Was Robert Lustig wirklich über Kohlenhydrate sagte

Zucker sind Kohlenhydrate

Unser Konzept fokussiert Mäßigung.

Und zwar in allen Lebensbereichen.

Denn es ist die Mäßigung, die uns dort hin bringt, wo wir alle gerne hin möchten – langfristig.

Ich weiß durchaus, dass dieses Denken bei uns heute nicht mehr so gängig ist.

Es zählen die Extreme

Es wird eine extreme Saat mit einer extremen Ernte korreliert.

Dabei weiß jeder Biologe und System-Analytiker, dass es gewisse Gesetze gibt, die wir in der Biologie (und im Leben) ständig finden.

Erstens: Wir wissen alle sehr genau, dass 1 % der Sache XY ausreichen kann, um unser ganzes Leben zu dirigieren bzw. zu verändern. Hier brauchst du also nicht noch viel mehr von Sache XY, um noch mehr zu bekommen. Dieses eine Prozent reicht aus. In der Fachsprache heißt das gerade Beschriebene: Power Law. Wir wissen intrinsisch sehr genau, dass die wenigen Momente im Leben, diejenigen sind, die uns verändern, die uns prägen und die wir uns ein Leben lang merken.

Zweitens: Jeder, der damals im Biologie-Unterricht anwesend war, weiß, dass es „Optimumskurven“ gibt. In der Fachsprache heißt das Gauß-Verteilung. Tatsächlich zieht sich diese klassische Verteilung wie ein roter Faden durch nahezu alle Aspekte des Lebens.

Was haben beide Dinge, beide „Gesetze“ gemeinsam?

Sie zeigen präzise genau auf, dass „Mehr“ ≠ „Mehr“ ist.

Wenn also ein Extremiker auf die Idee kommt, dich von seinen Weisheiten zu überzeugen, dann solltest du Abstand nehmen: Denn dieser Mensch ist weder ein guter Biologe, noch ein guter System-Analytiker. Und entsprechend weltfremd können diese Vorschläge sein.

Bringt mich zu einem relevanten Thema:

Kohlenhydrate (mal wieder) im Fokus

Es ist richtig und wichtig, die Wirkung des Zuckers im Körper zu studieren und entsprechend zu intervenieren.

Falsch ist hingegen, das Ganze bis ins Unendliche zu (über-)steigern.

Das führt uns dort hin, wo wir heute sind.

Lass mich ein Beispiel machen:

Heute tauchen immer mehr Bücher, Blogs, Shows und so weiter auf, wo überall verkündet wird, dass wir zu viel Zucker essen.

Nein, „zu viele Kohlenhydrate“.

Doch was ist denn „das Kohlenhydrat“?

Es gibt nicht das Kohlenhydrat. Und wenn wir von „iss weniger Kohlenhydrate“ oder „wir essen zu viele Kohlenhydrate“ reden … ja, welches Kohlenhydrat ist denn gemeint?

Essen wir nur zu viel Zucker … oder zu viele Brötchen*?

(* Da viele bisweilen über wenig Abstraktionsvermögen verfügen: Nein, „Chris von edubily“ empfiehlt nicht explizit, sich von Brötchen zu ernähren. Brötchen steht stellvertretend für eine ganze Gruppe von Nahrungsmitteln.)

Wobei: Viele sind felsenfest davon überzeugt und verkünden fröhlich, dass das Brötchen auch Zucker sei und folglich krank machen müsste.

Denn, dass Zucker krank macht, haben wir mittlerweile tausendfach bewiesen.

Auch hier gilt: Wenn jemand verkündet, dass Brötchen = Zucker ist, dann sieh zu, dass du diesem Menschen nie wieder zuhörst.

Brötchen besteht aus Stärke.

Stärke = Rein-Glukose.

„Zucker“ (dieses weiße, kristalline Zeug bei dir im Schrank) heißt fachsprachlich Saccharose.

Diese Saccharose besteht aus Glukose und Fruktose. Es ist somit ein Disaccharid.

Das Youtube-Video von Robert Lustig ist weltbekannt und dient heute als Flaggschiff der Kohlenhydrat-Verächter.

„Hier guck, Zucker macht krank“.

Doch hast du Robert Lustig überhaupt zugehört?

Wollen wir einmal kurz das Video von Robert Lustig analysieren und Dinge herausschreiben, die man sonst so niemals hört – zumindest nicht in der Low-Carb-Szene.

Bei Minute 45 taucht diese Folie auf:

screenshot-www.youtube.com 2015-07-29 19-31-18

Fruktose und Glukose sind zwei Paar Schuhe

Unschwer zu erkennen, „Fruktose ist nicht Glukose“.

Warum schreibt er das wohl hin?

  • Fruktose produziert sieben Mal eher AGEs (Advanced Glycation Endproducts) als Glukose
  • Fruktose unterdrückt das Hungerhormon Ghrelin nicht
  • Fruktose stimuliert Insulin nicht
  • Der Fruktose-Leberstoffwechsel unterscheidet sich
  • Chronische Fruktose-Zufuhr induziert metabolisches Syndrom

Er will uns, wörtlich, „den Unterschied zwischen Glukose und Fruktose aufzeigen, auf eine Art und Weise, die es eingängig deutlich werden lässt.“

80 % der zugeführten Glukose wird von allen Geweben des Körpers verwendet. Warum? Jede Zelle des Körpers kann Glukose verwerten. Jedes Bakterium kann Glukose verwerten. Jedes Lebewesen auf dieser Erde kann Glukose als Substrat verwenden.

Und dann, sagt er doch wörtlich, „Glukose ist die Energie des Lebens. Das hätten wir essen sollen.“

Er fährt fort und erklärt, dass 20 % der Kalorien auf die Leber treffen.

Dort wiederum wird nur ein Mini-Mini-Bruchteil dazu verwendet, Fette zu synthetisieren (De-Novo-Lipogenese), die dann via VLDL (Lipoproteine, die für den Transport aus der Leber zuständig sind) in den Blutstrom abgegeben werden – die landen im Fettgewebe.

Wie viel Glykogen kann die Leber speichern, bevor sie krank wird? Unendlich.

Glykogen ist eine nicht-toxische Substanz.

Das große, einzige Ziel der Glukose ist, die Glykogenspeicher zu füllen.

(Auf die Folie schauend) Das ist gut, das ist nicht schlecht, das ist gut.

[…]

Von 24 Glukose-Kalorien, wird vielleicht eine halbe Kalorien zu VLDL. 

Wieso hört man ihm nicht zu?

Glukose, also das Endprodukt der Stärke, dient never ever als Substrat, um Fett in der Leber zu synthetisieren. 

Das habe ich dir auch in meinem Buch hingeschrieben, damals mit einer feinen Studie untermauert.

Was können wir heute überall lesen? „Kohlenhydrate (Pasta, Nudeln, Brot, Reis, Kartoffeln) machen fett!“ Ja, wo denn? Das musst du mir mal zeigen.

Stärke ist nicht Zucker

Darüber hinaus wird durch Glukose Insulin ausgeschüttet. Dein Gehirn erkennt dieses Signal und es weiß, dass es nun aufhören soll zu essen.

Hier hast du also einen schönen Negativ-Feedback-Kreislauf zwischen Glukose, der Leber, der Bauchspeicheldrüse und dem Gehirn, um dich in einer normalen, negativen Yin-Yang-Energiebilanz zu halten.

Insulin macht satt? Das habe ich ja noch nie gehört. Und es soll eine negative Energiebilanz halten? Ich dachte, Insulin macht fett.

Das ist gut. Das ist nicht gefährlich. 

Fruktose wirkt wie Fett

Im Anschluss erklärt er uns noch den Ethanol-Leberstoffwechsel und den Fruktose-Leberstoffwechsel.

Das kann man recht schnell zusammenfassen:

Im Gegensatz zu Glukose, kann Fruktose nur in der Leber verarbeitet werden. Das heißt: Alle Fruktose-Kalorien landen in der Leber. 

Wie nennt man das? Ein Gift.

Dann beschreibt er, wie Fruktose auch noch Bluthochdruck induziert: Es lässt Harnsäure entstehen, das uns das wertvolle NO (den Guide dazu gibt’s bei uns im Shop) raubt. Und das macht Bluthochdruck.

Auf einer anderen Folie ist dann Folgendes zu erkennen:

screenshot-www.youtube.com 2015-07-29 20-58-49

So sieht das aus, wenn ein Kohlenhydrat wirklich die De-Novo-Lipogenese stimuliert.

Glukose schafft das in keinster Weise. „Nichts davon wird zu Fett.“

Fruktose hingegen ganz dramatisch und deutlich. „30 % davon wird zu Fett.“

Und dann kommt, ganz korrekt:

Eine High-Sugar-Diät ist eine High-Fat-Diät. (*****)

Das ist der Punkt. Genau das ist der Punkt.

Fazit: Fruktose ist kein Kohlenhydrat, sondern Fett. 

(***** Da diese Aussage andernorts zu „hitzigen Diskussionen“ geführt hat, möchte ich kurz etwas dazu sagen: Eine „high fat diet“ meint bei Wissenschaftlern eine Ernährungsform, bei der man – bei Nagern – beispielsweise etwas Maisstärke wegnimmt und stattdessen Fett ergänzt. Dadurch wird aus einer Standard-Chow [= normale kohlenhydratreiche, fettarme Nagetiernahrung], eine „Western diet“, die von der Makronährstoffzusammensetzung Junkfood ähnelt. Eine „high fat diet“, von der Lustig spricht, ist nicht zu vergleichen mit einer kohlenhydratreduzierten Ernährungsform, die mehr Fett als üblich beinhaltet.)

Gute Tipps – fernab jeglicher Religion

Natürlich kann man den Herren fragen, was wir denn dann tun sollen, um nicht krank zu werden von der Fruktose.

a) Iss deine Fruktose mit Ballaststoffen. 

Das ist der Grund, warum Früchte nicht dick machen.

screenshot-edubily.de 2015-07-30 10-27-52

Hast du jemals von der Paläo-Diät gehört? […] Iss alles so, wie es aus der Erde kommt. Ungekocht. Damit würdest du sehr schnell Diabetes (T2D) heilen. Braucht eine Woche.

Das liegt daran, dass du 100 bis 300 g Ballaststoffe aufnimmst, von denen ich gesprochen habe.

Ballaststoffe sind gut für dich. Je mehr, umso besser.

Na, ich glaube nicht, dass die Paläo-Diät so populär wäre, wenn jeder jeden Tag über 100 g Ballaststoffe essen müsste … aber: vermutlich ist das eher Paläo, als der Zuckerverzicht per se.

b) Sport. 

Aber nicht, weil Sport „Kalorien verbrennt“, sondern weil der Stoffwechsel der Leber schneller wird und Fruktose entsprechend besser verarbeiten kann.

Aufklären statt Dogmatismus

Dieses wirklich sehr gut formulierte und herausragende Referat wird quasi-missbraucht von Menschen, die nicht Lustigs These lehren wollen, sondern ihre eigene Vorstellung und ihren eigenen Glauben.

Ganz in einer uns bekannten Cherry-Picking-Manier werden dann fünf Sätze entnommen, um zu beweisen, wie schlecht „Zucker“ ist.

Wohl wissend, dass jeder Normalbürger nicht unterscheiden kann zwischen Zucker, Stärke und Glukose.

Ganz im Gegenteil: Wie viele Menschen glauben heute im Ernst, die Kartoffel sei purer Zucker?

Mir persönlich geht es überhaupt nicht darum, dich zu einem Kohlenhydrat-Liebhaber umzuerziehen, wenn dein System „gut geölt“ läuft.

Es geht um dieses dogmatische, unkorrekte und indoktrinierende Vorgehen diverser Blogger, Autoren und ganz Schlauen, die es nicht schaffen, die Schokolade von der Pasta zu unterscheiden. Einfach mal bei der Wahrheit bleiben. Nicht wieder irgendwas erfinden.

Vermutlich hassen mich jetzt wieder 10 Leute mehr.

Und vermutlich bekomme ich jetzt wieder zig Mails und Kommentare um die Ohren gehauen, die „klar belegen“ sollen, dass der Pasta-Konsum fett gemacht hat und wie polemisch ich doch schreibe.

Da denke ich mir: Glaubt doch, was ihr wollt.

Wenn nicht mir und einem Professor der Endokrinologie, dann dem Low-Carb-Guru, der klar beweist, wie schädlich Glukose ist.

Wer Auto fahren will, der sollte vorher lernen, Auto zu fahren. 

Wenn du über Ernährung Bescheid wissen willst, dann kenne deine Biochemie. Das wurde überaus elegant bewiesen von Professor Robert Lustig. DEM glaub ich wirklich.

PS1: Na, wer will an der Reiswaffel-Challenge teilnehmen?

PS2: Ja, ich weiß schon. Gleich kommt: Was ist denn, wenn meine Kohlenhydratspeicher voll sind? 🙂

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51 Kommentare, sei der nächste!

    1. Dann gibt es noch den Energie-Haushalt der Zelle (Kalorienbedarf deines Körpers) – KH-Zufuhr steigert die Expression von Glukose-verarbeitenden Enzym in der Zelle.

      Soll heißen: Kohlenhydrate werden nicht nur zu Glykogen verarbeitet, sondern können auch oxidiert werden, um den Energiebedarf zu decken.

      Ein Punkt, der irgendwie immer vergessen wird.

      Versuche mal 3000 Kalorien am Tag nur durch KH abzudecken. Dann wird schnell klar, dass die ganzen Diskussionen recht unnötig sind.

  1. Chris.

    Guter Artikel. Hat mir einiges klar gemacht.

    Aber wie ist „Eine High-Fat-Diät ist eine High-Sugar-Diät.“ gemeint … mir fehlt da ein wenig Kontext bzw. Bedeutungserklärung…

    Peter

    1. Hallo Peter,

      aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt … vielleicht wird es klarer:

      Eigentlich müsste es heißen: „Eine High-Sugar-Diät ist eine High-Fat-Diät“.

      Das natürlich im Hinblick Fruktose/Fettleber.

      Besser?

      1. also dieser Übersetzungsfehler lässt mich einfach nicht los.
        Als jemand, der den Level2 des LCCI besitzt, kann ich nur sagen, dass es ein ganz fataler Fehler ist, sich auf eine 1:1 Übersetzung einzulassen.
        Übersetzungsfehler in der Geschäftswelt können Millionen kosten
        und in diesem Fall hier ist die eigentliche Intension verloren gegangen… ich bitte um Korrektur

        1. Cool bleiben.

          Das ganze Ding verliert 0 an Wert, denn es wird im Laufe des Textes sowieso klar was gemeint ist.

          Im Übrigen ist das hier ein Blog und keine „Geschäftswelt“.

          Wer mathematisch denkt, wird das Ganze ebenfalls verstehen:

          X = X

          Aber, wem sag ich’s?

          1. nur leider hat das an anderer Stelle eine hitzige Disskussion hervorgerufen…
            ich habe die ‚Geschäftswelt‘ auch nur als Beispiel gebracht, denn nun kommt schon wieder der Ruf, dass ja Fett doch fett macht… weil es bei dir so steht….

          2. Ja stop.

            Das hat 0,0 mit meiner Übersetzung zu tun.

            Das kannst du deiner Gemeinde ruhig vermitteln.

            Eine „high fat diet“ ist in Wissenschaftler-Kreisen nicht der Fachbegriff für eine kohlenhydratreduzierte Ernährungsform mit mehr Fett.

            Eine „high fat diet“ meint einfach: Wir tauschen ein bisschen Maisstärke gegen Fett – was dann eher eine „western diet“ oder Junkfood-Ernährung ist (für Ratten etc.).

            Daher sagt Lustig das in seinem Video.

            Fachlich absolut korrekt, jeder weiß, was gemeint ist.

            (Damit kann man jedem Tier Übergewicht und NAFLD induzieren. Geht z. B. nicht mit einer reinen Stärke-Ernährung. Mit Junkfood aber wunderbar. Und mit Fruktose eben auch. Faustregel: KH plus große Mengen Fett = meistens metabolische Katastrophe.)

            Wenn irgendwelche Leute jetzt die Krise kriegen, dann müssen sie sich halt mal mit Wissenschaft auseinandersetzen.

            Eigentlich darf man in diesem Internet gar nichts mehr sagen.

            Und das, obgleich ich doch sogar erwähne, dass ich niemanden „umerziehen will“ – „gut geölt“ meint genau dein Thema.

            Eben: Fett ist nicht schlecht.

            Nur, weil ich jetzt Glukose in ein anderes Licht rücke, hat das nicht wieder Konsequenzen für einen anderen Markonährstoff.

            Ich habe das Gefühl, manche sollten mal das eigene Denken trainieren.

          3. eigentlich solltest du dich ja darüber freuen, dass auch die Fluschis deine Artikel lesen und vor allem versuchen zu lernen.

          4. Meistens der Zwiespalt zwischen fachlich korrekt und unnötig kompliziert.

            Welchen Tod will man sterben?

            Eine „high fat diet“ ist fachlich korrekt, aber für Leute zu abstrakt.

            Ich baue eine Erklärung ein.

  2. Habe mal ne zeitlang die Tage nach dem Training puren Traubenzucker (0.5-1kg) in Wasser aufgelöst getrunken. Mir wurd dann zwar immer etwas schlecht, aber nach paar Stunden Verdauung, hatte ich einfach nur Power. Fett bin ich nicht geworden, nur schwerer.

    Kann man sich mit so einer dichten Glukose-Zufuhr irgendwas kaputt machen?

  3. Traubenzucker = Glucose = dann ggf. zu Glykogen bindet ca. 2,7 g Wasser + etwas Kalium pro 1 g Glyogen. Wenn du also 1 kg Traubenzucker zu dir nimmst, solltest du bisschen Trinken 😀 oder dich auf den WC-Besuch freuen und später ggf. auf den Blutzucker-Crash

      1. Aus den Artikel entnehme ich, das man Stärke ohne Bedenken konsumieren kann.
        Dies habe ich einen Monat lang mal ausprobiert und meine Erfahrung im Forum geteilt.
        Darauf hast du geschrieben wie man sich so viele Kohlenhydrate reinballern kann ohne vorher genau dies zu testen.

        1. Du hast nicht verstanden, dass es nicht wieder darum geht, nur von Glukose zu leben.

          Und vor allem: Wie ist denn das Setting?

          Wenn einer monatelang Keto praktiziert und dann von dem einen auf den anderen Tag versucht, sich 1000 g Kohlenhydrate reinzuballern, dann ist relativ klar, dass das nicht funktionieren wird.

          Es geht um den mäßigen Umgang mit Dingen und der korrekten Darstellung von Sachverhalten

          Der praktische Aspekt ist eine ganz andere Hausnummer.

  4. Super Artikel!
    Einmal mehr – biochemisch-physiologisch erworbene Differenzierungsfähigkeit. Aber wieviel % der Journalisten, Privatleute und Average-Joes die sich für Ernährungsprofis halten, besitzen diese?
    Black / White, Kopf oder Zahl.
    In der heutigen Zeit mit ihrer pathologisch hohen Auflösung von Informations- pro Zeiteinheiten fehlen die Kapazitäten für differenzierte Normalität. Nur Extreme lösen ausreichende nachhaltige neuronale Signalkaskaden aus .
    Ich kann jedem raten, morgens mal statt „Bulletproof-Quatsch“ nur ein grosses Glas Sauerkirsch-Nektar (die Besten haben 50% Kirschsaft) zur trinken. 50% Kirschsaft – mit Wasser und böser Glukose. Kaum Fruktose, kein Fett, kein Protein. Ein paar gute Anthocyane, aber keine potenziell allergenen Störgrössen, keine Nervengifte wie Coffein. Nur Brennstoff.
    Warum Kirschsaft: Die Anthocyane scheinen besonders gut Muskelschäden vorbzubeugen (keine Lust grade die Studie zu suchen). Merke ich und in meinem Umfeld immer wieder! Top!
    Jede Zelle, wenn nicht ketogen IR geschädigt, jubelt über diese rasch verfügbare Superpower.
    Und Insulin macht definitv satt: Esse ich ordentlich langkettige Carbs, bin ich pappsatt. Nicht primär vom fettgelähmten Magen, sondern vom Insulin.
    Das Problem der zu starken Insulinausschüttung in Folge hochfrequenter rasch verwertbarer Carbs ohne Nährstoffe in Verbindung mit Schrottfett steht dann wieder auf einem anderen Blatt.
    Dass ständige Blutzucker-Peaks mit nachfolgender hoher Inuslinausschüttung und entsprechend folgendem Unterzucker dauerhaft ungünstig sind, ist logisch.
    Aber das hat nichts mit der Glukose als exzellentem und imho BESTEM Brennstoff zu tun.
    (Unbestritten können bei bestimmten ERKANKUNGEN Ketone eine gute Therapieoption darstellen. Das ist aber völlig getrennt zu werten)
    Wer keine IR generiert durch ein normales (gemässigtes) an seine Hardware (Gene) adaptiertes Leben führt, wird keine Probleme bekommen.

    1. Mein Gott, Doc …

      Danke dir für diese wunderschöne Ausführung.

      Ich hätte es in keinster Weise besser ausdrücken können.

      „Nur Extreme lösen ausreichende nachhaltige neuronale Signalkaskaden aus.“

      Sehr, sehr stark formuliert.

      Beste Grüße! Und danke, dass du die Leser an deinen Gedanken hast teilhaben lassen.

  5. Also wäre Traubenzucker auch kein Problem weil ja Glukose? Woher weiß ich ob in einem Lebensmittel Fructose enthalten ist? Und heißt das wenn ich bei meiner Tafel Milka ein halben Apfel esse (Ballaststoffe) macht die mich nicht dick? 😀 Sry verstehe das ganze noch nicht so ganz. Ich würde allerdings trotzdem auf Brötchen verzichten, weil diese auch viel Fett und alle möglichen Zusatzstoffe enthalten und Brötchen nur leere Kalorien sind, oder bin ich da jetzt ganz falsch?

    1. Brötchen enthalten „viel“ Fett? aha….

      Ich kann zwar keine professionelle Antwort wie Chris oder Doc etc. geben, aber wenn man das logisch betrachtet, macht die „Milka/Apfel Kombo“ wenig Sinn. Irgendwas über 500 (leeren) Kalorien, bestehend auch hochglykämischen Carbs und schlechtem Fett – was sollen die 2g Ballaststoffe aus deinem Apfel da bewirken?

      Ich denke die Kernaussage ist: Wenn du Fruktose in einem bestimten Verhältnis zu Carbs zu dir nimmst (In nem Apfel hast du eben nicht 45g Carbs auf 100g so wie in deiner Milka), dann regelt sich die Geschichte eben…

      @Chris,Doc und co.

      Korrigiert mich bitte falls ich falsch liege…

  6. Hey Chris. Super Artikel! Was kann man anstatt Zucker zum süßen nehmen? Traubenzucker, Honig Süsstoff usw.? Was würdest du empfehlen?
    Danke Markus

  7. „Darüber hinaus wird durch Glukose Insulin ausgeschüttet. Dein Gehirn erkennt dieses Signal und es weiß, dass es nun aufhören soll zu essen.“
    …und ich glaube gerade hier liegt der Denkfehler. Denn die meisten – und da will ich mich nicht ausnehmen – fehlt entweder das Körpergefühl oder die „Achtsamkeit“ (oder beides), auf diese Signale zu hören.

      1. Leptin hin, Insulin her.

        Viele folgen einfach auch nur irren Trend von zB ewigem Fasten und einer 1-2 stündigen (Fr)Essphase am Abend. Durch dieses Vorgehen endet man mit großer Wahrscheinlichkeit in einem gestörten Essverhalten. Punkt.

        Da brauch man noch nicht mal mit Leptin/Insulin/CCK/GLP-1 usw anfangen. Das ist pure Logik

        Wie gesagt. Der Artikel geht um Mäßigung…Haben wohl wieder 90% überlesen.
        Wenn ich schon 1 kg Glucose lese…..

          1. Eigentlich ist es meiner Meinung nach vereinfacht so:

            Neurohumoral ist der Hypothalamus eigentl. als Mastersystem das Regulatorium für den Stoffwechsel, neben der Leber als ausführendes Organ.

            Den mit weitem Abstand grössten Impact hat die Tages- und Nachtzeit.

            Jede Zelle unterliegt diesem 23-26h Rhythmus, je nach Genetik.

            Taktgeber sind Licht (Sonne) und Dunkelheit.

            Würden wir uns nicht, permanent!(phasenweise kein Problem!) arrogant diesem System widersetzen, gäbe es auch imho kaum metabolische Probleme.

            Da die (Gluko-, Mineralo-)kortikoid, Schilddrüsen-, Gonaden- und Wachstumshormonachsen dann entsprechend ihrer biologischen Vorgaben arbeiten könnte, regulierten sich Appetit und Gelüste auf Nahrungsmittel (süss, salzig /würzig (Protein), Fett, sauer) von selber.

            Ebenso wie Phasen des Fastens und so weiter.

            Da wir aber fast alle ein chronisch derangiertes System haben(Blaulicht – PC/TV/Tablet/Smartphone/Leuchtreklame , Laternen, Städte // chron. Lärmexposition – auch unterbewusst ) , funktioniert das nicht mehr so richtig.

            Ueber Jahre trinkt man dann staending RedBull oder isst zuviel Süsses und oder Fettiges zu völlig falschen Uhrzeiten, Regenerationsphasen werden nicht ermöglicht oder zu Zeiten wo das eigentl. nicht auf dem Plan stünde usw.,

            Oder als Stress-nicht-Esser steht man unter permanent lipolytisch-adrenergem Stress – der zu Mangelernährung führen kann neben der zellulären Problematik dass die Zelle gestört wird.

            Je nach genet. Setting ist dann die individuelle Vulnerabilität für Pathologien die Folge (v.a. Extreme! ). Back to Bascics im Extrem-Trend.

            Grüsse!

          2. Exakt, ich denke ebenfalls, dass das ein riesiger Faktor ist. Desynchronisierung passiert immer und überall. die meisten sind sich darüber noch nichtmal im Klaren.

            Hab mich recht intensiv in der Vergangenheit theoretisch damit beschäftigt (arbeiten von Kalsbeek und la fleur zB).

            das schreit fast nach ner Artikelreihe mMn 🙂

  8. Schöner Artikel, den offenbar 80% der Leser nicht richtig einordnen können oder wollen…..
    Finde das immer sehr schade in manchen Kommentaren zu lesen, was letztendlich hängen bleibt.

    Wie als ob der Lehrer nach einer Schulstunde über den Citratzyklus am Ende gefragt wird was Glucose sei.

    Wie auch immer.
    Denke selbst bei Fructose wird vieles aus dem Kontext gerissen (wie auch bei PUFA’s unter Peat’er).
    Biochemisch ist Lustig’s Argumentation zwar nachzuvollziehen, aber vieles muss man auch Kontext-bezogen betrachten. Häufig kam mir auch schon zu Ohren, dass einige Beobachtungen wie zum Beispiel der „ATP-Raub“ zwar enzymatisch begründbar sei aber in Realität eher experimentelle Artefakte darstellen. Ich werde mich mal eingehender damit beschäftigten.

    Auch wenn im übertragenen Sinne gemeint:
    „Extreme“ aktivieren auch nicht immer „neuronale Signalkaskaden“ 😉
    Zum Beispiel die Gabe von (eigtl) etablierten Sättigungsfaktoren wie Leptin und Insulin direkt ins Gehirn können (rätselhafterweise) nicht immer und an jeden Tag reproduziert werden.

    Trotzdem kann man anhand vieler Studien davon ausgehen, dass Insulinwirkung im Gehirn eine große Rolle spielt. Könnte in nächster Zeit eventuell eine Studie diesbezüglich veröffentlicht werden…

    1. Klar: Du weißt wie das ist.

      Ein Stoff, der per se „böse“ erscheint, kann im richtigen Setting (!) Wunder vollbringen.

      Mir ging es ehrlich gesagt gar nicht um den Bösewicht Fruktose, sondern darum, dass ich aufzeigen wollte, wie unsachgemäß dieses allgemeine Bashing gegen Sache XY ist.

      Aber ich bin mir sicher, dass wir das ähnlich sehen.

      Edit: Wie du so schön sagst … die Leute hören nicht alles und am liebsten das, was sowieso in ihren Glauben und ihre eigene Denkstruktur passt. Ich bin mir sicher, dass viele der Leser 90 % rausgestrichen haben um wieder nur zu lesen „Du darfst so viele Brötchen essen wie du willst“ …

  9. „Ursprüngliche Kohlenhydrate also – völlig in Ordnung! Vor allem, wenn die Menschen alle Kohlenhydrate restlos in den Muskeln verbrennen.“ Ulrich Strunz – Warum macht die Nudel dumm? S. 51

  10. Eine Lernfrage; Stärke = Polysaccharide. Mehrkettige Glucosemoleküle zB. in Reis enthalten. Glucose = Einfachzucker, ein Molekül, keine Stärke, kein Polysaccharid.
    Wieso wird in dem Artikel Glucose mit Stärke gleich gesetzt? Ich hab das noch nicht ganz verstanden. LG Dani

  11. Hallo Chris,

    bezüglich der Fruktoseverarbeitungskapazität der Leber: wenn ich das nun richtig verstanden habe, wäre das „Dümmste“, was man in diesem Szenario machen könnte, große Mengen stark fruktosehaltiger industrieller Lebensmittel in einem sehr kurzen Essfenster (2-3h) zu sich zu nehmen.

    Wenn man demnach dieselbe Menge über den Tag verteilen würde, sollte die Leber unter isokalorischen Umständen theoretisch weniger Schwierigkeiten in der Verarbeitung der Fructose aufweisen und die DNL somit geringer ausfallen, oder habe ich da einen Denkfehler?

    1. Hi Maxopa,

      nein, ich bin da ganz bei dir.

      Sehr gut gedacht 🙂

      Dieser zeitliche Aspekt spielt auch eine (wesentliche) Rolle.

      Wichtig ist auch, wie gefüllt die Glykogen-Speicher der Leber sind. Nach dem Sport sollte die Fruktose dazu genutzt werden, die Glykogen-Speicher zu füllen. -> Auch weniger Probleme.

      LG, Chris

  12. Den Satz verstehe ich nicht ganz:“Eine High-Fat-Diät ist eine High-Sugar-Diät.“ Das würde bedeuten das man durch vermehrten Fettkonsum dick wird? Ist bei meinen Mengen die ich an Fett zu mir nehme aber nicht der Fall. Oder habe ich grundlegend etwas falsch verstanden?

  13. Muss jetzt hier aber wirklich nochmal was loswerden.

    Ich weiß es war nicht die eigentliche Intention des Artikels, aber trotzdem liest sich das jetzt (für wohl viele so) als ob Fructose den „schwarzen Peter“ zugeschoben bekommt.

    Aus der Perspektive von Robert Lustig ist das ja auch genau der Punkt – er sieht das Problem in der Fructose. Wenn irgendwelche von diesem Vortrag ableiten, dass Probleme auf Kohlenhydrate allgemein zurückzuführen sind, kann man denen wohl generell nicht mehr helfen….

    Darum gehts mir jetzt im Moment gar nicht sondern eher um Leute die sehr wohl zwischen dem Molekül „Fructose“ und „Glucose“ unterscheiden können.

    Die biochemischen Effekte und (vermeintlichen) Probleme durch zB de novo Lipogenese sind ja vorhanden, sag ich nix gegen.

    Aaaaaber – „vermeintlich“ deshalb, weil mir persönlich keine direkte Evidenz bekannt ist, dass es immer und grundsätzlich das Problem ist. Und die Epidemiologie ist immer so ne Sache. Vor allem ist mir auch schon häufig untergekommen, dass der Zuckerkonsum eher wenig zugenommen hat über die Jahre – wohl aber die Adipositas-Inzidenz.

    Wie auch immer…

    Chris, ich empfehle dir mal folgendes Review zu Herzen zu nehmen.
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4421107/
    Hier wird unter anderem spekuliert dass Kohlenhydrate (sogar inklusive Fructose) im Adipositas-Kontext eher hilfreich sein können.

    Eine diskutierte Studie von vielen ist unter anderem

    35% Kalorien-plus durch Fructose –> 16% mehr Lipide in Leberzellen (7 Tage)

    30% Kalorien-plus durch Fett –> 86% mehr Lipide in Leberzellen (4 Tage)

    Alles Kontext, alles Relation, alles ne Sache von Differenzierung

    Dir muss ich es nicht sagen. Aber aus diesem Artikel kommt es (selbst für mich) nur sehr bedingt rüber

  14. Danke für diesen Artikel.
    Das Fruktose vielfach stärker in Fett umgewandelt wird als Glukose war mir neu. Dann habe ich kurz recherchiert worin Fruktose enthalten ist. Auf den Verpackungen steht immer nur der Zuckergehalt. Dann die nächste Neuigkeit für mich. Zucker besteht zur Hälfte aus Fruktose. Bisher dachte ich Haushaltzucker wäre Glukose. So kann man sich irren.
    Danke fürs Augenöffnen.

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