Insekten essen – Die alternative Eiweißquelle von morgen?

Eiweißbombe Ungeziefer

22 Uhr abends im Januar. Draußen ist es dunkel und eiskalt. Drinnen sitzt halb Deutschland gemütlich auf der Couch und schaut RTL. Das Dschungelcamp hat wieder begonnen.

Viele edubily-Leser schauen mit. Aber nicht aus Sensationsgeilheit oder Voyeurismus. Nein, nein uns geht es um etwas anderes.

Denn, mit einer großen Gruppe in der Natur leben, gemeinsam Prüfungen meistern, um an Nahrung zu kommen und dann im Anschluss Känguru-Hirn oder unbeschreibliche Teile des Kamels zu essen. Das ist der ultimative Paleo-Lifestyle. Leben wie es im Buche, oder alternativ, an der Höhlenwand steht.

Eine Speise, die fast in jeder Sendung serviert wird, hat mein Interesse besonders geweckt: Insekten. Werden sie im Internet doch überall als ultimative Eiweißbombe bezeichnet. Doch was ist da wirklich dran? Sind Insekten heute schon eine Alternative zu Pute, Eiern und Shakes?

Ohne Eiweiß geht überhaupt nichts

Dass der Makronährstoff Eiweiß die herausragende Bedeutung für uns hat, müssen wir nicht mehr diskutieren. Nicht nur Sportler, sondern jeder (!) sollte Protein als Fundament seiner täglichen Ernährung ansehen.

Das wird dir spätestens wieder bewusst, wenn deine Stimmung im Keller (Stichwort Neurotransmitter) oder die nächste Erkältung im Anmarsch ist (Stichwort Immunsystem).

Bei täglich hohen Eiweißmengen sehe ich jedoch drei große Probleme:

  • Problem 1: Hochwertiges Eiweiß ist teuer

Oder sagen wir teurer, als die meisten Kohlenhydrate oder Fette.

  • Problem 2: Eiweiß hat oft eine fragwürdige Herkunft

Massentierhaltung wird erfreulicherweise immer öfter abgelehnt. Aber auch die weltweite Soja-Produktion oder die exzessive Befischung der Meere schaden der Umwelt massiv. Achten wir auf eine vertretbare Herkunft, wird wiederum „Problem eins“ umso relevanter für uns.

  • Problem 3: Eiweiß kann unerwünschte Begleitstoffe mitbringen

Kaum ein Eiweiß-Produkt kann uneingeschränkt empfohlen werden. Nehmen wir als Beispiel die Neu5gc und Östrogenproblematik aus Milchprodukten, den hohe Eisengehalt von rotem Fleisch mit der Auswirkung auf die Insulinsensivität oder Phytoöstrogene und Enzyminhibitoren in Soja-Proteinisolat.

Insekten essen und der anerzogenen Ekel

Insekten könnten vielleicht all diese Probleme lösen, wäre da nicht der Ekel vor Ungeziefer. Der ist berechtigt, gelten Orte mit Krabbeltieren doch eher als unhygenisch.

Schätzungsweise zwei Milliarden Menschen verzehren heutzutage regelmäßig Insekten. Bewusst als Nahrungsmittel. In einigen afrikanischen, amerikanischen oder südostasiatischen Ländern wie Thailand, Loas und Vietnam findet man sie auf gewöhnlichen Speisekarten. In Deutschland noch undenkbar.

Sind Insekten eine geeignete Eiweißquelle?

Das ist drin

Der prozentuale Eiweißgehalt ist bei den meisten Insekten-Arten, die für uns in Frage kommen, wie zum Beispiel Baffalowürmer oder Heuschrecken, ausgesprochen hoch. Im getrockneten Zustand sogar noch einen tick höher, wie bei Schinken oder Trockenfleisch, da dort ein Teil des Wassergehalts weg fällt.

Insekten enthalten außerdem kaum Kohlenhydrate („Low-Carb“). Sie bestehen neben Eiweiß und Ballaststoffen aus Fett, mit einem vorzüglichem Gehalt an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Auch der Mikronährstoffgehalt steht hochwertigem Fleisch in nichts nach (z.B. Magnesium, Kupfer, Selen, Zink …).

Pro 100 g
Kohlenhydrate: 1,1g – (davon Zucker: 0g)
Ballaststoffe: 8,4g
Protein: 48,2g
Fette: 38,1g
davon gesättigte Fettsäuren: 13,1 g
davon einfach ungesättigte Fettsäuren: 13,0 g
davon mehrfach ungesättigte Fettsäuren: 11,9 g

Ausblick

Insekten zu essen, könnte in Zukunft eine Alternative werden. Konjuktiv, da es heute noch kein Thema ist. Der hohe Preis und der Ekelfaktor macht dem (noch) einen Strich durch die Rechnung. Seinen täglichen Eiweißbedarf nur annähernd über Insekten zu decken, kostet richtig viel – es ist unbezahlbar. Kein Vergleich zu Bio-Eiern oder frischem Wild aus Deutschlands Wäldern.

Obwohl Insekten als Nahrungsmittel wirklich vielversprechend klingen, muss man kritisch bleiben. Denn zum einen gibt es nicht die Insekten. Bei den oben geschriebenen Werten beispielsweise, lag der Fokus auf Insekten-Arten, die für uns online bestellbar sind. Weltweit werden knapp 2000 Insekten-Arten verspeist. Dass die Zusammensetzungen stark voneinander abweichen, ist logisch. Sind alle Arten uneingeschränkt zu empfehlen? Das weiß wahrscheinlich niemand.

Zum anderen ist die Ökobilanz ein Thema. Ein Kilo Insekten-Protein herzustellen, ist bezüglich der Futtermenge und dem CO2-Ausstoß noch viel wirtschaftlicher als bei Fleisch. Medikamente werden ebenso wenig bei der Aufzucht verwendet. Doch bleibt das so, falls die Made das neue Schweinesteak wird?

Ich selbst würde mir eine solche, alternative Eiweißquelle wünschen. Neben meiner handvoll Nüsse am Morgen hätte ich nichts gegen eine Portion getrockneter Heuschrecken einzuwenden.

Garnelen und Hummer („Insekten der Meere“) waren bei uns früher auch mal dort, wo die Insekten jetzt stehen. Wer weiß, vielleicht essen in ein paar Jahren nicht nur die Teilnehmer des Dschungelcamps, sondern auch die Zuschauer vor den TV-Geräten Insekten?!

Weiterführende Links

Informationen über Insekten als Nahrungsmittel: Food and Agriculture Organisation of the United Nations

Online-Shop für essbaren Insekte: Wüstengarnele.de

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  • Vlad

    In Deutschland und in Europa hat man in früheren Zeiten auch recht viele „Insekten“*** gegessen und zwar die Flusskrebse (http://www.edelkrebs.de). Und in diversen Ländern in Europa gelten Schnecken als Delikatesse, die bei vielen Menschen ebenfalls Ekel hervorrufen. Ich persönlich denke, dass man lieber die alten, bewährten Traditionen wieder beleben sollte, bevor man es auch hier mit den Insekten probiert. Ich weiß nicht ob es nicht sinnvoller ist, dass man die Insekten auch dort züchtet, wo es denen klimatisch am besten zusagt.

    *** mir ist klar dass Flusskrebse keine Insekten sind, aber dennoch von manchen als solche wahrgenommen („es krabbelt“).

  • Clemens

    hier ein interessanter Artikel – vielleicht auch bald bei uns zu haben???
    ich würde mich jedenfalls freuen!! 🙂
    http://www.biorama.eu/insekten-als-nahrungsmittel-protein-farm432/

  • Niko Juranek

    Gibt es denn einen bestimmten Grund, warum die Preise so dermaßen überzogen hoch sind? Die Aufzüchtung // „Gewinnung“ muss doch um ein Vielfaches geringer und einfacher sein, als bei anderem Fleisch.. Nur, weil es noch so exotisch, ausgefallen ist und es einstweilen sehr wenige Anbieter gibt?

  • Bernd

    Super Artikel! Ich esse schon seit längeren ab und an Insekten und kann es nur empfehlen. Meine aktuelles Lieblingsgericht: Der Hopper-Burger! Rezept von BesteInsekten. http://www.besteinsekten.de/rezepte/rezepte-heuschrecken/hopper-burger/

  • Mela Trampitsch

    Ich würde liebend gern mal Insekten essen, z.B. Grillen, doch die „Jagd“ erweist sich nicht recht einfach.
    Regenwürmer und Schnecken wären da wesentlich leichter zu „fangen“.

  • Axel

    Fritierte Insekten sind lecker… In Thailand habe ich die gerne gegessen. Allerdings nicht lange, denn mir wurde recht bald erzählt, dass es angeblich nicht unüblich wäre, die Insekten mittels Gift zu töten. Das würde sich natürlich in der „Speise“ anreichern – keine schöne Aussicht.
    Hierzulande würde ich mich durchaus darauf verlassen, wenn mir erzählt würde, dass die Viecher mittels Stickstoff oder vergleichbar umgebracht werden. Aber in Asien ticken die Uhren durchaus anders. Weiß hier jemand Genaueres?