Anti-Nährstoffe

Nein, ich war nicht im Urlaub.

Wir hatten Besuch von amerikanischen Verwandten, ich arbeite derzeit intensiv an einem Projekt, das edubily unterstützen soll und es haben sich ein paar Fehler hier beim Artikel-Schreiben via wordpress eingeschlichen, die letztendlich aber nur ein Problem meines Browsers waren. So ist das.

Immer mehr von euch rechnen Kalorien etc. mit Hilfe vom bestimmten Programmen und Computern aus. Ich denke, dass das eine adäquate Unterstützung bei der täglichen Planung darstellt. Viel problematischer allerdings wird es, wenn Ihr versucht eure Mikronährstoffaufnahme zu kalkulieren.

Mich wundert immer diese Diskrepanz zwischen dem, was Ihr mir per Rechner präsentiert und dem, was letztendlich im Blut landet. Das ist kein Scherz. Diese Lücke ist manchmal riesig. Ich mache mir schon sehr viele Gedanken darüber. Das habe ich schon vor 4 Jahren gemacht, als ich selbst so betroffen war.

Damals stand für mich innerhalb von ein paar Wochen fest, dass Fleisch die Goldwährung ist, wenn es um die Mikronährstoffaufnahme geht. Denn in Fleisch finden wir ein sehr breites Spektrum von dem, was wir immer so alles gerne im Körper hätten. Kreatin, Eisen, Zink und so weiter. Und das noch in bester Bioverfügbarkeit, nämlich gebunden an Protein.

Nur leider kann ich mir persönlich nicht leisten, täglich 1kg Rinderhüftsteak zu essen. Oder – wie am Wochenende – Rehrückensteak. Göttlich! Aber… nicht jeder kann täglich 20€ für Steak ausgeben.

Das Problem in unserer heutigen Gesellschaft ist, dass „gesunde Kost“ gleichgesetzt wird mit „pflanzlicher Kost“. Und so kommt es, dass immer mehr Menschen glauben, dass es toll ist, wenn man alles ersetzt durch Soja oder durch Vollkornbrot. Kein Scherz. Das ist realer denn je. Attila Hildmann hat es bis nach Hollywood geschafft.

Ohje, ohje… Homo sapiens ist deshalb Homo sapiens, weil er tierische Produkte in seinen Speiseplan integrierte. Wieso glauben die Menschen immer, alles besser zu wissen als die Natur? Wieso ist das so?

Nun gut. Ich habe hier eine Arbeit auf dem Laptop, die sich mit Soja beschäftigt und der enthaltenen Phytinsäure.

Hören wir doch mal hin, was die Autoren zu sagen haben:

Eisen-Aufnahme aus Soja steigerte sich um das 4-5-fache, nachdem Phytinsäure von seinem ursprünglichen Gehalt (4-8mg/g) auf unter 0,01mg/g gesenkt wurde. Sogar niedrige Mengen Phytinsäure hemmten die Eisen-Aufnahme sehr potent. Aber selbst als Phytinsäure fast komplett entfernt wurde, betrug die Eisen-Aufnahme nur ca. 50% von der eines Hühner-Eiweißes.

Das heißt: Nur mit Soja kannst du niemals überleben. Wenn du also auf die Schnapsidee kommst und Soja zum Fleisch verspeist, dann spülst du die guten Mikronährstoffe direkt in den Gulli.

Ich weiß ja, warum der Affe das 10 – 20-fache an Mikronährstoffen frisst im Vergleich zu dir… er nimmt davon ja weit unter 5% auf…

Aber… erzähle es keinem.

Referenzen

Hurrell RF, Juillerat MA, Reddy MB, Lynch SR, Dassenko SA, Cook JD. Soy protein, phytate, and iron absorption in humans. Am J Clin Nutr. 1992;56(3):573-8.

print

13 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hey Chris,

    das Steak sei dir gegönnt 😉

    Bei Phytinsäure gibts keine Unterschiede ob von Soja oder Mandeln oder?

    Was hälst du davon die PS durch fermentieren „unschädlich“ zu machen?

  2. Und jetzt die Frage der Fragen:

    Wie bekommt man ausreichend Protein, ohne hohe Ausgaben zu haben?

    Und …

    Wie bekommt man ausreichend Protein, ohne Tierisches?

    1. 1-2x/Woche „normale“ Leber, ansonsten nutze ich sehr ausgiebig „Universal Beef Liver“ – das enthält kein Vitamin A und kann somit bedenkenlos verzehrt werden.

      1. Zitat von Chris:
        „1-2x/Woche “normale” Leber, ansonsten nutze ich sehr ausgiebig “Universal Beef Liver” – das enthält kein Vitamin A und kann somit bedenkenlos verzehrt werden.“

        Bitte, was ist mit „Universal“ gemeint, und wieso muß man sich jetzt Gedanken über Vitamin A machen?
        Empfohlen werden tgl. 10.000 I.E Vitamin A (Retinylpalmitat). Wo ist der Unterschied?
        LG

  3. Hallo Chris! Kennst Du die Arbeiten von Dr. Stanley Hazen von der Cleveland Klinik über die Umwandlung von L-Carnitin im roten Fleisch in TMAO (Trimetylamine N- oxide) und in Gamma-Butyrobetain durch Darmbakterien, was zur Arteriosklerose beitragen kann? Wie schätzt du das ein? (Ich frage mich, ob ich noch mit gutem Gewissen L-Carnitin im Aminopulver zu mir nehmen kann.) Gruß, Rosa Gallica

    1. „We should be thinking of our intestinal microbial community as the largest endocrine organ in our body. The nutrients you ingest go through the filter of the intestinal microbes, and depending on the nutrient input and microbial composition, you have a different capacity to make different biologically active compounds. Compounds that diffuse in the blood and act at a different site meet all the definitions of a hormone, so this is why the microbial community can be considered like an endocrine organ, in a way.“ von http://www.medscape.com/viewarticle/806542_4
      Also ich als überaus empfindlich und sorgfältig beobachtender Laie kann an dieser Stelle nur auf die Ausführung J.Stockers verweisen (ich weiß, schlimmer unseriöser Eso-Onkel), der mit Vehemenz rät, den Fleischsaft, worin ja hauptsächlich Carnitin, Carnosin, Creatin gelöst sind, bei der Zubereitung zu entfernen: Das Fleisch gewinnt dadurch in der Tat an Bekömmlichkeit. Ich würde vermuten, daß es vielleicht weniger die einzelnen Substanzen als solche sind, sondern eher ein (noch unidentifizierter?) „Stoff des Todes“ im Fleisch, der das Mikrobiom dann am Rad drehen lässt – aber das ist nur die Spinnerei eines Vegetariers wider Willen…

  4. Inwieweit ist die Phytinsäure in Sojaeiweiß-Isolaten heraus gefiltert?
    Wie schaut es bei Soja-Lecithin aus?

    Alleine schon in Anbetracht des Stellenwerts von Magnesium möchte ich meine Aufnahmefähigkeit zu keiner Uhrzeit belästigen. Wie seht Ihr das?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.