Wie gefährlich sind Amalgamfüllungen? (Gastartikel)

Sind Amalgamfüllungen gefährlich?

Jeder kennt sicher die schwarzen Punkte im Gebiss, welche bei manchen lachenden Menschen zum Vorschein kommen. Amalgamfüllungen werden seit Jahrzehnten eingesetzt, um Karieslöcher in Zähnen zu behandeln. Ganz unbedenklich scheinen sie nicht, bestehend sie doch zu 50 % aus Quecksilber.

Um herauszufinden, wie schädlich oder ungefährlich solche Füllungen für die Gesundheit sind, habe ich einige Studien zu diesem Thema herausgesucht. Zuerst gilt es aber noch zu klären, weshalb wir uns überhaupt diesem potenziellen Risiko in unserem Mund aussetzen.

Warum wird Amalgam verwendet?

Die Antwort liegt in den Eigenschaften von Amalgam, das eine Mischung aus dem bereits erwähnten Quecksilber sowie anderen Metallen wie Silber, Zinn und Kupfer darstellt. Es ist vor dem Aushärten sehr leicht zu bearbeiten, was besonders für Behandlungen im Mund ein wichtiges Kriterium ist. Dadurch werden Behandlungsfehler minimiert und schwierige Eingriffe erleichtert.

Nach einigen Minuten wird die Mischung fest und zurück bleibt eine widerstandsfähige Füllung, mit der momentan keine der Alternativen wie Kunststoff oder Gold mithalten kann. Natürlich ist auch der Kostenfaktor ein wichtiger Grund für den weitverbreiteten Einsatz von Amalgam. Die Krankenkassen in Deutschland übernehmen nur diesen billigen, aber stabilen Füllstoff, für andere Materialien muss man zuzahlen.

Wie gefährlich ist Amalgam?

In Schweden, Dänemark und Norwegen ist der Handel mit Quecksilberprodukten, darunter Amalgamfüllungen, mittlerweile stark eingeschränkt. Als Grund werden nicht nur gesundheitliche Bedenken, sondern vor allem auch der Umweltschutz angegeben. Wird das Dentalquecksilber nämlich nicht ordnungsgemäß entsorgt, kann es im Grundwasser landen und dort zu Belastungen führen.

Auf Drängen der skandinavischen Länder hat sich ein wissenschaftlicher Beratungsausschuss der EU-Kommission im Jahr 2014 den Gesundheits- und Umweltaspekten von Amalgam genauer gewidmet. Der Bericht kommt zum Ergebnis, dass Quecksilber in Zahnfüllungen ein eher geringes Risiko darstellt. Es konnte keine eindeutige Beziehung zu Gesundheitsbeschwerden und Amalgammenge im Mund gefunden werden.

Im schlechtesten Fall kann bei hoher Zahnarztdichte sowie unsachgemäßer Entsorgung eine indirekte Gesundheitsbelastung durch Quecksilber in der Umgebung entstehen. In Deutschland ist das aber so gut wie ausgeschlossen, weil hier hohe Standards für Zahnarztpraxen gelten.

Amalgamträger haben zwar deutlich erhöhte Werte anorganischen Quecksilbers im Blut, diese liegen jedoch laut Prof. Stefan Halbach vom Helmholtz-Forschungszentrum Neuherberg (Vormals GSF) Halbach aber „weit unterhalb des für die Gesundheit kritischen Bereiches“1.

Schon 1998 konnte eine Studie mit rund 5000 Teilnehmern keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Amalgamfüllungen und dem Auftreten von Gesundheitsbeschwerden feststellen2.

Woher kommen also die Beschwerden?

Ein großer Teil der oben erwähnten Studienteilnehmer hatte mit gesundheitlichen Beschwerden zu kämpfen. Auch wenn Amalgam für die meisten Menschen zumindest aus biochemischer Sicht unbedenklich zu sein scheint, gibt es doch immer wieder konkrete gesundheitliche Bedenken im Zusammenhang mit diesem Wirkstoff. Was ist also der Grund für diese Beschwerden?

Eine große Rolle scheint hier die sogenannte psychogene Amalgamunverträglichkeit zu spielen. Das ist in etwa ein negativer Placeboeffekt. Oftmals enden die Beschwerden der Betroffenen erst, wenn die Amalgamfüllung entfernt wird. Das hat aber wohl mehr mit der Psyche als mit dem Quecksilber in den Zähnen zu tun.

Eine aktuelle Studie der TU München hat zu diesem Zweck Patienten mit vorher nicht behandelbaren Amalgambeschwerden in drei Gruppen geteilt3:

  • Teilnehmern der ersten Gruppe wurden die Füllungen entfernt
  • die zweite Gruppe erhielt eine Entfernung sowie zusätzliche Vitamine im Rahmen eines „biological detoxification“ Programms
  • die dritte Gruppe behielt die Füllungen und nahm an einem Psychotraining zur Verbesserung des Lebensstils, Entspannung und Ernährung Teil

Das Ergebnis unterschied sich in keiner der drei Gruppen statistisch signifikant. Alle von ihnen berichteten am Ende der 18 Monate dauernden Studie von verringerten Beschwerden. Eine Entfernung von vermeintlich „schädlichen“ Füllungen scheint also durchaus zu wirken. Das Ergebnis lässt aber darauf schließen, dass vorwiegend psychische Effekte oder ein ungesunder Lebensstil die (Haupt-)Ursache für die Beschwerden zu sein scheinen, weniger der Füllstoff selbst.

Ist Amalgam deshalb unbedenklich?

Es gibt durchaus auch eine „echte“ Unverträglichkeit gegen Amalgamfüllungen. Meist äußert sich diese recht deutlich durch Entzündungen am Zahnfleisch. Natürlich können auch allgemeinere Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Müdigkeit auftreten.

Viel wahrscheinlicher ist in diesem Fall aber keine Allergie gegen Amalgam, sondern andere Ursachen. Neben den bereits erwähnten psychogenen Effekten kann zu Beispiel auch ein gereizter Nerv oder eine falsch angebrachte Füllung der Grund für die Beschwerden sein. Oft hilft dann eine erneute Behandlung, wobei die Beschwerden fälschlicherweise dem Amalgam und nicht dem vorherigen Zahnarztfehler zugeordnet werden.

Alternative Füllungen

Wer allerdings mit Nebenwirkungen zu kämpfen hat, für den gibt es glücklicherweise zahlreiche Alternativen zu Amalgam. Am beliebtesten sind wahrscheinlich die weißen Kompositfüllungen. Das Kunststoffgemisch sieht nicht nur sehr viel besser aus als die schwarzen Flecken, sondern sorgt für viele mit Amalgambeschwerden für eine spürbare gesundheitliche Besserung. Auch Gold wird immer wieder in Zahnfüllungen verwendet, da es äußerst widerstandsfähig ist.

Meist sind diese Lösungen aber deutlich teurer und können in Sachen Haltbarkeit nicht mit den schwarzen Füllungen mithalten. Während meiner Recherchen stellte sich außerdem heraus, dass diese Alternativen mindestens genauso oft allergische Reaktionen hervorrufen können wie Amalgam. Glücklicherweise bleibt der überwiegende Großteil der Patienten von diesen verschont, egal welche Variante zum Einsatz kommt.

Was empfehlenswert ist

Einen Königsweg gibt es somit beim Thema Zahnfüllung nicht. Auch wenn ich nach Durchsicht der Faktenlage der Auffassung bin, dass Amalgam nicht schlechter als seine Alternativen ist, konnte ich in meinem persönlichen Umfeld einige Bekannte beobachten, welche unter Amalgambeschwerden litten.

Falls Beschwerden auftreten, dann sollte man sie natürlich ernst nehmen und an einer Lösung des Problems arbeiten. Erfolgsversprechend können neben zahnärztlichen Behandlungen auch Methoden sein, die auf einen gesunden Lebensstil bauen. Dieser scheint bei vielen allgemeine Beschwerden wie Energielosigkeit, Gliederschmerzen oder Müdigkeit zu helfen. Neben der richtigen Ernährung scheint auch der mentale Part eine wichtige Rolle zu spielen, wie neuere Studien zeigen. Als letzte Lösung kann natürlich auch eine komplette Entfernung der Füllungen hilfreich sein.

Wer bisher mit keinen Beschwerden zu kämpfen hatte und sich am Aussehen von Amalgam nicht stört, der kann meiner Meinung nach bedenkenlos zu dieser Variante greifen. Kein anderes Material kann in Sachen Stabilität mit Füllungen dieser Art mithalten. Das kann indirekt auch der Gesundheit zuträglich sein, da erneute Behandlungen minimiert werden.

Aus kosmetischer Sicht haben natürlich Kunststofffüllungen einen großen Vorteil. Auch in Sachen Umweltschutz fallen hier weit weniger belastende Abfallstoffe an. Gesundheit besser sind sie laut derzeitigem Wissenstand allerdings nicht.

  1. http://www.mue-med.de/ralf_schlenger/texte/Zahn-Amalgam.php
  2. Melchart D, Wuhr E, Weidenhammer W, Kremers L. A multicenter survey of amalgam fillings and subjective complaints in non-selected patients in the dental practice. Eur J Oral Sci 1998: 106: 770-777. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9672099
  3. Melchart D et al.: Treatment of health complaints attributed to amalgam. In: J Dent Res. 2008 Apr;87(4):349-53. PMID 18362317

Über den Autor

Themen aus dem Bereich Gesundheit, Lebensführung und Psychologie haben Tobias AmalgamMikula schon seit seiner Jugend interessiert. Aus den einzelnen Hobbies sind im Laufe der Jahre verschiedene Webseiten entstanden. Darunter auch zahnklug.de, auf dem er sich mit allem befasst, was mit Zahngesundheit zu tun hat. Wenn er gerade nicht vor dem Computer sitzt, verbringt er viel Zeit auf (kulinarischen) Reisen in seiner Wahlheimat Asien.

Nachwort von Phil

Der Gastartikel von Tobias mag vielleicht den einen oder anderen überraschen. Die Datenlage ist jedoch recht eindeutig. Meta-Analysen lassen zu dem Schluss kommen, dass die Mengen Quecksilber, die von Amalgamfüllungen abgegeben werden, deutlich unterhalb der Mengen liegen, die für unseren Körper tolerierbar sind.

Findet edubily Amalgamfüllungen also vollkommen unbedenklich? Keinesfalls. Wir sehen fast täglich Haarminerlanalysen, bei denen eine Besorgnis erregende Quecksilberbelastung vorliegt. Tatsächlich ist nahezu jeder davon betroffen. Du möglicherweise auch.

Als einen der Hauptgründe dafür vermuten wir, neben der Nahrungsmittelauswahl, Amalgamfüllungen. Auch wenn die Menge, die täglich im Mund verdampft, relativ gering scheint, so könnte der chronische Aspekt eine entscheidende Rolle spielen. Kurzfristig sollen die Werte gesundheitlich unbedenklich sein (vielleicht ist auch der Grenzwert zu hoch angesetzt), die Folgen einer niedrig dosierter Vergiftung über mehrer Jahrzehnte könnten jedoch schwerwiegend sein.

Es wird wohl weiterhin ein diskussionswürdiges Thema bleiben. Wenn du deine Füllungen erneuert lassen willst, wende dich auf jeden Fall an spezialisierte Zahnärzte und informiere dich über Schutzmaßnahmen und Ausleit-Therapien.

  • Quartett mit drei Fäusten

    Was mich interessieren würde:

    Wie hoch ist die zuvermutende Schwermetall-/Schadstoffbelastung eines (Ex-) Rauchers? Wie lange dauert es, bis der Körper die aufgenommenen Schadstoffe vollständig wieder ausgeschieden hat? Und eine weitere Frage wäre: Gelingt es dem Körper überhaupt, ohne Unterstützung von Aussen, alle Schadstoffe auszuscheiden?

  • Jan Cux

    Meine Quellen berichten davon, das innerhalb der ersten 10 Jahre 50% des Quecksilbers austreten und das soll dann keine Probleme verursachen. Eins der giftigsten Metalle auf der Erde, gelangt im Grammbereich in den Körper und alles soll OK sein.
    (Habe bisher gelesen: Amalgam – Das schleichende Gift von Peter Kern und Die sichere Amalgan-Entfernung von Hartmut Sauer).