Wie ich meine Schilddrüsenunterfunktion selbst behandeln konnte – Ein Erfahrungsbericht

So pushst du deine Schilddrüse

Vorwort Chris

Wie du sicher mitbekommen hast, zeigen wir in letzter Zeit immer öfter Erfahrungsberichte (z. B. hier und hier) – insbesondere im Hinblick auf die erfolgreiche Modulation (= Veränderung) des eigenen Körpers.

Wir wollen damit zeigen, dass es durchaus belohnt wird, wenn man versucht, den eigenen Körper auf anderen Ebenen zu verstehen.

Ganz klar zum Ausdruck möchte ich bringen, dass es sich hierbei um gelungene Versuche handelt. Es gibt sicherlich viele Versuche, die nicht gelingen, obwohl der- oder diejenige „alles richtig gemacht“ hat.

Daher ist ein wichtiger Bestandteil einer allgemeinen Gesundheitsaufklärung auch, dass man ein Bewusstsein für mögliche Grenzen entwickelt.

Auf der anderen Seite sollten wir alle lernen, mit dem eigenen Körper umzugehen – heute habe ich wieder einmal ein sehr beeindruckendes Beispiel dafür für dich parat.

Der Erfahrungsbericht stammt von einem Mitglied unseres edubily-Forums.

Hack die Schilddrüsen-Funktion!

Mein Name ist Manu, ich bin 26 Jahre alt und seit zehn Jahren auf Schilddrüsen-Hormontabletten angewiesen … Das war mein altes ich, vor etwa einem Jahr.

Jeden Tag vor dem Frühstück erst mal eine L-Thyroxin, sonst ging der Tag nicht los.

Heute lebe ich ohne L-Thyroxin.

Meine freien Schilddrüsen-Werte sind höher als zu der Zeit mit Tabletten. Mir geht es so gut wie nie zuvor. Ich kann besser schlafen, bin konzentrierter, leistungsfähiger auf geistiger und körperlicher Ebene. Wie ich das geschafft habe? Ich habe mich auf biochemischer Ebene informiert was mein Körper tatsächlich benötigt, um maximal zu funktionieren. Ich habe Nahrungsergänzungsmittel getestet und auf die Signale meines Körpers gehört. Zusätzlich habe ich meine Ernährung getunt. Aber von vorne:

Meine Ausgangslage mit Schilddrüsenunterfunktion

Alle zwei Monate zum Arzt für ein neues Rezept L-Thyroxin. Das war mein Schicksal, mit dem ich mich im Laufe der Zeit anfreunden musste.

Wenn man krank ist, kann man nichts dafür und man muss es so hinnehmen, dachte ich mir. Die Ärzte haben schließlich Medizin studiert und wissen was sie tun …

Zehn lange Jahre lebte ich nach diesem einfachen Prinzip. Ein Prinzip, wie es jeder von uns von Geburt an eingetrichtert bekommt. Wenn man krank, ist geht man zum Arzt. Das Wort des Arztes ist Gesetz, ein Halbgott in Weiß.

Irgendwann fing ich an, mich näher mit der Biochemie meines Körpers zu beschäftigen. Wie funktioniert eigentlich was? Warum funktioniert meine Schilddrüse nicht von selbst? Was brauche ich, um zu funktionieren? Ich stieß auf edubily und mein Leben veränderte sich um 180°.

Alle meine Mitmenschen wissen, dass sie Essen und Trinken müssen, um zu überleben. Einige denken sogar weiter, wissen, dass es so etwas wie Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette gibt. Wissen, dass man mit einem Überschuss an Kalorien zunehmen, und mit einem Defizit abnehmen kann. Wenn man sie jedoch nach Mikronährstoffen fragt, nach Blutwerten oder den täglichen Bedarf der Mikros, kennt sich fast keiner mehr aus.

Nicht mal mein Hausarzt oder Internist konnte eine vernünftige Aussage hierzu treffen. Auch meine Fitnesskollegen, die sehr viel von gesunder Ernährung halten, stiegen an dieser Stelle aus. Und genau hier habe ich angesetzt.

Wodurch ich L-Thyroxin absetzen konnte

Ich habe mich unter anderem auf edubily über die groben Abläufe meines Körpers in Bezug auf Mikronährstoffe und Makronährstoffe informiert. Ich habe gelernt, dass es eine Reihe essentieller Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren gibt, die ich benötigte, um optimal zu funktionieren.

Mit einem TSH von etwa 2,6 µIU/ml [60%] und einem FT3 von etwa 4,3 pmol/l [45%] habe ich meinen Versuch gestartet (Werte unter 50 µg L-Thyroxin täglich).

Ich habe angefangen, eine Reihe Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen, darunter Dinge wie: 

  • Vitamin A 
  • Vitamin D3 
  • Selen 
  • Jod 
  • Magnesium 
  • Zink 
  • Choline 
  • Sauermolke 
  • L-Citrullin Malate 
  • Vitamin B12

Gleichzeitig habe ich meine Schilddrüsen-Hormontabletten abgesetzt und regelmäßig meine Blutwerte kontrollieren lassen. Meine Ernährung habe ich von Low-Carb auf High-Carb umgestellt.

Um einen kurzen Rückblick zu geben, Low-Carb war für mich eine lange Zeit des Jahres der heilige Gral unter den Ernährungsformen. Durch die Medien, durch Pseudo-Experten, durch viele Foren und Websites wird man überschwemmt von Halbwissen, welches eine kohlenhydratarme Ernährung als DIE Ernährung anpreist. Es wird geradezu eine Angst vor Kohlenhydraten geschürt, denn Kohlenhydrate machen dick. Insulinresistenz, schlechte Schilddrüsen-Hormonwerte etc. werden hierbei verschwiegen.

Und unter uns gesagt, der Spaß am Leben geht verloren. Essen ist Teil unserer Gesellschaft. Ein dauerhafter Verzicht von Kohlenhydraten macht schlechte Laune und depressiv, zumindest bei mir. Es ist auch völlig unbegründet Kohlenhydrate zu streichen. Selbst in meinen Diäten lebe ich mittlerweile High-Carb, aber das steht wieder auf einem anderen Blatt.

Um dennoch einen kurzen Überblick zu verschaffen:

Im Schnitt war ich anfangs etwa 350 g Kohlenhydrate, 50 g Fett, 180 g Protein (~ 2600 Kcal) auf 1,78 m und 75 kg. Und ja, ich habe auch hin und wieder genascht, ohne gleich dick zu werden.

Mein Selbstversuch hatte Hochs und Tiefs. Anfangs musste ich mit den Dosierungen viel experimentieren. Ich möchte auch definitiv keine Empfehlungen aussprechen. Jeder Körper ist anderes, jeder Körper benötigt zum Teil andere Dosierungen, ausgehend von den anfänglichen Blutwerten. Deshalb immer:

  • Eigenes Befinden checken 
  • Blutwerte analysieren lassen 
  • NEM’s einbauen 
  • Erneutes Checken der Blutwerte 
  • Dosis anpassen

Keinesfalls Vitamin oder Mineral XY hochdosiert auf Verdacht einnehmen und sich Wirkung XY erhoffen. Das geht nur in die Hose.

Heute nach diesem aufregenden Jahr habe ich einen TSH von etwa 1,7 µIU/ml [38%] und einem FT3 von etwa 5,4 pmol/l [81%]. Ich habe seitdem keine einzige L-Thyroxin mehr genommen. Ich fühle mich besser als jemals zuvor. Nutze deinen eigenen Verstand. Hör auf deinen Körper und nicht nur auf Ärzte.

Manu

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6 Kommentare, sei der nächste!

  1. Klasse Bericht! Darf ich fragen wie du dich momentan ernährst und wie viel du dich bewegst? Bestimmt auch ein wichtiger Punkt bei deiner Genesung.

  2. Hallo, danke für Deinen Bericht, Deine Beschreibungen klingen sehr interessant! Ich selbst befinde mich gerade in einem ähnlichen Experiment und durch Deine Erfahrungen fühle ich mich darin noch bestärkt, auch weiter am Ball zu bleiben. Allerdings schleiche ich die Schilddrüsenhormone langsam aus, das erscheint mir sicherer.
    Zusätzlich nehme ich noch Jod aus Algen und Olivenblattextrakt zu mir. Letzteres wirkt immunstärkend und soll auch Einfluss auf die freien T3- Werte haben, was auch hier im Schilddrüsenbericht besprochen wird.
    Kannst Du genaueres zu Deiner Ernährung sagen? Mit welchem Essrhythmus ergeht es Dir am Besten und wie konntest Du abnehmen? Alles Gute für Dich! 🙂

  3. Toller Bericht!
    Als Arzt muss ich sagen, dass genau DAS jene Form von Patient und von Medizin ist, die wünschenswert wäre.
    Klasse, es zeigt, wieviel möglich ist. Ich persönlich kenne auch den Unterschied zwischen selbstgenerierter Unterfunktion durch LowCarb und den „Change“ zu Werten an der oberen Normgrenze (was dann auch nicht immer nur angenehm sein kann – HRST, Unruhe)
    Letztlich braucht man für so etwas die Bereitschaft und die intellektuellen wie auch charakterlichen Fähigkeiten.
    Viele Patientin wären schlicht überfordert mit der notwendigen Experimentierbereitschaft und sind mit der Tablette besser beraten, weil sie in ihrem Alltag zu starr verankert sind und derartiges, leider, nicht umsetzen können.
    Daher sind die Tabletten oftmals zwar nicht der erstbeste aber zweitbeste weil praktikablere Weg in einer immer komplexer werdenden Gesellschaft.
    Was ich interessant finde: durch die „eigenen Hormone“ die dein Körper in Folge der Umstellungen wieder produziert scheinst du subjektiv ja eine deutlich Verbesserung Deines Befindens erlebt zu haben, obwohl du vorher ja bereits eigentlich eine ausreichende Dosis der SD-Hormone von aussen zugeführt hast.
    Die Veränderungen können somit eigentlich nicht nur auf die SD-Hormone, sondern auf viele andere globale Veränderungen deines Sotffwechsels zurückgeführt werden (Glukosetoleranz, Defizite behoben usw.)

    1. Hi Doc,

      sehr guter Input von der „anderen Seite“, die man häufig nicht beachtet.

      Die Perspektive des Arztes ist hier auch äußerst interessant. Ich glaube dir aufs Wort, wenn du sagst, dass viele Patienten leider auf gute Ärzte angewiesen sind, weil sie selbst nicht im Stande sind, ihr Leben in eine richtige Bahn zu lenken.

      Sehr wichtiger Punkt.

      LG, Chris

  4. Danke für den Bericht. Ist von den Ausgangswerten her ähnlich wie bei mir. Habe auch die Medikamente abgesetzt und jetzt bessere Werte. Habe Hashimoto und Unterfunktion. Ich stelle im Moment allerdings von normal Essen auf Low Carb um.

    Nun habe ich die Erfahrung gemacht, dass wir nicht alle den gleichen Stoffwechsel haben. Einige scheinen das alte Jäger & Sammler Modell zu haben (ich … mit Apfelform) und andere sind an den Ackerbau und die Viehaltung angepasst (alle, die gut vegetarisch leben können und die Birnenform haben).

    Wenn man also das alte Modell ist, kann man Kohlenhydrate nicht so gut verdauen. Ich war / bin Zuckersüchtig und würde für einen Teller Pasta töten. Allerdings fühle ich mich mit dieser Ernährung meist träge und schlapp und bin öfter mal mies drauf ohne Grund. es geht mir wesentlich besser, wenn ich Zucker und Kohlenhydrate einschränke.

    Die Mirkonährstoffe werde ich demnächst prüfen lassen. Problem dabei ist allerdings, welche Referenzwerte man zugrunde legen sollte. In Dtl. sind die meist zu niedrig.

    Wie dem auch sei … euch allen alles Gute, Anja

  5. Interessanter Bericht. ist ja nun schon etwas her, trifft gerade bei mir aber einen Nerv.
    Nach vielen Empfehlungen und guten Zureden einiger Mitbetroffener und Therapeuten hatte ich Anfang Januar den Paleo Versuch gestartet. Mit dem Ergebnis, dass es mir nach 1 Woche AI paleo und 3 Wochen normalo Paleo unfassbar schlecht ging. Nicht nur die schlechte Laune durch fehlende Carbs und permanenten Kohldampf, sondern wirklich fiese Bauchprobleme inkl Sodbrennen etc. haben mich zum Abbruch gezwungen. Jetzt mag man mich steinigen, aber seit ich wieder Milchprodukte esse (sehr ausgewählt – Weidehaltung – Schaf-Ziege – in Maßen) , ordentlich Carbs (Kartoffeln, Reis, Pseudogetreide )sind die Schwierigkeiten wieder verschwunden.
    Mir fehlt in Manus Bericht der FT4 Wert als Speicherhormon und mich würde brennend interessieren, wie es ihr jetzt geht -1 Jahr später. Eine Info dazu wäre schön.

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