Warum viele Wege nach Rom führen

Viele Wege führen nach Rom

Sehr wichtig ist mir, das ist tatsächlich mittlerweile das Hauptziel unserer Arbeit, dass meine Leser lernen, differenziert zu denken. Okay, ich könnte es forscher formulieren: Dass meine Leser sich nicht scheuen, überhaupt zu denken.

Ökonomisch muss es sein

Das ist nicht böse gemeint. Wir sind Wesen der Ökonomie. Wirtschaftlich muss es sein. Auch auf zellulärer Ebene. Daher funktioniert Populismus ja auch so gut. Daher funktionieren Bilderbücher und Geschichten so gut. Der präfrontale Kortex und andere verschwenderische Gehirnbereiche dürfen einen Gang zurückschalten. Wir mögen das instinktiv. Ich auch! Keine Frage. Wenn ich mich Sonntag in den Sessel setze und gemütlich eine Tasse Kaffee oder Tee trinke, da habe ich keine Lust auf Lehrbuch-Niveau, sondern will, wenn möglich, Lektüren lesen, die mich bilden, aber gleichzeitig einfach zu konsumieren sind.

Das ist legitim und auch absolut … na ja, vertretbar. Du sollst sogar solche Lektüren lesen. Nur die Basis muss stimmen, man muss gewisse Inhalte richtig einordnen können und dafür muss man sich ein Fundament geschaffen haben. Eine Matrix, in die man das Geschriebene einordnen kann.

Willst du mehr, dann musst du arbeiten

Ich denke hierbei an die vielen Profi-Sportler.

Wir hätten immer gerne den kürzesten Weg. Wir suchen ewig danach. In der Zwischenzeit hätten wir mit Härte (Disziplin!) und Konsequenz deutliche Fortschritte gemacht. Das Internet ist hierbei oft keine Hilfe, denn Leuten, die das so sagen, wird nicht zugehört, die können daran nichts verdienen. Auch wenn es vielleicht Monate dauert … irgendwann kommen wir an den Punkt, an dem wir realisieren, dass es nichts anderes gibt als Selbstvertrauen (meinetwegen auch Gottvertrauen), Disziplin und die Handlung.

Aus diesem Grunde denke ich an die vielen Profi-Sportler. Diese Leute müssen – auf geistiger, kognitiver, intellektueller Ebene – keine herausragenden Leistungen vollbringen. Sie müssen punktgenau funktionieren. Um das zu erreichen, um überhaupt auf dieses Niveau zu kommen, müssen sie jahrelang, ganz konsequent und diszipliniert arbeiten.

Verstehst du?

Übertragen auf dein Leben: Wenn du wirklich vorankommen willst, wirklich weg vom, na ja, „primitiven“ Zeitungswissen, dann musst du eben hart arbeiten. Da nutzen dann auch schöne Geschichten, Bilderbücher oder Populismus-Texte wenig. Das heißt, dass du die mentale Einstellung brauchst, die dir dabei hilft, auch schwerer Texte zu erarbeiten.

Deine Berichte sind für mich wie eine Taschenlampe auf den winkligen, dunklen Wegen der Gesundheit, von denen man nicht gerne abkäme. Für mich würde jede ernsthafte Krankheit bedeuten, eine traumhafte Landschaft verlassen zu müssen und so bin ich hoch motiviert, mir all das „rein zu ziehen“ …

Wie viel schöner könnte man es formulieren? Wenn wir „Bewusst-sein“ erlangen, wenn wir erwachen, wenn wir das Leben lieben, das Leben an sich die Motivation dafür ist, für unsere Gesundheit zu kämpfen (wie viel das tatsächlich wert ist, weiß jeder, der mal ernsthaft krank war), dann sind wir auch bereit, mehr zu geben, dafür zu arbeiten. Egal, auf welcher Ebene.

Ganz schön komplex – Wissen ist mehr als Populismus

Wir sind dann auf dem richtigen Weg, wenn wir das erste Mal denken … zum Beispiel: „Oh, das ist aber doch ganz schön komplex.“ Das passiert meistens, wenn „Fachfremde“ tiefer in die Materie eintauchen und plötzlich realisieren, was eigentlich alles dahinter steckt. Diese Menschen verstehen plötzlich. Wenn wir verstehen, dass die vielen Prozesse in unserem Körper hoch komplex sind, dann werden wir vielleicht auch etwas nachsichtiger mit denen, die uns Körperwissen vermitteln wollen.

Diversität ist wichtig und nicht „böse“

Ich sehe häufig, dass das Schwarz/Weiß-Denken so derart in uns verankert ist … Wenn zwei Autoren, die auf ähnlichem Niveau performen, andere Resultate preisgeben, dann sollten die Leser sich nicht fragen, wer falsch oder wer richtig liegt. In der Wissenschaft ist es völlig normal, dass es verschiedene Interpretationen gibt. Deswegen hassen sich die Autoren aber nicht. Ganz im Gegenteil. Wissen ist, übrigens wie Sprache, nichts in Stein Gemeißeltes. Es ist beweglich, fluide, anpassbar. Darum ist Diversität eine Bereicherung. Darum ist Diversität nichts, das man bekämpfen muss in Form von Ideologien.

Zwei Autoren dürfen und sollen (!) divergente Resultate präsentieren. Darin steckt, in den meisten Fällen, nichts Böses – im Gegenteil.

Ein bisschen gut, ein bisschen schlecht

Das Schwarz/Weiß-Denken erkenne ich sehr häufig auch daran, dass – mit Blick auf verschiedene Interventionen – von Gut und Schlecht geredet wird. Eine Sache ist nicht gut oder schlecht. Jede Intervention hat Vor- und Nachteile. Auch hier wird häufig versucht, die „beste Lösung“ zu finden, am besten eine Lösung, die für uns keine Probleme macht. Aber das wird es nicht geben. Denn eine Sache kann noch so gut sein, es wird immer Nachteile geben.

Ich muss nicht alles als ganz toll verkaufen. Manchmal müssen wir negative Aspekte einer Intervention akzeptieren. Vor allem dann, wenn wir die jeweilige Intervention im Wesentlichen hilfreich ist. Es geht also nie darum, das Non-plus-ultra zu finden, sondern abzuwägen.

Das beste Beispiel ist das Eisen-Thema. Ja klar: Senkt man den Eisen-Wert deutlich ab, werden sich mit 100%iger Wahrscheinlichkeit negative Effekte finden lassen. Vielleicht ist man einen Tacken müder. Dafür erntet man auf kurze oder lange Sicht vielleicht ganz profunde Wirkungen, die uns viel glücklicher und zufriedener machen. Das Gleiche lässt sich natürlich auch über die ketogene Diät berichten. Jetzt, wo sich langsam auch negative Aspekte herauskristallisieren, sehe ich immer mehr Menschen, die dieser Lebensweise nicht treu bleiben. Dennoch sollte auch hier ganz klar daran gedacht werden: Lebst du nicht mehr ketogen, dann werden sich wieder andere Probleme ergeben. Im Grunde musst du für dich herausfinden, mit welchen Problemchen du besser leben kannst.

Generation Beziehungsunfähig sucht ewig weiter

Aber … das passt ja in unsere Zeit. Die Generation Beziehungsunfähig. Im Facebook- und Twitterzeitalter scheint sich hinter jedem Klick ein besserer Partner finden zu lassen. Tja. Dabei vergessen wir immer, dass es nicht darum geht, die Prozentzahl 100 zu finden, sondern darum, die Prozentzahl 85 und dann … na ja, herauszufinden, ob wir mit den anderen 15 % leben können, uns damit arrangieren können – oder nicht. Vielleicht schenkt uns der Partner im Laufe der Beziehung ja noch ein paar Prozent, wer weiß.

Wir sind schon ein bisschen naiv.

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  • 4D-DOC

    Toller Artikel!
    Exakt knapp zusammengefasst, wie die Welt funktioniert.
    Nutzen wir dies mit allen jenen Menschen, die dazu bereit sind dies zu akzeptieren und Synergien entstehen!

    Sehr passend dazu: Kürzlich hat man festgestellt, dass jenes Konzept des GI vermutlich hinfällig ist und ebenso wenig als verallgemeinernde Maßgabe gelten kann.
    Ein und die selbe Mahlzeit hat bei verschiedenen Menschen völlig andere Auswirkungen auf BZ und Insulin. Vermeintlich höherer GI führte teils zu wesentlich geringeren Insulinreaktionen als umgekehrt etc.
    Quintessenz war dass es keinen generellen GI bzw keine GL geben kann, da die Reaktionen so interindividuell verschieden sind .

    btw: Check ur Mails!

    Grüße

    • edubilyde

      Yes sir 🙂

  • Manuel Drockner

    „Generation Beziehungsunfähig“ ist übrigens auch Ausdruck eines gewissen Schwarz/Weiß-Denkens. Nur so als kleiner Hinweis… 😉

    • edubilyde

      Definitiv, passt aber ganz gut, um das Thema ordentlich abzurunden 🙂 (Vor allem zu dem Trend, den ich im Gesundheitsinternet beobachte. Aber auch hier gilt freilich, dass ein Trend niemals allumfassend ist.)