Differenziertes Denken: So geht es richtig

16 punkte zum differenzierten denken

Leider wurde der Artikel bisher noch nicht so oft gelesen, wie ich mir das erhofft hatte, spreche ich doch viele wesentliche Probleme bzw. mögliche Lösungen an.

Daher habe ich den Artikel überarbeitet, insbesondere gekürzt und freundlicher verfasst. Nun hoffe ich, dass er besser mundet! 🙂

In der Schule gibt es viele verschiedene Fächer, die parallel unterrichten und den Schüler somit auf diversen Ebenen gleichzeitig formen können – okay, zumindest theoretisch. Wir hier, wir Autoren von edubily, können immer nur einen Blog-Artikel veröffentlichen. Nun sehen wir uns unter anderem als Bildungseinrichtung.

Wir wollen bei der Wahrheit bleiben und Menschlein dahingehend formen:

  • auf zelluläre/physiologische Gesetze achten
  • Studien richtig interpretieren
  • Meinungen/Glauben von Tatsache trennen können
  • anerkennen können, dass es nicht die Wahrheit gibt, sondern alles kontextabhängig ist (dies negiert nicht Punkt 3!)
  • Und ganz wichtig: Emotion strikt separieren von Fakten

Kurzum: Wir wollen das eigene Denken unserer Lesen schulen. Betonung liegt auf „eigene“.

Das könnte man in einem Wort hinschreiben: Differenzierung.

Nun ist das menschliche Gehirn überhaupt nicht auf Differenzierung gepolt. Das Gehirn agiert so ökonomisch wie nur möglich. Und Differenzierung ist anstrengend. Also genau das Gegenteil. Daher wählen wir, gedanklich, häufig die einfachere Lösung, anstatt uns ausgiebig (und somit ökonomisch ungünstig) damit zu befassen. Dies heißt auch, dass wir ehrlich zu uns selbst sein müssen.

Wollen wir nun kurz und knackig ein paar klassische Aspekte ansprechen.

Punkt 1) Der Schwimmer, der sich vegan ernährt.

In meinem Buch schreibe ich, dass wir häufig Ursachen verwechseln. Wir bewundern die Extreme der jeweiligen Sportarten. Da wir gerne Teil dieser in den Himmel gehobenen Extreme sein möchten, versuchen wir, haargenau das Verhalten unseres Vorbilds zu mimen. Wir wollen alles über seine Ernährung, über seine Denkweise, über sein Training und so weiter wissen. Eine ganze Internetbranche lebt genau von diesen, dem Glauben verfallenen, häufig jungen Menschen, die ihr Vorbild rund um die Uhr studieren, dabei aber sehr häufig nicht ihr eigenen Weg gehen.

Die Wahrheit heißt: Deine natürliche Ausstattung („Genetik“) dirigiert deinen Weg.

Fällst du zufällig in Kategorie XY, ist deine Karriere quasi-prädestiniert, sofern du dein Potenzial auch realisierst. Und hierbei kann ein Vorbild selbstverständlich helfen.

Soll heißen: Alle Schwimmer, die du im TV bewundern kannst, haben nicht diesen einen Körperbau, weil sie so trainiert haben, sondern weil hier eine kleine natürliche Auslese (Stichwort: Evolution) erfolgt, die am Ende die Individuen nach ganz oben katapultiert, die den Anforderungen von Natur aus am besten gewachsen sind.

Wenn sich dieser Schwimmer nun noch vegan ernährt, heißt das noch lange nicht, dass dich das auch zu einem guten Schwimmer werden lässt, oder, dass du seinen Körperfettanteil bekommst und so weiter. 

Punkt 2) Die Sympathie-Falle.

Wir „folgen“ heute immer irgendwem, irgendeiner Figur. Noch nie war „Folgen“ so populär und gängig wie heute. Daraus resultieren häufig heftigste Kämpfe zwischen den einzelnen Kohorten. Meistens überflüssig, weil: Differenzen gibt es immer. Gleichzeitig gibt es große Überschneidungen. Sympathisieren bedeutet auch, seinen rationalen Verstand aufzugeben. Die Entwicklung einer Sympathie kann diverse Gründe haben. Fakt ist: Sie verhindert unser rationales Denken, das streng analytische, auf Fakten beruhende Denken. Stattdessen fühlen wir uns verpflichtet, das eigene Nest zu verteidigen.

In der freien Wildbahn ist das zielführend. Aber in einer modernen Gesellschaft, die modern (= das Gegenteil von archaisch) denken möchte, bringen uns emotionale Reaktionen oder Äußerungen, hervorgerufen durch emotionale Verbundenheit, nicht weiter – zumindest im Hinblick auf ein freies, adäquates Denken.

Punkt 3) „Das heißt also, dass ich keine gesättigten Fette mehr essen soll?“ 

Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Der Glaubenssatz hinter der Frage war: Nur Extreme zählen. Der Leser versteht das Geschriebene nur aus der Sicht seiner persönlichen Glaubensstruktur, wie ein Filter. Es gilt, zu versuchen, Thesen so zu verstehen, wie sie geschrieben wurden. Natürlich setzt das ein gewisses Maß an Wissen voraus. Kennt man den Autor, kann man gewisse Aspekte von Artikeln zusätzlich besser einschätzen. Doch grundsätzlich gilt: Akzeptiere das, was du vom Geschriebenen glaubst noch nicht und hinterfrage stattdessen deine eigene Auffassung bezüglich des Textes. 

Sei insbesondere vorsichtig vor Gesellschaft, also deinen Peers: Glaubenssätze werden in Gruppen sehr stark geformt, denn man sucht automatisch Gruppen, die den eigenen Glauben bestätigen. Diese Glaubensfalle wollen und brauchen wir nicht. Am besten verlässt du sämtliche Gruppen oder suchst dir solche, die ein offenes, freies und hinterfragendes Denken fördern. Auch wenn du glaubst, du kennst die Wahrheit … jetzt solltest du erst recht noch einmal fragen.

Kontrolle deinen gedanklichen Automatismus, die Autoantwort quasi, auch dann, wenn sich dein Gehirn dagegen wehrt. Es gibt nicht gerne Glaubenssätze auf. Heißt nicht, dass du falschen Glaubenssätzen verfallen musst.

Punkt 4) „Aber der Doktor hat gesagt …“ 

Wenn jemand einen Doktor-Titel, Fleißkärtchen oder andere „Verdienstkreuze“ hat, solltest du erst recht nachfragen und skeptisch sein. Lass dich und dein Denken niemals blenden von Scheinkompetenz. Das gilt vor allem für die Jugend: Ein Sixpack bei deinem Vorbild heißt nicht, dass er ein guter Trainer ist oder gar weiß, auf was es wirklich ankommt. Es gibt so viele Trainer auf der Welt, die zwar keine guten Spieler (= keinen Sixpack vorweisen) waren, aber über immenses Wissen verfügen und hochkompetent sind. Um Doktoren etc. infrage zu stellen, braucht man Mut und man muss frech und forsch sein. Aber solange du nicht respektlos wirst, ist es dein gutes Recht, Dinge zu hinterfragen und die Kompetenz herauszufordern. Es ist nicht nur dein Recht, es ist ein absolutes Muss!

Punkt 5) „Die Amerikaner leben seit Jahren Low-Fat und sind noch dicker geworden.“ 

Solche Totschlagargumente finden wir ständig in medialen Diskussionen. Der Mensch hat die Eigenschaften, der Vergangenheit einen Sinn zu verleihen. Wir wollen immer verstehen, was damals passiert ist. Das Problem ist: Wir wollen einen Grund, für Dinge, die multikausal sind. Unser Verstand kann das nicht bewerkstelligen, da er nur ein Problem zur gleichen Zeit durchdenken kann. Doppelt problematisch wird es, wenn wir nicht selbst vor Ort waren, um die Sache selbst erleben zu können. Wir dürfen solchen Korrelationen nicht glauben. Am besten verweigerst du, dass der mentale Virus, die Studienergebnisse von Korrelationen, dich und dein Denken infiziert. Man kann alles und jeden Wert auf dieser Welt mit einer beliebigen Sache korrelieren. Das sind die Leukämie-Kranken am Atomkraftwerk in Buxtehude … Die Statistik. Wenig Nutzen. Viel Streit.

Bei der oben angeführten Behauptung sind so viele Denkfehler, dass man einen eigenen Artikel dazu schreiben könnte. Die erste Frage würde lauten: Hat wirklich jeder Low-Fat gelebt? 

Wir halten uns meistens nicht an Fakten, sondern erfinden Geschichten, die Dinge „schöner darstellen“. Eine Information ohne Geschichte mundet unserem Gehirn nicht so sehr, daher glauben wir im Zweifelsfall lieber der Geschichte. Beispiel: Besonders anschaulich sind Fabeln aus dem Tierreich, die beispielsweise aufzeigen, wie artfremd der Mensch doch lebt.  Der Schimpanse, der nur rohes Zeug frisst und total gesund ist. Der Hai, der niemals Krebs bekommt. Oder der Löwe, der sich 30 Mal am Tag verpaart.

Auch die Paläo-Diät oder der Vegan-Trend wirbt indirekt mit Geschichten: Der frische, bunte Salat vom Biobauernhof, gepaart mit knusprig angebratenem Rehrücken-Filet, frisch aus dem Wald. Das Tier durfte artgerecht leben. Wir verspeisen die leckere Leber, die extrem nährstoffreich ist. Durch artgerechtes Leben werden wir wieder vollständig gesund … Beim Lesen des „Werbespots“ gerade ging bei dir und mir im Kopf ständig die Dopamin-Lampe an. Aber wie viel entspricht der Wahrheit? Wie viel ist Geschichte? Was wollen wir wirklich mit dem Essen erreichen? Und muss es ein Rehrücken-Steak vom Jäger sein, damit man gesund ist und bleibt? Und war die artgerechte Haltung wirklich artgerecht … oder glaubst du das bloß?

Geschichten sind toll … aber, du willst nicht motiviert werden, du willst Fakten kennenlernen.

Punkt 6) Höre nicht auf Papageie.

Wir von edubily durften live erleben, wie es sich anfühlt, wenn man hintergangen wird. Jemand kooperiert mit einem … und nach einiger Zeit, findet man die eigenen Texte in gesprochener Version auf Youtube wieder. Dieser Mensch verdient mit unserem Wissen Geld – bietet Online-Kurse im Wert von mehreren hundert Euro an. Der Punkt ist: Er hat keine Ahnung, kein Wissen.

Doch zurück: Immer öfter fällt mir auf, dass Menschen aus einer gewissen Szene die gleichen Inhalte formulieren. Ich stelle mir vor: Irgendeiner muss angefangen haben, sinnvolle Thesen niederzuschreiben. Dann kam ein anderer, der sie verinnerlichte und auch irgendwo hinschrieb. Dann kam wieder ein anderer und hat bei dem abgeschrieben.

Am Ende redet jeder in der Szene irgendein Zeug, das sich genau gleich anhört – vielleicht leicht abgewandelt Und jeder glaubt es (siehe Punkt 3).

Du hast in der Schule sicher Stille Post gespielt, oder? Du weißt … was man da anfänglich sagt und am Ende bei raus kommt, oder? So ähnlich ist das im Internet. Ein gescheiter, denkender Mensch hat clevere Thesen niedergeschrieben und viele andere dichten ihre eigene Geschichte daraus.

Plötzlich erscheinen die Papageie.  Die schreiben auf ihre Seite, dass sie Jahre lang Kompetenzen erworben haben in allen möglichen Bereichen … und verkaufen irgendeine Diät im Namen eines Comic-Superhelden … Wissen? Fehlanzeige. Auch gut: Nichts gegen Autodidakten. Aber wenn ein Koch versucht, das, was er kocht, zu „promoten“, muss er entweder seine Kompetenzen erweitern, um wissenschaftlich korrekt zu argumentieren. Oder er bleibt Koch und hält den Schnabel.

Werde bitte selbst nicht zum Papagei – glaube nicht einer Person oder einem Personenkreis!

Punkt 7) „Ich habe mit diesem Programm 40 kg in zwei Tagen abgenommen.“ 

Tue dir den Gefallen und überlese alle Erfolgsgeschichten, die es zu irgendwelchen Konzepten auf dieser Welt gibt – zumindest die, die öffentlich zugänglich sind. Das ist wie … in deiner Beziehung, in deinem Leben. Die Instagram- und Facebook-Accounts der Menschen belügen dich, sagen dir nicht die Wahrheit. Hübsch, intelligent, immer im Urlaub, bestes Essen (total gesund), mega sportlich … Das ist nicht die Wahrheit. Das wissen wir alle genau. Wir verkaufen uns immer besser. Das erreichen wir dadurch, dass wir den Leuten nur die zwei – zumeist gestellten – Peaks zeigen. Die anderen 99,5 % des Tages kehren wir unter den Teppich. Du glaubst nicht im Ernst, dass ein Guru eine Geschichte präsentiert, die gegen sein Konzept spricht, oder?

Eine Frage: Wieso hat es die ketogene Diät noch nicht geschafft … in den klinischen Alltag? Man liest auf manchen Internetseiten wahre Wundergeschichten. Damals auch im US-amerikanischen Internet. Die Wahrheit schmerzt: Pilot-Studien, unter anderem von Coy/Kämmerer, zeigen keinen Erfolg. Keinen.

Und selbst wenn jemand damit nicht nach drei, sondern dreieinhalb Monaten stirbt. Ist das ein toller Fortschritt? Das ist doch keine Heilung! Das ist die Wahrheit. Wenn die ketogene Diät in Pilot-Studien wie ein Wunder gewirkt hätte, hätten wir am nächsten Tag davon in der Bildzeitung gelesen. Warum? Weil jeder Wissenschaftler so etwas gerne erreichen würde. Das will erzählt werden. Die fünf Patienten, die in Hintertupfingen geheilt und deren Geschichten ausführlichst besprochen wurden … sind die Peaks. Was glaubst du, wie viele Menschen schon durch Ernährungsform XY von Krebs geheilt wurden? Mit den unterschiedlichsten Konzepten. Hier geht es nicht darum, ein Konzept „nach unten zu drücken“, es „klein zu halten“ – es geht um die Reproduzierbarkeit. Gerade bezogen auf den Krebs muss man sagen: Es gibt nicht den Krebs. Eine Sache, die häufig vergessen wird. Wenn wir den Krebs typisieren können, werden wir sicher auch präziser handeln können. Bis dahin ist alles ein Rätselraten. (In eindeutigen Fälle macht es sicherlich Sinn, eine entsprechende Makronährstoff-Komposition zu wählen – zumindest als Begleittherapie oder als „Strohhalm“, der zusätzlich die Psyche nährt.)

Statistik.

Punkt 8) Konzepte taugen nichts. 

Einmal wurde ich in einer Facebook-Gruppe wieder kritisiert. Ich würde sowieso jedes Konzept auseinander nehmen. Ich, der Meister, der alles weiß. Huldige ihm. Das hat die Frau ernsthaft hingeschrieben, natürlich komplett ironisch gemeint. Zumindest den letzten Teil.  Was die Frau nicht gemerkt hat: Es ist das Konzept an sich! Das Konzept an sich ist das Problem. Es sorgt dafür, dass wir – bewusst oder unbewusst – unser Handeln einschränken. Das fängt beim Hinterfragen von Sache XY an und hört bei der Nahrungsmittelauswahl auf. Die Frau hat nicht verstanden, dass sie sich mit ihrem Satz ins eigene Bein schießt. Konzepte verbieten von Haus aus etwas Essenzielles: Die VariabilitätNenne es: Fluides Denken. Wie Bruce Lee: „Be formless. Shapeless. Like water.“ Jetzt weißt du, warum ich dir nie Trainingspläne, einfach so frei heraus, an die Hand gebe. Ich müsste lügen und etwas bauen, was keine oder sehr viel weniger Fluidität aufweist. Daraus folgen Fehler. Nur wenn eine Sache beweglich und adaptionsfähig ist, ist sie sinnvoll. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass es etwas Gutes ist, wenn man von seinem Standpunkt abweicht, nachdem man seinen Fehler eingesehen hat. Das gilt auch für uns bei edubily.

Punkt 9) Das „Ich gehöre zur Oberschicht“-Paradox 

Bei uns um die Ecke gibt’s eine Kaffeerösterei, die bewusst das Image einer „In-Marke“ vertritt. Die Menschen, die dort sitzen, sehen aus wie aus einem Hollywoodfilm. Da frage ich mich immer: ob der Kaffee hier viel besser ist und so viel mehr Qualität hat? Eher nicht. Nein, nein. Hier geht es nicht darum, dass etwas adäquat und schön aussieht. Hier geht es darum, dass manche Leute vergessen, die Funktion einer Sache zu bewerten. Das Gefühl wird über den tatsächlichen Wert gestellt. Und das macht blind. Du kannst dich ruhig fühlen wie ein König. Aber: Kernkompetenzen bezüglich einer objektiven Bewertung solltest du nicht vergessen.

Punkt 10) Besser Einzelgänger als Gruppendenken. 

Kannst du dich noch an meinen Bye-Bye-Paläo-Artikel erinnern? Der letzte Teil des Artikels ist besonders wichtig: Die Biochemie kennenlernen und danach urteilen. Nicht streiten wegen Homo sapiens, der wohl eher Fisch anstatt Großwild gegessen hat vor 55.536 Jahren. Weil ich seit Jahren weiß, dass diese Ernährungsfrage zu ideologischen Kämpfen führt, ich genau weiß, dass es in diesen Facebook-Gruppen nur um das kollektive Kopfnicken geht. Wenn jemand etwas schreibt, was da nicht hingehört, wird verbal geprügelt. Das schreckt ab. Archaische Züge des Menschen. Die Leute sind seltsam. Die streiten sich darüber, ob der Steinzeitmensch mehr Gemüse oder mehr Fleisch gegessen hat. Gestern gelesen. Manche fühlen sich für das Wahren der political correctness verantwortlich. So auch kürzlich in dieser Facebook-Gruppe. Diejenigen zerfleischen nicht nur Andersdenkende, sondern auch sich selbst, ihre eigenen, potenziellen Peers. Gruppen … Deinem eigenen, korrekten Denken, helfen sie in aller Regel nicht weiter. Du musst schon selbst deinen ganz eigenen Weg finden.

Punkt 11) Bye, bye Perfektionismus.

Tatsächlich: Wer alles perfekt machen will, macht meistens alles falsch. Relevant wird das, wenn man absolute Ziele anstrebt. So was wie: Für immer gesund. Oder „urgesund“. „Das ist dein Geburtsrecht“ und so weiter. Ernährungsformen, die das implizieren, verleiten zu eigenartigen Verhaltensmustern. Denn anstatt Grundprinzipien für ein möglichst (!) langes und gesundes Leben abzuleiten, wird nach Wegen gesucht, die es nicht nur „möglicherweise“ garantieren, sondern sehr real greifbar machen. Das führt dazu, dass man die Grundprinzipien (die einfach zu erreichen und meistens allgemeingültig sind) ignoriert und stattdessen ein Konzept zu „100 % korrekt“ praktiziert. Für einige Konzepttreuen ist es dann „echter“ Butter zu trinken, als eine Vitamin-A-Pille zu schlucken. Perfektionismus ist ein nettes Konstrukt in deinem Kopf. Verabschiede dich davon und finde stattdessen sinnvolle Kompromisse. Dein Körper ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie die Natur das macht.

Punkt 12) „Aber bei mir funktioniert Low-Carb sehr gut.“ 

… ist eine Standardfloskel, die man hört,wenn man nahe legen möchte, dass Kohlenhydrate nicht umbringen, nicht der tödlich sind.  Meistens wird hinterher geschoben: „Damit habe ich alles in mir geheilt.“ Oder gleich die Steigerung: „Daraus folgt: Es ist die einzig wahre Ernährungsform, an die wir genetisch adaptiert sind.“ Das ist natürlich nicht dumm. Es gibt Wissenschaftler, die glauben, wir hätten heute so viele Insulinresistente, weil die Eiszeit so selektiert hat, dass Glukose möglichst wenig oxidiert wird. Aber wieso kann man die Ratte auf die gleiche Art und Weise insulinresistent machen? Haben die auch in der Eiszeit gelebt oder … warum ist das so? Und wie ist das mit Afrikanern? Waren die vor 50.000 dabei in der Eiszeit und sind dann wieder zurück nach Afrika, warum haben die Insulinresistente? Tatsächlich sind die insulinresistenter als wir (z. B. Kodama und Kollegen, 2013). Gab’s in Afrika damals keine Kohlenhydrate? Hier werden diverse Konzepte durcheinander geworfen, die letztendlich das ganze Bild rund erscheinen lassen. Gedankengang: Ich wurde krank, als ich Kohlenhydrate gegessen habe -> Ich wurde gesund, als ich Kohlenhydrate gestrichen habe -> Kohlenhydrate sind schlecht für mich. Die Wahrheit sieht bei Insulinresistenten anders aus: Fragt man nach, wird oft geantwortet: „Ja, ich habe 40 kg Fett verloren“. Dass eine Low-Carb-Diät in diesen Zuständen helfen kann, bestreitet niemand und ist anerkannt. Das hat nichts mit der Schädlichkeit von Kohlenhydraten per se zu tun. Denn die alten Hasen unter uns wissen, dass man wunderbar 40 kg Gewicht verlieren kann mit Kohlenhydraten. Ohne Carb-Cycling. Aber eine Sache ist glasklar: Mit 40 kg Fettmasse zu viel … geht deine Insulinsensitivität sicher verloren. Insulinresistenz ist ohne Frage etwas, das sich ab einer gewissen Stufe selbst speist. Aber Kohlenhydrate per se … sind nicht schuld, nicht an allem.

Punkt 12) Das Märchen vom linearen Wachstum.

Oft wird geglaubt, alles im Leben verlaufe linear. „Ich mache kontinuierlich Fortschritt. Wenn ich so weiter mache, bin ich in 5 Jahren (bei) [Zustand XY]“. Das Dumme an diesem Gedanken ist, dass die Natur nicht linear „denkt“, sondern häufig exponentiell. Das habe ich dir in meinem Buch niedergeschrieben und es Power Law genannt. Im realen Leben kann dieses Denken fatale Konsequenzen haben. Beispiel: Vitamin XY kann in bestimmten Dosen signifikante Ereignisse hervorbringen. Das ist logisch. Die Natur will uns schnell auf normalem Niveau, weswegen die Effekte in kurzer Zeit ansteigen und deutlich spürbar werden. Wenn wir mit der Logik fahren: „Verdopple ich die Vitamin-Dosis, habe ich noch mehr Effekt …“, kann der Schuss nach hinten losgehen. Denn die positive Wirkung flacht ab einem bestimmten Punkt (zumeist) deutlich ab und wird stattdessen durch eine negative Wirkung ersetzt. Nur Leute, die nicht richtig denken, glauben an „Input = Output“.

Punkt 13) Höre auf zu korrelieren! 

Die Korrelation versucht, zwei Werte miteinander zu verbinden. Gelingt diese Verbindung (oder glauben wir, dass diese Verbindung gelingt), schließen wir daraus, dass sie zusammenhängen. Es kann ein nützliches Tool sein, aber meistens kommen dann – bei diversen Menschen – folgende Dinge dabei heraus, klassische Logik:

  • Der ist zu dick. Er ist zu viel.
  • Ein guter Trainer muss vorher ein guter Spieler gewesen sein.
  • Usain Bolt ernährt sich von Chicken Nuggets. Chicken Nuggets helfen dabei, einen Sprinterkörper zu formen.
  • Alle, die über eine größere Fettmasse verfügen, sind metabolisch krank.

Bezogen auf das letzte Beispiel: Der neulich zitierte Robert Lustig hielt bereits einen zweiten Vortrag, genannt „Fructose 2.0“.

Bei dieser Präsentation zeigt er das grundlegende Problem auf, wenn wir nach solchen äußeren Erscheinungen beurteilen:

  • 72 Millionen Amerikaner sind fett
  • 168 Millionen Amerikaner sind dünn

… um es überspitzt zu formulieren.

Der Common-Sense sagt: 72 Millionen Amerikaner sind nicht nur fett, sondern folglich auch krank. Tatsächlich sind 20 % dieser dicken Menschen, nicht krank, sondern gesund. Subkutanes Körperfett ist nicht schädlich, sondern gut. Auch wenn es vielleicht nicht so schön aussieht. Was meistens nicht korreliert wird: Dünn und metabolisch krank. Tatsächlich sind 40 % der „Dünnen“, metabolisch krank. Verrechnet man die genannten Werte,  steht das Korrelationsgehirn vor einem Problem:

  • Von den Dicken sind „nur“ 57 Millionen krank
  • Von den Dünnen sind 67 Millionen Menschen krank

Das, was du siehst, entspricht (sehr, sehr häufig) nicht dem, wie es ist.

Korrelationen sind, wenn überhaupt, Marker. Ich wiederhole mich: Am besten nutzen wir niemals Korrelationen, um unser gedankliches Fundament darauf aufzubauen.

Punkt 14) Wenn die Kacke dampft, dampft sie.

Wir Menschen bewegen uns tagtäglich in einem breiten Bereich, der uns gesund hält. Das nennt man Homöostase. Gleichgewicht. Der Bereich ist in der Regel schön großzügig. So schnell kann uns nichts passieren. Wir nehmen nicht zu, wenn wir mal 200 kcal mehr essen. Doch was passiert, wenn wir das Gleichgewicht verlieren? Heinz-Werner achtet 30 Jahre lang nicht auf seinen Lebensstil und bekommt mit 50 einen Herzinfarkt.  Als Folge kann er seinen Beruf nicht mehr ausüben, er sitzt ab diesem Zeitpunkt ständig beim Arzt, das Luftholen fällt ihm schwer, er ist allgemein nicht mehr leistungsfähig, er wird depressiv. In zwei Monaten ist er 20 Jahre gealtert und die Frau möchte dieses Spielchen die nächsten 20 Jahre nicht mitmachen. Heinz-Werner hat innerhalb von einer Minute (Herzinfarkt) sein ganzes Leben verloren. Heinz-Werner beschwert sich jeden Tag darüber und schimpft auf alles und jeden. Wäre es fair, über den Sport zu meckern, weil Heinz-Werner ihn nicht mehr ausüben kann? Nein. Nicht jeder hat die eigene Situation selbst verschuldet. Aber wenn Menschen, ihre eigene metabolische Gesundheit an die Wand gefahren haben, ist es leichter, einen Schuldigen zu suchen, anstatt das Ganze rational und korrekt zu analysieren. Heinz-Werner hatte 50 Jahre lang die Möglichkeit, alles Mögliche mit seinem Körper anzustellen. Doch jetzt hat er gerade endgültig versagt – der Körper und er selbst. Allgemein gilt: Drücken wir den Körper – bewusst oder unbewusst – so lange, bis er aus dem Gleichgewicht gerät, wird es eine Sauarbeit, ihn wieder aufzubauen. Tatsächlich gilt in diesen Situationen nicht mehr das, was für andere gilt. 

„Wir sollten darauf achten, einer Erfahrung nur so viel Weisheit zu entnehmen, wie in ihr steckt – mehr nicht; damit wir nicht der Katze gleichen, die sich auf eine heiße Herdplatte setzte. Sie setzt sich nie wieder auf eine heiße Herdplatte – und das ist richtig; aber sie setzt sich auch nie wieder auf eine kalte.“ – Mark Twain, Following the Equator, chapter XI.

Punkt 15) Ein Glückstreffer ist nicht die beste Lösung.

Viele Neulinge in der Ernährungswelt … haben Artikel in irgendeiner Zeitschrift gelesen oder wollen das praktizieren, was das eigene Vorbild praktiziert. Egal wie man auf diese Ernährungswelt aufmerksam wird: Alle Szenarien haben gemein, dass man mit einer Ernährungsform beginnt. Quasi mit einer Einstiegsdroge 🙂 Da gab es einmal diesen Ole (Name geändert). Der hat bei einer TV-Show mitgemacht, die vom bekannten Vegan-Guru angeleitet wurde. Damals war Ole krank und übergewichtig. Danach hat er mit seinem veganen Lebensstil abgenommen und promotet diese vegane Lebensweise nun selbst. Zwei Sachen fallen uns auf:

  1. Man kann mit dieser Ernährungsform gut Gewicht verlieren und „gesund“ (wie auch immer man das definieren möchte) werden
  2. Jeder, der Erfolg mit seiner ersten Droge hatte, kann selbst ein Botschafter werden

Das ist ein grundlegender Mechanismus. Jemand „heilt“ sich mit einer – aus seiner Sicht – besonderen Ernährungsform. Danach wird er Botschafter und verkündet seine Heilung. Und das, obwohl er tatsächlich über keine Expertise verfügt. Das Problem an der Sache ist, dass dieses Vorgehen höchst unwissenschaftlich ist. Um eine Sache gut bewerten zu können, hätte er jede andere Ernährungsform praktizieren und bewerten müssen. Selbst dann wären seine Ergebnisse fraglich. Denn wären die Ergebnisse zu jedem Zeitpunkt reproduzierbar gewesen? In anderen Worten: Hätte der dicke Ole anfänglich genauso gut mit Kohlenhydraten abgenommen wie … am Ende, als er schlank(er) war? Du siehst: Es ist alles variabel und kontextabhängig.

16) Die kleine Lüge ignoriert das Große

 

Unbenannte Zeichnung (10)

Was erkennt man im oberen Bild? Eine Korrelation (siehe oben). Ich habe gesagt, dass man nur lange genug suchen muss … dann findet man seine wunderschöne Korrelation, die scheinbar alles beweist.

Hier gilt: Der vermehrte Kohlenhydratkonsum (von 375 g auf 500 g pro Tag) korreliert scheinbar klar mit dem Dickwerden des Amerikaners. Wenn man etwas Unwichtiges ganz wichtig darstellen will, wählt man keine adäquate Skala (hier: zum Beispiel 0 g bis 550 g), sondern wählt den gezeigten Ausschnitt so, dass der Anstieg gewaltig aussieht. (Das kann man schon mit wenigen Prozent Unterschied erreichen.) Im unteren Bild sieht die Welt ein wenig anders aus: Wir zeigen „das Ganze“ und nicht nur einen kleinen Ausschnitt … und hier bleiben die Autoren fair und versuchen nicht, irgendetwas hinzubiegen. Hier wird korrekterweise die komplette Bandbreite gezeigt (von 0 g bis 500 g) und zusätzlich noch weitere Makronährstoffe.

Es fallen direkt zwei Dinge auf:

  1. der Fett-Konsum erfuhr in den letzten Jahren ebenfalls einen deutlichen Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren
  2. der Kohlenhydrat-Konsum der Amerikaner stieg zwar tatsächlich seit den 60er-Jahren, aber die Wahrheit ist auch, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts ebenfalls große Mengen an Kohlenhydraten verzehrt wurden.

Waren die damals alle übergewichtig? „Nein, die bewegten sich mehr und … und … und …“. Diese Argumentation ist nicht valide. Andernfalls darf man nicht sagen, dass Kohlenhydrate per se dick machen.

Egal, wie viele Aber du gerade in deinem Kopf hast. Fakt ist: Die obere Grafik (und die untere) beweisen gar nichts. Nichts, Null.

Nimm solche Grafiken nicht Ernst. Mit diesen Schummelgrafiken wird nicht nur der Verbraucher getäuscht, das bist du. Der Autor täuscht und hypnotisiert sich selbst.

Fazit

Korrektes Denken (oder sagen wir: der Versuch, korrekt zu denken) ist anstrengend und man muss diese Fertigkeiten konstant trainieren. Im Grunde dürfen wir nicht aufhören „noch mal zu fragen“. Ein weiteres Mal.  Während alle glaubend nicken, müssen wir ein weiteres Mal fragen. Am besten die Literatur. Vor allem dürfen wir unser eigenes, analytisches Denken, nicht durch urmenschliche Eigenschaften vernebeln lassen, selbst wenn diese urmenschlichen Eigenschaften ihre Berechtigung haben.

print

13 Kommentare, sei der nächste!

  1. Super Artikel,

    musste an vielen Stellen selbst schmunzeln, ist schon Interessant mit welchem „Tunnelblick“ der Durchschnittsmensch im 21 Jahrhundert so durchs Leben geht…

    Eine Sache finde ich nicht unwichtig:

    „Dieser Mensch verdient mit unserem Wissen Geld – bietet Online-Kurse im Wert von mehreren hundert Euro an.“

    Ich weis nicht ob ihr aus rechtlichen Gründen sagen dürft wer das ist. Jedoch finde ich, das ihr da auch eine gewisse Verantwortung mittragt…Und damit meine ich nicht das dem ein oder anderen etwas Geld von diesem „Guru“ abgeknöpft wird, sondern eher den Gesundheitlichen Aspekt. Also falls ihr diesen Menschen aus rechtlichen Gründen nicht in negativem Zusammenhang nenen dürft, dann empfehlt mir doch bitte welchen Youtuber ich mir mal unbedingt ansehen muss… 🙂

  2. Hi Chris,
    jetzt habe ich deine Gedanken und Thesen oder was auch immer du hier geschrieben hast gelesen und vielleicht auch verstanden? Werde jetzt kurz meine Gedanken in so einer Art Brainstorming nieder schreiben.
    Mein erster Eindruck, du scheints sehr „angepisst“ zu sein? Von den Lesern die nichts verstehen was du schreibst und sich dann noch das Recht herausnehmen dich damit zu belästigen.
    Warum bist du so aggro,oder kommt das nur faslch bei mir an?
    Ich habe auch dein Buch gelesen und folge deinem Blog und bin für die Informationen sehr dankbar, auch wenn ich dich nicht für einen Guru halte, obwohl du auch einen Shop betreibst. Was macht dich frei von dem Vorwurf ein Guru zu sein? Wie könnte ich dies als Laie überprüfen?

    Kohlenhydrate,gesättigte Fette, Ernährung,Training, Paläo…sind sehr spannende Themen die oft zu hitzigen Diskussionen führen, da sie sehr emotional behaftet sind.
    Vielleicht solltest du etwas entspannen und sehen das es noch Leser gibt die froh sind für die Informationen die du schreibst.
    Aber ich kann mich auch täuschen. Jedenfalls danke ich dir für die „kostenlosen“ Infos und sehe sie als Bereicherung für mein Wissen und Leben. Danke dafür.
    LG
    Giuseppe

    1. Hi Giuseppe,

      „Mein erster Eindruck, du scheints sehr „angepisst“ zu sein? Von den Lesern die nichts verstehen was du schreibst und sich dann noch das Recht herausnehmen dich damit zu belästigen.“

      Ach was 🙂

      Meine Äußerungen sind überspitzt formuliert und natürlich bewusst ein wenig stichelnd formuliert.

      Ich bin aber keineswegs genervt oder angepisst.

      „Was macht dich frei von dem Vorwurf ein Guru zu sein?“

      Du wüsstest es, wenn du dem Blog seit einem Jahr folgen würdest.

      Ich hatte niemals den Anspruch irgendwem, irgendwas zu zeigen, ich wollte einfach nur schreiben.

      Insofern fehlt mir vollkommen die Intention, ein „Anführer“ zu sein oder jemand indoktrinieren zu wollen – bewusst oder unbewusst.

      „Vielleicht solltest du etwas entspannen und sehen das es noch Leser gibt die froh sind für die Informationen die du schreibst.“

      Wie gesagt, ich bin entspannt.

      Danke für deinen Kommentar!

      Und: Keep on reading.

      Beste Grüße,
      Chris

          1. Hallo Chris,

            leider, leider neigst du -manchmal (!)- tatsächlich zu einem „konfrontativen“ Schreibstil. Sollte es dabei deine Absicht sein, dass der Leser das von dir Geschriebene überdenkt, so verfehlst du wohl dein Ziel.
            Im Gegenteil -fühlt er sich persönlich angegriffen, wird dein Leser auf Abwehr schalten und entsprechend die Schotten dicht machen. Da geht es dann nicht mehr um den Inhalt, sondern um die Form.
            Denn wie oft lehnen wir alle nicht etwas wegen des Inhaltes ab, sondern weil uns die Form nicht passt, in der es uns gesagt wird?
            Ist das wirklich so von dir gewollt, oder ist das nicht eigentlich überflüssig?
            Hinzu kommt, und jetzt wird es wirklich schlimm: dieser Stil erinnert mich an dieses oft unangenehme Geschreibsel eines gewissen, omnipräsenten „Fitnesspapstes“ mit Doktortitel auf „No-Carb-Mission“. Puh…!
            Aber vielleicht bin ich auch einfach zu alt geworden, um solchen emotional angehauchten Ton noch schätzen zu können…

            Trotzdem: danke für deine Einsichten und die Erkenntnismöglichkeiten, die du uns immer wieder anbietest, und die du in deinen besten Momenten Satz für Satz für Satz raushaust.

            Gruß, Arnt

          2. Tja, Arnt.

            Am liebsten sind mir die, die sich so richtig angesprochen fühlen und man den Ärger förmlich riechen kann.

            Genau dieses „auf Abwehr schalten“ ist eine Sache, die dem klaren Denken in jeder Hinsicht im Wege steht.

            Du hast mit deinem Kommentar dabei vollkommen ins Schwarze getroffen und gezeigt, dass mein Sinn für Pädagogik gar nicht so verkehrt ist … auch wenn es heißt, anderen Leuten auf die Füße zu treten, damit die sich ordentlich angesprochen fühlen.

            Das Glaubenssystem des Menschen ist durch die innere Firewall so gut bewacht, dass es völlig egal wäre, was ich schreibe – man muss nur die richtigen Stellen in diesem Glaubenssystem treffen.

            Aber im Grund bleibe ich beim Kommentar eines Lesers: Diejenigen, die dadurch „abgeschreckt“ werden, sind sowieso keine Leser, die ich ansprechen will.

            Meistens verhalten diejenigen sich allerdings wie Parasiten und saugen maximal Infos aus etwas, um bei der nächsten Möglichkeit, direkt ihren Gedankenmüll abzusondern – damit der Wirt hoffentlich bald aufhört, auf seinem eigenen (!) Blog, seine eigenen (!) Gedanken niederzuschreiben.

            😉

  3. Klasse Artikel. Trifft den Kern und spricht mir aus meiner (schlecht formulieren könnenden ) Seele.
    Ich war schon immer ein Nachfrager, Ausprobierer und Zweifler an herrschenden Strömen und in Stein gemeißelten Statements. Problematisch ist diese Haltung aber wenn man (also ich) aber selber nicht in der Lage ist, Studien zu deuten, ausreichend zu differenzieren und damit neue Schlüsse aus alten Grundlagen zu ziehen. Das fällt mir irre schwer. Und somit komme ich nicht mal für mich zu einer eigenen Wahrheit. Damit wird aus meinem Leben ein endloser Selbstversuch und oft schiele ich neidisch auf all jene die sich kompromisslos einer neuen (Ess)Kultur verschreiben und statt zu zweifeln und in Frage zu stellen ihre kostbare Zeit damit „vergeuden“ in der Sonne zu liegen oder sich vor selbiger zu schützen.

    Schwierig. Was machen mit dem Wissen dass die Welt nicht ist wie sie scheint wenn man (also ich) nicht in der Lage ist dahinter zu schauen?!?

    1. Sehe ich eigentlich ähnlich. Im Prinzip sollte man natürlich in der Lage sein sich so lange Wissen anzuhäufen bis man relativ gut Veröffentlichungen einschätzen kann und dementsprechend für sich entscheiden kann ob man das Gelesene für richtig befindet.

      Wenn man beruflich tätig ist und quasi nur den Feierabend, Urlaub und die Wochenenden zur Verfügung hat und dann auch noch das gute alte Power-Law diese Zeiträume weiter verengt, so hat man oft das Gefühl das ein Versuch die Informationen wirklich zu durchdringen nur nach hinten losgehen kann.

      Deshalb geht man oft den einfachen Weg und versucht das gesagte erstmal soweit es geht aufzuschnappen und nach aktuellem Wissensstand bestmöglich zu evaluieren.
      Ich denke da muss man einfach Prioritäten setzen.

      Oftmals können aber auch Basics schon das Wesentliche, was Jemanden im Prinzip schon richtig nach vorne bringen kann, offenbaren. Ein Kaloriendefizit hilft beim abnehmen. Bewegung ist gesund. Extreme Beispiele in Sachen Ernährung oder Sport machen kurzfristig vielleicht Sinn, bringen aber dennoch ein Risiko mit sich und wenn man den Bogen überspannt, kann es nach hinten losgehen.

      Joa das ging mir gerade quasi durch den Kopf 😀
      Munter bleiben 🙂

  4. Kann mich den anderen nur anschließen, was den Artikel inhaltlich betrifft. Der Punkt mit den Konzepten und den Gurus hat mich auch zum Nachdenken gebracht (teils schon geschrieben):
    – Otto Normal hat keine Zeit, Lust, Wissen oder Nerven, sich selbst anständig mit Ernährung zu beschäftigen, also kauft er Buch XY von Guru ABC, der nebenbei fantastisch aussieht, und folgt diesem Konzept, um sich die Zeit zu sparen. An sich kein verwerflicher Gedanke, da nur wenige Menschen die Zeit aufbringen können, sich damit zu beschäftigen. Allerdings auch Risiko, weil das Konzept von Guru ABC nicht der Wahrheit entsprechen muss.
    – Warum hat Otto Normal nicht das nötige Wissen? Man müsste meinen, Ernährung ist das grundlegendste Bedürfnis des Körpers und man sollte wenigstens etwas darüber wissen. Warum ist es so schwer, ein paar Basics über Ernährung in der Schule z.B. den Kindern bei zu bringen? Und hätte da eher die DGE oder jemand mit Ahnung die Finger im Spiel?
    – Wo ist der Übergang zwischen Konzepten und Ratschlägen, die man anderen gibt? Und ab wann machen mich Ratschläge zu einem Guru?

    Meine Lösung (ähnlich Chris Kesser) ist, dass ein Konzept (wie Paleo bei mir) nur eine Richtlinie ist. Je mehr man dieser Richtlinie folgt, desto besser. Allerdings darf man nie vergessen, das Leben zu genießen. Naive Einstellung, aber erfolgreich.

    Nur ein paar Gedanken aus meinem kleinen Kopf.

    Gut geschrieben, weiter so 🙂

    Martin XY

  5. Wenn ein Buchtip erlaubt ist:

    „Der Hund der Eier legt“ von Hans-Hermann Dubben und Hans-Peter Beck-Bornholdt. Gut investierte 10 Euro für alle, die sich mit wissenschaftlichen Studien beschäftigen wollen/müssen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.