Palmitinsäure

Palmitinsäure ist eine gesättigte Fettsäure

Die Fettsäure Palmitinsäure kennst du?

Den „bad guy“ der Kohlenhydrate, habe ich bereits beschrieben. Hier und hier.

Dass das natürlich kein „bad guy“ ist, sondern dieser Umstand viel mehr auch abhängig ist von anderen Faktoren (Kalorienbedarf, sportlichen Aktivitäten, Timing der Zufuhr etc.) ist logisch und klar.

Das heißt: Immer wenn wir eine Substanz verurteilen, dann verliert diese Verurteilung womöglich völlig an Wert, wenn man sie in den Kontext des Lebens setzt.

Und der ordentliche Kontext des Lebens ist meist nicht das Extrem, sondern das Zwischendrin (Thema Hormesis).

Das heißt: Auf der Seite der Kohlenhydrate gibt es einen „bad guy“ (bitte richtig verstehen), aber auch auf der Seite der Fettsäuren. Dort finden die gesättigte Fettsäure namens Palmitinsäure.

Die gesättigte Fettsäure, die wir in der Natur am häufigsten finden

Nur: Immer wenn wir diese Fettsäure untersuchen, geht der Schuss nach hinten los:

  • Palmitinsäure induziert Insulin-Resistenz im Muskel und im Hypothalamus, was kompensiert werden kann durch die Zugabe von (beispielsweise) Ölsäure (n9-Fettsäure), die einfach ungesättigte Fettsäure aus dem Olivenöl,
  • Palmitinsäure wirkt toxisch („Lipotoxizität“) auf ß-Zellen der Bauchspeicheldrüse,
  • Palmitinsäure „dämpft“ die Rate der Fettsäure-Oxidation,
  • Palmitinsäure induziert – zumindest getesteten an Leberzellen – pro-inflammatorische (= entzündungsfördernde) Signalwege.

In der Regel sind viele der beobachteten Prozesse umkehrbar, wenn man ganz einfach die einfach ungesättigte n9-Fettsäure, die Ölsäure, dazu gibt.

Zufall?

Womöglich nicht, denn eigentlich finden wir in allen Nahrungsmitteln ein recht ausgeglichenes Verhältnis zwischen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren.

Geht man jetzt von einer banalen Hypothese aus, die besagt, dass du das oxidierst, was du gerade zuführst, dann hast du einen konstanten Palmitat-Flux. 

Konkret: Wer täglich Sahne trinkt, der wird sich womöglich keinen Gefallen tun.

Entscheidend ist insgesamt – wie immer – ein natürliches Gleichgewicht, so, dass eben keine Fettsäure-Überfrachtung stattfindet. Bewegen wir uns in physiologischen Rahmen, dann wird das womöglich auch nicht passieren.

Aber wie ihr wisst, leben wir nicht in einer perfekten Welt und Insulinresistenz ist keine seltene Dysfunktion. Ebenso wenig wie die Dysfunktion des Fettgewebes. Ebenso wenig das – menschengemachte – exogene Zuführen größerer Mengen Fett. 

Alles das nämlich resultiert i. d. R. in einer hohen Konzentration freier Fettsäuren im Blut mit den oben genannten Folgen.

Ich füge jetzt aber, schmunzelnd, einen letzten Satz hinzu: Diese hier geschilderten Dinge gelten nicht oder nur sehr bedingt für den Sportler. Glück gehabt. Sportler leben schlicht ein anderes Leben.

Kleines Aber: Wer Sportler ist und es perfektionistisch mag, der bezieht seine Fettsäuren eben aus Pflanzen – oder: zumindest nicht aus dem Milchfett. Wie wär’s denn mal mit Knochenmark? Hmmm … Markklößchen, lecker!

Referenzen

Benoit, Stephen C et al. „Palmitic acid mediates hypothalamic insulin resistance by altering PKC-θ subcellular localization in rodents.“ The Journal of clinical investigation 119.9 (2009): 2577-2589.

Joshi‐Barve, Swati et al. „Palmitic acid induces production of proinflammatory cytokine interleukin‐8 from hepatocytes.“ Hepatology 46.3 (2007): 823-830.

Kien, C Lawrence, Janice Y Bunn, and Figen Ugrasbul. „Increasing dietary palmitic acid decreases fat oxidation and daily energy expenditure.“ The American journal of clinical nutrition 82.2 (2005): 320-326.

Liang, Huasheng et al. „Palmitic acid-induced apoptosis in pancreatic β-cells is increased by liver X receptor agonist and attenuated by eicosapentaenoate.“ in vivo 25.5 (2011): 711-718.

Salvadó, L et al. „Oleate prevents saturated-fatty-acid-induced ER stress, inflammation and insulin resistance in skeletal muscle cells through an AMPK-dependent mechanism.“ Diabetologia 56.6 (2013): 1372-1382.

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