Kein Krebs II

Firoblasten Krebszellen

Nachdem mein erster Post sehr theoretisch war und einige fundamentale Dinge hinsichtlich der Tumorentwicklung klären sollte, möchte ich es heut etwas präzisieren und deutlich kürzen.

Die take aways des letzten Posts waren:

  • sorge für eine adäquate Nährstoffkonzentration in deinem Blut – exzessive Mengen Glukose, Keton-Körper, Fettsäuren und somit auch Insulin und IGF stimulieren direkt das Tumorwachstum,
  • sorge für eine ausreichende Nutzung des zellulären AMPK-Signalweges, um der Hyperaktivierung des mTOR-Signalweges kranker Zellen entgegenzuwirken.

Grundsätzlich sollte man sich im Klaren sein, dass jeder Tumorzellen in sich hat – ein effektives Immunsystem kann diese kranken Zellen jedoch vernichten.

Punkt 1 also sollte darauf abzielen, ein kompetentes Immunsystem zu (er)schaffen. Wie das geht, steht ja hier quasi auf jeder Seite.

Woran erkenne ich hier, heute, jetzt ein gutes Immunsystem?

Angenommen der Tumor und der Krebs verhalten sich ähnlich wie sich ausbreitende Viren…

Damals, als kleiner Junge, war jeder Schnupfen immer verbunden mit Fieber und Katastrophe, dicke Lymphknoten am Hals etc. Den Höhepunkt habe ich erreicht beim Abitur mit hohem Fieber und grünem Schleim.

Man könnte also vermuten, dass jeder Virus komplett mein ganzes System lahm gelegt hat, zumindest so stark beeinträchtigt, dass alle Systeme im Körper – subjektiv – maximal dagegen ankämpfen mussten.

Heute bekomme ich allerhöchstens ein bisschen Schnupfen (keine Rotznase) und leichte einseitige Halsschmerzen.

  • nie Fieber,
  • nie Gliederschmerzen,
  • nie das Gefühl, gleich sterben zu müssen (überspitzt formuliert, natürlich).

Natürlich könnte man das jetzt wieder herunterbrechen auf einzelne Viren, Influenza-Viren etc., aber wir können festhalten, dass mein Immunsystem heute wohl etwas kompetenter ist und es der Virus überhaupt nicht schafft, „mein komplettes System lahmzulegen“.

Gleichzeitig wird damit natürlich auch die Bewältigungszeit verkürzt… Mit einem banalen Schnupfen wird der Körper innerhalb weniger Stunden fertig – es dauert also nicht mehr drei Wochen, bis ich „wieder der Alte“ bin.

Können wir das auf eine Krebserkrankungen übertragen? Zumindest hinsichtlich der Immunokompetenz?

Womöglich. Folge meinem Gedanken…

Der Tumor an sich ist nicht unbedingt gefährlich. Er wird dann gefährlich, wenn er anderes Gewebe infiltriert und metastasiert, sich quasi im ganzen Körper verteilt.

Hast du die Analogie gerade verstanden? 

Je stärker der Tumor metastasiert, umso stärker wird dein komplettes System darunter leiden und umso geringer sind die Chancen, dass dein Immunsystem damit fertig wird, weil es sich ganz einfach nicht mehr in physiologischen Rahmen bewegt.

Zumindest, wenn man davon ausgeht, dass auch das Immunsystem gewisse Ressourcen hat, die es nutzen kann – irgendwann ist halt auch da mal Schluss, salopp formuliert.

Dein oberstes Ziel also müsste sein, die Metastasierung maximal einzuschränken – so hat dein Körper die Möglichkeit, seine komplette Kompetenz auszurichten auf einen relativ kleinen Bereich, er verfügt weiterhin über Ressourcen und du bekommst Zeit, diese Ressourcen auch zu unterstützen – ihr bewegt euch (nach meinem „Gleichgewichtsprinzip“) immer noch in einem physiologischen Rahmen, okay?

Logischerweise wird der Krebs, je verbreiteter er im Körper ist, raffinierter werden hinsichtlich seiner Ausbreitung. Er wird deine Immunantwort umgehen, sich womöglich unsichtbar machen – das ist alles eine Katastrophe.

Selbst wenn dein Immunsystem total versagen würde, wäre man bei einem nicht-metastasierenden Tumor in der Lage, ihn operativ zu entfernen!

Dein Überleben also steigt und fällt mit der Fähigkeit eines Tumors, sich in deinem Körper auszubreiten.

Die Frage ist, wie er das macht. 

Ich bin schon vor einigen Jahren auf eine sehr interessante Arbeit gestoßen, hören wir doch einmal hin:

Collagenases are a family of metalloproteinases which may play a role in facilitating tumor cell invasion of the extracellular matrix. Tumor cells traverse two types of extracellular matrix: basement membranes and interstitial stroma, at multiple stages of the metastatic process. The matrix is a dense meshwork of collagen, proteoglycans, elastin and glycoproteins. Normally the matrix does not contain open spaces large enough for cell movement. Therefore numerous investigators have postulated that collagenolytic proteases, secreted by tumor cells or associated host cells, breakdown the extracellular matrix during tumor cell invasion. A large number of animal and human tumors have been shown to contain collagenase at a higher level than corresponding benign tissues. Separate collagenolytic metalloproteinases have been identified which degrade specific types of collagen. A basement membrane collagenolytic protease was shown to be elevated in a series of metastatic murine tumor cells. Immunologic studies using antibodies specific for collagenase have demonstrated that in vivo, tumor cells can produce collagenase. Therefore identification of collagenase in cultured lines of tumor cells is not an artifact of in vitro cultivation. In some cases, tumor cells may induce host cells to produce collagenase. The best evidence to date that collagenases actually play a role in invasion is derived from experiments in which natural collagenase inhibitors block tumor cell invasion of extracellular matrix in vitro.

(Liotta et al., 1982)

Schon vor über 30 Jahren hatte man beschrieben, dass Zellen normalerweise umgeben sind von einer Kollagen-Matrix, die ein freies bewegen von Zellen normalerweise völlig unmöglich machen. Eben diese Strukturen werden von Tumor-Zellen mit Hilfe von kollagen-spaltenden Enzymen (Kollagenasen) aufgelöst. Der Tumor kann sich nun viel „freier bewegen“, andere Gewebe infiltrieren, und ist auch in der Lage sich mit Hilfe von diesen Enzymen Zugänge zu arteriellem Transport zu schaffen – oder anders ausgedrückt: Mit diesen Enzymen kann sich der Tumor im Körper verteilen.

Wäre es nicht sinnvoll darüber nachzudenken, wie wir die gesteigerte Aktivität oder die erhöhte Expression von Kollagenasen verhindern können?

Denn: Im Gegensatz zu Substrat-Präferenzen, die ja – wie wir gelernt haben -, völlig variabel sind, haben wir hier einen Zugang, der wohl auf jede Tumorzelle übertragbar ist. „Wohl“, weil ich kein Tumorbiologe bin und ich keine absolute Garantie geben kann – aber wer kann das schon?

Als kleines aber feines Beispiel, wie uns die Natur zu Hilfe kommen kann:

These results indicate that collagenase-1 produced by the breast tumor cells may enhance stromal matrix degradation by enabling the tumor cells to modulate their own invasive behavior, and suggest that decreasing collagenase-1 levels may be effective in breast cancer therapy.

[…]

Titel der Arbeit:

Human breast cancer cells activate procollagenase-1 and invade type I collagen: invasion is inhibited by all-trans retinoic acid.

(Benbow et al., 1999)

Retinsäure also – hängt, vielfach angesprochen, auch und gerade davon ab, wie viel Retinol (Vitamin A) du isst. Über Retinsäure haben wir hier auf dem Blog sehr viel gelernt!

Zusammenfassend: Retinol, bekannt als Vitamin A, ist die Vorstufe des Hormons namens Retinsäure.

Mir reicht das natürlich nicht… Denn im Ernstfall sollte man nicht nur einen Plan A haben mit einem Joker, sondern womöglich Plan A, B, C mit 3 Jokern.

Ich bin also konstant auf der Suche nach Möglichkeiten. Die nächste kommt gerade um die Ecke…

Anti-collagenase activities were exhibited by sixteen plants of which the highest activity was seen in white tea (~87%), green tea (~47%), rose tincture (~41%), and lavender (~31%).

(Thring et al., 2009)

Weißer Tee, ein völlig umgängliches Produkt, senkt die Kollagenase-Aktivität um fast 90%.

Netterweise hat man das „nur“ untersucht im Zusammenhang mit dem Altern – weißer Tee als Anti-Aging-Produkt.

Wichtig: Bis hier hin ist es völlig gleichgültig, ob und wie weit wir noch spezifizieren müssen – nachdenken kann man immer. Punkt ist, dass es Möglichkeiten gibt, die tatsächlich in einem natürlichen Rahmen liegen, um einer Metastasierung entgegen zu wirken.

Mit Kollagenasen, oder Enzymen, die ähnliches machen, haben wir womöglich einen gemeinsamen Nenner gefunden und brauchen uns nicht mehr damit zu beschäftigen, welches Substrat jetzt wohl oxidiert wird… am Ende kann das ja eh keiner genau bestimmen.

Ziel also muss es sein, die Invasion zu vermeiden und die Immunokompetenz anschließend so zu steigern, dass sie mit dem Tumor fertig wird – notfalls eben operabel.

Ich möchte abschließend anmerken, dass es sich hierbei um meine Gedanken, um meine Konzepte handelt, also Ideen! Ich vertrete nicht die Ansicht, dass ich in der Lage bin, schwere Krankheiten zu heilen oder vertrete Konzepte, die genanntes postulieren.

 Referenzen

Benbow, Ulrike et al. „Human breast cancer cells activate procollagenase-1 and invade type I collagen: invasion is inhibited by all-trans retinoic acid.“ Clinical & experimental metastasis 17.3 (1999): 231-238.

Liotta, Lance A, Unnur P Thorgeirsson, and Spiridione Garbisa. „Role of collagenases in tumor cell invasion.“ Cancer and Metastasis Reviews 1.4 (1982): 277-288.

Thring, Tamsyn SA, Pauline Hili, and Declan P Naughton. „Anti-collagenase, anti-elastase and anti-oxidant activities of extracts from 21 plants.“ BMC complementary and alternative medicine 9.1 (2009): 27.

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10 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Chris,
    Was die Kompetenz des Immunsystems angeht, so stoße ich (auch bei Ärzten) immer wieder auf die These, dass es ein Hinweis auf ein schwaches Immunsystem ist, wenn man kaum oder nur sehr selten Infekte bekommt oder sehr schnell damit fertig wird und das dann ohne Fieber. Angeblich würde das Immunsystem den „Feind“ nicht mehr erkennen oder könne ihn nur durch eine schwache Reaktion bekämpfen. Interessant in diesem Zusammenhang ist allerdings die Beobachtung, dass viele Krebspatienten vor ihrer Erkrankung Jahre lang kein Fieber mehr hatten. Fieber, so ist bekannt, hat ja als positive Nebenwirkung, Krebszellen zu reduzieren, auf welchem Weg auch immer. Daher wird die Fiebertherapie, besonders die aktive Form ja als komplementäre Therapie eingesetzt.
    Mir geht die These des schwachen Immunsystems (IS) gegen den Strich, da es, meiner Meinung nach nicht sein kann, dass es als „Schwäche“ ausgelegt wird, wenn das IS seinen Job macht. Etwas anders sieht es wohl bei Leuten aus, die mehr oder weniger ständig mit irgendwelchen kleinen Infekten rumziehen und die dann Wochen lang nicht los werden. Von denen spreche ich nicht.

    Es bleibt die Frage, was besser ist: Ab und zu doch einen dicken Infekt mit Fieber, der im Körper irgendwie aufräumt oder unbeschadet durch die Erkältungs- und Grippezeit zu kommen und die Chance für die 100%-ige Aktivierung des IS nicht zu nutzen. Braucht das IS ab und zu den „Großalarm“, um auf die Dauer auch besser mit degenerierten Zellen aufräumen zu können? Spielt die TH1 /Th2 Verschiebung dabei eine Rolle?

    Ich persönlich gehe keinem Infektionsrisiko aus dem Weg, aber irgendwie mögen mich die kl. Virchen und Bakterien nicht.
    LG
    Luna

    1. Hallo Luna,

      ich glaube, dass zwei Sachen verwechselt werden.

      Ich glaube auf gar keinen Fall, dass mein heutiges Immunsystem, das es schafft, mich subjektiv fühlen zu lassen, dass der Virus „nur anklopft“ in meiner Nasenschleimhaut, schlechter sein soll als Immunsystem, das aus jedem Virus ein hohes Fieber gemacht hat.

      So ein Blödsinn!

      Wenn ein Virus bei jemandem so eine heftige Immunreaktion auslöst, dass er tatsächlich mal 4 Tage Fieber hat, dann kann es unmöglich sein, dass Menschen „mit schwachem Immunsystem“ gar kein Fieber entwickeln und „nur ein bisschen krank sind“ – so eine Unlogik.

      Ich glaube viel mehr bezogen auf den Krebs, dass er irgendwann „unsichtbar“ wird für das Immunsystem und es nachher verwundert, dass ein voll-metastasierter Körper nie eine (fiebrige) Reaktion gezeigt hat.
      Diesen Ansatz würde ich verstehen.

      Aus welchem Grund soll ein Immunsystem ein „Großalarm“ fahren, wenn der Bedarf aufgrund der gesteigerten Kompetenz nicht mehr da ist?

      Natürlich ist es umgekehrt so, dass ein zu schwaches Immunsystem wohl häufig „nicht richtig ausschlägt“ – vielleicht dann auch kein ordentliches Fieber produziert. Aber ich bin mir sicher, dass diese Menschen subjektiv genau fühlen.

      LG, Chris

  2. Hey Markus,

    generell finde ich die Idee (!) hervorragend.
    Das Problem das ich dabei sehe, ist folgendes:

    Es wird postuliert, dass ein Enzym namens Glucosidase, was der Tumor vermehrt exprimiert, dafür sorgt, dass Blausäure vom Moleküle abgespaltet wird, was tödlich ist für diese Zellen.

    Allerdings – und das verwundert mich ein wenig – finden das Enzym Glucosidase auch im Darm. Es ist daher von hoher Wahrscheinlichkeit, dass Blausäure bereits im Darm frei wird.

    Diesbezüglich habe ich auch eine Arbeit gelesen mit knapp 180 Teilnehmern: Keine Verbesserung hinsichtlich der Tumorentwicklung, aber Zeichen von Intoxikationen bei vielen.

    Ich bin mir einfach nicht so sicher. Ich würde gerne mal „first hand“ Reporte hören, also Leute, die das wirklich praktiziert haben. Man weiß ja nie, welche Interessen hinter solchen Studien stehen.

    Bei amazon findet man zum Thema VitB17 sehr viele positive Rezensionen – aber haben diese Menschen das auch alle ausprobiert?

    LG, Chris

    PS. Was meinst du?

    1. Hallo Chris,

      also ich habe mir noch keine abschliessende Meinung gebildet, stolpere aber immer wieder über n=1 Berichte im Netz. Inwieweit die Verstoffwechselung in Cyanwasserstoff hochselektiv in Krebszellen geschieht wäre halt die Gretchenfrage…und viele der n=1 sind auch von Heilpraktikern, die Amygdalin in Form von Infusionen gegeben haben; die Frage der Darmabsorption ist hier also nicht gestellt worden.

      1. Ja – Infusionen sind denke ich durchaus nachvollziehbar und nicht direkt vergleichbar mit dem Zuführen von Aprikosenkernen, wenngleich Luna ja anmerkt, dass es nicht unbedingt problematisch sein muss.

        Mich interessiert das Thema schon sehr, muss ich sagen. Ich hätte nur gerne mehr real life Erfahrungen dazu… Irgendwie als Buch oder so.

  3. Hallo Chris,

    wieder sehr guter Artikel.

    Mir fällt dazu noch ein Vortrag von einem Dr. Lange zur „Enzymblockade-Therapie mit L-Lysin“ ein. Geht also genau in dieselbe Richtung, also sozusagen „Plan L“.

    Was ist Deine Meinung dazu, Lysin auch präventiv einzusetzen? Eine stärkeres Bindegewebe wäre bei mir ohnehin von Vorteil. Habe aber mal irgendwo gelesen, dass es bei höherer Dosis auch Nachteile haben kann.

    Beste Grüße, Uli

  4. Hallo Chris,
    Die Erfahrung zu Amygdalin kann ich liefern. Optimal ist natürlich die Infusion. Habe davon insgesamt ca. 18 Stück bekommen. Nebenwirkungen absolut keine. Die genaue Menge der Infusion weiß ich nicht, aber es war keine homöopathische Dosis. Es gibt übrigens eine Klinik in Mexiko, weiß leider den Namen nicht mehr, die schwerpunktmäßig mit Amygdalin arbeitet/arbeiten soll und wo viele Amerikaner hinkommen, da es der FDA gelungen ist, Amygdalin verbieten zu lassen.

    Seit über 4 Jahren nehme ich B17 (Biopharm of Florida) und zwar 4,5g/Tag, inzwischen auch mal im Wechsel mit Salvestrolen. Ebenfalls ohne Nebenwirkungen negativer Art. Will heißen, ich merke das Zeug verdauungstechnisch überhaupt nicht. Ich kann genausogut eine kleine Hand voll bittere Aprikosenkerne auf einmal verdrücken, ohne dass ich irgendwas merken würde.
    Bislang waren meine Strategien ja erfolgreich. :-D.

    Freut mich, dass Du diese seltsame These zum Immunsystem auch so siehst wie ich.
    LG Luna

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