Das Vitamin-D-Chaos und Mikronährstoffe: Hättest du’s gewusst?

Vitamin D und Wechselwirkungen mit Mikronährstoffen

Nach meinem letzten Artikel hatten einige Leser den Eindruck, dass die Vitamin-D-Thematik doch recht komplex ist.

Stimmt. Um genau zu sein: extrem komplex.

Wie eine Leserin richtigerweise andeutet, spielen auch die Schilddrüse und die Nebenschilddrüse eine Rolle bei der Regulation – zu nennen sind hierbei beispielsweise Calcitonin und PTH. Auch T3 wirkt auf den Knochen und entsprechend auf den Calcitriol/Calcium-Haushalt.

Noch komplexer wird es, wenn wir, so eine Leser-Ergänzung, UV-Licht und diverse Lichtfrequenzen in die Gleichung mit einfließen lassen. Gibt es da etwa Unterschiede?

Um es dann noch etwas komplexer zu machen, möchte ich kurz auf weitere Wechselwirkungen eingehen – freilich nur auf Mikronährstoff-Ebene.

Beginnen wir mit dem geliebten Magnesium.

Magnesium

Schon vor einem halben Jahrhundert veröffentlichten Wissenschaftler in der Lancet eine Studie, die eine Vitamin-D-resistente Rachitis beschreibt. Diese Rachitis wurden die Kinder los … durch eine Magnesium-Gabe. Zufälligerweise hatte man nämlich entdeckt, dass die Magnesium-Werte niedrig waren. Magnesium scheint Enzyme zu regulieren, die Vitamin D scharfmachen und entsprechend in Calcidiol bzw. Calcitriol umsetzen. Hieße dann: Du kannst so viel Vitamin D schlucken, wie du willst. Fehlt dieser Enzym-Kofaktor, hast du, gelinde gesagt, Pech gehabt.

Zeitgleich kann Magnesium selbst Einfluss auf den Calcium-Haushalt nehmen und den Calcium- und Magnesium-Spiegel zum Steigen bringen, wenn ein niedriger Vitamin-D- bzw. Calcitriol-Wert gegeben ist.

Wie sieht das aus, wenn bereits ein hoher Vitamin-D-Wert gegeben ist? Dazu gibt es keine Studien – leider.

Bor

Bor ist Menschen, die an Arthritis leiden, sicher bekannt. Wie fundamental Bor auf Knochen wirkt, wurde bis heute oft gezeigt. Sei es auf anekdotischer oder auf wissenschaftlicher Basis. Eine Arbeit fasst die Punkte zusammen, die aus Bor einen essentiellen Stoff für Knochen und Gelenke machen:

  • Analysen zeigen, dass Arthritis-Patienten niedrigere Bor-Konzentrationen aufweisen als gesunde Individuen
  • Beobachtungen legen nahe, dass Knochen von Patienten, die Bor-Ergänzungsmittel nehmen, schwerer zu durchschneiden sind (sic!)
  • In Gegenden, wo 1 mg oder weniger Bor zugeführt wird, liegt die Arthritis-Erkrankungswahrscheinlichkeit bei 20-70 %, während sie in Regionen mit hohem Bor-Konsum (3 bis 10 mg) lediglich bei 0-10 % liegt
  • Experimente zeigen, dass Arthritis-erkrankte Tiere von einer Bor-Gabe profitieren
  • In einer doppeltblinden, placebokontrollierten Studie, konnten 50 % der Patienten nach Bor-Gabe (6 mg) profitieren, während es in der Placebo-Gruppe lediglich 10 % waren

Wie macht Bor das?

Neben des direkten Bor-Einflusses, könnte auch die Wechselwirkung mit Vitamin D eine Rolle spielen. Denn Bor, so legen es Studien-Ergebnisse nahe, erhöhen den Calcidiol-Wert – ohne dabei etwas an der tatsächlichen Zufuhr geändert zu haben.

Bor, so eine Theorie, könnte Abbau-Enzyme hemmen, die Steroid-Hormone (u. a. Testosteron, Estradiol etc.) degradieren. Darüber scheint Bor den Calcium-Abfall, verursacht durch einen Vitamin-D-Mangel, zum Teil kompensieren zu können.

Wenn der Vitamin-D-Rezeptor nicht funktioniert

Das, worüber sonst auch nie gequatscht wird, ist die Funktion des Vitamin-D-Rezeptors. Denn ein Großteil der Vitamin-D-Effekte wird durch Calcitriol mediiert, das an sich ein Steroidhormon ist und entsprechend wirkt – nämlich via Rezeptor. So bindet Calcitriol an den intrazellulären Vitamin-D-Rezeptor. Dieser Hormon-Rezeptor-Komplex wandert zur DNA und induziert dort, hoffentlich, die Expression der gewünschten Proteine.

Doch was passiert, wenn der Rezeptor nicht so funktioniert, wie wir uns das vorstellen?

Zink darf mitreden

Das passiert beispielsweise bei einem Zink-Mangel: Zink nämlich reguliert bekanntlich die Protein-Synthese, entsprechend auch die Synthese des Vitamin-D-Rezeptors, der auch nur aus Aminosäuren besteht, entsprechend ein Protein ist.

Zusätzlich, so schreiben Autoren einer anderen Studie, kann ein Zink-Mangel dazu führen, dass nicht die maximal mögliche Calcitriol-Konzentration erreicht werden kann – beispielsweise, wenn ein hoher Calcitriol-Wert aufgrund einer Calcium-armen Ernährung nötig ist. Zink moduliert anscheinend die Calcitriol-Bildung, kann entsprechend die lokale Calcitriol-Bildung forcieren.

Es geht noch weiter: Der Vitamin-D-Rezeptor selbst kann Zink binden und die Zink-Zellkonzentration moduliert (!) entscheidend die Rezeptor-Gen-Interaktion. In anderen Worten: Die richtige Zink-Konzentration muss gegeben sein, dass das Calcitriol überhaupt die Genexpression verändern kann.

… und Vitamin A (Retinol) auch

Der Vollständigkeit halber muss erwähnt werden, dass der Vitamin-D-Rezeptor, Calcitriol-gebunden, mit dem RXR-, dem Vitamin-A-Rezeptor wechselwirkt und einen sogenannten Heterodimer bildet. Ein Vitamin-D-Rezeptor verknüpft sich dabei mit einem RXR-Rezeptor. Dieser ist in der Regel allerdings nicht besetzt, heißt keine Retinsäure (Hormon, das aus Vitamin A gebildet wird) gebunden ist.

Dachte man jedenfalls.

Bis man herausgefunden hat, dass Rachitis-resistente Tierchen, deren Vitamin-D-Rezeptor nicht richtig funktioniert, wieder auf Vitamin D ansprechen, sobald Retinsäure (9-cis) gegeben wird und an den RXR-Rezeptor bindet. Soll heißen: Vitamin A stellt die Calcitriol-Wirkung wieder her.

Bevor jetzt allerdings einige wieder auf die Idee kommen, Vitamin-A-Präparate zu kaufen: So einfach ist das leider nicht, denn Vitamin A kann die Vitamin-D-Wirkung ganz potent antagonisieren. Männer die Calcitriol (nicht verwechseln mit Vitamin D, an dieser Stelle) zusammen mit „Leber“ (äquivalente Vitamin-A-Menge) verzehren, erfahren einen deutlich niedrigeren Calcium-Anstieg, da Vitamin A schlicht die Calcitriol-Wirkung aufhebt.

Das ist nicht alles: Retinsäure (9-cis) verändert die calcifiziernde Wirkung des Calcitriol. Es blockiert die Calcitriol-induzierte Genexpression, so, dass keine Arterien-Verkalkung auftritt und, dass du jetzt komplett durcheinander kommst: Calcitriol selbst steigert die Vitamin-K1-Konversion, die MK4 entstehen lässt, cis-9-Retinsäure macht  im Grunde das Gegenteil und verringert die Vitamin-K-Konzentration. Einmal durchatmen bitte, es war nur eine weniger repräsentative Tierstudie … 🙂

Vitamin A und Vitamin D? Die Balance muss stimmen.

Marshall darf auch mitreden

Und, weil noch nicht komplex genug: Es gibt das Marshall-Protokoll, das völlig andere Sichtweisen vorschlägt. Nämlich: Den blockierten Vitamin-D-Rezeptoren „scharf“ zu machen durch Vitamin-D-Restriktion. Das ist freilich auch nicht aus der Luft gegriffen, verstehst du?

Ganz im Gegenteil. Mittlerweile wurde mehrfach zu ebendiesem Phänomen publiziert. Autoimmunerkrankungen, so besagt die Hypothese, seien das Resultat einer Vitamin-D-Rezeptor-Dysfunktion, wobei die Vitamin-D-Gabe an sich das Problem nicht bessert, sondern verschlechtert – im Gegenteil: Vitamin D müsse gemieden und ein Vitamin-D-Rezeptor-Agonist (der die Vitamin-D-Bindung verhindert) könne die VDR-Dysfunktion umkehren.

Hätten diese Forscher auch nur ein bisschen recht mit dem, was sie da sagen, dann müssten wir die Periodisierung neu evaluieren. Vielleicht wäre es aus dieser Perspektive gar nicht so ungeschickt, im Winter sehr niedrige Vitamin-D-Werte zu erreichen, um den Rezeptor sozusagen wieder freizulegen für das Vitamin-D-Sommer-Hoch – wer weiß das? Nur … Dann hätten wir sie wieder, die natürlichen Rhythmen, die im Kontrast stehen zu unserem starren, „maschinistischen“ Weltbild.

Aha. Schlau ist also der, der nicht nur weiß, wie man kauft und konsumiert, sondern viel mehr weiß, wie die jeweilige Substanz zu einem gegebenen Zeitpunkt, bei einem bestimmten Zustand wirkt – und als Folge entsprechend moduliert.

Das hatten wir schon beim Eisen, du erinnerst dich?

Fazit? Was lernen wir nun daraus?

Calcium-VitD-Calcitriol

Viele Leser wollen lernen, am besten Anweisungen erfahren – so und so musst du das machen! Was lehrt uns dieser Artikel? Dass du dich am besten von dieser Vorstellung verabschiedest und aufhörst, die Wunderheilungsgeschichten von anderen zu glauben und replizieren zu wollen. Aufhören, Wert XY anzupeilen. Aufhören, zu glauben, du seist in irgendeiner Weise vergleichbar mit deinem Nachbar, mit diesem Vitamin-D-Buchautor oder mit mir. So ein Quatsch!

Die Take-Home-Message dieses Artikels ist: Du spielst an einem riesig komplexen System herum, bist aber felsenfest davon überzeugt, dass man nur diesen einen Wunderstoff hoch genug dosieren muss und alle deine Probleme verabschieden sich.

Eine Gegenfrage sei mir erlaubt: Was ist so schwer daran, wie von Anfang an (Handbuch, du erinnerst dich?) klar artikuliert, das System breit genug aufzustellen und gewisse Grenzen, Limitationen zu akzeptieren und Perfektionismus (oder Wahn?) zu vergessen?

Das, was am Ende nämlich über deinen Erfolg entscheidet, ist nicht dieser eine Stoff, den du einwirfst, sondern das, was dein Körper, dein ganz eigenes System damit macht – und dafür braucht es eben von allem ein bisschen. Wer das also nicht seinen Körper machen lassen will (Autoregulation, Homöostase), der sollte sehr, sehr genau Bescheid wissen über die vielen Zusammenhänge.

Das Ernüchternde: 99,5 % der Leser dieses Artikels tun das nicht. Sind aber felsenfest davon überzeugt, sie täten es.

Das Ziel des Handbuches, dieses Blogs war und ist es, Leser von ebendieser Materie zu begeistern, Aspekte zu erklären, Hintergründe zu erläutern, ein System-Verständnis zu generieren (!!), ein Stück weit zu bilden und ja, auch zum Ausprobieren zu ermutigen. Das, was ich derzeit allerdings beobachte ist verstandloses Einwerfen von Pillen und Pulver – bisweilen praktiziert von Menschen, die über ihre eigene Biologie überhaupt nichts wissen, generelle biologische Konzepte nicht kennen oder nicht kennen wollen, das (Nach-)Denken ablehnen (ist anstrengend) und sich leiten lassen von Populismus. Wir sind sicher Populismus-geprimet.

Woher nehmen so viele Menschen eigentlich das Selbstbewusstsein? Ich meine … Das erste, was man lernt, wenn man sich mit Biologie befasst: Demut. Groß, viel, komplex – ich: klein, unwissend. Manche verhalten sich wie ein Elefant im Porzellanladen, wissen nix über Chemie, erklären aber anderen, warum Vitamin K2 so unendlich viel besser und anders ist als K1, haben noch nie selbst eine wissenschaftliche Arbeit geschrieben (ja, ja, mit Quellen und so …), rechnen einem aber vor, wie viel Vitamin-D-Einheiten benötigt werden. Oh man!

Literatur

Albert, Paul J, Amy D Proal, and Trevor G Marshall. „Vitamin D: the alternative hypothesis.“ Autoimmunity reviews 8.8 (2009): 639-644.

Bettoun, David J et al. „Retinoid X receptor is a nonsilent major contributor to vitamin D receptor-mediated transcriptional activation.“ Molecular Endocrinology 17.11 (2003): 2320-2328.

Fu, Xueyan et al. „9-Cis retinoic acid reduces 1α, 25-dihydroxycholecalciferol-Induced renal calcification by altering vitamin K-dependent γ-carboxylation of matrix γ-carboxyglutamic acid protein in A/J male mice.“ The Journal of nutrition 138.12 (2008): 2337-2341.

Hegsted, Maren et al. „Effect of boron on vitamin D deficient rats.“ Biological trace element research 28.3 (1991): 243-255.

Jacobs, Elizabeth T, Mark R Haussler, and María Elena Martínez. „Vitamin D activity and colorectal neoplasia: a pathway approach to epidemiologic studies.“ Cancer Epidemiology Biomarkers & Prevention 14.9 (2005): 2061-2063.

Johansson, Sara, and Håkan Melhus. „Vitamin A antagonizes calcium response to vitamin D in man.“ Journal of Bone and Mineral research 16.10 (2001): 1899-1905.

Kimmel, Paul L et al. „Zinc modulates mononuclear cellular calcitriol metabolism in peritoneal dialysis patients.“ Kidney international 49.5 (1996): 1407-1412.

Miljkovic, Dusan, Natasha Miljkovic, and Mark F McCarty. „Up-regulatory impact of boron on vitamin D function–does it reflect inhibition of 24-hydroxylase?.“ Medical hypotheses 63.6 (2004): 1054-1056.

Newnham, Rex E. „Essentiality of boron for healthy bones and joints.“ Environmental health perspectives 102.Suppl 7 (1994): 83.

Rohde, Cynthia M et al. „Vitamin A antagonizes the action of vitamin D in rats.“ The Journal of nutrition 129.12 (1999): 2246-2250.

RUDE, ROBERT K et al. „Low serum concentrations of 1, 25-dihydroxyvitamin D in human magnesium deficiency.“ The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 61.5 (1985): 933-940.

Sánchez‐Martínez, Ruth et al. „The retinoid X receptor ligand restores defective signalling by the vitamin D receptor.“ EMBO reports 7.10 (2006): 1030-1034.

Waterhouse, Joyce C, Thomas H Perez, and Paul J Albert. „Reversing Bacteria‐induced Vitamin D Receptor Dysfunction Is Key to Autoimmune Disease.“ Annals of the New York Academy of Sciences 1173.1 (2009): 757-765.

Yu, XD et al. „[Effect of zinc deficiency on the protein expression of vitamin D receptor and calcium binding protein in growth-stage rats duodenal mucosa].“ Zhonghua er ke za zhi. Chinese journal of pediatrics 44.1 (2006): 11-14.

Zittermann, Armin. „Magnesium deficit-overlooked cause of low vitamin D status?.“ BMC medicine 11.1 (2013): 229.

Vitamin-A-D-Interaktion, andernorts beleuchtet.

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14 Kommentare, sei der nächste!

  1. Bäm. In your Face.

    Letzenendes bringt nur ehrliche, kühle und kompetente Reflexion einen Mehrwert.

    Dieser Mehrwert wird hier unverblümt dargeboten. Bitte mitnehmen, nicht flennen.

    Vielleicht sollte man sich tatsächlich einen Mangel ganz besonders hochdosiert verknüpfen… den an Demut

    1. Danke für deinen Kommentar!

      Sehr gut ausgedrückt.

      Manchmal würde ich Lesern gerne mal eine Arbeit in die Hand drücken, die sich mit dem molekularen (nicht epidemiologischen!) Hintergründen befasst – oder mitnehmen, zu Professoren-Vorträgen an der Uni, wo Ergebnisse vorgestellt werden, die so hochkomplex sind, dass man kaum ein Wort versteht.

      Vielleicht wäre dann ein Stück Demut (aber auch Dankbarkeit!) gegeben.

      1. Die Demut ist die Tugend, durch die der Mensch in der richtigen Erkenntnis seines Wesens sich selbst (!) gering erscheint.

        Ich fürchte diese Erkenntnis ist nicht lehrbar. Aber durchaus lernbar!

  2. Das bringt uns dann mal wieder zur Frage, was von sog. Referenzwerten eigentlich zu halten ist.
    Ich meine, die können ja durchaus sinnvoll sein, sozusagen im Mittel, aber nicht unbedingt für jedes Individuum gleichermaßen, wegen der hier angesprochenen Interaktionen mit anderen Mikronährstoffen.

    Außerdem fehlt gerade beim Vit D die Rückkopplung. Woran merke ich, dass es mir hilft? Gibt es irgendeinen sinnvollen Test? Vom Knochen Auf- und Abbau merkt man ja (mittelfristig) nichts.
    Ist Müdigkeit ein guter Indikator? Eher nicht, hat meistens andere Ursachen.

    Grüße
    Peter A.

    1. Hi Peter,

      genau das ist das Problem.

      Es gibt zwar eine Art Rückkopplung bei Calcitriol (siehe dazu den letzten Vitamin-D-Artikel), allerdings könnten Laien auch massive Probleme bekommen: Würden die nämlich viel Vitamin D schlucken stiege auch Calcitriol an. Heute gängig sind Calcium-arme Ernährungen, Calcium als Calcitriol-Antagonist fiele weg, im Gegenteil: Bei Calcium-Mangel fährt Calcitriol weiter hoch – dabei will der Calcium-Wert angehoben werden, Folge: Calcium aus Knochen wird frei. Im schlimmsten Falle ergibt sich eine Calcifizierung der Arterien.

      Und dann hätten sich viele selbst ein Bein gestellt.

      Es sind so banale Wechselwirkungen, die noch viel gravierender Ausfallen können, wenn man die vielen Wechselwirkungen studiert.

      Drum schüttle ich derzeit einfach nur noch den Kopf bei den vielen „Ratschlägen“ und dieser Hauptsache-rein-Mentalität.

  3. bei ausschliessung von mängeln wäre jeder hier mit 2 per day und evtl paar andere sachen die darin nich in optimaler form/menge vorhanden sind besser dran, anstatt irgendwo unphysiologisch reinkippen und das system aus dem gleichgewicht zu kippen.
    ich kann dich verstehen chris, aber auch die leser. du zeigst lösungen aber muss dir auch eingestehen das deine alten vit d texte schon zum reinkippen animieren konnten. woher sollen die leute hier ne ahnung haben welche coenzyme/ wechselwirkungen usw. bei einer Substitution von stoff a nötig sind. du forderst zwar stufe 2 denken aber hier fehlt es den meisten schon an stufe 1

    1. Alex,

      du hast recht.

      Es gibt immer mehrere Versionen von Aspekten.

      Als Beispiel: Das Handbuch wurde geschrieben, um Leute zu begeistern, quasi als Sprungbrett.

      Nicht, dass sie dann alle nur noch NEM kaufen und möglichst in Hochdosen – sondern um ein Gespür, ein Gefühl zu bekommen von der Möglichkeit, die wir haben. Und bei Büchern und manchen Texten ist es einfach wichtig, nicht zu befremdlich zu wirken – sonst liest es ja keiner.

      Mir geht und ging es immer darum, den Leuten den Anfang leicht zu machen, aber unter der Voraussetzung, dass diejenigen sich dann auch intensiver damit befassen wollen. (Leider beginnt hier schon das große Problem: Die wichtigen, langen, theoretischen Text liest keiner.)

      Und ich bin mir sicher: Viele tun das auch. Siehe dazu nur zum Beispiel das Forum. Es begeistert und freut mich.

      Freilich ist das Risiko beim sanften Ausprobieren sehr gering, soll heißen, dass wenig bis nichts passieren kann.

      Aber die Szene hat sich verändert. Heute ist fast gang und gäbe jeden Stoff zu feiern (Bor, Jod, Vitamin D, Eisen und Co.), für jeden Stoff gibt es Facebook-Gruppen, Wissenstransfer und, und, und.

      Dabei entsteht allerdings eine Transformation vom Probieren hin zum exzessiven Nutzen, was die meisten nicht merken.

      Und genau dort setzen wichtige biologische Konzepte an, die den meisten einfach fremd sind.

      Da ich immer deutlicher spüre, dass viele eben nicht in der Lage sind, korrekt und eigenverantwortlich zu handeln, muss ich zumindest bei Kernthemen entgegensteuern.

      Und ich muss gestehen: Populismus vieler Autoren und „Experten“ macht es mir nicht leicht.

      Wir bewegen uns immer noch entlang desselben Spektrums, immer noch geht es um Aufklärung, Möglichkeiten und Co. – bei den letzten Vitamin-D-Artikel eben eine andere Art.

      LG, Chris

    2. „Die Leute“ hätten mehr Ahnung, wenn sie lesen würden. Aber viele sind zu bequem und überlesen nicht selten relevante Facts der Artikel oder es fehlt eben das Grundlagenwissen – dann muss man vllt. vorher mal kurz eintauchen bei Wikipedia oder anderen Plattformen die dieses Grundlagenwissen bieten. Die Seite hier ist ja keine Einführung in die Naturwissenschaften.
      Da kann aber Chris bzw edubily nichts dafür, der STETS betont, dass es hier eben nicht um das bereits überall im Netz auffindbare, teils groteske Headlining geht, dass für den Average-Joe konzipiert ist und ein jeder versteht und zufriedenstellt, wenn er bei Google „was tun gegen Erkältung, warum bin ich immer müde“ eingibt.
      Die Seite hier hebt sich ja eben genau deshalb ab, weil sie nicht bequem in eine Richtung trompetet sondern kritisch Zusammenhänge – auch von mehreren Seiten – beleuchten will.
      Da liegt es in der gesunden Natur das Sache, dass durchaus auch Widersprüche auftauchen. Alles andere ware ja auch nicht authentisch!
      Denn grade die stetige Auseinandersetzung mit der Materie führt ja immer wieder auch zu neuen Erkenntnissen und daher ist es ein Zeichen von Qualität, wenn Inhalte aufgegriffen und vielleicht auch in einem anderen Licht betrachtet oder teilweise revidiert werden.
      Hier wird eben nicht stur aus Eitelkeit oder Publikums-verträglichen Gründen bei einer Meinung oder Einschätzung verharrt.
      Ich wiederhole mich da gerne: das ist ein ausgezeichnetes Merkmal und es wird in fast jedem Beitrag auch die Individualität betont, die man nicht unterschätzen darf und die im Uebrigen sehr dabei hilft zu verstehen, warum nicht alle Menschen in ähnlichem Umfang von Massnahmen profitieren können.

  4. Was hältst du von der Annahme, dass eine Blockade des Vitamin D Rezeptors zu immensen Problemen führen kann, vor allem, wenn (massiv) supplementiert wird? (NNS, Burn-Out)

    Wäre eine adäquate Herangehensweise beide Formen des Vitamins im Blut zu messen?

    Falls sich diesbezüglich eine Blockade bestätigt, Zink und Vitamin A Wert gut sind, was wäre der nächste Schritt?

    Leider, leider macht die Akzeptanz des System-Gedankens das Denken nicht einfacher…

    1. Naja, meiner Erfahrung nach liegen Marshall und seine Kollegen leider durchaus verortet in Richtung der elenden Wahrheit !

      Vitamin-D Zufuhr ist hier sehr tricky:

      Die Menschen „fühlen“ sich ja „besser“ !
      Was sich schlagartig ändert, wenn sie (umständehalber) dann
      doch wieder AMP`s bilden, und die sog. „Herxheimer Reaktionen“
      voll einschlagen !

      Was mich massiv an Marshalls Protokollen stört, ist die jahrelange Einnahme
      diverser Antibiosen !

      Die Schäden, die hierdurch entstehen dürften, werden
      keinesfalls ohne beträchtliche Konsequenzen bleiben.

  5. Das mit der Komplexität und der Kritik am sinnlosen Supplementieren ist ja sicher richtig. Es ist auch richtig, dass nicht jeder viele Fachtexte studieren und verstehen kann. M.E. auch nicht soll. Ich möchte mal folgende Sicht äußern:

    Allen Handlungen liegt eine Modellvorstellung zugrund, anhand der wir entscheiden, welche Handlung zu welchen Konsequenzen führen wird. Anhand dieses Modells wird eine Entscheidunge getroffen. Das Modell kann auch falsch oder zu einfach sein. Der Entscheidungsprozess kann auch unbewusst ablaufen.

    Nun wäre es Aufgabe, anhand der bekannten Erkenntnisse solche Modell z.B. für Supplementierung, aufzustellen. Das Problem der biochmeschen Wissenschaft besteht m.E. darin, dass sie nicht den Schritt gehen, solche Wirkmodelle zu formulieren. Alles bleibt im Ungefähren, am Ende ich jeder so schlau als wie zuvor. Demut ist gut und schön, aber letztlich führt sie auch zu nichts. Vielleicht geht es eher um den Mut, die Komplexität zu entwirren und einen Modellansatz zu formulieren, wo wie ihr es hier mit dem Wirkschema in erster Näherung schon getan habt? Die Menschen brauchen keine Vorschriften: nimm täglich die und die Dosis, aber nachvollziehbare Modellvorstellungen: was passiert wann? Das kann noch unvollständig sein oder aber auch computerbasiert, jedenfalls handhabbar in endlicher Zeit. Ich selbst denke ingenieutechnisch und beschäftige mich seit ca. 2 Jahten mit Anti/Reverse-Aging-„Technologie“.

    1. Michael, ganz lieber Einwand von dir. Aber: Diese „Modelle“ beschreiben wir hier oft genug. Das Modell heißt Mäßigung. Einfach nicht über- und nicht untertreiben. Wir untertreiben heute leider oft genug. Aber viele Leser übertreiben schon wieder. 40-60 ng/ml ist doch ein gutes Maß, nicht wahr?

      1. Ja sicher, Mäßigung ist eine allgemeine Handlungsempfehlung, besonders unter den Umständen, die wir hier haben, nämlich ziemliche Unbestimmtheit (könnte auch sagen: Unwissenheit). Mäßigung heißt eigentlich: minimiere das maximale Risiko. Dem Ingenieur sind definierte Verhältnisse lieber, nur sind wir hier nicht in der Elektronik oder Programmierung. Trotzdem, so unähnlich ist Biochemie nicht. Nur fehlen einem die geeigneten Messgeräte (weitgehend). Es ist noch zu viel „trial and error“.

        Mit „Modellen“ meine ich schon Stoffwechsel-Diagramme, wo klar ist was wodurch katalysiert oder gehemmt wird. Ja, es gibt kein Zellmodell bisher, man arbeitet dran. Braucht einen Supercomputer. Das soll aber nicht daran hindern, kleine Modelle zu entwickeln. Und schon Modelle mit 5 und mehr Stoffen brauchen eigentlich eine Computer-Implementierung, wo ich sehen kann, was passiert. Das wäre meine Intention. Ein solches Modell zwingt den Autor zur Klarheit. Kann ja als Hypothese gekennzeichnet sein oder auch Wahrscheinlichkeiten enthalten. Viele Abläufe sind ja in dieser Form vorhanden: Citratzyklus, Glykolyse, Atmungskette …

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