Die einzige Mental-Technik für Erfolg im Leben

Wenn man sich jahrelang mit psychologischer Literatur befasst (übrigens gerne auch die Bibel), dann wird man irgendwann das Fundamentale verstehen, das, um was es im Leben wirklich geht.

Man wird verstehen, dass es – bezogen auf das Mentale – lediglich einen Zustand gibt, den man erreichen möchte.

Lass mich dir eine Sache vorab sagen: Es ist wie eigentlich immer im Leben. Es geht in erster Linie nicht darum, etwas Neues zu lernen, ein Geheimnis zu praktizieren, sondern ganz einfach darum, Dinge nicht zu machen.

Wie ich zum ersten Mal damit konfrontiert wurde

Es ist Samstagmorgen, 9 Uhr, Sommerhitze werde ich in einigen Stunden spüren. Es ist warm, aber noch erträglich. Ich stehe in der Halle. Einzeltraining. Mein Trainer, ein gläubiger Kurde, ist Perfektionist, hat selbst Bundesliga-Handball gespielt – er ist Lehrer. Ich dachte immer: Die armen Schüler. Wie sollen sie sein enormes Verlangen nach Disziplin befriedigen können?

Was folgt sind zwei Stunden der Qual, zwei Stunden der körperlichen Totalzerstörung. Schnellkrafttraining. Ich trainiere ja nicht oft genug … 8 Trainingseinheiten in 5 Tagen reichen natürlich nicht aus. (Vorsicht, Ironie.)

Ich weiß nicht, wie viele Treppenstufen, Hürden, Sprints und Sprünge ich an diesem Morgen gemeistert habe. Immer wieder werden die Beine bis ans absolute Maximum strapaziert.

Irgendwann, kurz vor Ende des Trainings, dann der „Peak“, der Höhepunkt, die „Synthese-Leistung“.

Vorwärts, rückwärts, links, rechts … „Technik, Christoph, Technik!!!“ … „Was soll das? Was machst du da? Falsch. Nochmal.“

Immer diese Blicke, als ob es nichts Wichtigeres auf der Welt gäbe, als eine beschissene Übung 100 mal in perfekter Ausführung und bis zum Erbrechen auszuführen.

Letzter Durchgang. Ich grinse halbherzig und flehe um Erbarmung …

Das einzige was ihm dazu einfällt, folgende Aussage …

Nicht denken, machen! 

Wenngleich mir die Bedeutung der Aussage damals noch nicht bewusst war, so weiß ich heute, dass es keine essentiellere Wahrheit über (mentale) Leistungsfähigkeit gibt.

Wir limitieren uns selbst. 

Doch was hatte mein Trainier damals sagen wollen? In erster Linie wollte er mir damit sagen, dass mich mein aktives, ängstliches Denken daran hindert, an meine Leistungsgrenze zu gehen. Es ging also in erster Linie darum, die innere Stimme abzustellen und … wie nennt man das? … ein reines Bewusstsein zu erlangen.

Cogito ergo sum, „Ich denke, also bin ich“, stimmt nicht so ganz. Du musst nicht denken, um zu sein.

Die Koordination deines Gehirns

Wir alle kennen die klassische Aufteilung unseres Mental-Apparats:

  • Unterbewusstsein
  • Bewusstsein

Gerne kann man das noch komplizierter machen und Dinge noch weiter aufspalten.

Ein Großteil der täglichen Prozesse läuft vollständig automatisch ab, im Automatismus. Du musst nicht darüber nachdenken.

Man könnte sagen: Diese Prozesse werden gesteuert durch den unbewussten Teil.

Wann immer du neue Inhalte lernen musst, seien es Techniken, Sprachen, Wissen, Verhaltensweisen etc., wird das Bewusstsein, wirst du aktiv und „malst ein Bild“, überführst die jeweilige Information ins Unterbewusstsein.

Das ist deine Aufgabe.

Alles andere sollte man dem großen Bruder im Kopf überlassen, denn dieser große Bruder ist zwar stiller, aber weitaus größer, mächtiger und stärker in seiner Erscheinung als das kleine Ich, das Bewusstsein.

Im Prinzip geht es im Leben nur um diese Feinbalance, um folgende Fragen:

  • Wann überführe ich neue Information? Habe ich die Informationen optimal überführt?
  • Wie und wann nutze ich „das Große“, den großen Bruder?

Alles andere zwischendrin ist ein Störfaktor.

Deine Aufgabe ist also (auch), einen Filter darzustellen, der klar weiß und erkennt, wann er welche Instanzen im Kopf (aktiv) benutzt.

Negativbeispiele, die jeder kennt

Beispiele von „Falschgenutzt“:

  • Du hast während einer Klausur einen Blackout, erreichst dein Unterbewusstsein nicht, um dort gespeicherte Informationen abzurufen.
  • Dir fehlen die Worte während eines Vorstellungsgesprächs, du stotterst nur.
  • Du liegst, eigentlich erschöpft, im Bett und kannst nicht einschlafen.

Machen wir uns nichts vor, es gibt zwei Möglichkeiten, die du jetzt gerade verbockt hast:

  • Du hast das Zeitfenster der aktiven Informationszufuhr nicht optimal genutzt, dir fehlen schlicht die Informationen, die der große Bruder (das Gehirn bzw. das Unterbewusstsein) hätte wiedergeben können
  • Du schaffst es nicht, einen Zugang zum Unterbewusstsein herzustellen

Letzterer Punkt ist entscheidend: 90 % der Mitmenschen wissen gar nicht, wie man die Verbindung zum größten Wissensspeicher der Menschheit herstellt. Dort liegt nicht nur dein eigenes Wissen, sondern das Wissen der Evolution, die Erfahrungen, die Archetypen der Menschheitsgeschichte. Jederzeit, eigentlich, abrufbar.

Und jetzt kommen Schlagwörter, die wir alle kennen … wie Konzentration, Flow, „vollstes Aufgehen in der Tätigkeit“, absolute Stille im Kopf, Reinheit des Bewusstseins, Genialität, „insights“ und ruhendes Meer („Das Handbuch zu Ihrem Körper“, S. 234). 

In einem Wort: Alphawellen. 

Jetzt wird klar, warum mein Trainer recht hatte. Er wusste um ein Geheimnis. Er wusste, wie man Leistungsfähigkeit macht.

Aufhören zu denken. 

Um noch einmal auf die „Möglichkeiten, die du jetzt gerade verbockt hast“ zurück zu kommen …

Ich werde irgendwann sicherlich mal einen Guide extra für Studenten schreiben, wie man in jeder Prüfung die Note „sehr gut“ oder mindestens eine Note mit der 1 vor dem Komma schreiben kann.

Dort werde ich sehr sicher erzählen, dass du mit absolutem Selbstvertrauen in eine Prüfung gehen musst. Und dieses Selbstvertrauen ist kein Gedankengebilde, sondern „Wissen“. Man muss „wissen“, dass man gut ist. Und das erarbeitet man sich in erster Linie dadurch, dass man den zu lernenden Stoff perfekt beherrscht. 

Auch hier wird klar, warum mein Trainer „perfekte Technik“ wollte: Wenn die im Training da ist, dann muss man im Wettkampf einfach nur … abschalten. Nicht wieder extra anstrengen, nein, Kopf aus, fliegen.

Dann sprudeln die Informationen förmlich aus einem heraus.

Alphawellen … Damals nannten die das alle „Gottvertrauen“, waren weg von der Realität, weg von Schmerz und Leid – zumindest mental. Und waren somit Menschen, waren ihr bestes Ich.

Einschlafen: Du bist zu „verkopft“

Ich weiß ja, dass einige abends nicht einschlafen können. Manchmal ist die Biochemie schuld (Stichwort Melatonin), meistens ist es dein eigenes Geplapper.

Abhilfe schafft das Wegdenken.

Diesen Trick hat mir meine Exfreundin damals verraten: „Wenn ich nicht schlafen kann, bastle ich mir eine imaginäre Welt.“

Das musst du selbstverständlich nicht machen. Es reicht, wenn du in verträumten, schönen Bildern, anstatt in Sprache denkst. Du musst Geborgenheit generieren. 

Oder anders ausgedrückt: Du musst „loslassen“, damit dein Körper ungehindert vollbringen kann, was du sowieso beherrschst.

Es geht im Leben also um die perfekte Koordination zwischen dir und deinem Gehirn, zwischen dir und deinem Unterbewusstsein. Wenn du das beherrscht, dann stehen dir alle Türen offen. Und es ist kinderleicht (besser: hundeleicht), im wahrsten Sinne des Wortes.

Mein Hund schläft den ganzen Tag. Denkst du, der muss nachdenken, wie das geht?

Denke mal darüber nach, wenn du das nächste mal im Bett liegst und gerade nachdenkst 🙂

Im Übrigen: Man kann, wenn „gut geübt“ und biochemisch optimiert, den ganzen Tag auf Automatismus laufen, durch den Tag fliegen, konstant Leistung bringen. Das geht. Man kann fließend und hoch kommunikativ sein, völlig „frei heraus“, ohne Stimme im Kopf. So sollte es sein.

print

5 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hi Chris, danke für den interessanten Beitrag.
    Hast Du auch ein Paar
    Tipps wie man es am besten „lernen“ kann? Das, worüber Du schreibst, ist
    mir in der Theorie schon lange klar. Dr. Strunz hat sich auch schon
    öfter darüber ausgelassen. Lese z.Zt. das Buch „der friedvolle Krieger“
    (Film „Peacful Warrier“), das genau von diesem Thema handelt. Ich glaube
    auch, dass davon das „Glück der Erde“ (also eines jeden Einzelnen)
    abhängt, bloß tue ich mir schwer damit.

    Ich bin leider sehr
    kopflastig unterwegs. Beispiel gefälligst: Skiurlaub vor zwei Wochen,
    ich falle auf der Buckelpiste hin und ziehe mir eine Rippenprellung zu.
    Tag später (Schmerzmittel wirkten noch) fahre ich wieder Ski und muss,
    obwohl ich es nicht will, an einen Glaubenssatz denken „ein Unglück
    kommt selten allein“. Ich will nicht daran denken, versuche es zu
    verdrängen und sage zu mir, es passiert nichts mehr. Leider fährt mir
    einer hinten rein, ich falle hin und trage nun eine Schulterzerrung
    davon. Glaubenssatz leider wieder bestätigt. Hast du irgendwelche Tipps
    wie ich damit umgehen kann?

    Viele Grüße
    Peter

  2. Hi Chris,

    spannend finde ich, dass man nicht sagen kann, „ich bin im Flow“ sondern nur, „Ich war im Flow“. Wohin verschwindet also das „Ich“? Neben dem Flow und dem normalen Kopfkino gibt es mindestens einen weiteren Zustand, in dem man nicht denkt, aber auch nicht im Flow ist. Einfaches Nichtdenken reicht daher wohl nicht.
    @peterbuchmann:disqus
    Versuch es mal mit Zazen. Hier findet man gute Methoden und man muss sich nicht mit Religion oder esoterischem Ballast beschäftigen. Aber auch Raja-Yoga geht und vieles mehr. Die meisten müssen diesen Zustand üben, z.B. während einer Meditation.
    Liebe Grüße Rainer

    1. Hey Rainer,

      man muss ja auch nicht zwangsläufig in „den Flow“ kommen – denn das, was die meisten als Flow wahrnehmen ist nur der Höhepunkt des Zustands – aber es geht ja auch nicht immer nur um Höhepunkte, sondern um das Spektrum, entlang dessen man sich bewegen kann.

      LG, Chris

  3. Wenn ich nicht schlafen kann, bastle ich mir eine imaginäre Welt.“ dieser Satz hat mich für 10 min knockout geschlagen.
    Den genau das tat ich auch aber wie konnten wir es vergessen……

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.