Bist du schon ein High-Performer?

Kennst du alle Basics

Wenn du dich mit Gesundheitsthemen (z. B. bei edubily) befasst, dann solltest du dir – wenigstens ungefähr – im Klaren sein, an welcher Position du dich gerade befindest.

Ein Beispiel: Neulich hatten wir’s mal wieder über Low-Carb-Ernährungsformen. Ja, ja, es stimmt. Man könnte den Eindruck bekommen, dass ich total abgeneigt bin. Aber dazu gleich mehr. Also: Neulich Low-Carb-Ernährungsformen … Es kam wieder die klassische Diskussion auf, wo der Erkenntnisgewinn geschildert wurde: Gerade schlanke Menschen (z. B. Sportler) profitieren von einer strengen Low-Carb-Diät, um die letzten (!) (Kilo-)Gramm Körperfett zu verlieren. Stimmt, weiß ich aus Erfahrung. Aber die 99 % der „Normalen“ bräuchte sich über diese High-End-Spielereien keine Gedanken zu machen.

Noch abstrakter: Damals wurde berichtet, dass Lance Armstrong im Grunde behandelt wird wie ein infektanfälliger Krebskranker. Warum? Na, weil dort oben, bei den Überleistern, jedes 0,0001 % entscheidend sein könnte. Also jeder Infekt – und sei er noch so mini. Das braucht freilich kein Einziger von uns.

Also: Die „Position“ ist entscheidend.

90 % von dem, was wir hier bei edubily besprechen, gehört in den oberen 20-Prozent-Bereich. Soll heißen: Jemand, der die unteren 80 % nicht kennt, nicht schon mal gelebt hat, der braucht darüber nicht viel nachdenken.

Ein paar Blog-Beispiele:

  • Eisen wirkt toxisch auf den menschlichen Organismus. Doch Vorsicht: Ein Großteil der „Neulinge“ hier könnte eine gute Portion Leber oder Wiederkäuer-Fleisch durchaus gebrauchen, um überhaupt mal zu ahnen, wie sich Eisen „anfühlt“ – heißt: Viele brauchen nicht darüber nachzudenken, ob sie zu viel Eisen im Körper haben, sondern sollten eher mal über den adäquat-hohen Eisenwert philosophieren.
  • Kein einziger Übergewichtiger braucht über physiologische Insulinresistenz einer Low-Carb-Ernährung nachzudenken, wenn er 35 % + Körperfett aufweist – dann nämlich gilt nichts anderes als Obst, Gemüse, Eiweiß, um schnellstmöglich Gewicht zu verlieren. Wieso überhaupt über etwas anderes nachdenken? Man hat doch jahrelang genug Energie gehortet, die man jetzt einmal sinnvoll investieren könnte. (Doch Vorsicht! Denn gerade Menschen mit viel Körperfett verlieren quasi mit jeder Ernährungsform massiv Gewicht, solange sie schlicht und ergreifend ein paar sinnvollere Entscheidungen treffen. Genau aus dem Grund ist es (fast) egal, ob jemand mit einer veganen, vegetarischen, „normalen“, aber hypokalorischen Ernährung abnimmt.)
  • Viele bräuchten nicht über verschiedene Muskelfasern, ihre Funktion oder sonst was nachzudenken – sie sollten erst einmal zusehen, ihren Popo in aller Regelmäßigkeit zu bewegen, völlig gleichgültig, welche Art der Bewegung es ist.

Und so weiter.

Das, was wir hier zum Großteil machen, ist fachidiotisches Fachsimpeln für Menschen, die glauben, sie seien jetzt auch ein Fachidiot, hätten also genug Erfahrung, hier mitreden zu können. Natürlich wollen auch wir helfen, die Basics an den Mann zu bringen. Aber von dieser Sorte „Lehrer“ gibt es unendlich viele im Internet. Daher gehen wir das hier ein wenig anders an, detailverliebter, mit mehr Hintergrundanalysen, ein wenig „härter“ und nicht so „soft“, heißt konkret: Bei unseren Lesern läuft es eben nicht so einfach rein wie bei anderen, da tut die Arbeit manchmal ein bisschen weh.

Bei uns kann jeder profitieren, jeder lernen, gar keine Frage, einzige Voraussetzung:

Wichtig ist, dass jeder von euch immer seine eigene Position im Blick behält, immer weiß, welche Treppenstufe er gerade besteigt. Denn nur wenn man sich darüber im Klaren ist, kann man auch die Relation zu anderen Texten, die man im Gesundheitsinternet findet, richtig einschätzen. Häufig nämlich widersprechen sich Autoren nicht, sie sprechen nur …

… von einer anderen Position. 

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  • Michael Reymann

    Danke für diesen Artikel. Es sind immer wieder die Diskussionen hochgekocht nach dem Motto: „Bei MIR hat die Ernährungsform xy funktioniert (in der speziellen Gruppe, die ich meine, steht xy hauptsächlich für No Carb), also ist das die einzig Richtige. ALLE anderen müssen das deshalb jetzt auch tun.“ Dein Statement kommt gerade richtig, weil Du auch persönlich angegriffen wurdest. Da passt z.B. einer Deiner Artikel nicht zum „Ernährungsweltbild“ einer Person. Die Reaktion darauf ist, man verweigert oft schon allein die Auseinandersetzung mit den Gegenargumenten und Fakten. Stattdessen heißt es, der Michalk verunsichert die Leute nur und er verfolgt ja eh nur seine eigenen Interessen. Deinen Artikel in einem Wort zusammengefasst, würde ich sagen: DIFFERENZIERUNG. Sich darauf einzulassen scheint für manche immer noch schier unmöglich zu sein.

    • edubilyde

      Hey Michael,

      danke dir für deinen Kommentar!!

      Die Anfeindungen verstehe ich nicht, schon von Anfang an nicht. Ich habe auch oft genug hier (und sogar im Buch) geschildert, dass Phasen mit niedrigen Insulinwerten (Fasten, IF oder eben keine Kohlenhydrate/wenig Protein, je nachdem) essentiell sind. Unser Anliegen war oder ist es, zu zeigen, dass es zwar wichtig ist, aber andere Aspekte sind ebenso wichtig, die aber heute dank viel Dogmatismus und, ja, Ideologie nicht akzeptiert werden wollen. Dabei sind die Intentionen (z. B. derjeweiligen Autoren) oft gar nicht so verschiedenen, wie es auf einige wirkt.
      Wir haben wirklich einiger Leser, die mich von Anfang an nicht mochten und lieber weiter stur ihr No-Carb-Schema praktiziert haben. Überraschenderweise hat mir wirklich ein Großteil davon per Mail zukommen lassen, dass es ihnen dank meiner Ausführung hier (und dem Spielen mit der Kohlenhydratmenge) besser geht.

      Du schreibst es richtig: Differenzierung. Das erfordert aber Mut, Wille und Anstrengung, statt einfachen Lösungen und wenig Denkarbeit …

      • Son Goku

        Es ist leider so, dass bei vielen ihre Ernährungsweise oder Ernährungssystem zu einer Religion wird. Gegner sind Blasphemisten, die es zu bekriegen gilt. Die es ggf auch zu bekehren gilt. Man will seinen Glauben durch nichts erschüttert sehen. Das ist wie als hätte man Jahre lang geglaubt die Erde sei eine Scheibe und dann kommt einer und sagt die Erde ist eine Kugel. Und noch schlimmer, die Erde dreht sich um die Sonne und nicht umgekehrt. Auf den Scheiterhaufen mit dem Ungläubigen. Man ist da so drin und so überzeugt, dass man alle Fakten einfach abtut und den Teufel selbst dahinter vermutet. Einen ungläubigen, der einen vom eigenen Glauben abbringen will. Und den gilts natürlich zu bekriegen. So sehr steigern sich die Leute in ihr Ernährungssystem rein. Um so extremer es ist umso stärker. Weil umso exklusiver sieht man sich und seine Einstellung und mit umso mehr Gegenwehr und Uverständlichkeit rechnet man. Und dann kommt auch die ganze Kritik und dann steht man da wie ein Fels und sagt sich: „Haha, damit habe ich gerechnet ihr ungläubigen, aber mich bekommt ihr nicht von meinem Weg ab. Mein Weg ist hart und rau. Aber ich werde dabei bleiben. Ich bin felsenfest von ihm überzeugt. Denn ich glaube daran“

        • Jörg

          Ich Teile die Ansicht, das es viele Fanatiker und Dogmatiker in Ernährungsfragen gibt. Aber manche Kommentare der „Gegenseite“ klingen natürlich auch ein wenig nach no carb bashing und auch häufiger mal nach „was sind die Anderen doch beschränkt im Gegensatz zu uns“. Nun kennen wir ja alle die menschlichen Schwächen, wie zum Beispiel Mangel an Differenzierungsfähigkeit. Aber viele kommen natürlich auch von einer normalen, sprich mit Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß ausgestatteten Ernährung, haben damit Schiffbruch erlitten und dann mit low carb eine deutliche Verbesserung ihrer Situation erfahren. In unseren Breitengraden dürfte das der Mehrheit so gehen. Und diese Erfahrung steht dann eben im Widerspuch zu vielem hier diskutierten. Jemand hat da mal den Begriff der Relevanz ins Spiel gebracht. Wenn Du schlank und jung bist und vielleicht noch Leistungssportler, sieht Dein Stoffwechsel eben anders aus, als wenn Du ihn Dir durch zähes Einhalten der Western Diet zerschossen hast und Sport eher von der Couch aus verfolgst.
          Ein Mangel an der ganzen Diskussion ist meines Erachtens auch, das der Begriff „Kohlenhydrate“ viel zu ungeeignet für den Kern des Problems ist. Kohlenhydrate aus Obst, Gemüse und Salat, aus Pilzen, Nüssen usw. oder Kohlenhydrate aus Brot, Pasta, Schokolade, Chips, Pommes sind eben zwei paar Schuhe, auch wenn sie auf zellularer bzw. molekularer Ebene am Ende energetisch identische Prozesse durchlaufen. Hier nicht immer unterschiedslos von Carbs zu reden wäre sicher auf beiden Seiten ein Zeichen der Differenzierungsfähigkeit, jedenfalls wenn man nicht auf strenge Ketose hinaus will. Chris bemüht sich darum immer mal wieder, aber ein wenig Freude am Provozieren durch unerwartete, wenn auch formal richtige Statements merkt man dem ganzen schon an. Ich finde das bereichernd, aber für manchen mag das auch aufgrund seines Leidensweges schwierig sein, Dogmatiker mal außen vor, die es immer gibt. Deswegen finde ich diesen Artikel wichtig und richtig. Viele Grüße Jörg

      • Thorsten Stock

        Leider sind in unseren gegenwärtigen Zeiten vermehrt Menschen verunsichert und orientierunglos. Vermutlich nicht zuletzt auch wegen einer zunehmenden Überinformation. Auf ihrer Suche nach Konstanz und Beständigkeit werden dann schnell vermeintliche Erkenntnisse und Weisheiten zu einer Art dogmatischer Ersatzreligion. Da wird dann schnell aus einer Kritik oder aus einem bloßen Hinterfragen gleich ein persönlicher Angriff; bzw. wird als solcher Interpretiert. Schließlich kratzt da jemand am eigenen Weltbild.

        Man kann es in der Tat nicht oft genug wiederholen: Differenzierung tu Not!

        LG,
        Thorsten

  • edubilyde

    Na ja, Jörg: Egal, welche Ernährungsform du dir anguckst, bei jeder wirst du zig tausende Beispiele finden, wo Menschen ein komplett neues Leben geschenkt bekommen haben.

    Für mich fängt Dogmatismus und Ideologie, meinetwegen auch Glauben, dann an, wenn Kohlenhydrate in den Mittelpunkt des Schaffens und der Gesundung gestellt werden (ohne dabei sämtliche Kernkonzepte zu berücksichtigen). Ich sagte einmal hier vor wenigen Tagen: Es nicht die Ernährungsform, sondern der Ernährungstatus, der letztlich entscheidet und sämtliche metabolische Anomalien hervorbringt. Und selbst hier gibt es etliche Beispiele: Deine ganze metabolische Situation lässt sich ganz massiv verbessern nur durch Gewichtsverlust, völlig egal, wie der erreicht wurde.

    Das, was wir hier im Blog schreiben, betrifft die Alten oft noch mehr als die Jungen.