Blutzucker während einer ketogenen Diät

Carbophobia, die Angst vor Kohlenhydraten, kennen nun auch wir in Deutschland. Diese Angst wird auf einigen Internetplattformen zusätzlich geschürt mit der Aussage, dass sich Krebszellen ausschließlich von Glukose „ernähren“. Dass das nur die halbe Wahrheit ist, hatte ich bereits diskutiert.

Viele Menschen, die eine ketogene Diät praktizieren, erhoffen sich jedoch ganz andere Sachen, darunter auch

  • verbesserte Insulin-Sensitivität
  • weniger Blutzucker

Beides hängt logischerweise irgendwie miteinander zusammen: Je besser dein Körper den Zucker in die Muskelzelle bekommt, um so weniger wird davon im Blut schwimmen.

Okay – vorab: Wie kommen die Leute denn überhaupt auf die Idee, dass ich eine bessere Insulin-Sensitivität habe, wenn ich keine Kohlenhydrate esse?

Das kennen wir aus dem Sport. Dort hat man gesehen: Je stärker du deine Glykogenspeicher leerst, um so mehr Kohlenhydrate kannst dein Muskel danach aufnehmen (Super-Kompensation). Dieses Wissen machen sich Athleten seit Jahrzehnten zunutze.

Also muss man sich wohl gedacht haben: Wenn wir das chronisch praktizieren, dann sind unsere Speicher konstant leer und dann haben wir ja immer eine hervorragende Insulin-Sensitivität – oder so ähnlich.

Jetzt bin ich schon etwas länger in dieser Szene unterwegs, habe viele amerikanische „paleo“ Freunde und kenne meine eigenen Werte.

Manchmal spielt die Welt verrückt: Der Nüchtern-Blutzucker steigt bei vielen einfach so von 80 auf 110, manchmal sogar auf 120!

Das erklärt man sich mit Hilfe der „physiologischen Insulinresistenz“, die eintritt, wenn man high fat isst. Das ist ganz einfach: Dein Körper versucht Glukose zu sparen, davon brauchen wir immerhin täglich mindestens 60g, und macht dann den Muskel dicht. Das heißt, der Muskel nimmt kaum mehr Glukose auf.

Dies geschieht nicht nur aufgrund des Randle cycles, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass Keton-Körper direkt die Verwertung von Glukose hemmen.

Wenn du also einen Arzt-Termin hast und er macht spaßeshalber einen Glukose-Toleranz-Test mit dir, dann solltest du dich nicht wundern, wenn er dich als prä-Diabetiker klassifiziert.

Viele Menschen also, die versuchen mit einer ketogenen Diät ihren Blutzucker zu verbessern (auch aufgrund der Krebs-Vorsorge), können bitter erwachen, wenn sie das mal testen.

Übrigens geht diese Verschlechterung auch einher mit einer Verschlechterung der post-prandialen Zucker-Werte, also der Zucker-Werte nach Mahlzeiten.

Wenn du also 3 Wochen ketogen lebst und dich am Wochenende an Kohlenhydrat bedienst, dann ist es möglich, dass dir ein bisschen nebelig wird im Kopf.

Mir ist wichtig, dass Menschen nicht mit falschen Erwartungen an gewisse Dinge heran gehen. Ketogene Diäten sind gut, keine Frage, sind gut im Gewicht zu verlieren, um die überschüssigen Fettsäuren im Muskel zu verbrennen, um das Leberfett los zu werden – aber wieso nicht intermittierend fasten? Wieso nicht mal eine Kalorienrestriktion ein paar Tage die Woche?

Du solltest ganz einfach wissen, dass es auch down sides gibt.

Bildquelle

Tess Watson Injecting Insulin @ flickr | CC
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3 Kommentare, sei der nächste!

  1. Der Randle Zyklus (falls ich das richtig verstanden habe), verhindert den Einbau von Glukose in die Zellen und den Abbau von Glukose aus den Zellen. Du schreibst „die Ketone-Körper direkt die Verwertung von Glukose verhindern. Was passiert jetzt mit der Glukose im Blut? Wie verhält sich das Insulin in dieser Situation? Wird bei diesem hohen Blutzuckerwert Insulin ausgeschüttet? Falls ja, wird die Glukose, da sie nicht in die Zellen eingebaut werden kann, über die Leber in Fett verstoffwechselt und in das Fettspreicherdepot eingelagert?

    1. Der Randle-Cycle arbeitet unter normalen Umständen schnell genug. Wer mehrere große Carb-Mahlzeiten ist, reagiert wieder normal auf Insulin. Während des aktiven Randle-Cycles wird ja gerade keine Glukose gegessen. Der Unterschied zur pathologischen IR ist, dass nach KH-Zufuhr autoregulativ wieder weniger Fettsäuren oxidiert werden und die Glukose-Toleranz besser wird, deshalb lagern sich gegessene KH nicht als Fett in der Leber oder sonstwo ein. Bei der pathologischen IR ggf. schon.

      1. Danke für deine Antwort! Das was du im Artikel beschreibst erlebe ich gerade selbst. Seit ein paar Monaten esse ich ketogen. Der Blutzucker war die ganze Zeit (morgens nüchtern) bei ca. 80-85. Seit etwas über einer Woche hochgeschnellt auf teilweise >125 mg/dl. Das hat mich erschreckt. Ich wollte mein Körperfettanteil von ca. 16% reduzieren. Gewicht ist IMO OK. 68 kg bei 175 cm Körpergröße und 86 cm Bauchumfang. Bei der Reduktion des KFA geht is mir vor allem um das viszerale Fett. Das sehe ich am Bauch und an den Körperseiten. Die Amis nennen das wohl „love handles“. Wie auch immer. Was mir bei der ketogenen Ernährung gefällt, ist dass ich länger satt bin. Das merke ich im Unterschied zur vorherigen „Normalernährung“. Ich habe etliche deiner Artikel gelesen. Ich sehe mich als interessierten Laien. Deine beiden Artikel „Richtig essen“ und „Richtig essen 2.0“ habe ich mir aufmerksam durchgelesen und werde meine Ernährung darauf umstellen und beobachten was mit dem Blutzucker passiert.
        Während der ketogenen Ernährung habe ich auch intermittierendes Fasten praktiziert. Entweder habe 16:8 oder 24 Stunden gefastet. Das werde ich beibehalten. Ich habe die meiste Zeit so gegessen, dass ich mich nach den Tageszeiten gerichtet habe und nicht gefragt habe, habe ich wirklich Hunger. Das ist mir durch diesen Ausflug in den ketogene Ernährung und das Fasten bewusster geworden.

        BTW, ist es möglich Beratung/Coaching bei euch zu buchen? Falls ja, gerne eine Nachricht an meine Mailadresse.

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