DAS ist der stärkste Mitochondrien-Booster

Kreatin ist der stärkste uns bekannte Mitochondrien Booster

Der stärkste uns bekannte Mitochondrien-Booster ist … Kreatin.

Die Kraftsportler klatschen nun Applaus und klicken den Artikel weg. „Nicht schon wieder Kreatin“. Die anderen Leser haben ein Fragezeichen zwischen den Ohren.

Zugegeben: Kreatin ist kein Mitochondrien-Booster, sondern ein ATP-, sprich Energie-Booster. Also genau das, was wir immer haben wollen, wird uns hier – vermutlich – geschenkt.

Doch wie komme ich drauf?

Vorgestern haben wir gelernt, dass ein Kreatin-Mangel in den Muskelzellen zu einem ATP-Drop von ca. 50 % führt. Der „Energie-Etat“ wird uns direkt halbiert, wenn nicht ausreichend Kreatin zur Verfügung steht. Alleine das sollte uns in Hinblick auf gängige Ernährungsmodelle hellhörig werden lassen – angefangen bei Vegetarismus hin zum Veganismus etc.

Im Oktober dieses Jahres erschien eine Arbeit im Cell-Journal. Cell ist ein sehr renommiertes Journal und jeder Wissenschaftler würde dort gerne seine Arbeiten publizieren. Daher kann man vermuten, dass die Studien-Message recht beeindruckend bzw. neuartig ist, sonst würde Cell nicht drüber berichten.

Was die Forscher bei ihrer Arbeit entdeckten

Zum Thema Kalorienverbrauch und so weiter fällt uns Hobby-Biochemikern direkt das mitochondriale Uncoupling ein. Dort wird Energie hergeschenkt und geht als Wärme flöten. Das klingt zunächst einmal ganz toll. Das ist es aber nur, wenn es kontrolliert geschieht, weil das unter Umständen zu einem ATP-, sprich Energiemangel in den Zellen führen könnte.

Dennoch ging man grundsätzlich davon aus, dass ein Großteil des Kalorienverbrauches über dieses Uncoupling gesteuert wird. In diesem Zusammenhang wurde das sogenannte braune Fettgewebe bekannt. Im Handbuch hatte ich bereits darüber berichtet. Das ist ein Fettgewebe, das sich nicht wie ein klassisches Fettgewebe, sondern eher wie ein verschwenderischer Muskel verhält – es enthält viele Mitochondrien und oxidiert Fettsäuren, setzt als Ergebnis Wärme frei und hebelt so, zumindest gefühlt und im Hinblick auf unsere Hauptprobleme (Babyspeck), den ersten Satz der Thermodynamik aus.

Neben dem braunen Fettgewebe gibt es auch eine Mischung aus braunem und weißem Fettgewebe, was man „beiges Fettgewebe“ nennt.

Die Forscher nutzten dieses bereits stoffwechselaktive Fettgewebe, um Experimente durchzuführen.

Sie fanden heraus: Diese Fettzellen verschwenden Energie nicht nur sinnlos (= Energie geht in Form von Wärme flöten). Tatsächlich produzieren diese Fettzellen vermehrt Kreatin und entsprechende Enzyme, wenn sie stimuliert werden – zum Beispiel durch Kälte, aber auch durch Stress (Adrenalin und Noradrenalin). Die Forscher interessierten sich für die Hintergründe und induzierten der Zelle einen Kreatin-Mangel.

Dieser Kreatin-Mangel hatte als Folge, dass die Fettzelle viel weniger Energie umsetzte. Das nennen wir Stoffwechselaktivität oder Kalorienverbrauch.

Zu wenig Kreatin in der (Fett-)Zelle und die Stoffwechselaktivität sackt ab. Dies wiederum deckt sich mit den oben gezeigten Effekten in der Muskelzelle. Weniger Stoffwechselaktivität heißt nämlich auch: weniger ATP-Synthese.

Doch wie kommt das? Was macht Kreatin da?

In einem Interview erklärt der Chef-Wissenschaftler dieses Teams:

Gibst du isolierten Mitochondrien Kreatin, dann steigt die ADP-abhängige Atmung (= mitochondriale Energiegewinnung) ganz massiv an. 

Aha. Tröpfelst du also Kreatin auf die Mitochondrien, werden die jugendlich und voller Elan, springen und tanzen.

Der Punkt ist: Aus vielen Arbeiten ist bekannt, dass ADP (das Abbauprodukt von ATP) die mitochondriale Energiegewinnung ganz massiv hochfährt. Das ergibt auch Sinn. Wenn die Zelle viel Energie umsetzt (= ATP verbraucht), entsteht viel ADP. Dieses ADP gibt den Mitochondrien das Signal zur Neubildung von ATP (aus ADP).

Kreatin seinerseits ist der zelluläre Energiespeicher. ATP nämlich kann nicht einfach so in der Ecke einer Zelle gespeichert werden. ATP überträgt ein Phosphat-Rest auf Kreatin, dadurch wird aus Kreatin das bekannte Phosphokreatin. Das ist der zelluläre Energiespeicher – und der ist, im Verhältnis zu zellulären Größenordnungen, riesig. Bei der Übertragung des Phosphat-Restes von ATP auf Kreatin entsteht dann natürlich ADP. Je mehr Kreatin als Phosphat-Abnehmer vorhanden ist, umso mehr ADP entsteht. Und dieses ADP schickt ein Feedback an die Mitochondrien: Wir brauchen mehr Phosphate in Form von ATP.

ATP + Kreatin -> ADP + Phosphokreatin (gesprochen: ATP reagiert mit Kreatin zu ADP und Phosphokreatin)

Glycin macht Kreatin macht Energie

Okay – nun will ich noch kurz den Kreis schließen.

Wir haben gelernt, dass unsere Mitochondrien im Alter faul werden und schlicht weniger Atmung (= mitochondriale Energiegewinnung) betreiben. Forscher fanden damals heraus, dass dies dadurch verursacht wird, dass Gene, die Glycin synthetisieren, abgeschaltet sind. Umgekehrt wurde gezeigt, dass Glycin diese Anomalie korrigiert.

Vorgestern haben wir gelernt: Glycin ist der Grundbaustoff von Kreatin.

Verstanden?

In einer Newsletter-Mail schrieb ich mal: Fleisch ist mitochondriale Medizin. Im Hinblick auf Taurin, Liponsäure, Q10, Kreatin und so weiter … nehme ich das immer ernster. Und wer kein Fleisch essen will, der muss sich gefälligst darum kümmern, entweder die im Fleisch enthaltenen Stoffe zuzuführen oder die für die Eigensynthese notwendigen Bausteine in ausreichender Konzentration zu essen. Im Falle von Kreatin: Glycin, Arginin und die im Homocystein/Methionin-Zyklus involvierten Substanzen.

Literatur

Kazak, Lawrence; Chouchani, Edward T.; Jedrychowski, Mark P. u. a. (2015): „A Creatine-Driven Substrate Cycle Enhances Energy Expenditure and Thermogenesis in Beige Fat“. In: Cell. 163 (3), S. 643-655, DOI: 10.1016/j.cell.2015.09.035.

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  • Wade

    Wird es nicht immer genau andersrum propagiert, nämlich dass in der Zelle Kreatinphosphat der Phophat-donator ist und bei der ATP-Nutzung ein P abgespalten wird, welches dann durch das Phophat, dasan Kreatin hängt wieder zu ATP synthetisiert wird?

  • Manuel Drockner

    Warum empfiehlst Du (anscheinend) die Aufnahme von Glycin zur Steigerung der Kreatinkonzentration und nicht direkt von Kreatinmonohydrat? Oder habe ich etwas falsch verstanden?

    • edubilyde

      Die Glycin-Kreatin-Verbindung ist ja weiterhin nur eine Hypothese und ein Zusammenhang, den ich vorher nicht gesehen habe.

      Aber: Glycin und Kreatin an sich haben beide ja auch weitere unterschiedliche physiologische Bedeutungen, die Wege kreuzen sich nur vielleicht an dieser Stelle.

  • Sabine

    Na, wie wäre es denn, wenn ihr euch mal daran macht, eine vegane Proteinpulvermischung zu basteln, die dem Aminosäureprofil von, sagen wir mal, Rindfleisch entspricht und schüttet all die guten Sachen dazu, die uns Veganer gesund halten, ohne dass ein Tier dafür sterben muss? Das wäre doch mal so richtig geil!

    • edubilyde

      Sabine, da sind wir tatsächlich schon länger dran. Leider ist das gar nicht so einfach. Wird aber irgendwann kommen!
      LG Phil

      • Sabine

        Super, ich melde mich schon mal als regelmäßige Abnehmerin an!!! Ich verstehe die Argumente für Fleisch ja, kann mich aber nicht zum Fleischessen durchringen. Leben findet ja nicht nur auf der körperlichen Ebene statt sondern auch auf der mentalen und spirituellen, und dort geht Fleischessen für mich persönlich nicht mehr. Und alle die Substanzen, die ich eigentlich bräuchte, einzeln zuzuführen,finde ich enorm aufwändig und auch kompliziert, zumal ja stetig neue Erkenntnisse dazu kommen. Also, bitte weiter basteln und nicht aufgeben! 🙂

        • Thomas

          Ich möchte jezt nicht moralisch wirken. Oder verachtend. Oder herabwertend. Womöglich werde ich aber genauso wirken. Aber ich bitte dich einfach nur, falls DU das liest, jetzt egal wer, und dich vegetarisch / vegan / ve-wie-auch-immer-das-zeug heisst. Und du das aus dem Grund tust, „Ich esse kein Fleisch, weil ich kein Fleisch essen kann, weil man Tiere nicht töten sollte“ oder ähnliches. Dann sage ich dir, du bist ein Heuchler. Ein RIESENGROSSER Heuchler. Meinetwegen auch eine Heuchlerin. Denn nach diesem Grundsatz ist es meiner Auffassung mindestens genauso schlimm Pflanzen zu verzeheren. Das sind auch Lebewesen, sie sterben. Wohlwissen nicht bei einem Bewusstsein. Aber macht es das besser? Ich finde absolut nein! Ich finde es noch viel schlimmer, denn Pflanzen können sich im Gegensatz zu Tieren überhaupt nicht wehren! Bitte stell dir einmal vor, eine Pflanze hat eine Seele (sofern du daran glaubst bei Tieren), mache dir klar sie ist ein Lebewesen und frage dich dann was du wirklich vertrittst.
          Bist du vegetarier weil es mal hip war? Mal im Trend und angesagt? Oder stimmt das „ich kann kein Fleisch essen“ vielleicht gar nicht?

          Ich bitte darum mit meiner Aussage auch differenziert umzugehen. Ich habe sie nur auf Grundlage des Glaubens an ein Leitmotiv wie „ich kann keine Tiere töten / essen / es sind Lebewesen / etc.“ gekoppelt. Wer sich vegetarisch ernährt, einfach nur weil er es toll findet. Oder weil er es gesünder findet. Das ist vollkommen in Ordnung. Das sage ich nichts dagegen. Wenn einer keine Lebewesen töten kann, finde ich auch total in Ordnung, ich möchte nur gerne dabei zusehen wie er verhungert oder ein Stück Fleisch und ein Glas Blut des selben Tieres verschlingt das vor ihm liegt. Der Trieb, der Instinkt, das innere in unserem Menschen, so unfassbar und unnahbar es sein mag, es wird siegen. Es ist ein purer Luxus unserer Zeit, sagen zu können, ich bin Vegetarier. Und nur ein ganz kleiner Prozentsatz unter Vegetariern oder Veganern wird sagen, ja du hast Recht. Und wird sich hinsetzen und verhungern. Ein verschwindend geringer Teil. Vielleicht einer aus Millonen, oder einer aus Millarden. Ich weiß es nicht.

          Letztlich möchte ich sagen, ich werde niemals sagen „Hör auf Vegetarier zu sein!“. Denn es ist jedermanns freie Entscheidung was er in welchen Mengen in sich hineingeben möchte.
          Doch ich bin entschieden gegen die Heuchelei, entschieden gegen das argumentlose Vorgehen von Vegetariern. Argumentiert. Setzt euch mit eurer eigenen Überzeugung auseinander. Das können nur ganz wenige Menschen. Dazu versuche ich zu animieren.
          Denn in einer Kontroverse zwischen Fleischessern und Vegarnern (stellvertretend für alle Formen des nicht Fleisch, Tier oder sonstwas lebendigem essens aus dem Grund der Lebensvernichtung) müssen immer wir die Argumente liefern. Ich sage: Die Evolution wird euch alle dazu bringen, ein Stück Fleisch zu essen. Eure Triebe werden es. Seid froh über den Luxus. Kein Luxus währte endlos.

          Ich esse Fleisch, es schmeckt, es ist der Lauf der Dinge, ich habe noch nie ein Tier getötet, dass ich nicht gegessen habe. Einzig Fliegen und Spinnen, doch die letzte ist Jahre her. Denn das war falsch. Beides, denn es sind Lebewesen, die ein Leben haben, genauso wie ich.

  • Thorsten Stock

    Dazu möcht ich ein paar Anmerkungen loswerden:
    1.) Vegan / vegetrarisch zu leben, weil man mit der eignen Existenz nicht für den Tod von Tieren verantwortlich sein will, ist eine legitme persönliche Entscheidung. Dies fußt meines Erachtens (nur) auf ethischen un moralischen Ansichten und Grundsätzen des Betreffenden.
    Ethik und Moral sind aber menschgemacht und unterliegen eine zeitlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Wandel. Biochemie tut das nicht!!!

    2.) Oftmals reklamieren Veganer / vegetarier eine höhe Moral für sich und werten damit (manchmal/oftmals durchaus gewollt) alle anderen ab. Umgekehrt habe ic das deutlcih seltener erlebt.

    3) Felix Olschewski von Urgeschmack hat einen interessanten „Gedankenanreger“ zu dem Thema geschrieben („verursachen vegetarier mehr blutvergiessen als fleischesser“). Auch Veganismus ist nicht ohne tote Tiere möglich.

    Für mich bleibt unterm Strich: Es soll jeder so satt und glücklich werden wie er will; aber bitte ohne missionarischen Eifer, ohne absolutistische Anwandlungen und ohne moralische Selbsterhöhung.