Wie du mit Cola deinen eingeschlafenen Stoffwechsel pushst

Abnehmen Cola

Zugegeben: Die Überschrift kommt ein wenig überspitzt formuliert daher. Aber könnte da nicht auch etwas Wahres dran sein?

Koffein arbeitet gegen Fettleibigkeit

Denn: Schon lange ist bekannt, dass Koffein das adrenerge System (= Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin) und gleichzeitig die Fettsäurefreisetzung (Lipolyse) stimuliert. Tatsächlich kann Koffein alleine die Effekte einer obesogenen Ernährung puffern, insbesondere hinsichtlich der Entstehung des sehr sensibel auf ß-adrenerge Stimulation reagierende Viszeral-, sprich Bauchhöhlenfett.

Das große Problem: „T3-Mangel“

Das größte Rätsel unserer Zeit allerdings ist ein anderes. Dieses Rätsel heißt: Trijodthyronin. Ich frage mich allen Ernstes, wieso ich jeden Tag zig Mails bekomme von Menschen, deren Schilddrüsenleistung nachweislich nicht ausreichend ist. Wieso ist das so?

So kommt es, dass wir alle möglichen Stellschrauben nach und nach abklappern und potenzielle Lösungswege suchen.

Mit Zuckerwasser den Stoffwechsel „boosten“?

Was passiert eigentlich … Wenn ein stoffwechselgesunder Mensch Zuckerwasser trinkt?

Ich habe das mehrfach probiert (auch, weil ich in allem einen kontextabhängigen Sinn sehe) und stellte jedes Mal, zumindest subjektiv, eine deutliche Steigerung meiner Stoffwechselrate fest. Ein geschulter Geist, der Schilddrüsenhormon-Wirkungen kennt und täglich erlebt, nimmt das sofort wahr. Umgekehrt lassen sich, zumindest bei mir, die „negativen“ Effekte einer zu starken Kalorienrestriktion rasch kompensieren – mit Zucker. Am besten Feigenmarmelade. Dazu bedarf es nicht einmal 400 g, 25-50 g tun es auch. Also: 100 bis 200 kcal.

Könnten diese 100-200 kcal den Stoffwechsel nachweislich „boosten“?

Wie reagiert T3 auf Nahrungszufuhr?

Nun, mittlerweile glaube ich, dass man das T3-Spiel nicht gewinnt, wenn man nur die Schilddrüse fokussiert. Das haben wir nun mehrfach klar gemacht – deshalb schreiben wir E-Books zum Thema Mitochondrien. Aber: Die Umwandlung von T4 in T3 findet in der Leber statt.

T3 ist ein anaboles Hormon, in hohen Dosen allerdings auch katabol, insbesondere mit Blick auf das Fettgewebe. Wie würde also ein gesunder Stoffwechsel reagieren, der gerade mit Nährstoffen überfrachtet wird? Genau. Mit einer Steigerung der Stoffwechsel-Rate. So jedenfalls sollte das aussehen.

Zucker bzw. Fruktose haben die Eigenheit, direkt auf die Leber zu wirken. Im Gegensatz zu Glukose, Glukose fließt eher an der Leber vorbei und landet im Muskel, drum ist Stärke dafür vermutlich nicht so geeignet.

Die Hypothese könnte lauten:

Zucker und Fruktose induzieren die Expression von „Anti-Fasten-Genen“, zum Beispiel mTOR oder andere Signalwege, in der Leber, die ihrerseits die T4-T3-Konversion stimulieren via Expression/Aktivierung von Dejodasen.

Und wie auf Nahrungskarenz?

Das ist die eine Seite der Medaille. Gehen wir nun davon aus, dass freie Fettsäuren das Gegenteil tun, die ja bekanntlich bei Diäten oder anderen kaloriensparenden Maßnahmen im Blut ansteigen, dann sollten freie Fettsäuren tatsächlich auch den T3-Wert senken. Das passiert nachweislich, denn: schon Ray Peat wusste, dass fettfrei ernährte Nager (die daraus folgend viel weniger freie Fettsäuren im Blut haben) hypermetabol werden, viel mehr T3 bilden.

Tatsächlich sehen wir ähnliche Veränderungen auch beim Menschen, dann, wenn beispielsweise Kohlenhydrate zugunsten von Fetten gestrichen werden. Im Vergleich zur Baseline-Ernährung senkt eine kohlenhydratreduzierte, fettlastige Ernährung den T3-Wert um nahezu 50 %. Werden statt Kohlenhydraten und Fetten Proteine verzehrt, sackt der T3-Wert auch ab, allerdings nicht so deutlich. Darüber hinaus wurde bereits der Unterschied zwischen einer 83-%igen Fett- bzw. Kohlenhydrat-Ernährung untersucht. Auch hier zeigt sich: Der einzige, wesentliche Unterschied der beiden ist die sehr deutliche Variation im T3-Haushalt.

Zucker boostet den Diäten-Stoffwechsel

Zurück zum Zucker. Eine Zucker-Ergänzung hat man längst am Menschen getestet: Ein paar Frauen dürfen sich hypokalorisch ernähren. 800 kcal, vornehmlich bestehend aus Protein, zero carb, sprich keine Kohlenhydrate.

Es passierte, was passieren musste: Stoffwechsel-Rate fiel (Minus 300 kcal pro Tag), zeitgleich auch die T3-Konzentration, nämlich fast 41 %.*

(* Anmerkung: Switchen Menschen auf eine Low-Carb-Ernährung, essen viel Protein, kann es passieren, dass der Hunger ausbleibt und man dazu neigt, viel zu wenig zu essen. Resultat: siehe oben.)

Wurde nun, isokalorisch natürlich, Zucker statt Protein eingeführt, stieg der T3-Wert deutlich an. Er schaffte es zwar nicht ganz bis zum Ausgangsniveau, die Stoffwechsel-Rate allerdings schon.

Wichtig: Ohne dabei Insulin zu beeinflussen, das blieb gleich niedrig.

Phosphat erhöht T3 und den Kalorienumsatz

Okay, die Zucker-Komponente für die Cola-Diät stimmt schon mal. Was ist mit der Phosphorsäure?

Gehen wir einmal spaßeshalber davon aus, dass Phosphorsäure ein guter Phosphatlieferant ist. Ist er tatsächlich.

In einer anderen, ähnlichen Human-Studie zeigten Wissenschaftler, dass eine Phosphat-Supplementation während einer hypokalorischen Diät den T3- und somit auch den Stoffwechselraten-Abfall ganz deutlich positiv beeinflusst. So konnte Phosphat den Kalorienumsatz um 12 und 19 % erhöhen.

Die Autoren glauben, Phosphat spiele eine Rolle bei der Regulation der Stoffwechselleistung. Vielleicht via Steigerung der ATP-Produktion, wer weiß? Dann nämlich wären wir wieder beim Mitochondrien-Thema.

Hier also haben wir unsere Cola-Diät.

Koffein, Zucker und Phosphat. 

Keine Cola-Diät, dafür neue Möglichkeiten

Damit wir das noch einmal klar sagen: Das war natürlich ein Gag, nicht ernst gemeint. Allerdings glaube ich, dass wir zunehmend outside the box denken müssen, um neue Stellschrauben für uns zu finden. Denn klar ist, dass wir, bei aller Aufgeklärtheit, immer noch stark dem Konzeptdenken verfallen sind. Jedes Gramm Zucker tötet und mit Zucker können wir niemals abnehmen. Vermutlich ist, zumindest kontextabhängig, das Gegenteil der Fall. Ich sage es klar und deutlich: Das wird nur funktionieren bei Stoffwechselgesunden, bei Menschen, deren System nachweislich funktioniert. Und es ist auch kein Freifahrtschein dafür … nur noch Cola zu trinken.

Darf ich mal ärgern? Mein fT3-Wert liegt weit über 3,5 pg/ml.

Literatur

Bandini, Linda G.; Schoeller, Dale A.; Dietz, William H. (1994): „Metabolic Differences in Response to a High-Fat vs. a High-Carbohydrate Diet“. In: Obesity Research. 2 (4), S. 348-354, DOI: 10.1002/j.1550-8528.1994.tb00074.x.

Hendler, Rosa G.; Walesky, Mary; Sherwin, Robert S. (1986): „Sucrose substitution in prevention and reversal of the fall in metabolic rate accompanying hypocaloric diets“. In: The American Journal of Medicine. 81 (2), S. 280-284, DOI: 10.1016/0002-9343(86)90264-0.

Nazar, K et al. „Phosphate supplementation prevents a decrease of triiodothyronine and increases resting metabolic rate during low energy diet.“ Journal of physiology and pharmacology: an official journal of the Polish Physiological Society 47.2 (1996): 373-383.

Ullrich, I H; Peters, P J; Albrink, M J (1985): „Effect of low-carbohydrate diets high in either fat or protein on thyroid function, plasma insulin, glucose, and triglycerides in healthy young adults.“. In: Journal of the American College of Nutrition. 4 (4), S. 451-459, DOI: 10.1080/07315724.1985.10720087.

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8 Kommentare, sei der nächste!

  1. gut das wir in Deutschland kein HFCS benutzen in der Coca-Cola. Deswegen hatte Peat ja seiner vornehmlich amerikanischen Leserschaft mexikanische Coca-Cola damals empfohle 🙂

    @chris wenn man deine Artikel und Buch verfolgt bist du mir desöfteren pro peat vorgekommen ausser bei Milch & PUFAs. bei PUFAs weil du da auch die vielen vorteile auf der anderen seite der medaille wichtiger findest?

    wo liegt denn dein ft3 wert genau wenn man fragen darf?

    1. Hi Alex,

      vielen Dank für deine Ausführung.

      Ja, kann gut möglich sein, dass Peat und ich ähnliche Gedanken und Ideen haben.

      Für mich ist Peat immer zwischen Genie und Wahnsinn, und was heute noch Wahnsinn ist, kann morgen schon Genie sein. Aber konkret finde ich, dass Peat in manchen Bereichen etwas zu stark einzelne Aspekte herauspickt oder diese zu stark betont, dabei den Kontext etwas aus den Augen verliert.

      Das betrifft auch mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die er selbst als giftig bezeichnet.

      Klassisches Beispiel: Er sagt, dass PUFA-Restriktion hypermetabol macht. In unserer Gesellschaft scheint das gut anzukommen, weil wir immer darauf bedacht sind, noch schlanker zu werden, noch mehr Energie zu verheizen. Ich sehe das allerdings ein wenig anders, denn nur weil etwas im Mangel dafür sorgt, dass etwas – in unseren Augen – Positives passiert, heißt das nicht, dass es auch tatsächlich, im ganzen Bild, positiv ist.

      Da gibt es sicher noch ganz viel zu sagen.

      Grundsätzlich habe ich aber großen Respekt vor Peat (vor allem in akademischer Hinsicht) und würde auch nicht so weit gehen, zu sagen, er liege gänzlich falsch. Man weiß ja nie, in welche Richtung sich eine Sache entwickelt. Derzeit aber ist es so, dass wir in den Bereichen, die ich von ihm kenne, auch viele Unterschiede zeigen.

      Mein ft3-Wert bewegt sich immer zwischen 3,8 und 4,1 pg/ml.

      1. ja habe auch sehr grossen Respekt vor seinen Arbeiten vorallem für SD Gesundheit. Nur da ich mir geschworen habe nie wieder einem „Guru“ zu verfallen 🙂 picke ich mir nur die Sachen die mir gefallen raus.

        ach dann haben wir ja fast denselben ft3-wert (trotz hashimoto) haha.

        Gibt es vllt eine Methode T2 sich selber zu machen a la edubily? ich denke ausser schweineschilddrüssenextrakt gibt es da keine Möglichkeiten ? oder?

      2. Ich finde RP ebenfalls b/w.
        Extreme sind oft ein Problem. Andererseits hat der Mensch aber mit seiner Migration weg von ausgeglichenen Klimaten auch das Extrem gewählt (Wüste, Kälte/Schnee/Eis; Sonnenarmut), sodas bisweilen auch „Extreme“ ihre Berechtigung haben.
        Aber das Wettern gegen PUFAS kann man, wenn man die harten epidemiologischen Daten heranzieht , einfach nicht so akzeptieren.
        Die fleischlos lebenden Adventisten in Loma Linda/CA USA gehören zu den fittesten Alten auf dem Planeten und essen grössere Mengen an Nüssen.
        Viele Studien deuten auf die Vorteile eines mässigen, aber regelmässigen Konsums von Nüssen, Samen und Steinfrüchten hin.
        Zumal diese zu den ältesten essbaren Substanzen auf diesem Planeten gehören.
        Von Milchprodukten oder Orangensaft kann man das wahrlich nicht behaupten..;-)

  2. So richtig kann ich euch nicht folgen. Was folgern wir jetzt daraus für die Praxis?
    Wäre vielleicht Cola Zero oder wie das Zeug heißt (also Cola ohne Zucker) eine bessere Lösung bei diätbedingten Stoffwechselreduzierungen durch reduziertes T3?
    Und wie ist das mit dem oben angesprochenen Diiodthyronin (T2)? Schau man in
    https://autoimmunhilfe.de/t2-die-13-fee-der-schilddruesenhormone/
    Für Gesunde mag das keine Lösung sein, wenn dadurch wirklich TSH absackt. Aber für uns Hasimoto-Kranke ….
    Und: Wenn diätbedingt T3 absackt, müßte das nicht auch einen reduzierten TSH zur Folge (bzw. als Voraussetzung für den geringeren T3, falls auch die externe Konversion durch TSH gesteuert wird) haben, also die Folgen der zusätzlichen Gabe von T2 sich in Grenzen halten?
    Wie muß eigentlich der Diiodthyronin (T2) Wert sein und gibt es ein Substitionspräparat?

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