Über Paleo und warum Kohlenhydrate wichtiger werden (youtube-Video)

Paleo Vortrag

Ach ja. Was durfte ich mir Ende 2013, Anfang 2014 von einigen No-Carb-Anhängern anhören. Es reichte von wüsten Beschimpfungen, Respektlosigkeit bis hin zu Drohungen („Ich lasse dich abmahnen“). Kein Witz. Damals dachte ich wirklich, manche Menschen sind richtig krank. Richtig krank. Nicht böse gemeint. Aber das ist das Prinzip Religionskrieg. Wie kann man nur?

Einmal davon abgesehen, dass jede Art von Krieg, jede Art von Auseinandersetzung, jede Art von Anfeindung, egal auf welcher Seite man sich befindet, immer schadet. Selbst dann, wenn man „den Krieg gewinnt“. Daher gehe ich heute auf solche Kommentare (die kommen mittlerweile selten) gar nicht mehr ein. Merkt vielleicht der/die eine oder andere. 🙂

Nein. Unser Ziel war es von Anfang an, so nah wie möglich an der Wissenschaft zu arbeiten. Uns ist dabei wichtig, eben nicht zu spekulieren oder zu raten (Was hat der Steinzeitmensch gegessen?), sondern zu schauen, wie die Zelle reagiert, wenn ich ihr dieses oder jenes anbiete. Das ist speziell dann wichtig, wenn wir über Kohlenhydrat- oder Fettoxidation sprechen wollen mit Blick auf die Gesamtkörper-Gesundheit.

Ich sagte einmal: Vielleicht sollten wir nicht immer nur an Homo sapiens denken, sondern an Säugetiere oder gar an eukaryotische Zellen. Denn klar ist: Selbst Hefen — auch eukaryotische Zellen — sind unseren Zellen sehr ähnlich. Das mögen sich manche Menschen vielleicht gar nicht vorstellen können. Ist ja auch ein bisschen unglaublich. Trotzdem, es gibt sowas wie „evolutiv konserviert“.

Daher sprachen wir über den Randle-Cycle et cetera. Wie wirken Fettsäuren auf die Zelle? Wie wirken Proteine und Kohlenhydrate auf die Zelle? Deshalb tauchen wir ab zu mTOR und AMPK, zu PGC-1alpha und letztlich zu den Gesundmachern, nämlich Mitochondrien.

Heute, also fast Ende 2016, darf ich fast ein kleines Wunder erleben. Ausgerechnet da, wo sonst immer die Paleo-Ideologen sprachen, nämlich auf dem Ancestral Health Symposium (AHS), sehen wir ganz hervorragende Vorträge. So ein Vortrag stammt z. B. von Kyle Mamounis, einem angehenden Doktor in der Ernährungswissenschaften-Abteilung.

Leider mussten wir unseren Vortrag bei der diesjährigen Paleo Convention absagen. Ich denke, ich hätte genau dieses Thema aufgegriffen, denn die Organisatoren der Paleo Convention sind ebenfalls sehr offen und streben auch Fortschritt an. Vielleicht nächstes Jahr dann.

Also: Ein guter Vortrag. Schon alleine, weil er am Ende des Videos genau das sagt, was ich hier noch einmal kurz aufgefasst habe. „Eine große Frage in der Paläo-Community ist, an was wir genetisch angepasst sind. Damit befasse ich mich nicht mehr. Ich versuche, die Zelle zu verstehen. Was ist eine eukaryotische Zelle, was tut sie …“

Schon mal vorab, als kleiner Heiß-Macher:

Ein Argument gegen chronisch „Low-Carb“ ist die CO2-Produktion. Peat-Fans horchen auf: Ray Peat wusste schon seit Jahren, wie wichtig CO2 ist. Low- besser No-Carb-Diäten „produzieren“ pro O2 deutlich weniger CO2 — das kennen wir. Genau das gibt der respiratorische Quotient an, der nichts anderes misst, als das Verhältnis von CO2 zu O2. Bekanntlich ist der RQ niedriger bei reiner Fett-Oxidation, nämlich etwa 0,7. Reine Kohlenhydrate-Oxidation produziert 1,0.

Gewusst? CO2 lässt in den Arterien das von uns gewünschte Stickoxid entstehen. Ich wusste das nicht. So schließt sich wieder einmal ein Kreis.

Das war natürlich nur ein Thema, das der gute Herr angeschnitten hat.

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  • Peter A.

    Die Thesen, die im Video vertreten werden sind ja ziemlich provokant. Das ist natürlich erstmal spannend, aber wieviel Wahrheit steckt drin? Immerhin werden Fette als generell suboptimale Energieträger dargestellt — der zum Teil unerfreulichen Metaboliten wegen. Gilt auch für n-3 Fettsäuren! Einzig die kurzkettigen sollen keine Probleme machen. Das ist schon ein ziemlicher Hammer finde ich.

    Seien wir skeptisch, auch gegenüber Leuten die skeptisch sind. 😉

    Grüße
    Peter A.

    • edubilyde

      Klar, du hast schon recht. Auch er hat argumentative Schwächen. Die hat jeder. Es geht nur darum, immer ein Stückchen näher an das Bessere heranzukommen. Und dabei hilft jeglicher Input, wenn er nicht aus der Luft gegriffen ist.

      Da haben andere schon ganz andere „Hämmer“ gebracht 😉

      LG