Mit Arginin das Altern umkehren?

Ist Arginin ein Jungbrunnen

Ich wünsche mir von Herzen, wirklich, dass das, was in unseren Guides ganz gewissenhaft niedergeschrieben wurde, irgendwann Standardwissen ist. Eine Sache, die man jedem Kind direkt auf die Nase bindet.

Biochemie ist Medizin 2.0

Die Kinder der Zukunft sollten direkt erfahren, wie ihr eigener Körper, wie ihre eigene Hardware funktioniert.

Ich finde, das ist doch ein sinnvoller Gedanke, oder nicht? Wer Auto fahren will, geht vorher auch erst einmal zur Fahrschule, besucht den Theorie- und Praxis-Unterricht.

In unserer Schule wird … was gelehrt? Die Gedichtinterpretation. Irgendwelche mathematischen Gleichungen. Französisch.

Es ist nicht so, dass es unwichtig wäre. Nur offen gesagt: Ich kann nicht verstehen, dass wir die Schule verlassen, alle hochgebildet sind, aber den eigenen Körper nicht einmal ein bisschen kennen.

Ich will mir kein Urteil über andere Menschen erlauben, aber … ich sehe sie täglich, die Schlauen, die Akademiker.

Hochbegabt, hochintelligent – aber ein Körperbewusstsein? Da fragt man sich im Ernst, ob man einige Begriffe eventuell neu definieren sollte.

Von der Umgangssprache zum Stickoxid und Arginin

Aufmerksame edubily-Leser wissen, dass wir in verschiedenen Versionen daherkommen. Mal locker-flockig, mal ernst, mal wissenschaftlich, mal weniger wissenschaftlich, mal eloquent, mal umgangssprachlich.

So war das auch damals mit L-Citrullin. (Dieser Artikel war freilich nicht an den Doktor der Chemie gerichtet.)

Mit Arginin das Altern umkehren?

Weil mir das NO-Citrullin/Arginin-Thema wichtig war und ist, habe ich direkt einen NO-Guide hinterher geschoben, dieses Mal so wissenschaftlich und einwandfrei aufgebaut, dass … man es einfach auch mal akzeptieren sollte. Oder das Gegenteil beweisen. Mindestens auf diesem Niveau.

Heute möchte ich einmal eine Studie zitieren, die, im Schluss-Teil, 1:1 den NO-Guide zusammenfasst … plus Ergänzung!

Bei der Arbeit handelt es sich durchaus um eine recht chemisch angehauchte, drum ist sie auch in einem Journal erschienen, wo Arbeiten der Kategorie „Organische Chemie“ erscheinen.

Daher erspare ich euch diesen Teil. Springen wir zum wesentlichen Teil – im Folgenden die Key-Points (übersetzt aus dem Englischen):

  • Nach 28 Lebensjahren stellt der Körper die Arginin-Synthese ein. Ab dann (28) beginnt das Altern. (Wir alle kennen ja diesen Spruch: „Ab 30 geht’s bergab.“)
  • Die Arginin-Konzentration sinkt und damit einhergehend die ATP-Produktion der Mitochondrien.
  • Die Zelle versucht nun zunehmend den Energiebedarf via Glykolyse zu decken. (Eine Sache, die man gerade bei Diabetikern findet.)
  • Die Mitochondrien-Struktur ändert sich: Sie vergrößern sich (Schwellung).
  • Diese Struktur lässt freie Radikale (genauer: reaktive Sauerstoffspezies) entstehen.
  • Daraus folgt: Entstehung von DNA- und mtDNA-Mutationen werden begünstigt.
  • DNA-Mutationen verursachen Krebs.
  • Die Telomere (die Schutzkappen der DNA) werden selbst beschützt durch Methylierung von Arginin-Resten.
  • Das aus eNOS (was das ist? Hier geht’s zum Guide) und Arginin gebildete NO (Stickoxid) verlangsamt signifikant das Altern von Endothelzellen und hemmt den altersbedingten Abfall der Telomerase-Aktivität. Telomerase verlängert die Telomere (siehe oben).
  • Übergewicht und Bluthochdruck lassen Asymmetrisches Dimethylarginin, kurz ADMA, entstehen.
  • Dieses ADMA konkurriert mit Arginin um die Plätze im eNOS-Enzym.
  • eNOS bekommt nicht seinen gewünschten Reaktionspartner (Arginin), es findet eine sogenannte Enzym-Entkopplung („uncoupling“) statt.
  • Diese Entkopplung sorgt dafür, dass Elektronen nicht beim Arginin landen, sondern auf Sauerstoff übertragen werden.
  • Das bekannte Superoxid-Radikal entsteht – das prinzipielle freie Radikal des Körpers.
  • Dieses Superoxid-Radikal schädigt die Arterien und lässt Entzündungen entstehen.
  • Arginin (und das, was daraus gebildet wird, zum Beispiel Kreatin) ist ein endogener Energiespeicher.
  • Außerdem ist Arginin direkt involviert bei der mitochondrialen Energiegewinnung.
  • Auf der anderen Seite spielt Arginin eine wesentliche Rolle bei vielen physiologischen Prozessen im Körper.
  • Ein Arginin-Defizit ist der Grund für viele Erkrankungen, frühzeitige Alterung und verkürzte Lebensspanne.
  • Das Arginin-induzierte Altern (ab dem 28. Lebensjahr) kann gestoppt werden durch eine exogene Arginin-Gabe.
  • (Ein bisschen Sport gehöre auch dazu, schreiben die Autoren.)

Arginin alleine ist’s natürlich nicht.

Kein Urvertrauen zum Körper und der Natur

Der führende Wissenschaftler, der mitgewirkt hat, war mir persönlich sogar bekannt. Vom Palo Alto Longevity Prize. Da investiert irgendein Manager einen Haufen Geld, damit wir hoffentlich einmal krankheitsfrei leben dürfen. Wieso investiert eigentlich ein Mensch? Und kein Land? Oder … 🙂 (Kleiner Tipp: Weil niemand an Arginin und Co. glaubt. Schönes Synonym für: Urvertrauen verloren.)

Falsche Korrelation: Qualität braucht keinen Doktor-Titel

Um noch einmal auf meinen Ausgangspunkt zurückzukommen: Der NO-Guide ist up to date. Leider nicht geschrieben von einem führenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet (kann ja noch werden), aber von mir, einer kleinen Nummer in der Blog-Welt.

Meine Kredibilität ist natürlich lachhaft im Vergleich zu anderen Größen. Das ist mir schon auch klar. Aber das ändert nichts am Gehalt der Themen. Kann ja jeder selbst nachlesen und studieren – in der Quellenangabe (über 150 im NO-Guide).

Solche Meldungen finde ich einfach so klasse, dass ich deren Inhalt weitergeben will. Aus diesem Grund gibt’s diesen Blog!

Sowas will doch erzählt werden!

Arginin. Citrullin. NO. Keine giftigen Substanzen, sondern, gezielt und gekonnt eingesetzt, eine Lebensversicherung.

Die Erfolge einiger Blogleser geben recht: Die Oma, die plötzlich anscheinend doch nicht mehr dement ist, weil man mal Cholin aufgefüllt hat. Der Mann, der plötzlich Kinder bekommt, weil er mal an Selen und Zink gedacht hat. Die Frau, die schwanger wird, weil … ja, das weiß ich auch nicht so genau. Ich habe aber zwei davon in meinem Mail-Postfach. Das Kind, das plötzlich kein AD(H)S mehr hat (der Bericht kommt noch). Der Mann, der plötzlich wie ausgewechselt täglich Dinge tut, für die er vorher nicht den Mut aufbringen konnte (Testosteron lässt grüßen). Und so weiter. Arginin ist bloß ein Synonym. Wenn wir das mal hochrechnen: Wie viel Potenzial wird eigentlich täglich verschenkt? Umgekehrt: Wie stark müssen sich Menschen täglich eigentlich quälen? Ich habe beide Seiten schon erlebt.

Literatur 

Kasumov, Eldar A (2014): „On the Mechano-Chemiosmotic Mechanism of Action of Guanidinies on Functional Activity of Mitochondria and Aging“. In: Organic Chem Curr Res. 04 (01), DOI: 10.4172/2161-0401.1000136.

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  • Lutz

    Was mich etwas erschreckt hat ist der erste Key-Point. Ist schon ziemlich früh im Leben, wenn man bedenkt, wie wichtig Arginin für den NO-Haushalt ist und wie wichtig dieser wiederum für die Gesundheit ist. Welchen Hintergrund aus Sicht der Evolution hat dies?
    Das heißt somit, daß wir ab da vollständig auf exogene Zufuhr angewiesen sind? Also Fleisch! 😛
    („Vogelfutter“ lass ich jetzt mal außen vor.)

    Der NO-Guide ist sehr zu empfehlen, besonders bei Autoimmunerkrankungen.
    Schlüssige Informationen und Tipps, die mir bisher viel geholfen haben.

    Wenn’s weiter so klappt –> Mail-Postfach…

    Gruß Lutz

    • edubilyde

      Hi Lutz,

      vielen Dank für deinen Kommentar.

      Ich denke da einfach daran, dass die Evolution in der Vergangenheit nur bis 30 Jahren selektierte, eben weil Individuen sowieso nicht deutlich älter wurden.

      LG, Chris

      • Lutz

        Okay, Durchschnittsalter Säuglings- und Kindersterblichkeit damals hin oder her…
        Wer gegensteuern will, weiß ja spätestens jetzt Bescheid.

        • edubilyde

          Nicht bezogen auf diese „Statistik“. Ich bin ja auch nicht auf den Kopf gefallen. 🙂

          Die Knochen, die man findet, zeigen, dass das Durchschnittsalter bei 30 Jahren lag.

          Ist ja auch wurschd.

    • S-CLASS

      im NO Guide hab ich das nich so wirklich verstanden mit autoimmunerkrankungen, nur soviel das man aufpassen soll da es auch nach hinten los gehen kann und man sich sehr um eNos kümmern sollte?!

      • Lutz

        Das ist zwar richtig, nach meiner Erfahrung kümmert man sich eher vorher erstmal um iNOS. Wie bzw. mit welchen „Mittelchen“ man das bei AIE meist entfesselte iNOS endämmen kann, steht im Guide.
        Erstmal das Entkoppeln verhindern, dann vorsichtig beginnen mit Auffüllen vom Hauptsubstrat der NO-Synthese (via Citrullin).
        Als sehr hilfreich kann ich noch Kollagen-Hydrolysat empfehlen. Hilft dem Darm und lindert allgemein Entzündungen. Einnahme Zn, Mg, Se und Vit. D sowieso von vornherein.
        Dann noch auf versteckte Plagegeister achten, die das Immunsystem auf Trab halten! -> Glutathion steigern, Anleitung hier im Blog.

        Bin z.Zt. noch meine eigene Laborratte, allerdings sind die Fortschritte bisher mutmachend.

        Gruß Lutz

    • Markus

      Hallo Lutz,

      „aus Sicht der Evolution“ ist das schon sinnvoll. Denn um eine Art zu erhalten muss diese flexibel genug sein um sich schnell an Änderungen der Umwelt anpassen zu können. Bei vorgegebener ökologischer Nische passen aber nur eine bestimmte maximale Zahl an Individuen in diese hinein. Werden diese Bewohner- bezogen auf das Alter der Geschlechtsreife, zu alt, da es die Evoution es „zu gut“ mit ihnen meinte, so geht das Durchschnittsalter dieser Population aber nach oben. Und damit der Poulationswechsel an und für sich.

      Beispiel: es passen 10.000 Jäger und Sammler in eine bestimmte Region. Werden diese im Schnitt 40 Jahre alt so gibt das 250 Geburten und somit Rekombinations- und somit Anpassungmöglichkeiten an eine sich ändernde Umwelt. Sollte eine Nachbarpopulation

      dagegen im Schnitt 60 Jahre alt werden so sind dies nur 170 Geburten im Jahr.

      Welcher der beiden Stämme sich bei sich ändernden Umweltgegebenheiten schneller anpassen und somit den anderen dominieren wird ist aus diesem Blickwinkel klar. Evolutionär hat daher der besonders langlebige Stamm eine eher niedrigere Chance, der kurzlebigere die besseren.

      Klar, übertreiben kann man das Spiel natürlich auch nicht. Denn dazu kommen noch weitere Faktoren, die dem entgegengesetzt sind. So müssen Eltern etwa im Schnitt alt genug werden um ihren Nachkommen die grundlegenden Kulturtechniken wie Jagd und Sprache weiterzugeben. Auch der Großmutter-Effekt spielt hier mit rein: https://en.wikipedia.org/wiki/Grandmother_hypothesis

      So ab 30 bis max. 40 kannst du bei fast allen Aspekten deiner optimalen Genexpression MIT der Evolution argumentieren, beim Leben (ganz besonders unter Gesundheitsaspekten) danach aber nur noch bedingt, hier musst du sogar oft GEGEN die Evolution bereit sein zu arbeiten. Das kann manchmal schon tough sein, seine eigene Geschichte so zu leugnen und sie quasi zu bescheissen. Argininsupplemention ist eine solche Sache, die aber zum Glück noch leicht vonstatten geht und eine der fundamentalen Dinge zu sein scheint.

      PS: Arginin ist übrigens in Hülsenfrüchten am Reichhaltigsten vertreten, nicht in Vogelfutter.

      • Lutz

        Tolle ausführliche, aufschlußreiche Erklärung. Danke!

        PPS: Da die proteinreichen Teile der Hülsenfrüchte auch „nur“ Samen sind, hab ich die einfach mit in diesen Napf geworfen. 🙂

  • Sebastian Wallbrecht

    Wenn ich den reinen gesundheitlichen Aspekt betrachte und nicht der Pump – Effekt beim Training, was ist da besser: AAKG, L-Arginin oder Citrullin? Und welche Dosierung? Ist Citrullin wirklich ausreichend? Und welche Dosierung? Was bedeutet MTHF?

  • Rainer.Ott

    Rainer
    Bei einer Blutgasanalyse wurde bei mir (72 Jahre) eine Wert von Pa02 von 60 mmHg (Referenzbereich: 75 – 100 mmHg) festgestellt (= Mittelgradige Paritalinsuffizienz).
    Kann dieser niedrige Sauerstoffpartialdruck durch die Einnahme von Arginin erhöht werden? Wenn ja, in welcher Menge sollte Arginin täglich eingenommen werden, um eine Verbesserung in angemessener Zeit zu erreichen?