehe Video) anschauen — sagen ja bekanntlich mehr als tausend Worte.
  • Punkt 3) Nicht erschrecken. Während wir ganz akribisch die Lebensweise dieser Menschen studieren, rauchen die erst mal nen Johnny — „Living in the moment“ und so … Ab sofort gilt der Joint auch als „artgerecht“ oder „genetisch korrekt“ 🙂
  • Punkt 4) Ähnliches gilt für unsere wirren Vorstellungen, z. B. zum Gender-Thema. Die Grünen sollten mal einen Betriebsausflug in die Savanne machen.
  • Punk 5) Wer Fleisch auf täglicher Basis essen will, der sollte doch auch mal ein Tier töten. Vielleicht steigt dadurch die Wertschätzung und es entwickelt sich ein Bewusstsein dafür.

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