Falsches Verständnis

Jagd

Das Problem mit den Menschen heute ist, dass keiner weiß, was eigentlich normal ist. Ich liebe das Wort „normal“, denn es impliziert etwas Grundlegendes, etwas, das Hintergrund hat.

Also… wo soll ich anfangen?

Das da…

Hut_Eastern_Arrernte_Basedow… ist die evolutive Norm.

Ziemlich abgemagert, froh, dass er noch ein paar Kilogramm Muskeln hat.

Das da ist ein Aborigine. Gerne erinnere ich euch an die eine nette Tatsache:

Da hat man mal dicke und metabolisch dysfunktionale Diabetiker in den Busch geschickt, da zu dem Magerling da oben. Und musste erschreckt feststellen…

A detailed analysis of food intake over 2 wk revealed a low-energy intake (1200 kcal/person/day). Despite the high contribution of animal food to the total energy intake (64%), the diet was low in total fat (13%) due to the very low fat content of wild animals.

Zwei Wochen lang aßen die da im Busch nur 1200 Kalorien. Das war keine Diät, sondern der völlig normale Alltag bei den Aborigines. 1200 Kalorien, zwei Wochen lang. Ich frage mich, ob die Teilnehmer wusste, was auf sie zu kommt.

Die aßen da also ungefähr 150g Protein und 12g Fett.

Und du sagst dann, dass man dir erzählt hat, man muss ganz viel Fett essen, um Fett zu verbrennen.

Wir erinnern uns bitte kurz: Das ist Australien, da gibt es Tiere. Und Tiere, die in warmen Regionen leben, sind nun mal sehr mager – das ist genetisch so festgelegt. Die müssen die Wärme ja irgendwie loswerden.

Und… wir erinnern uns bitte auch noch kurz daran, dass Homo sapiens, also du und ich, auch in einer Savanne geboren sind. Die Wiege der Menschheit und so.

Hast du diesen Witz gerade verstanden?

Du, Neuling, Fitnessbegeisterter, Gesundheitsbewusster oder sonst was… deine erste Frage, die du mir immer stellst ist:

Lieber Butter oder Kokosöl? 

Das, mein lieber Freund, ist Vermessenheit.

Und das ist auch der Unterschied zu all den Leuten, die glauben, sie leben so vernünftig.

Das ist der Grund, warum ich die Kohlenhydrat-Thematik nicht mehr hören kann, das ist der Grund, warum ich all den anderen Diäten-Blödsinn nicht mehr hören kann, das ist der Grund, warum du trotz deiner ketogenen Diät am Ende doch Krebs bekommst.

Du isst zu viel. 

Merke dir mal eine Sache: Wenn du 3 Tage nur sehr wenig gegessen hast, dann kannst du am 4. Tag essen was du willst. Es kommt genau dahin, wo es hinkommen soll und das mit maximaler Geschwindigkeit. Also dann ist der Zucker nicht 5 Stunden im Blut.

Somit ist auch die Fett-Thematik gegessen. Nach 3 Tagen sehr wenig Essen, kannst du am 4. Tag Schweinehaxe essen, Leberwurst, meinetwegen 150g Butter. Es wird nichts passieren. Du hast dich ja drei Tage lang reingewaschen.

Bitte… tue mir einfach einen Gefallen und höre auf immer von einer „genetisch richtigen/artgerechten Ernährung“ zu sprechen. Alles, was es in der Natur gibt, kannst du essen. Ist das eigentlich so schwer zu verstehen? Das hat überhaupt nichts mit Kohlenhydrat-Konsum zu tun.

Oder, wie Jack Lalanne das damals gesagt hat:

When man made, hate it. 

Kann man sich eigentlich vorstellen, dass nach zwei Wochen

  • Glukose-Toleranz dramatisch besser war,
  • Insulin halbiert wurde,
  • Blutzucker halbiert wurde,
  • Triglyceride im Blut um 75% gefallen waren.

Thema „metabolische Dysfunktion“ gegessen. Nach 2 Wochen.

Das alles bringt mich zu einem sehr wichtigen Punkt. Ich meine, du diskutierst ja immer darüber, dass ich hier so viele Mikronährstoffe und so weiter empfehle, sogar sage, dass du dich lieber mal ins Solarium legst.

Da ist das Geschrei immer groß. Aber die Leute kommen nie auf die Idee, dass jedes Lebewesen jede Minute am Tag automatisch für seine Gesunderhaltung sorgt. Sogar das Jagen früher war – für uns – Gesunderhaltung. Das weiß jeder, der mal 90 Minuten lang Fußball mit seinem Team gespielt hat.

Jede Minute des Tages war Gesunderhaltung.

Bei uns hier… 2/3 des Tages ist „alles dafür tun, dass du früher stirbst“. Du gehst ja arbeiten. Und du rauchst.

Während sich Tiere also – völlig normal – konstant in einer Aufwärtsspirale bewegen, geht es bei dir immer nach unten.

Und dann muss ich immer diskutieren über 10.000IE Vitamin A oder 20mg Eisen oder 2g L-Carnitin. Ja, sorry, aber das fressen Aborigines jeden Tag. Wildes Fleisch hat nun mal etwas mehr L-Carnitin, in etwas besserer Bioverfügbarkeit, das Fleisch ist nun mal dunkelrot, voll mit Eisen und Leber ist ein Heiligtum bei diesen Menschen.

Weil es noch nicht so in den Köpfen ist, was ich hier eigentlich immer will und auf was mein Gerede immer hinaus will:

  • Temporäre Kalorienrestriktion (periodic undereating, kennst du das?),
  • Natürliche Nahrungsmittel (Schwerpunkt Eiweiß),
  • passende, Jagd-emulierende Sporteinheiten,
  • adäquate Hormon-Werte.

Das kann doch alles nicht so schwer sein, oder?

PS. Sorry für meinen Ausdruck 🙂

Referenzen

O’dea, Kerin. „Marked improvement in carbohydrate and lipid metabolism in diabetic Australian Aborigines after temporary reversion to traditional lifestyle.“ Diabetes 33.6 (1984): 596-603.

Bildquelle

Andreas Lederer 

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2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hi Chris,
    ärgere dich nicht, sondern take it easy; aber ich glaube, das tust Du sowieso :-).
    Ich finde deine direkte Art sehr gut. Was ich nicht gut finde, ist „normal“ zu sein :-).
    Ich freue mich auf deine Artikel. Deine Infos fand ich schon damals (vor 2 Jahren oder noch länger her?) auf der Homepage von Doc Strunz sehr interessant.

    Viele Grüße
    Peter B.

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