Wie der Botenstoff Dopamin dein Leben bestimmt

Der Botenstoff Dopamin regiert dein Leben

Dieser Artikel ist ein Basis-Artikel sein, der dir Grundlagen zu deiner Neurochemie vermitteln soll.

Chemische Botenstoffe und dein Leben

Dopamin ist ein Katecholamin.

Zu dieser Klasse der chemischen Botenstoffe gehören auch Noradrenalin und Adrenalin.

Alle Drei (Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin) werden aus der Aminosäure Tyrosin gebildet. In der folgenden Grafik noch einmal schön zu sehen.

Katecholamin-Synthese (1)

Dopamin ist dem ein oder anderen bekannt im Zusammenhang mit Sucht.

Bekannt wurde Dopamin auch, weil es in den 50er-Jahren Versuche an Ratten gab, die Erstaunliches feststellten: Im (Ratten-)Gehirn gibt es eine bestimmte Region, die man elektrisch stimulieren kann. Lernten Ratten, diese elektrische Stimulation selbst zu tätigen, hörten die nicht mehr auf diesen Knopf zu drücken und wollten auch nie wieder essen und trinken. Wie im wahren Leben eben.

Ich sagte schon mehrfach: Dopamin regiert das Leben.

Viele unserer Handlungen ergeben sich nur deshalb, weil wir (konstant) bemüht sind, Dopamin-Löcher zu stopfen.

Dopamin Gehirn

Warum deine Dopaminwerte im Alltag stark schwanken

Oben im Bild sehen wir die schematische Darstellung eines Gehirns. Hinter der Stirn sitzt der präfrontale Kortex. Dieser wird von einer Region im Zentrum des Gehirns stimuliert und … der Dopaminrausch beginnt – hinter der Stirn.

Da der präfrontale Kortex der Bereich ist, der plant, organisiert, unser Leben strukturiert, schlicht dein Arbeitsplatz ist, beeinflussen Neurochemikalien natürlich die Entscheidungsfindung.

Grundsätzlich ist es so, dass der präfrontale Kortex immer über ein bestimmtes Dopamin-Niveau, über eine bestimmte Dopamin-Konzentration verfügt.

Leuchtet ein: Diese Basal-Menge an Dopamin gibt uns Halt im Leben, macht das Leben lebenswert und ist der Grund, warum wir alle täglich leben (wollen) – der Gegensatz dazu ist die Depression, darauf kommen wir gleich zu sprechen.

Dieses Basis-Niveau fällt bei dem einen etwas höher, bei dem anderen etwas niedriger aus. Der eine braucht eben etwas mehr, der andere etwas weniger – ein natürlicher Referenzbereich. Dieser Bereich ist rot gefärbt.

Nun: Wollen wir doch einmal verschiedene Dopamin-Werte im präfrontalen Kortex generieren, schauen, warum das so ist und welchen Einfluss das auf dein Leben hat:

  1. Du kommst nach Hause, freust dich den ganzen Tag auf deine Pizza* (die im Gefrierfach liegt), hast dir schön ausgemalt, wie herrlich das schmecken wird und so weiter … du kommst heim, öffnest die Tür zum Gefrierschrank und die Pizza ist weg. Die Freundin/der Freund hat sie gegessen.
  2. Als Folge fallen die Dopamin-Werte ganz krass ab. Quasi von der einen auf die andere Sekunde bist du in einem mentalen Loch.
  3. Noch bevor du ins Wohnzimmer gehen kannst und deinen Partner zur Rede stellst, ruft sie/er dich. Du gehst in den Raum und findest einen voll gedeckten Tisch vor mit allen Speisen, die du vorstellen kannst. Dein Dopamin rast nun durch die Decke.
  4. Nicht lange. Denn nun muss jemand den Tisch ab- und die Spülmaschine einräumen. Die Dopamin-Werte fallen etwas, aber nicht so stark. Denn du weißt: Dauert eh nicht lange.

(* Pizza als Beispiel, da Fast-Food das Dopamin-System stark stimuliert.)

Im Idealfall denkst du bei Punkt 4 direkt an deine Lieblingsserie, die du danach schauen wirst. Plötzlich fällt auch das Geschirr-Einräumen ganz leicht.

Es gibt Individuen, die mögen das basale Dopamin-Niveau und „explodieren“ nicht derart krass, wenn sie an Essen, Sex, die Lieblingsserie et cetera denken.

Andere wiederum brauchen den Kick und müssen sich mehrmals täglich mit ganz besonderen Erlebnissen stimulieren.

Was alle gemeinsam haben: Dopamin-Löcher mag niemand. Eines der schlimmsten Dopamin-Löcher ergibt sich bei Enttäuschungen, dann, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden.

David Rock erzählt in seinem Buch von ebendiesen Dopamin-Löchern und warnt uns zugleich. Du solltest niemals (!) Entscheidungen treffen, wenn die Dopamin-Konzentrationen im Keller sind. Dort nämlich, so sagt er, kannst du gar nicht ordentlich denken.

Bringt mich zu Depressionen.

Depression und keine Lust auf Sex durch „Dopaminmangel“?

Depressive haben deutlich niedrigere basale Dopamin-Werte. Das heißt: Die haben wenig Affinität zum Leben. Das Leben macht keinen Spaß. Zusätzlich brauchen sie einen deutlichen massiveren Stimulus, um die Dopamin-Werte zum Steigen zu bringen. Das bedeutet, dass denen der Gedanke an Sex eben nicht so viel Freude bereitet wie dir. Nun stelle dir einmal vor, was das für das Leben bedeutet. Wenn noch nicht einmal mehr das Spaß macht, wofür du geschaffen wurdest. Die Reproduktion. Evolutionsbiologisch betrachtet, ist das der GAU und zeigt dir, dass mit dir (besser: mit deiner Körperchemie) etwas überhaupt nicht stimmt. Depressive treffen, dem Teufelskreis sei Dank, schlechte Entscheidungen. Sie können gar nicht anders, denn das Gehirn, die Neurochemie, lässt es eben nicht zu.

Wir können versuchen, unser Gehirn dahin gehend zu modulieren, dass es mit weniger Dopamin auskommt, die Rezeptoren – ähnlich wie bei der Insulinsensitivität – empfindlicher werden. Dies wiederum hätte zur Folge, dass wir ohne großen Aufwand Spaß am Leben haben und schon Kleinigkeiten ausreichen.

Soll heißen: Du brauchst nicht die drei Action-Filme am Abend, es reicht ein tolles Gespräch mit deiner neuen Nachbarin/deinem neuen Nachbarn.

Verstanden?

Genau darum geht’s.

(Anmerkung: Dopamin ist nur ein Beispiel des Neurotransmitter-Orchesters. Da gibt es noch einige andere, die wir vielleicht einmal besprechen werden.)

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6 Kommentare, sei der nächste!

  1. Ein schöner Artikel zu einem spannenden Thema.

    Ist „Brain at work“ der Titel des Buches von David Rock? Würdest du das Buch weiterempfehlen?

    Die Geschichte mit den Ratten, die lieber verhungern als damit aufhören, ihr Belohnungszentrum zu stimulieren, ist schon sehr eingängig. Ähnliches Verhalten wurde übrigens auch schon an Menschen beobachtet. In dem Buch „Wir sind unser Gehirn“ berichtet Dick Swaab (ein sehr bekannter Gehirnforscher) von Patienten, die einen Tumor haben, der dauerhaft ihr Belohnungszentrum stimuliert. Diese Patienten wollen lieber sterben als sich operieren lassen.

    Ein ebenfalls sehr gutes Buch zum Thema Dopamin und Belohnungssystem ist übrigens „Im Teufelskreis der Lust“ von Ingo Schymanski.

    Viele Grüße,
    Jan

    1. Hi,

      vielen Dank für deinen Kommentar.

      Genau, heißt „Brain at Work“.

      Ist durchaus zu empfehlen und gibt gute Einblicke – ist auch eher für den Laien geschrieben.

      Vielen Dank für deine Empfehlungen! Werde ich mir anschauen.

      Liebe Grüße,
      Chris

  2. Der Artikel ist meiner Meinung nach gut aufgebaut und handelt von einem sehr interessanten Thema, das mich auch stark betrifft.

    Vielleicht stelle ich mich zu blöde an oder ich habs überlesen, aber mir fehlt da irgendwie noch ne kleine Information. Du schreibst in dem vorletzten Abschnitt vom Text:

    „Wir können versuchen, unser Gehirn dahin gehend zu modulieren, dass es
    mit weniger Dopamin auskommt, die Rezeptoren – ähnlich wie bei der
    Insulinsensitivität – empfindlicher werden. Dies wiederum hätte zur
    Folge, dass wir ohne großen Aufwand Spaß am Leben haben und schon
    Kleinigkeiten ausreichen.“

    Für mich wäre jetzt – da ich mich eher der Gruppe der Depressiven zuordnen würde – interessant zu wissen, WIE ich mein Gehirn modulieren könnte, damit es mit weniger Dopamin auskommt. Denn ich denke, dass bei mir kein Schalter zur Verfügung steht, den ich drücken kann, damit ich glücklicher werde wie bei den Ratten 😉

    Würde mich freuen, wenn du mir hierzu Informationen geben könntest (entweder was schreiben, nen Link zu nem andern Artikel posten, …)

    Viele Grüße
    Marc

  3. Mal wieder ein spannender und cooler Artikel 🙂
    Kann ich durch Tyrosin kurzeitig mein Dopamin erhöhen und einen kleinen „kick“ bekommen, wenn alles andere vorhanden ist wie Vitamin C, Foläure etc? Auch wenn ich keinen Mangel vorweise ich nicht Depressiv bin? Und ist es möglich mein Dopamin alleine durch positives denken zu erhöhen? In dem man sich mehr über die kleinen Dinge im Leben freut z.B ?

    Gruß
    Felix

  4. Hallo,
    ganz frisch bin ich auf edubily aufmerksam geworden und lese gerade Euer Buch.
    Dopamin braucht also mindestens Tyrosin. Was funktioniert bei Parkinson Erkrankten verkehrt? Soweit ich weiß ist ein Mangel des Dopamin Botenstoffes letztendlich Ursache der Symptome. Die Nervenzellen können es nicht mehr produzieren. Ist es ein Mangel an vorausgehenden Tyrosin, L-Dopa, Vitaminen und Aminosäuren? Oder ist das zu einfach gedacht…
    Kann eine ausreichende Versorgung der für die Dopaminproduktion notwendigen Stoffen demnach vor Parkinson schützen? oder Heilen?

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