Warum dich Trainingsbooster fett machen

Machen dich Trainingsbooster wie jack3d fett?

Vorwort

Viele unserer Leser werden ihn von Team-Andro kennen: Frank. In aller Regelmäßigkeit werden dort u. a. Artikel von ihm veröffentlicht. Auch eine Biochemie-Reihe könnte ihr dort finden.

Frank hat soeben ein Buch veröffentlicht, das – für unsere Leser – spannende Themen, oft auch kritisch, anschneidet. Den Link zum Buch findet ihr am Ende des Artikels.

Gastartikel von Frank

In den letzten Jahren hat die Fitnessszene nachhaltige Veränderungen in fast allen Bereichen durchlaufen. Als allgemein akzeptierter Lifestyle wird Fitness in vielen Lebensbereichen präsentiert. Sei es Kleidung, Ernährung oder das aktuelle Profilbild auf Social-Media-Plattformen. Ein weiterer Aspekt, der spätestens nach dem Verbot von Jack3D Einzug hielt, ist die Jagd nach dem besten Booster. Ohne sich der hormonellen Konsequenzen bewusst zu sein …

Die Erben von Jack3D

Begonnen hatte alles mit dem Booster Jack3D der Firma USPLaps, der im Sommer 2012 in der EU verboten wurde. Grund dafür war der Inhaltsstoff Methylhexanamin, besser bekannt unter der Bezeichnung DMAA, welche ausschlaggebend für die zu spürende Wirkung des Boosters war. Dabei handelt es sich zwar um kein Derivat der Droge Amphetamin, wie es oftmals falsch dargestellt wurde, jedoch ist die chemische Struktur sehr ähnlich, so dass im Körper die gleichen Rezeptoren angesprochen werden.

Ein Jahr später, 2013, wurde DMAA schließlich auch in den USA verboten und löste damit die eingangs erwähnte Jagd nach dem neuesten, effektivsten und am stärksten ballernden, wie es so schön beschrieben wird, Wirkstoff aus.

Trainingsbooster und Amphetamin im Vergleich
Oben: Amphetamin Unten: DMAA

Mit DMBA wurde schnell ein Kronprinz gefunden und in Deutschland ähnlich zügig verboten.

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Und während die letzten eisernen DMBA-Booster-Reserven zu Neige gingen, schlug der Supplementemarkt Anfang 2016 erneut zurück und präsentierte mit DMHA eine Substanz, die in etwas gemilderter Form dieselbe Wirkung an den Tag legt, wie DMAA … oder eben die bereits erwähnte Droge Amphetamin.

Harcore-Booster sind Cortisol-Booster

Wenig Beachtung finden in diesem Zusammenhang Einflüsse auf den menschlichen Hormonspiegel, was zu einer geradezu bizarren Tatsache führt: Während die erste morgendlichen Mahlzeit für manch Hobby-Bodybuilder nicht schnell genug vom Magen ins Blut übergehen kann, um den vermeintlich diabolischen Coritsol-Spiegel abzusenken, treibt man diesen mit Hardcore-Boostern in ungeahnte Dimensionen. Warum?

Anschaulich wurde dies bereits in den 1930er durch den Psychologen Hans Selye dargestellt, ohne, dass dieser Wissen über Reaktionen innerhalb des Körpers hatte, wie wir es heute besitzen.

Selye entwickelte ein Stressmodell, das 4 Phasen durchläuft:

  1. Stressauslöser (Gewicht übt spürbaren Widerstand auf Körper aus)
  2. Adrenalin-Anstieg (schwerer Trainingssatz beginnt)
  3. Erhöhte Leistungsfähigkeit (… die im Trainingssatz zu Gute kommt)
  4. Erschöpfung (körperlich, wie mental nach wirklich harten Trainingssätzen)

Die vierte Phase kann sich nicht nur körperlich durch Sauerstoffschuld am Ende von schweren Trainingssätzen zeigen, sondern wird dem ein oder anderen Trainierenden auch mental bekannt sein, wenn er sich zuvor auf die Übung fokussierte.

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Entsprechende Hardcore-Booster machen die dritte Phase nun zu einem andauernden Zustand, die dem Körper die notwendige Erholungsphase verwehrt.

In der Konsequenz beginnt der Körper nicht nur in Phase zwei den „Kickstarter“ Adrenalin zu produzieren, sondern sorgt nach knapp 30 Minuten für einen Anstieg des Cortisolspiegels.

Eine biochemische Reaktion, die für die Droge Amphetamin längst bekannt ist.

Warum Hardcore-Booster fett machen

Cortisol wiederum führt, wie den Leser von edubily.de zur Genüge bekannt sein sollte, zum Anstieg der Glukoneogenese, dem Abbau von Muskelprotein und dem damit einhergehenden Anstieg von Aminosäuren im Blut, aber auch zur Freisetzung von Fettsäuren. Ein Überfluss an Nährstoffen wird endogen zur Verfügung gestellt.

Kommt nun die im Bodybuilding fast schon obsessiv betriebene Post-Workout-Ernährung exogen hinzu und wird ein PWO-Shake mit lächerlich vielen Kohlenhydraten in den Körper geschüttet, sind die Weichen auf Zustände gestellt, die eigentlich jeder Mensch versuchen sollte zu vermeiden.

Wer nach dem Training auf der faulen Haut liegt, versuchend das Booster-Koma zu überstehen, und sich am liebsten intravenös die schnellen Kohlenhydrate spritzen würde, wird zum Folterknecht der eigenen Bauchspeicheldrüse, die versucht, den Körper vor der Hyperglykämie zu schützen.

Gleichzeitig sorgt die Untätigkeit dafür, dass der Körper mit (zu vielen) Nährstoffen überschwemmt wird. Wer glaubt nach einem einfachen Krafttraining im Studio 70, 80 und mehr Gramm Kohlenhydrate zu benötigen, überschätzt die Intensität seiner körperlichen Belastung. Spült er diese in das beschriebene hormonelle Szenario, führt kein Weg mehr an der eigentlich ungewünschten Fetteinlagerung vorbei.


Der Autor 

Der Autor dieses Artikels betreibt die letzten 18 Jahre diverse Sportarten und nahm erfolgreich unter anderem an Wettkämpfen im Kraftdreikampf, Bodybuilding und Strongman teil.

Auf seiner Homepage www.become-fit.de bietet er individuelle Trainings- und Ernährungsberatung und -betreuung an. Darüber hinaus veröffentlichte er 2016 sein Buch „Ernährung für (Kraft-)Sportler: Intermittent Fasting 2.0“, das evidenzbasiert aktuellste Sportliteratur zusammenfasst. Das Buch gibt es hier bei amazon.


Bildquellen: 

https://de.wikipedia.org/wiki/Methylhexanamin#/media/File:Amphetamine_%26_Methylhexanamine_similarity_V.2.svg

http://www.nsf.org/images/nsf/141007_dmba.jpg

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  • Cemre

    Das Stressmodell nach Selye wurde wohl missverstanden.
    Es besteht aus 3 Phasen, die man auch auf Krafttraining anwenden kann:
    1. Alarm (Trainingsreiz, stark genug um die Homöostase zu stören)
    2. Resistance (Strukturelle und funktionale Anpassung ans Training)
    3. Exhaustion (Insgesamt zuviel Stress für den Körper, es kommt zu Overreaching / Übertraining)
    Ganz vereinfacht gesagt.

    Die Hypothese des Autors ist auch nicht ganz schlüssig.
    Ja, die Stressachsen werden stärker aktiviert mit Booster und man hat wahrscheinlich mehr Fettsäuren im Blut als ohne Booster.
    Die werden ja auch (teilweise?) verbraucht durchs Training.

    Insgesamt mMn ein schwacher Artikel für das ansonsten hohe Edubily-Niveau.

    • Frank-Holger Acker

      Es stimmt, das Stressmodell wird in der Regel in 3 Phase beschrieben. Gibt jedoch auch Darstellungen in 4 Phasen, wobei ich diese als anschaulicher für den Zweck hier empfand (die Rückkehr zum Ausgleich ist hier darüber hinaus grafisch mit eingefügt, könnte man auch als fünfte Phase bezeichnen, wenn man es noch stärker differenzieren will).

      Bei den Boostern geht im Speziellen um Hardcore Booster mit den genannten Wirkstoffen, nicht Booster allgemeinen.

      Und der Verbrauch durch Training wird im Kraftsport zT stark überschätzt (sowohl Energie als auch KH im speziellen). Wenn so etwas dann noch in einem Gesamtbild von Pre- und Postworkout-Nutrition gesehen wird, um so mehr.

      Natürlich hat niemand Love Handles von DMAA Boostern. Aber generell treibt man damit die dargestellten unerwünschten Effekte im Körper an. Ich schrieb ja auch nicht, dass man wie Seyles Ratten sterben wird, sondern eben nur, dass entsprechende Einflüsse hormonell ablaufen werden (für Amphe nachgewiesen). Das berühmte „Booster-Loch“, das bei entsprechenden Produkten entsteht, ist n guter „spürbarer“ Indikator, der bei regulären Produkten so auch nicht eintreten sollte. 🙂

      Und ja, der Artikel ist ne andere Liga als das, was hier sonst veröffentlicht wird. Vllt auch von der „betroffenen Leserschaft“ weniger das, wer hier normalerweise Informationen sucht.
      Von meiner Seite aus geschah das bewusst, die Macher der Seite fanden dann zumindest, dass dafür „Platz“ ist.

      Lg der Autor

      • Cemre

        Hallo, ist vielleicht falsch rübergekommen. Der Message des Artikels stimme ich ja zu, niemand braucht sich 3x/Woche mit Postern zudröhnen. Danke für die Antwort!

  • phil

    Finde den Artikel gut.
    Das „Hardcore-Booster“ vermutlich ungesund sind, hatte ich schon länger in Vermutung. Mein kleiner Bruder meint auch einen Booster zu brauchen. Der bekommt den Artikel nun erstmal vorgesetzt 😀

    Ich habe selber schon etwas mit selbst gemachten Boostern herum experimentiert. Für mich persönlich funktioniert Tyrosin+DLPA+Taurin sehr gut. Habe auch kein Loch oder Hänger nach dem Training. Tendentiell geht es mir mit den Aminosäuren danach sogar besser. Leichte Bedenken habe ich aber schon noch irgendwie. Jeweils 2g ist wohl nicht gerade niedrig dosiert.

  • Nick

    Sehr guter Artikel! Wer in den sozialen Netzwerken in Fitnessgruppen unterwegs ist, dem fällt schnell auf, dass es sich in 90% der Beiträge der dortigen „Sportler“ um besagte hardcore Booster dreht. Ich frag mich auch ehrlich, wie man für 60min „super geiles Training, krasser Pump, voll der Tunnelblick“ 4 Stunden Crash in Kauf nimmt 🙂 Dieser Crash sagt doch eigentlich schon alles darüber aus wie es im Körper wirkt.