Bye Bye Paleo – Schluss mit der Pseudowissenschaft

Schluss mit der Paleodiät

„Paleo“ heißt: Wir, als Art, sind daran angepasst

Wenn ich darüber nachdenke … bald befasse ich mich seit einem Jahrzehnt mit der so genannten „Steinzeiternährung“, engl. „The Paleo Diet™“ oder „Paläo-Diät“.

Jahrelang war ich fasziniert von dem Gedanken der Angepasstheit (= Adaptation) des Menschen an seine Umwelt und somit auch an eine (bestimmte) Ernährungsform.

Das ist auch ganz wichtig: Die ganze Szene beruft sich genau auf dieses grundlegende, biologische Gesetz.

Der „Umkehrgedanke“ wird auch praktiziert: Ist es nicht „paleo“, ist es nicht gut für uns.

An dieser Stelle finden wir bereits die erste ernsthafte Frage: Welche Zeiträume sind denn überhaupt relevant, wenn man sich mit der Frage nach der Angepasstheit beschäftigt? 40 Millionen Jahre oder doch eher 50.000?

Der Name „Paläo“ („Paläolithikum“) beantwortet die Frage bereits vorweg: 2,5 Millionen bis circa 10.000 vor Christus. Ungefähr in dieser Zeit (vor 2,5 Mio. Jahren) entstand die Gattung Homo. Homo sapiens ist circa 200.000 Jahre alt.

Klar wird direkt: Alles, was danach passierte, wird als Zeitraum verstanden, in dem nicht nennenswerte Veränderungen bezüglich der Angepasstheit stattfanden.

In diesen Zeitraum fällt auch das Dasein als Landwirt und Viehzüchter.

Bitte beachten: „Primaten“ gibt es seit 85 Mio. Jahren. Fossilien sind 55 Mio. Jahren alt. Menschenaffen gibt es seit circa 20 Mio. Jahren. Schimpansen und Menschen haben einen gemeinsamen Vorfahr … vor 5 Mio. Jahren war das.

Also: Wir Menschen sind bestenfalls Hybride mit einer pflanzenfressenden Vergangenheit. Tatsächlich macht das Paläolithikum, im Hinblick die Geschichte der Menschenaffen, gerade einmal circa 10 % aus. Viele Vertreter der Paläo-Ernährung berufen sich sogar auf einen Zeitraum von nur 50.000 Jahren, wo die Eiszeit in Europa vermutlich einen enormen selektiven Druck ausübte. 50.000 Jahre …

Wenn die Evolution derart schnell agieren kann, wie wir das bei der Menschwerdung sehen können, wieso lassen wir dann die letzten 10.000 Jahre in unserer „Paläo-Rechnung“ argumentativ nicht gelten?

Als weiteren Denkanstoß, vorweg, möchte ich anmerken, dass heute lebende Europäer keine reinerbigen Wesen sind, die in der Eiszeit entstanden. Tatsächlich ist der Genpool in unserer Welt so durchmischt und erfährt eine so hohe Fluktuation, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass heute lebende Europäer sogar Wurzeln einer späteren Auswanderungswelle (aus Afrika) in sich tragen – und zwar nach der Eiszeit.

Hier wird direkt klar, dass Verallgemeinerungen jeglicher Art, nicht zielführend und sogar irreführend sind.

Paleo ist eine Scheinwissenschaft

Doch … je länger man sich mit der Wissenschaftlichkeit (!) dahinter befasst, umso … ja … schwieriger wird es, auch für einen selbst, die postulierten Dinge so zu akzeptieren.

Denn: Solange man nicht klar beweisen bzw. definieren kann, was Paleo eigentlich ist, solange ist es ein schwammiges Gebilde, eine Fantasie-Figur, die zwar ein nettes Paradies suggeriert, aber das sich jeder – im Kopf – so gestalten kann, wie er das möchte. 

Denn genau am Punkt der Wissenschaftlichkeit scheitert jede Diskussion und Argumentation.

Wie wollen wir die Sache „Paleo“ wissenschaftlich greifbar machen? Beim derzeitigen Stand, ist das nicht möglich.

Was viele nicht wissen: Alle (!) Studien zum Thema Paleo, also Studien, die versuchen, die Vergangenheit greifbar zu machen, sind reine Spekulationen!

Wie soll das auch anders gehen?

Wie soll man wissenschaftlich präzise rekonstruieren, was vor zwei Millionen Jahren passiert ist?

Alle Paleo-Arbeiten sind Spekulationen

Also … noch einmal: Alle Studien zu dem Thema sind Spekulationen. Im besten Fall: Beobachtungen oder Kalkulationen.

Auch Wissenschaftler haben es schwer, bei solchen Themen eine ordentliche wissenschaftliche Arbeit abzuliefern.

Das liegt ganz einfach daran, dass das Themengebiet „Paleo“ so weit, breit und farbig ist, dass es einem Wunschkonzert gleicht, seine eigenen Thesen – vermeintlich objektiv – darzulegen.

Es gibt eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Schwächen, so genannte „Experimenter’s bias“.

Das sind im Prinzip Schwächen der menschlichen Natur bezüglich einer generellen Objektivität, die es im menschlichen Verstand eigentlich nahezu nicht gibt – zumindest nicht, solange der menschliche Verstand, ob bewusst oder unbewusst, „zuschlagen“ kann.

Doch werden wir konkreter.

Homo erectus als Fett-Fresser – oder doch eher der Autor?

Es gibt eine sehr ausführliche Studie zum Thema Homo erectus. Heißt: Viel Arbeit. In meinen Augen vertritt die Studie valide Gedanken (!), darum habe ich sie damals als kleine Erklärungshilfe in mein Buch gepackt, um ein möglichst breitgefächertes Bild von „Paleo“ zu generieren – so gut wie dies auf 30-50 Seiten eben möglich ist.

Nun ja: Die Grundthese der Arbeit ist, dass Homo erectus Großwildjäger (genauer: Elefantenjäger) war, der viel Tierfett, viel Protein gefuttert hat. Auch in dieser Arbeit findet man viele Kalkulationen und so weiter. Von diesem Standpunkt aus … ist alles legitim. Diese Thesen kann man, so geschildert, ruhig vertreten.

Problem: Der Autor dieser Studie hatte vor 4-5 Jahren einen Beitrag im englischen Paleo-Internet kommentiert, aus dem seine persönliche Position deutlich hervor ging.

Seine Position: Ich praktiziere Low-Carb, eher noch Keto.

Wohl gemerkt: Das war vor der Veröffentlichung seiner Arbeit.

Viele der Szene wussten das natürlich nicht und nutzen diese Arbeit, um – dann – allgemeingültige Thesen wiederum zu bestätigen. Nach dem Motto: Die Wissenschaft gibt uns recht!

Falsch: Die Szene gibt sich selbst recht.

Man würde sicherlich auch keinen Schiri, der gerade Dortmund-Fan ist, ein Dortmund-Spiel pfeifen lassen.

Das kann man nur dann auch so einordnen, wenn man weiß, dass „Paleo“ – wie es heute existiert – auf der Basis von vielleicht 10 wissenschaftlichen Arbeiten gegründet (und begründet) wurde.

Und auch hier schrieben quasi zwei Autoren (Cordain und Eaton) den Großteil der Thesen (etc.) nieder.

Jeder Paleo-Wissenschaftler hat eine ganz eigene Vorstellung

Wenn man dann Cordain und Eaton studiert, wird wiederum klar, dass beide ganz andere Vorstellungen einer Paleo-Ernährung haben, was sich wiederum äußert in ihren Ausführungen.

Auch wenn Cordain ein sehr guter Wissenschaftler ist, der sich sicher sehr viel Mühe gibt und sichtlich nicht das praktiziert, was er postuliert (und somit vielleicht objektiver ist, 🙂 ), hat auch er sich später von einigen Punkten, die er selbst so dargelegt hat, distanziert. Vor allem bezogen auf gesättigte Fette und so weiter.

Es gibt mittlerweile noch viele weitere Wissenschaftler, die sich mit dem Thema „Paleo“ befassen und immer ihre ganz eigenen Thesen vertreten.

Und wie das eben so ist, dann, wenn das Thema so schwammig ist und keiner das Gegenteil beweisen kann, wird auch jeder seine eigenen Thesen belegen können. So wie das u. a. Milton macht, auch eine Biologin (Anthropologin), die Primaten studiert hat und viele ihrer Thesen auch von ihren gewonnen Erfahrungen ableitet.

Mich würde nicht wundern, wenn die sich wiederum vegan ernährt oder zumindest fast-fleischlos.

Selbstverarschen ist menschlich

Man kann als Wissenschaftler alle möglichen Thesen vertreten und mit anderen Studien untermauern. Dieses Phänomen nennt man Cherry-Picking. Man pickt sich eben die Früchte heraus, die man gerade für seine eigenen Behauptungen braucht und ignoriert die gesamte Datenlage. Dabei malt man dem geneigten Leser ein Bild, das „rund“ erscheint, aber überhaupt nicht rund ist.

(Anmerkung: Da wissenschaftliche Studien ebenfalls von Leuten durchgeführt werden, die sich wiederum auf andere Arbeiten berufen, kann eine ganz eigene „Arbeiten-Nische“ entstehen, die sich selbst bestärkt und recht gibt. Klassisches Beispiel ist der Cholesterin-Hype in Verbindung mit dem Herzinfarkt. Die Wissenschaftler damals waren nicht dumm … nur, um das einmal gesagt zu haben. Nur … Unwahrheiten [oder besser: Unüberprüfbare, unbestätigte „Wahrheiten“] werden nicht wahr durch ständiges Wiederholen. Gilt auch für wissenschaftliche Arbeiten.)

Ich könnte auf Anhieb ein paar Autoren (auch im deutschsprachigen Internet) nennen, die dieses Handwerk bestens beherrschen. Das gilt übrigens auch für das eigene Gehirn. Man kann sich – wörtlich – selbst verarschen. Auch vor allem dann, wenn man gerade etwas praktiziert und sich für die wissenschaftliche Wahrheit überhaupt nicht interessiert, solange man die ganz eigene Wahrheit im Herzen trägt … oder so ähnlich.

Ich bin selbstverständlich nicht frei davon und weiß, dass ich mein Unterbewusstsein mit Cherry-„Fakten“ bombardiert habe … und am Ende voll von einer Sache überzeugt war. Dabei habe ich alles andere – bewusst und unbewusst – ignoriert. Heute weiß ich es besser und weiß, dass gute (!) Wissenschaft (= Biochemie) nicht lügt. Da kann ich mir noch 100 x einreden, dass die Fette in Butter optimal für meine Gesundheit sind und Olivenöl ein Kunstprodukt ist.

Darüber hinaus bedient sich Paleo – wie keine andere Ernährungsform – an Epidemiologie, an Beobachtungen und vermeintlichen, daraus resultierenden Ereignissen. Und das, obwohl die „Methoden“ tatsächlich alles andere als valide sind. Oder anders ausgedrückt: Man zieht Rückschlüsse anhand von Menschen, die nicht mehr existieren (oder am anderen Ende des Kosmos leben) und deren Leben wir in keinster Weise nachvollziehen können, erfinden danach Ereignisse („Diese Menschen hatten weniger Krankheiten als wir …“), die gut klingen, die aber allerhöchstens der Fantasie entspringen. Zumindest sind solche Aussagen aus der Sicht moderner Analysen völlig unzureichend und nichtssagend.

Ignoriert wird dabei, dass man auch im Jetzt Epidemiologie betreiben kann. Stichwort „Blue Zones“ etc. – aber diese Epidemiologie ist nicht erlaubt, zeigt Schwächen, hilft uns anscheinend nicht, sinnvolle Aspekte für unser persönliches Leben abzuleiten.

Tatsächlich werden auch nur die Punkte ignoriert, die nicht in den eigenen Denkhorizont passen. Denn Populationen wie Masai oder Inuit werden gerne beschrieben. Von allen möglichen Leuten. Aber nicht der Objektivität halber, sondern der Legitimation wegen. Der Objektivität halber müsste man dann doch noch Volksgruppen wie Hadza, Kitava-Bewohner oder Menschen wie Tarahumara oder andere Ureinwohner irgendwelcher Länder (siehe oben, „Menschen vom anderen Ende des Kosmos“) erwähnen – Tatsache? Niemals. „Veganer!“.

Der Witz ist, dass diese heroischen Low-Carb-Völker, bei genauerer Betrachtung, ganz anders leben, als wir das in unserem Kopf gerne glorifizieren. Ich habe da mal ein paar ältere Studien herausgepickt und in meinem Buch zitiert. Ältere Studien … damit man auch wirklich den „alten, nativen Lebensstil“ der Menschen bewerten kann. Denn auch dieses „früher war in diesen Stämmen alles besser“ … wird gerne als Argument genutzt. Doch zurück: Masai-Männer, echte Masai-Männer haben im mittleren Alter Arteriosklerose wie alte US-Männer.

Auch die tollen Inuit sind alles andere als Vorbilder: Genmutationen verhindern die hepatische Ketogenese, der RQ weist nicht auf konstante Fettverbrennung hin, die Leber ist überdimensional groß, Arteriosklerose haben die massig, aber keinen Herzinfarkt (merkst du das Cherry-Picking?), weil das Blut durch Omega-3-Fettsäuren eine bessere Fließeigenschaft bekommt – leider geht damit ein deutlich erhöhtes Schlaganfallrisiko einher. Da platzen die Äderchen im Kopf halt schneller.  Letzteres erzählt man dir dann aber nicht.

Keiner von den ganzen Paleo-Gurus hat jemals bei oder mit den Inuit gelebt. Kein einziger dürfte sich auch nur ein einziges Wort, Life-Style-beschreibendes Wort erlauben oder gar Aspekte für das tägliche Leben (bei uns!) ableiten. Sogar Cordain nutzt bei seinen ganzen Kalkulationen andere Arbeiten, deren Inhalt er ja nicht auf Korrektheit überprüfen kann. Wie soll das auch gehen? Er beschreibt etliche, natürlich lebende Völker – aber hat er sie auch besucht?

Das sind doch keine argumentativen Grundlagen, um daraus dann ernsthaft und detailversessen ganze Lebensratschläge abzuleiten. Was soll das?

Paleo ist ein „Kulturprodukt“

Das eigentliche Problem von Paleo ist dann am Ende doch nicht die Studienlage, denn tatsächlich interessiert sich kaum jemand dafür, sondern die Kultur.

Paleo durchläuft keine „echte“ Evolution, sondern eine kulturelle – Paleo wird getragen von den einzelnen Strömen, die zum Teil tatsächlich aus „echter Evolution“ hervorgehen, aber am Ende doch nur das Konstrukt von Menschen sind, die sich ihre ganz eigene Geschichte basteln und diese froh im Internet verkünden. Manchmal vereinen sich Ströme und erscheinen dann noch kräftiger.

So geschieht es, dass Paleo am Ende keine auf Wissenschaft fußende, echte Bereicherung ist, sondern ein netter Roman, eine spannende Geschichte, die mit Biegen und Brechen ein interdisziplinäres Ganzes schaffen will – ganz in der Manier der Menschheit, eine Lösung für Alles finden möchte, eine „Feldtheorie“, eine zufriedenstellende Kohärenz.

Dabei spielt es am Ende dann auch keine Rolle mehr, ob man es biochemisch (oder anders) begründen kann. Sobald das Totschlagargument, eine Paleo-Legitimation, fällt, gibt es nahezu keinen argumentativen Ausweg mehr. Und das, obgleich viele Paleo-Vertreter sehr weit weg sind von der tatsächlichen, originalen Wissenschaft hinter Paleo, diese womöglich noch nie studiert haben.

Paleo ist ein Marketing-Wunder

Genau genommen ist es für uns Menschen schwer, eine „Ernährungsform “ einfach deshalb so zu praktizieren, weil wir von Haus aus glauben, dass uns diese Form der Ernährung gut tut.

Häufig kommt dann noch ein Paradox hinzu, das wir von Kindern oder Tieren kennen.

Im Zusammenhang mit etwas Gutem, widerfährt uns etwas Schlechtes, was uns den Glauben an das Gute nimmt.

Resultat ist, dass wir eine 360-Grad-Wendung durchleben, anstatt Dinge mit Gefühl zu optimieren. 360 Grad deshalb, weil wir – nicht wissend – danach genauso schlecht dastehen wie vorher. Wenn nicht jetzt, dann auf lange Sicht.

Das ist dann ungefähr so: Weil einige mit Gluten nicht zurecht kommen, werden Kohlenhydrate im Allgemeinen nie wieder verzehrt. Man orientiert sich nun in eine andere Richtung und sucht nach Antworten auf das „Warum?“, hinter dem, was uns widerfahren ist.

Wohl gemerkt: Das sind menschliche Verhaltensweisen, eine ganz natürliche Sache.

Jedoch führt es häufig zur „Überkompensation“: Letztlich übersteuert man das Ganze und übertreibt in der Ausführung. Noch einmal: Eine Minimal-Intervention hätte gereicht, um das System neu zu justieren. Unsere Reaktion ist jedoch ein Weglaufen, eine Suche nach dem anderen, besseren Ort.

Ich habe das auch 1:1 so erlebt und habe letztendlich mehr Probleme mit dem „anderen Extrem“ generiert.

Extreme wirken anziehend, wirken richtig. Vielleicht ist das eine Macke unserer Zeit. Aber, um auf den Eingangspunkt zurückzukommen, eine Ernährungsform lebt man nicht einfach so. Man zelebriert sie, am besten verknüpft man sie direkt mit einem sozialen Aspekt, mit einem Gruppen-Gefüge.

Das Schlimme ist, dass sich daraus ganze Marktzweige entwickeln, die aus einer guten Sache („Die Suche nach der perfekten Ernährung“) ein Konstrukt entstehen lassen, das zwar den Verbraucher bedienen möchte, aber am Ende etwas kreiert, was man nicht braucht: Die „Paleo-Pizza“, „Paleo-Proteinpulver“ und „glutenfreie Unterhosen“.

Anstatt zu fr*ssen, was wir von Natur aus als „natürlich, gut, gesund“ einstufen und das zu unterlassen, was uns nicht gut tut (und nein, es sind nicht die Kohlenhydrate!), fließt massig Geld in eine Maschinerie, die wir nicht brauchen, die kostspielig ist und die uns nichts geben wird, was uns der gesunde Menschenverstand nicht auch diktieren könnte.

Anstatt den Blick auf die Vergangenheit zu richten und Lebensweisen zu emulieren, die wohl eher mit Fantasie, als mit Menschsein zu tun haben, sollten wir uns alle an der eigenen Nase packen und Geld in Nachhaltigkeit investieren, in Innovationen, in neue Möglichkeiten.

Nicht in das teure Angus-Steak, weil im Paleo-Buch geschrieben steht, dass wir alle Fleischfresser sind und täglich ein Kilogramm davon anpeilen sollten.

Vom Top-Down zum Bottom-Up

Das größte Problem allerdings ist, dass es vielen Menschen schwer fällt, sich eine eigene, unvoreingenommene Meinung zu bilden. Dies geht selbstverständlich nur dann, wenn man über Methoden verfügt, um das zu bewerkstelligen.

Vielen kann man diesbezüglich auch keinen Vorwurf machen, denn es bedarf vermutlich jahrelanger Erfahrung, um gewisse Behauptungen etc. richtig einschätzen zu können.

Am Ende bleibt die Frage: Wieso muss es eine Top-Down-Analyse sein? 

Die Antwort unserer Fragen finden wir nicht in Arbeiten zum Thema Evolution („Top“), die Antworten unserer Fragen finden wir in den Zellen („Bottom“), im Organismus, in unserer Physiologie, in unserer Biochemie.

Es muss ein Umdenken her. Eine Bottom-Up-Analyse.

Die Evolution kann uns helfen, biochemische Tatsachen (!) zu erklären.

Die Evolution per se ist ein sehr, sehr schlechter Ratgeber, um konkrete, spezielle Aspekte für uns abzuleiten. Wir verrennen uns!

Und so bleibt am Ende – bezogen auf die Ernährung – das nüchterne Ergebnis: Es gibt kein Schwarzweiß, es gibt Diversität wie Sand am Meer, der menschliche Organismus kann mit einer riesigen Breite an Nahrungsmitteln gut umgehen. Es gibt keine spezielle, artgerechte Ernährung.

Die Biochemie lehrt uns, dass die Frage nach der „speziellen“ Ernährung weit weniger wichtig ist, als die Frage nach dem Life-Style. Oder anders ausgedrückt: Lasst uns das System Mensch fokussieren, nicht Glaubenskriege bezüglich der Frage nach der „richtigen Ernährung“ – dann, ja dann kann eine Top-Down-Analyse tatsächlich Sinn machen.

Nicht, um „spezielle Diäten“ abzuleiten, sondern Grundprinzipien.

Doch dafür muss man kein Evolutionsbiologe sein. Dafür muss man ein Mensch sein … mit gesundem Menschenverstand, Intuition und Körperintelligenz. 

Jedes Kind weiß das.

Und ja, es geht auch ohne Fleisch. Und ohne Paleo-Diät.

Wie ist deine Meinung zur Paleo-Diät? Hinterlasse einen Kommentar! (PS: Glaubenskriege und unnötige Diskussionen sind nicht erwünscht.)

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18 Kommentare, sei der nächste!

  1. Paleo ist meiner Meinung ein guter Ratgeber…es führt die Menschen dazu sich mit den natürlichen Nahrungsmitteln zu beschäftigen…unverarbeitete Produkte zu kaufen. Schonmal ein wichtiger Schritt, wenn man über den Tellerrand hinaus gucken kann und will wie im Buch beschrieben).
    Aber wie alle Diäten, wird alles von den Medien ausgeschlachtet und ausgesaugt.
    Danke für den tollen Beitrag!

  2. Hallo Chris,

    ein
    sehr guter und aufräumender Artikel. Besser kann man es nicht formulieren.

    Ich denke, Paleo entwickelt sich in eine Richtung, welche den Ursprung und
    Grundgedanken verfehlt: Ein ausgewogenes Bauchgefühl für natürliche,
    unverarbeitete Lebensmittel, Achtsamkeit für seinen Körper und einen
    ausgeglichenen Lebensstil.

    Viele Menschen eifern lieber „Pseudowissenschaft“ und
    „Ernährungspäpsten“ hinterher, als sich selbst zu reflektieren und
    ihren persönlichen Weg des Lebens zu finden.

    In meinen Augen ist „gesunder Lebensstil“ ausgelutscht und
    marketingtechnisch nicht verwertbar. Wir benötigen neue „Schlagworte“
    um den Menschen „zurück“ zu holen zu einer natürlichen und geerdeten
    Lebensweise. Klare Aufklärung, individuelle Alternativen zeigen und
    Selbstverantwortung schulen – das sehe ich in Paleo und seinen Formen.

    1. Vielen Dank für deinen großartigen Kommentar.

      „In meinen Augen ist „gesunder Lebensstil“ ausgelutscht und marketingtechnisch nicht verwertbar. Wir benötigen neue „Schlagworte“
      um den Menschen „zurück“ zu holen zu einer natürlichen und geerdeten
      Lebensweise. Klare Aufklärung, individuelle Alternativen zeigen und
      Selbstverantwortung schulen – das sehe ich in Paleo und seinen Formen.“

      Absolut! Das ist der Punkt.

      Wenn aber „Paleo“ zum Größenwahn, zur Überspannung, zu Glaubenskriegen und genau zum Gegenteil einer grundlegenden, natürlichen Bescheidenheit führt, dann hat auch das „marketingwertvolle“ Wort „Paleo“ sein Ziel verfehlt.

      Eine „natürliche und geerdete Lebensweise“ (perfekt ausgedrückt) bedarf vor allem einer Selbstreflexion.

      Die Frage ist, ob Paleo eine solche Message sendet und ob diese dann auch entsprechend verstanden wird.

      Hier setzt mein Artikel an.

  3. Hallo Chris,

    all das was du im Artikel – zu Recht – gegen das Konzept „Paleo“ aufführst kann man, meiner Meinung nach, ohne Probleme auch auf andere Ernährungs-Konzepte anwenden und das Rosinen-picken betreiben auch die „etablierten“ Ernährungswissenschaftler: angefangen von Pollmer bis hin zu den DGElern.

    Ich selber habe Paleo nie als etwas wie ins Stein gemeißelt gesehen, sondern unbewusst habe ich das so gesehen wie Chris Kresser es weitergibt: als Fundament, als Tool oder Orientierungspunkt für die eigene Reise … zumindest so verstehe ich ihn. Als etwas was sich im Wandel befindet und jeder es für sich anpassen muss. Interessant fand ich auch die Ansichten von de Vany: einfach mal das Leben genießen.

    Ich selber bin überzeugt, dass das dogmatische Paleo einfach als Reaktion auf „iss am besten nix tierisches, dann bist du nicht nur gesünder sondern auch ein moralisch überlegener Mensch“ entstanden ist. Wir wären viel weiter, wenn man beim Thema Ernährung die Moralkeule und den erhobenen Zeigefinger zu Hause lassen würden.

    Mich selber hat das Themenkomplex Paleo zum nachdenken gebracht und zwar nicht als Konsumenten sondern, dass ich auch seit längerem Möglichkeiten ausprobiere und auslote selber Nahrung zu erzeugen: Stichworte wären hier nicht nur Gemüse und Obst aus dem eigenen Garten sondern auch im kleinen Rahmen Weidehaltung plus Kontakte zu den örtlichen Jägern und Anglern und das sehe ich nicht nur bei mir sondern auch bei einigen anderen … und zumindest das ist in meinen Augen ein positiver Nebeneffekt von Paleo.

    Viele Grüße

    1. Hey Vlad,

      absolut, du hast recht.

      Ich wünsche mir, jeder würde so gemäßigt und angebracht denken wie du.

      Aber du weißt sicher, dass viele das nicht können.

      Wenn Paleo als Denkanstoß verstanden wird, ist es tatsächlich wertvoll.

      Viele Aspekte kann man sicherlich auch auf andere Ernährungskonzepte übertragen. Paleo bringt aber viele spezielle „Probleme“ (und natürlich auch Möglichkeiten) mit sich, die besprochen werden sollten.

      Für mich, als jemand der anderen Menschen helfen will, ist Paleo kein gutes Tool. Vielleicht noch für Einsteiger und für „Gemäßigte“.

      Aber ab einer bestimmten Stufe dreht man sich im Kreis und lernt, dass dieses ewige Rätselraten im Namen von Paleo schlicht nicht zielführend ist und andere Wege gegangen werden müssen.

      Beste Grüße!

  4. Hallo Chris,

    danke für diesen sehr gut geschriebenen Artikel.
    Ich selbst verfolge Paleo schon seit ungefähr anderthalb Jahren.

    Die Vermarktung der „Marke Paleo“ nimmt mehr und mehr zu – Paleo Kochbücher, Ratgeber, vielleicht gibts ja bald noch das Paleo Küchenequipment.
    Der eigentliche Sinn geht komplett verloren. Ersetzt wird dieser durch Diskussionen, ob nun unsere Vorfahren denn auch Reis gegessen haben und ob verarbeitete Lebensmittel Paleo sind, weil „Glutenfrei“ drauf steht.
    Ein wirklicher Sinneswandel hin zu einem natürlicheren Lebensstil findet dann ja meist gar nicht statt. Die „Regeln“ werden als in Stein gemeißelt gesehen, ohne überhaupt zu wissen, ob der eigene Körper wirklich davon profitiert. Klar, viele Berichten von besserem Schlaf und allgemeinem Wohlbefinden. Ist ja aber kein Wunder, wenn erstmal die ganzen verarbeiteten Lebensmittel weggelassen werden, die sonst tagtäglich durch den Körper wandern.
    Sich selbst versorgen, Nachhaltig und Umweltbewusst leben, auf den eigenen Körper hören und diesen auch verstehen – das ist nicht Paleo, das ist, wie du so treffend schreibst, gesunder Menschenverstand.

  5. Servus Chris,
    schöner Artikel. Mir gefällt die wissenschaftliche Herangehensweise an die Sache. Weder ist geklärt in welchem Zeitraum Paleoernährung „in“ war, noch wo. Hat sich ein Steinzeitmensch an der Küste anders ernährt als im Landesinneren? Wahrscheinlich schon. Und was sagt uns das dann wieder für die heutige Paleoernährung? Es gibt sie nicht! ;D Aber auch hier sieht man „wahrscheinlich schon“ – die Spekulation. Sehr schön, wie du beschrieben hast, dass alles eine Spekulation ist und nur Theorien sind. Im Endeffekt wird es nie jemand wirklich sagen können, da wir nicht dabei waren.

    Wie @oliverlis:disqus schon geschrieben hat ist Paleo eine interessante Möglichkeit für Menschen sich mit Ernährung auseinanderzusetzen. Viele verzichten deshalb auf verarbeitete Lebensmittel und Co. Das, so denke ich sind wir uns einig, ist ein super Schritt. Noch superer ( 😀 ) wäre es allerdings, wenn Menschen das auch einfach so könnten ohne den ganzen Wahn und Fanatismus. Aber wie die Geschichte und Gegenwart des Menschen zeigt, kommt die Menschheit wohl einfach nicht ohne Fanatismus aus. Traurig, aber menschlich.

    Eine Sache hingegen stößt mir bitter auf. Bitte nimm das so objektiv an, wie du auch schreibst: Am Ende schreibst du
    „Doch dafür muss man kein Evolutionsbiologe sein. Dafür muss man
    ein Mensch sein … mit gesundem Menschenverstand, Intuition und
    Körperintelligenz. “

    Jetzt stelle ich mir die Frage: Was ist gesunder Menschenverstand? Ich verstehe was du ausdrücken willst, finde die Formulierung aber enorm subjektiv, da sie impliziert du hättest einen gesunden Menschenverstand und viele andere nicht. Das ist im Endeffekt auch wieder nur menschlich und ich denke wir alle haben mehr oder weniger diese Vorstellung. Wäre evolutionsmäßig nicht sinnvoll, wenn der einzelne Mensch sich nicht klug findet. 😀

    Mir missfällt einfach nur die Formulierung, da sie im krassen Gegensatz zum sonst extrem objektiven und auf Biochemie basierenden Artikel steht.

    Gruß,
    Ben

    1. Hey Ben,

      vielen Dank für deinen Kommentar 🙂

      Mit „gesunder Menschenverstand“ meine ich in erster Linie die Tatsache, dass man eigentlich von Natur aus so ungefähr weiß, was gut für mich ist und was nicht.

      Konzepte verleiten oftmals dazu, dass man seine eigenen, guten Gedanken vergisst und einfach das praktiziert, was vorgegeben wird

      Mit „gesunder Menschenverstand“ meine ich auch Banalitäten wie: Pommes kann man nicht mit Kohlenhydraten oder der Kartoffeln per se gleichsetzen.

      Oder: Die Bratwurst ist nicht zu vergleichen mit einem Steak.

      Aber auch klassische Beispiele wie: Plötzlich soll es okay sein, 150 g Butter reinzuballern (im Namen einer „ketogenen Diät“).

      Für Fortgeschrittene dann (wenn bewusst ist, dass das menschliche System Extreme nicht mag und immer ein Gleichgewicht anstrebt): Der Körper wahrt, egal ob „Low-Carb“ oder ob „High-Carb“, ein natürliches Gleichgewicht, das nur durch Krankheit, nicht aber durch Makronährstoff per se gestört werden kann.

      Und so weiter.

  6. Hallo Chris, danke für diesen tollen Artikel.

    Die Menschheit warte immer auf DAS Wunder um endlich einfach und ohne Probleme abzunehmen. Alles was in der Umsetzung zu einfach klingt wird verschmäht oder als nicht wirksam anerkannt.
    Statt sich selbst und seinen Bezug zur Ernährung zu hinterfragen wird jeder Extremdiät mehr glauben geschenkt. Das ist traurig aber verspricht viel Profit.

    Wie du schon geschrieben hast ist Marketing alles. Verpacke eine reizvolle Abnehmtheorie mit ein paar geschönten Studien, versprich ein Wunder, verseuche die Medien damit und alle laufen blindlings hinterher.

    Bestes Beispiel ist das clean eating Konzept. Im Fundament nichts anderes als die 10 Regeln der DGE nur marketingtechnisch besser verpackt.
    Wenn man dieses Konzept mit vor 50 Jahren vergleicht gibt es dort kaum Unterschiede. Dort wurde überwiegend auch frisch gekocht und nur das gegessen was man auch als Essen identifizieren konnte.

    Tendenziell lobe ich mir die Bereitschaft der Bevölkerung sich gesund zu ernähren doch das funktioniert auch durch eine bewusste Selbstreflektion.

    Beste Grüße

    Florian

  7. Ich kann dir in vielen Dingen nur zustimmen, der Fundamentalismus,den viele in der Paleo-„Bewegung“ an den Tag legen, nervt echt.
    Ich fand dieses hübsche Bild des Steinzeitmenschen der sich Mammuts jagt und Wurzeln sucht schon immer ziemlich lächerlich, Marketing halt. Mir gefiel immer schon der Fokus auf ganze möglichst unbehandelte Lebensmittel. Ohne hübsche Geschichte dazu geht es wohl leider nicht.

    Zusätzlich neigen die Menschen noch dazu, dass was für sie selber funktioniert auf ein Podest zu stellen. Den heiligen Gral der Ernährung hat wohl aber noch niemand gefunden, wahrscheinlich weil es ihn nicht gibt.
    Wie schon geschrieben hast du hier sehr schön allgemein das Problem der Ernährungswissenschaften erläutert, da sind Sie alle nicht besser, ob nun Paleo, Vegan, Atkins, IIFYM oder was es noch so alles gibt. Wer sich länger mit Ernährung und der Wissenschaft dahinter auseinandersetzt, stellt glaube ich irgendwann fest, dass viel weniger handfestes Wissen vorhanden ist, als die meisten Menschen glauben und sich wünschen würden. Mit „eventuell“, „könnte sein“, „es gibt Hinweise auf“ und „unter umständen“ lassen sich dann aber doch schlecht Bücher verkaufen.

  8. Hey Chris,
    ein sehr guter Artikel!ist ja mit vielen „ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen so“ – dass das Cherrypicking reichlich betrieben wird!Paleo ist ja nicht nur Ernährung, was viele vergessen!Nahrung dient ja erstmal als Treibstoff – und auch mit weizen & McDonalds werd ich alt genug um mich zu reproduzieren! 😉 Paleo ist für mich eine Lebenseinstellung…kein Fertig-essen…wenn fastfood dann ne Dönerbox (Gemüse & Fleisch), das Leben geniessen…also viel in der Natur draussen sein – und auch die soziale „komponente“ vergessen viele…die Höhlenmenschen mal vereinfacht gesagt…lebten nie alleine – da lebten Generationen und mehrere Famlien als Sippen beisammen – und machten sich so das Leben gegenseitig wesentlich leichter als wir es als „einzelkämpfer“ heut zu tage haben!Paleo heisst für mich persönlich auch „das Hamsterrad sieht nur von innen aus wie eine Karriereleiter“!Paleo heisst auch Bewegung – spazieren und Beeren sammeln – rennen und die Antilope erlegen – und Kraftraining – nämlich die Antilope nach Hause schleppen – und auch mal ne runde „kampfsport“ für das ZNS und die Körperwahrnehmung – falls die von Höhle 67 wieder vergorene Beeren genascht haben und auf Krawall aus sind!und – ja…ich esse auch mal Weizenbrötchen…weil sie einfach lecker sind – besonders mit Scampis in Knoblauchcreme!!oder ne Ladung Fritten Rot-Weiss 😉 und – was nützt es, 30 Jahre auf alles zu „verzichten“ – wenn die Seele auf der Strecke bleibt…um dann mit 48 von nem besoffenen angefahren zu werden und höchstens nen Top-Organspender zu sein…“Gesund Leben“ – ja gerne…aber soll doch auch Spass machen – und ne beflügelte, gut gepflegte Seele schützt vor so manchem Gebrechen…und wenn man dann von der Erde geht – „dann ist man wenigstens des Lebens satt und hat es genossen“

    1. Wer Paleo so versteht, der hat gewonnen!

      Ich glaube aber, dieser Erkenntnisgewinn („the simple life“) braucht kein „Paleo“, sondern schlicht den Gedanken daran, dass wir Menschen sind und uns entsprechend verhalten sollten.

      Aber, wie jemand bereits bei Facebook geschrieben hat: „Jedes Kind braucht einen Namen.“

      Solange Paleo solche Grundprinzipien ins Hirn der Menschen hämmert, ist das völlig okay und zielführend.

      Dennoch bin ich nach jahrelanger Erfahrung (auch als Teil der englischen Paleo-„Schule“) ein gebranntes Kind und will direkt die Probleme ansprechen, die sich zwangsläufig gerade ergeben und ergeben werden.

      Wer die Metaebene lebt, der wird keine Schwierigkeiten bekommen. Wer sich in Diskussionen um den richtigen Makronährstoff (als Beispiel) verrennt, der hat immer noch nichts verstanden. Und hier setzt mein Artikel an.

  9. Es wäre nicht das erste mal, dass eine wissenschaftliche Theorie zwar plausibel aber trotzdem falsch ist.

    Im übrigen frage ich mich, wieso wir prinzipiell überhaupt soviel Zucker/Stärke vertragen obwohl wir doch angeblich so schlecht daran angepasst sind. Ist doch komisch. Selbst ein ganzes Rosinenbrot bringt einen nicht um. Kennt jemand die LD50 von Milchschokolade? Natürlich ist das nicht Gesund, aber die Keto-Freaks argumentieren genau so: 30 Eier pro Tag bringen mich nicht um, also sind Eier OK und 6-10 Eier/Tag sicher genau richtig.

    Der oft bemühte Vergleich mit wild lebenden Tieren ist meiner Meinung nach ebenso trügerisch; „Schonmal ein Reh mit Arthrose gesehen?“, „Wildschwein mit Asthma?“ u. dgl. mehr. Es stimmt natürlich, dass man Katzen nicht mit Kartoffeln ernähren darf. Hunde vertragen keine Zwiebeln usw.. Aber das sind ja auch Fleischfresser. Und Menschen sollen nun also Fettfresser sein, weil wilde Tiere keine Zivilisationskrankheiten haben?

    Es ist gut, dass auf dieser Seite nicht nur idoktriniert wird, sondern auf einem relativ hohen Niveau informiert und diskutiert. Danke.

    Grüße, Peter

  10. Hallo Chris,
    ich kann der Diskussion hier in weiten Teilen nur zustimmen. Aus der grundsätzlich vernünftigen Idee sich mit der Ernährung des Menschen in seinem „Ur-Zustand“ auseinanderzusetzen und der inzwischen daraus gewordenen Religion mit Paleo Pizza liegt eine ganze Welt. Aus meiner Sicht dient Paleo der Rückbesinnung auf naturnahe und natürliche Ernährung im Zeitalter der zunehmend industrialisiert hergestellten und dadurch immer künstlicheren Nahrungsmittel. Nicht mehr und nicht weniger. Dennoch zeigt mir diese Diskussion sowie andere hier geführte Diskussionen um Keto und Low Carb, das es sich lohnen könnte, nochmal tiefer auf das Thema Kohlenhydrate einzugehen. Der Grund für die Low Carb Bewegungen liegt ja auch darin, dass industrialisierte Nahrung vor allem auch denaturierte, konzentrierte Kohlenhydrate meint. Die Frage, wie sich ein zuviel davon auf den Metabolismus auswirkt, würde ich gerne nochmal etwas ausleuchten. Der Fokus auf die Auswirkungen von zuviel Fett und die Betonung, das Kohlenhydrate nicht das Problem bei IR seien, dass der Verzicht auf Kh das Problem nur verschiebt etc. ist für mich gut nachvollziehbar. Von Dir Chris so wohl nicht gemeint könnte man daraus schließen, das Kohlehydrate ohne Probleme gegessen werden können und von Gesunden auch sollten. Hier würde ich gerne stärker differenzieren, welche Kh eigentlich als gesund gelten können und wieviel davon vernünftig ist. Für mich steht außer Frage, das Kh zur natürlichen Ernährung des Menschen gehören. Nahezu alles, was wir als gesund ansehen, enthält Kh (Wurzeln, Gemüse, Salat, Obst, Pilze, Nüsse). Das der Körper deshalb darauf eingestellt ist, leuchtet auch unter Paleo-Gesichtspunkten ein. Aber warum eben dennoch industrialisierte Kh von Morgens bis Abends in Form von Brot, Nudeln, Pizza sowie Zucker in allen Variationen schädlich sind über die Jahrzehnte und eben doch zu metabolischen Entgleisungen führen können, fände ich wichtig und hilfreich. Schon um das Kind nicht mit dem Bad auszuschütten und nicht den Eindruck zu hinterlassen, das diese Kh unproblematisch seien im Gegensatz zu zuviel Butter (schließlich ist ein zuviel von irgendetwas immer schädlich). Das nur als Anregung zu der ansonsten klasse Diskussion, wie ich finde. Viele Grüße

    1. Hall Jörg,

      vielen Dank für deinen tollen Kommentar.

      So würde ich mir das immer wünschen.

      Ich bin absolut bei dir: Meine Artikel dienen nicht dem „Kohlenhydrat-Freispruch“ oder ähnlichen Dingen.

      Ich habe heute noch einmal einen Artikel zum Thema Glukose vs. Fruktose veröffentlicht, um auf einige Aspekte einzugehen.

      Ich werde die kommenden Tage/Wochen sicher einen Artikel zu der von dir geschilderten Problematik schreiben und auf diese näher eingehen.

      Beste Grüße,
      Chris

  11. Vielen Dank für den tollen Artikel :-). Ich bin erst vor ein paar Tagen auf eure Seite aufmerksam geworden und grabe mich jetzt so nach und nach durch das Angebot, deshalb kommentiere ich erst jetzt den doch schon etwas älteren Artikel.

    Ich sehe Paleo so wie du, Chris. Im Prinzip ist es die Verkörperung eines gesunden Lebensstils, zu dem nicht nur „cleane“ Ernährung sondern auch Bewegung, Stressreduktion und eine soziale Komponente gehören. Leider rückt das alles mittlerweile immer mehr in den Hintergrund, aus einer anfänglich gut gemeinten Idee ist eine riesengroße Marketing- und Geldmachmaschine geworden. Wenn man sich nicht zu 100 % nach Paleo ernährt, wird man sofort gebrandmarkt und ausgestoßen… Argumentiert wird mit fadenscheinigen Studien/Papers, Gegenargumente werden nicht akzeptiert. Mir kommt das manchmal vor wie die aggressive Gegenantwort auf allzu aufbrausende, missionierende „Kampfveganer“ (wobei ich hier die ethisch/moralische Komponente gut nachvollziehen kann) ;-)…

    Mir persönlich hat Paleo (bzw. das strenge „Autoimmunprotokoll (AIP)“) dazu verholfen, mich endlich richtig mit meinem Körper auseinanderzusetzen bzw. endlich darauf zu hören, welche Lebensmittel vertrage und welche nicht. Ich war mein ganzes Leben lang fehlgeleitet, jahrelang richtiggehend orthorexisch veranlagt, bin meinem eigenen Drang unterlegen, zu 100 % „gesund“ essen zu müssen… Was meinen Körper und meine Psyche so dermaßen gestresst hat, dass ich richtig krank wurde… Bis mir eine Ärztin das Autoimmunprotokoll „verschrieben“ hat, um meine Gesundheit zu verbessern. Das habe ich natürlich monatelang extrem streng durchgezogen, obwohl ich schon während dieser Zeit gemerkt habe, dass gewisse Dinge einfach nicht richtig sein können (Kochbananen sind toll, regionale Kartoffeln bäh?! Hä?!) und dass ich gewisse Dinge einfach nicht vertrage bzw. wollte (viel Fleisch und tierisches Fett). Durch die eingeschränkte Auswahl an Nahrungsmitteln habe ich aber unterm Strich die Möglichkeit bekommen, endlich zu merken, was mein Körper wirklich braucht, weiters wurde durch AIP auch ein riesiger Stressfaktor in meinem Leben einfach gestrichen – der viel, viel zu exzessive Kraftsport, gepaart mit Kalorienzählen und peniblem Achten auf Makronährstoffverteilung. Das gab’s dann einfach nicht mehr. Punkt. Resetknopf gedrückt, quasi ;-). Dafür ist der Paleoansatz gut geeignet, wie ich finde. Ein Besinnen auf’s „Back to the roots“ und das Entwickeln eines individuellen „Wohlfühlpakets“ mit einer möglichst unverarbeiteten, verträglichen Ernährung und ausreichend Bewegung, die Spaß machen sollte.

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