Anti-Krebs Diät

Firoblasten Krebszellen

Krebs ist fürchterlich und möchte niemand haben. Deshalb suchen viele Menschen nach greifbaren Lösungen oder Maßnahmen zur Vorbeugung.

Pionierarbeit dabei leisten Dr. Coy und Ulrike Kämmerer, die beide intensiv daran arbeiten und bereits Lösung zur Verfügung stellen. Sie erforschen die therapeutische Wirkung einer ketogenen Diät. Vorsichtig: Ketogen! Nicht low carb/high protein.

Manche nutzen dieses Wissen, um die ketogene Diät als die artspezifische Ernährung von Homo sapiens darzustellen – willst du keinen Krebs, dann ernähre dich artgerecht.

Das Problem an der Sache ist, dass man sich dann auch 5% – 15% – 80% (Kohlenhydrate, Eiweiß, Fett) ernähren sollte – low carb meint nicht immer ketogen. Da kommt auch schon direkt meine Frage an dich: Ernährst du dich so? Eher nicht.

Ich bin leider auch nicht perfekt und habe daraus gelernt. Auch ich war lange Zeit jemand, der wirklich gar keine Kohlenhydrate gegessen hat – manchmal habe ich jedes Gramm Gemüse gestrichen.

Das war vor einigen Jahren und ich habe dazu gelernt. Heute bin ich etwas moderater geworden.

Aufgewacht bin ich, als meine kleine – auf Halbwissen gestützte – Welt einfach so in sich zusammen geklappt ist.

Ketones and lactate „fuel“ tumor growth and metastasis:

Evidence that epithelial cancer cells use oxidative mitochondrial metabolism.

Da stand also etwas in meiner Arbeit, das meine Weltsicht, mein Weltbild in Minuten zerstört hat. Das, was ich mit Hilfe von Keton-Körpern (die aus dem Fettstoffwechsel gebildet werden) tunlichst vermeiden wollte, scheint genau das Gegenteil zu tun.

Doch auf was fußte meine Hypothese anfangs? Auf was fußt die Hypothese von Kämmerer und Coy?

Die Arbeit der beiden fußt auf einem Effekt namens Warburg Effekt. Dieser beschreibt nichts anderes als die Tatsache, dass Krebs-Zellen ihre Energie anaerob (also ohne Sauerstoff) aus Glukose (Zucker) gewinnen.

Logischer Denkansatz: Streiche den Zucker und du bekommst keinen Krebs.

Ja – das Problem an der Sache war – das weiß ich jetzt 6 Jahre später – dass Krebs-Zellen ihre Energie gar nicht anaerob gewinnen. Bereits 2009 hatte ein Biologe namens Prof. Dr. Lisanti etwas entdeckt, was fast zwei Jahrzehnte Krebsforschung auf den Kopf stellt. Er hatte entdeckt, dass krebs-assoziierte Fibroblasten, die quasi eine Art Bindegewebe darstellen, von den eigentlichen Krebs-Zellen „benutzt“ werden: Die „richtigen“ Krebs-Zellen induzieren einen anaeroben Stoffwechsel (also Zucker-Vergärung) in genau diesen Fibroblasten. Diese Fibroblasten stellen dann Pyruvat (Endprodukt des Kohlenhydrat-Stoffwechsels) und Laktat her, was die aktive Krebs-Zelle wiederum nutzt, um – jetzt ganz wichtig – damit aeroben Stoffwechsel zu betreiben.

(Edit: Dieses Phänomen nennt man „Reverse Warburg effect“)

Die Krebs-Zelle also oxidiert ihre Substrate aerob – und somit nicht nur Glukose, sondern wohl auch Keton-Körper und Fettsäuren.

Und jetzt kommen harte Fakten aus der oben genannten Arbeit:

  • Keton-Körper stimulieren das Tumorwachstum um 250%, also 2,5-fach.
  • Laktat lässt den Tumor nicht direkt wachsen, sorgt aber für eine 10-fache höhere Metastasierung.

Das war ein Schlag ins Gesicht für mich – damals. 

In Anbetracht dieser Tatsache, habe ich mich natürlich auch gefragt, warum Dr. Coy auf seiner Homepage Laktat anbietet – also als Versorgung des Krebs-Patienten, als Teil seiner Therapie.

Klar: Laktat bleibt natürlich kein Laktat, sondern wird im Körper abgebaut zu Hydrogen-Carbonat, was das vom Krebs produzierte Laktat abpuffern soll. Wieso nicht direkt Natron nehmen?

Although NaHCO3 ingestion induced significant changes in all the acid-base variables (all p < 0.05), no significant change was seen following lactate ingestion (p > 0.05).

Das waren Fragen, die ich mir stellte.

Doch zurück zum eigentlichen Thema.

Zucker ist bei weitem nicht der einziger Faktor

Bereits Ende der 90er Jahre publizierte ein Autor Ergebnisse, die scheinbar kaum Beachtung bekamen. Er beobachtete folgendes:

Fasting increased the rate of growth of the tumors 3 to 4 times over that measured in fed rats. This effect began during the first day of fasting and ended abruptly on refeeding. After refeeding tumor growth slowed to the rate in fed rats. Tumors from fed or fasted rats were not different in cellularity or dry weight/g wet weight. A positive growth response in the tumor required lipolysis and ketosis in the host. No stimulation was observed during an acute fast in either immature rats or in mature rats whose weights had been reduced by underfeeding. These animals have small fat stores and show no increase in arterial blood free fatty acid or ketone body concentrations during an acute fast.

  • Fasten verstärkt das Tumor-Wachstum um 300-400% (3-4-fach) im Vergleich zu Ratten, die normal weiter essen,
  • damit dieser Prozess zu sehen war, musste eine gesteigerte Lipolyse (Fettfreisetzung) und Keton-Körper messbar sein,
  • das passierte nicht in Ratten, die noch jung waren oder in Ratten, die sehr schlank waren.

Der letzte Punkt ist entscheidend: Ratten, die noch jung oder so sehr schlank sind, haben eine niedrige Konzentration an freien Fettsäuren im Blut, was dann nicht in vermehrtem Tumorwachstum resultiert. Klar, aufgrund niedriger Fettspeicher.

Also schon vor knapp 30 Jahren ahnte man, dass Krebs nicht nur Zucker vergärt, um zu wachsen. 

Übrigens: Dieser Autor (Dr. Leonard Sauer) hatte bereits in dieser Zeit verkündet, dass man den Schlaf nicht unterbrechen sollte, wenn man will, dass der Krebs nicht wächst. Natürlich aufgrund von Melatonin. Dieses Wissen wurde von anderen erst kürzlich „neu“ entdeckt, zu lesen bei ScienceDaily.

Ich möchte jetzt noch ein abschließendes Wort dazu sagen.

Ich will nicht motivieren, wo es nichts zu motivieren gibt. Krebs ist womöglich weitaus komplexer hinsichtlich seines Stoffwechsel. Ich wiederhole mich, man sollte die Welt nicht auf einen Makronährstoff (Kohlenhydrate) reduzieren.

Eine ketogene Diät, die noch zusätzlich gefeuert wird mit viel Fett, erhöht zwangsläufig die Konzentration an freien Fettsäuren und Keton-Körpern. Weiter haben wir in den letzten Tagen gelernt, dass viele, die das praktizieren, plötzlich einen Blutzucker-Spiegel haben, der einem fast-Diabetiker entspricht.

Ich möchte nur, dass du nichts praktizierst, was dich womöglich in den Tod treiben kann, denn mit viel Blutzucker, viel Fettsäuren und Keton-Körpern speist du womöglich etwas, was du nicht haben willst.

Referenzen

Bonuccelli, Gloria et al. „Ketones and lactate “fuel” tumor growth and metastasis: Evidence that epithelial cancer cells use oxidative mitochondrial metabolism.“ Cell cycle 9.17 (2010): 3506.

Northgraves, Matthew J et al. „Effect of Lactate Supplementation and Sodium Bicarbonate on 40-km Cycling Time Trial Performance.“ The Journal of Strength & Conditioning Research 28.1 (2014): 273-280.

Sauer, Leonard A et al. „Stimulation of tumor growth in adult rats in vivo during an acute fast.“ Cancer research 46.7 (1986): 3469-3475.

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20 Kommentare, sei der nächste!

    1. Ja, gute Frage.
      Ich denke, eine Antwort kann man zwischen den Zeilen lesen: Zum Beispiel auf den Körperfettanteil achten.
      Auf einen gesunden Stoffwechsel achten, der das Blut nicht mit exzessiven Mengen an Nährstoffen und anabolen Hormonen flutet.
      (Zumindest hinsichtlich Krebs).

      LG, Chris

  1. Hi Chris,
    danke für diesen sehr guten Beitrag. Er ist – wie immer – differenziert und regt zum Denken an, greift „einfache Dogmen“ an (Strunz etc.).
    Wäre vielleicht eine Idee, noch einen Folgebeitrag als „Quinessenz“ zu schreiben, vielleicht nach dem Motto:
    „Wenn du keinen Krebs kriegen willst, dann tue (oder unterlasse) folgendes“:
    Jens

  2. Jetzt kommt hier mal eine ganz knifflige Frage:
    Wenn man gerade dabei ist, abzunehmen, und dabei ZWANGSLÄUFIG eine erhöhte Freisetzung von Fetten hat, und auch Ketonkörper, dann wachsen also die Krebszellen gerade schneller.
    Was macht man dann am besten dagegen, bzw. wie macht man das mit dem Abnehmen am besten?

  3. Ich denke, dass es schwierig ist, aus von mir genannten Arbeiten direkt real life Relevanzen zu folgern. Allerdings denke ich, dass das sicherste Ziel ist, einen gesunden Körperfettanteil zu erreichen. Dicke Menschen beispielsweise können gut und gerne 3,5kg/Woche verlieren, wohingegen schlanke eher im Bereich von 0,5 – 1kg liegen.

    Konkret: Mit abnehmendem Gewicht (was ja das Ziel einer Diät ist), verschwinden auch die Übermengen an freien Fettsäuren.
    In diesem Fall also ist die Gewichtsabnahme sehr förderlich.

    In dem genannten Experiment war es so, dass man quasi eine Momentaufnahme gemacht hat – die Ernährung der fastenden Ratten war insgesamt isokalorisch.
    Du lebst in einer Diät und lebst somit hypokalorisch, wovon mehrfach gezeigt wurde, dass es einem Krebswachstum entgegen wirkt.

    Das ist wohl der entscheidende Punkt!

  4. Hallo Chris,
    bleibt die Frage,warum vielfach die ketogene Ernährung bei Krebs doch funktioniert. Ich kenne persönlich Fälle, wo die Verbindung von ketogener Ernährung mit einigen anderen Verfahren wie z.B. lokaler oder moderater Ganzkörper-Hyperthermie + Vit C-Infusionen bestehende Tumore z.T sogar in fortgeschrittenem Stadium zum Verschwinden gebracht haben. Wie lässt sich das dann erklären? Nur Kopf? Glaube ich, ehrlich gesagt, nicht.
    LG Luna

  5. Hallo Luna,

    nein, nicht nur Kopf. Du hast vollkommen Recht! Die Frage ist nur, was genau da hilft und wann es hilft.
    Muss dabei der Blutzucker-Spiegel abfallen? Muss man hypokalorisch essen, was vielfach der Fall ist, wenn man high fat praktiziert? In wie weit hat die VitC-Infusion geholfen?

    Und dann ist auch denkbar, dass eine ketogene Diät die anaeroben Fibroblasten hemmt. Auch ein Mechanismus.

    Ich kann nur Spekulieren, wie jeder andere auch.

    Ich würde gerne mal einen clinical trial sehen, wo Menschen strikt hypokalorisch essen müssen oder Blutzucker auf einen bestimmten Wert absenken etc.

    Weiterhin stellt sich natürlich auch die Frage: Erreiche ich mit einer ketogenen Diät, dass ich wenig IGF, Insulin, Glukose etc. im Blut habe?
    Oder esse ich zu viel Protein. Oder sorgt die physiologische Insulinresistenz dafür, dass der Blutzucker auf 110 steigt?

    Womöglich ist „ketogene Diät“ nicht gleich ketogene Diät…

    LG, Chris

  6. Hallo Chris,
    Ich habe ja selbst auch schon einiges ausprobiert 😉 und kann bestätigen, dass bei mir der Blutzucker bei ketogener Ernährung auch nicht ganz niedrig ist (80-ca.110) oder sogar raufgeht, so z.B. auch nach dem Laufen (bis ca. 120). Da vernute ich Cortisol als Ursache.
    Ketonkörper im Urin lassen sich bei mir allerdings auch nur nachweisen, wenn ich nicht nur so gut wie keine KH esse, sondern wenn ich fast gar nichts esse UND Sport mache. Mein KFA liegt dabei eh schon sehr niedrig (ca. 11%), also weit weg von Übergewicht und Fettleber, Sobald ich IRGENDWAS esse, also auch eher in Richtung Fett + Blattgemüse/gr. Salat o.ä., sind in Ruhe keine Ketonkörper mehr nachweisbar.
    Zum IGF-1 habe ich in diesem Zusammenhang keine Zahlen, die ich direkt mit Protein in Verbindung setzten könnte.
    LG Luna

  7. Hallo Luna,

    in meinen Augen betreibst du somit auch optimales Risiko-Management.
    Alleine dadurch begründbar, dass du einen sehr niedrigen KFA hast, dadurch sehr niedrige freie Fettsäuren.
    Ich denke, dass du mit diesem Lebensstil (wenig KFA, Sport) bereits intensiv Vorsorge (besser: Nachsorge) betreibst und in deinem Blut auch nicht exzessive Mengen einzelner Makronährstoffe zu finden sind…

    LG, Chris

  8. Zunächst einmal müsste man fragen, ob es sich bei den Studien um so genannte »Schrottstudien« handelt. Wenn nicht, müsste man sich fragen, wie der aktuelle Forschungsstand heute ist. Denn die Bonuccelli-Studie etwa ist ja nicht die einzige – also ist es wenig sinnvoll, sie isoliert zu betrachten. Die Ergebnisse könnten ja immerhin auch Artefakte sein.

    In einer Studie von Prof. Kämmerer zum Beispiel:

    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3267662/

    finde ich folgendes Zitat, was gerade umgekehrt die Anti-Tumor-Effekte der Ketonkörper beschreibt:

    »Some laboratory studies indicate a direct anti-tumor potential of ketone bodies. During the past years, a multitude of mouse studies indeed proved anti-tumor effects of KDs for various tumor types, and a few case reports and pre-clinical studies obtained promising results in cancer patients as well. Several registered clinical trials are going to investigate the case for a KD as a supportive therapeutic option in oncology.«

    Lieben Gruß, Oliver

    1. Hallo Oliver,

      eine „Schrott-Studie“ kann keine Studie sein, deren Ergebnisse mehrfach repliziert wurden, wie das bei Leonard Sauer der Fall war.

      Das Problem an Kämmer etc. ist, dass sie selbst gar nicht wissen, in wie weit eine ketogene Diät überhaupt hilft.
      Das wurde auch klar anhand eines Artikels von mir (Archiv), in dem ich eine Arbeit von ihr besprochen habe.
      – Ist der Blutzucker-Wert entscheidend?
      – Ist der Keton-Körper-Wert entscheidend?
      – Ist der Insulin-Wert entscheidend?
      – Ist der IGF-Wert entscheidend?
      … oder doch ganz andere Faktoren?

      Daher auch damals die Aussage: Vielleicht liegt es ja an der reduzierte Kalorienzahl während einer ketogenen Diät? Denn von Kalorienrestriktion konnten ähnliche Dinge gezeigt werden.

      Was ich damit sagen will: Jeder, der etwas auf sich hält, reduziert Krebs nicht auf einen Makronährstoff.
      Das war die Botschaft.

      Ich kenne ja beide Seiten der Medaille und weiß von den von dir genannten Arbeiten.
      Sind das vielleicht „Schrott-Studien“? Wer weiß.

      Liebe Grüße,
      Chris

    1. Du zitierst von einer Seite, die ein Konzept vertritt.

      Ganz einfach: Die Studie ist peer reviewd und noch online – so schlecht kann die nicht gewesen sein.
      Aber darum ging es in erster Linie nicht, sondern auch darum, dass Krebs-Zellen nicht nur Zucker vergären, sondern wohl auch aerob andere Substrate.

  9. zum Glück habe ich das gefunden: http://livinlavidalowcarb.com/blog/do-ketones-fuel-cancer-the-low-carb-experts-respond/10124 lest Euch ein – viele Experten haben sich um Antworten bemüht – Englisch ist allerdings ein Muss

    kurzes Bsp: DR. STEPHEN PHINNEY, low-carb researcher and co-author of The New Atkins For A New You
    „This is an interesting study, not so much because of what they claimed to find, but because of how much they had to ignore to draw the conclusions that they did. I could write a whole book chapter to explain this one study — not just why their conclusions are flawed, but also about the socio-political environment within the science establishment that promotes the publication of what I can only characterized as ‘reductionist garbage’.“

    1. Hallo,

      es geht doch gar nicht um die Studie an sich, sondern viel mehr um die Tatsache, dass Krebszellen auch Fettsäuren als Energiequelle nutzen. Eine Tatsache, die nicht zu bestreiten ist (Reverse Warburg Effect).
      Diese Studie ist nur deshalb fehlerhaft, weil man Keton-Körper zusätzlich gegeben hat, neben einer normalen Ernährung. Aber dennoch: Keton-Körper können offensichtlich auch oxidiert werden.

      Schau mal hier bei den Kommentaren, da habe ich mehrfach Arbeiten genannt, die die Sache bestätigen. Und weiter: ‚Experten‘, die das, was sie vertreten, argumentativ verteidigen. S.g. Experten (wie sie in der Paleo Szene so oft vorkamen) revidieren ihre Meinung auch.

      Mich interessieren Fakten. Und Fakt ist, dass Fettsäuren auch als Energiequelle dienen können.

      LG, Chris

  10. Ich habe nicht Biologie studiert, mich aber viel mit dem Thema beschäftigt. Allerdings nicht zwingend nur in Richtung Ketone/Krebs, sondern generell in Richtung Ketone/entzündliche Krankheiten.
    Jetzt stellen sich mir die verschiedensten Fragen: Ich durfte neulich erst auf einem Symposium einem biochemischen Vortrag einer großen bayrischen naturheilkundlich orientierten Praxis lauschen, die seit einigen Jahren nun sehr erfolgreich Patienten überwiegend mit Hilfe von Ketose behandeln (vereinfacht gesprochen, es gibt ja verschiedene Tumorarten und die Vorgehensweise differenziert natürlich). Viele Krebspatienten sind gerade in fortgeschrittenerem Stadium sehr dünn, aus dem Abnahmegrund profitieren sie also schon einmal nicht von der Ketose. Den oben beschriebenen Reverse Warburg Effekt konnte keiner dieser Praktiker aus ihrer eigenen Erfahrung bestätigen.
    Ich verstehe auch nicht so recht, warum Du die Studienlage als ausreichend betrachtest. Ich halte sie im Vergleich mit anderen Bereichen für sehr sehr dünn. Und ich sehe auch nicht die Masse an anderen Studien, die gerade in der Pipeline stecken, um dieses ja eigentlich hochbrisante Thema zu verifizieren. Und klinische Studien gibt es dazu auch noch nicht, oder?
    Wahrscheinlich ist der Stapel von extraordinären Ergebnissen in der Forschung meterhoch und am Ende werden sie spätestens in klinischen Studien nicht bewiesen. Da sollte man die Kirche im Dorf lassen.

    Zudem war ich bisher eigentlich der Meinung, daß die positive Wirkung der ketogenen Diät unter anderem (oder vor allem, ich bin kein Experte) fußt auf Ihren Wirkungen als HDAC Inhibitoren. Hunderte Studien laufen gerade zu dem Thema (Du kennst ja sicher die US Datenbank) und niemand merkt, daß Ketone uns eigentlich mehr Schlechtes tun als Gutes?

    Ganz abgesehen davon würde ich gerne eine übergreifende Anmerkung machen: Ich kenne mittlerweile recht viele Leute, die sich ketogen oder einfach nur Low Carb ernähren, zum Teil über viele Jahre hinweg. Einige davon gehen auch regelmäßig zu Dr. Strunz. Praktisch keiner davon hat Cholesterinprobleme. Oder Probleme mit dem Nüchternblutzucker. Ich kann mir auch beim besten Willen nicht vorstellen, daß Strunz seit X Jahren en masse solche Patienten behandelt und ihm nicht auffällt, daß Cholesterin und Blutzucker dramatisch schlecht sind. Ich bin weiß Gott kein Strunz Fan, aber das sollte doch jedem zu denken geben.
    Low Carb ist für mich auch sicherlich keine heilige Kuh, ich bin begeistert über neue Erkenntnisse und modifiziere ständig etwas, setze KH-Anteile herauf oder herunter und bewerte die Lage neu.
    Bestätigen kann ich aber auch nicht, daß der Körper bei 5g KH mehr total aus dem Takt gerät. Was ich bestätigen kann ist, daß einige Leute in meinem Umfeld, inklusive mir, auch schon einmal Wochen oder Monate „aus der Rolle gefallen“ sind. Sowohl dicke als auch sehr dünne Menschen. Der Dank waren wiederkehrende Allergien, Neurodermitis, Gelenkentzündung, psychische Probleme etc. So einige dachten auch, eine hohe Eiweißzufuhr reicht, da ja die guten Effekte vermutlich alle daher kommen. Sie essen also viel Eiweiß, KH wie ein normaler europäischer Mischköstler, nehmen weiter ihre ganzen Vitaminchen etc. Ein paar KH mehr müssten doch gehen oder mal hier und da eine Pizza. Dem war nicht so. Früher oder später kriecht jeder wieder auf alles Vieren und hat seine ganzen schon fast vergessenen Leiden zurück. Auch wenn der Körperfettanteil nun unter 10 gerutscht ist.

    Was den Bulletproof Coffee angeht, habe ich auch ganz andere Erfahrungen gemacht. Meiner enthält sicher auch nicht 80 Gramm Fett, meine Cholesterinwerte sind aber so gut wie nie. Ich kenne auch niemanden, der dadurch Probleme mit seinen Blutwerten bekommen hat, es sei denn, er hat zu der Zeit auch mehr KH gegessen. Ich habe auch schon oft in LCHF Blgs und Foren mitgelesen. Und wenn mal vereinzelt so etwas erwähnt wird, wird ja besprochen, was den Zustand verursacht haben könnte, in der Regl wurde dann etwas falsch gemacht. Meine Frau und ich haben zumindest ein Gesamtcholesterin, Trglyceride, LDL und HDL (und vor allem die Verhältnisse zueinander) zum Niederknien. Und das soll alles Zufall sein?
    Was die physiologische Insulinrestistenz angeht, die Du auch sehr häufig erwähnst angeht: Ich denke, Du weiß ja, daß daß der Grundtenor darüber vielerorts ist, daß das natürlich der erwünschte Zustand ist und dort (für den Laien) genauso gut erklärt wird, warum der Zustand gut ist, wie das scheinbar auf Deinem Blog der Fall ist.

    Und damit komme ich zum eigentlichen Problem. Du schürst Ängste, daß der Durschnitts-LowCarbler bereits mehr als angezählt ist und in Wirklichkeit alles falsch macht (und sich dazu nochmit seinem Kokoskaffee umbringt). Ich möchte aber mal behaupten, daß Deinen Ausführungen en Detail fast keiner folgen kann und das finde ich gefährlich. Ich habe selber 2 technische Studiengänge absolviert und viel medizinische Fachliteratur und auch Studien gelesen, soweit möglich. Meine Frau hat Rechtswissenschaften studiert und Psychologie und selber Studien angefertigt. Wir sind also nicht ganz blöd. Aber spätestens auf der (bio)chemischen Ebene ist man hier doch darauf angewiesen, Deinen Schilderungen schlicht zu glauben. Und dieselben Schilderungen praktisch derselben Zusammenhänge hören sich woanders anders an, ganz platt gesagt. Also eine Glaubensfrage, wenn ich nicht noch Biologie und Chemie studieren möchte.

    Und da kommt dann bei uns eine reine Abwägung in Spiel: Du lässt häufig durchblicken, daß bestimmte Zusammenhänge quasi außer Dir niemand so recht verstanden hat. Jetzt betrachte das Ganze doch einmal mit Distanz von außen. Wie wahrscheinlich ist das? Ein Dr Strunz versteht die Zusammenhänge nicht, obwohl er Mediziner und Physiker ist und ein Team von Beratern hat und dazu viele Jahre Erfahrung als praktischer Mediziner? Eine Ulrike Gonder und ein Dr. Spitz (mit denen ich mich neulich noch sehr angeregt über Paläo und Ketose unterhalten durfte) sind also zu blöd, um die wahren Zusamenhänge zu verstehen? Beide können auf zig Jahre Erfahrung zurückblicken, sehen fantastisch aus und sind für Dich anscheinend nur Ausreißer oder zu doof, um zu bemerken, wie Ihr Cholesterin gerade ein Sargnagel wird? Und dann gibt man alles auf, was man bisher gedacht hat, weil ein einziges Forscherteam etwas endeckt hat, was bisher auch niemandem klar war? Und das macht Hunderte und Tausende von Fällen, in denen die Patienten von Ketose profitiert haben bei ihrer Krebserkrankung zu – sagen wir Glücksfällen? Da bin ich doch näher bei den Praktikern und gehe da vollkommen mit Strunz: Wer heilt, hat Recht. Du hast gute Aspekte, sicherlich in vielem Recht, lebst aber selber natürlich auch davon, Dich von Strunz und Co abzugrenzen. Warum sollte sonst auch jemand Chris bezahlen für sein Coaching, wenn da keine Alleinstellungsmerkmale wären. Verstehe ich gut und ich wünsche Dir auch viel Erfolg in Deinem Business. Ich lese auch gerne bei Querdenkern. Was ich nicht mag, ist, daß vieles hier eine ziemliche Angst schüren muss, gerade bei denen, die nicht die Möglichkeit haben, sich selber tief in die Materie einzuarbeiten. Ist ja auch nicht jeder so schlau wie Du. Und es riecht alles auch zu sehr nach Marketing. Das machst Du wirklich gut, ohne richtig provokante Thesen zieht vermutlich auch nichts mehr so richtig. Nichts für ungut, ich gönne Dir Deinen Verdienst damit.

    1. Hallo Frank,

      vielen Dank für deinen Kommentar.

      Zunächst … Jeder, der hier regelmäßig seit einem halben Jahr her kommt, weiß, dass ich von Anfang an keine kommerziellen Interesse hatte und mit meinen Texten auch immer noch nicht habe (das Buch ist hier eine Ausnahme, weil es natürlich nicht verschenkt wird).

      Du hast, glaube ich, ein paar Dinge in den falschen Hals bekommen. Zum einen ist das kein einziger Anti-Krebs-Artikel, sondern ein Mehrteiler, ich weiß nicht, ob du die anderen gelesen hast.

      Zum anderen sehe ich natürlich auch das Potenzial einer ketogenen Diät, aber weiß mittlerweile auch um die Nachteile, die ich u. a. hier aufgeführt habe. Was dann jeder damit macht, das sei ihm selbst überlassen.

      Ich finde nämlich, dass eigenverantwortliches Handeln nur dann gegeben sein kann, wenn man eine Thematik auch von allen Seiten beleuchtet. Und ich weiß ja, dass die ketogene Diät momentan „in“ ist. Das heißt, dass ich über die Vorteile derselben nicht erzählen muss.

      Reverse Warburg ist nicht etwas, über das tausendfach geschrieben wurde (in Fachzeitschriften). Aber glaubst du, dass die ketogene Diät diesbezüglich „abgesichert“ ist? Nein. Beispiel: Es gibt nicht viele Human-Studien dazu, wenn überhaupt. Die ERGO-Studie aus Deutschland … hat jemand von den „sensationellen“ Ergebnissen gelesen? Nein. Weil die ketogene Diät bei diesen Krebs-Patienten nicht funktioniert hat. Das war per Studie verifiziert von einer deutschen Uni-Klinik.

      Du nennst oft Anekdoten. Und genau das nenne ich auch. Ich sage, dass ich Teil der amerikanischen Paleo-Szene war, die am Ende genauso extrem war, wie das, was jetzt in Deutschland passiert.
      Und dort gibt es tausende (!) Menschen, die die Probleme bekommen haben, von denen ich hier rede. Wahrscheinlich nicht nach 2-3 Monaten. Aber viele haben das so lange praktiziert, wie ich (> 4 Jahre). Wieso werden diese Berichte so unter den Tisch fallen gelassen?
      Denn: Wenn die positiven Meldungen geschrieben werden dürfen, dann sollten auch die negativen genannt werden. Das ist meine Ansicht.
      Ich jedenfalls habe viel Schaden verrichtet, das einem womöglich auch erst dann klar wird, wenn man mit Ketose und co. aufhört.

      Mir geht es bzgl. der physiologischen Insulin-Resistenz vor allem um langfristige Effekte. Glaubst du, der Muskel kann nach jahrelanger Glukose-Abstinenz dann gut mit Kohlenhydraten umgehen? Nein. Diabetiker, die sowieso Probleme mit der Glukose-Aufnahme haben, die verbessern das Problem nicht, sondern schieben es von sich. Was für einen Diabetiker lebensentscheidend sein kann, ist für einen Insulin-Resistenten womöglich das, was ihm das Genick brechen kann. Zumindest dann, wenn er irgendwann wieder außerhalb der Ketose und außerhalb von low-carb-Bereichen leben will.

      Es hat einen Grund, warum fast keiner der „Ikonen“ der amerikanischen Paleo-Szene noch eine KD praktiziert. Eben aus diesen, meinen genannten Gründen.
      Es geht hier auch um T3, um die reproduktive Achse usw. Man „mimt“ das Fasten mit einer KD – das ist auch sehr wenigen Menschen klar. Und dann wundern sie sich nach ein paar Monaten/Jahren, warum der T3-Wert so niedrig ist, warum man keine sexuelle Energie mehr hat.

      Ich unterscheide mich von vielen Bloggern nicht darin, dass ich mich „abgrenze“ durch ein bewusstes Infragestellen von Sachverhalten, sondern darin, dass ich Dinge biochemisch erkläre und zeige, warum Sachverhalt XY passiert. Nenne mir einen weiteren Blogger in Deutschland, der das auch so macht.

      Ich bin durch meine Erfahrungen eben gezeichnet und „springe nicht einfach auf einen neuen Zug auf“, nur weil es Wissenschaftler XY sagt. Das sollten doch gerade die Strunz-Leser wissen, die ständig gegen die DGE-Wissenschaftler schießen, die ihren Titel offensichtlich auf dem Jahrmarkt geschossen haben.

      Heißt: Ich will ja gar nicht, dass jemand meinen Ausführung „en Detail“ folgt. Ich präsentiere ein paar Sachverhalte und was jemand damit macht, bleibt ihm selbst überlassen. Ich postuliere also keine Wahrheiten, sondern Frage einfach nach und das schildere ich hier.

      Das mache ich seit Mai letzten Jahres. Und denkst du nicht, dass ich seit dem etliche Menschen betreut habe, die jahrelang das von dir Beschrieben praktiziert haben? Es gibt nicht nur „Positiv-Berichte“.

      Was genau findest du denn „gefährlich“? Dass ich kontrovers diskutiere? Das hier auf dem Blog sind meine Gedanken. Ich erzähle keine Märchen, aber versuche auch nicht jemanden zu manipulieren oder von meinem Glauben zu überzeugen.

      Niemand zwingt einen hier vorbeizugucken und das alles zu lesen. Ich finde es sogar toll, wenn zwei verschiedene Wissenschaftler trotz gleicher Ausführung, andere Dinge schlussfolgern. So funktioniert Wissenschaft. Es gibt nicht „die eine“ Lösung.

      Ich behaupte nicht, dass Strunz keine Ahnung hat. Aber hätte er so viel Ahnung mit Hilfe seinen „Beratern“ gehabt, dann hätte er doch nicht zwei Jahrzehnte lang „High Carb“ gelebt – die Studien gab es auch damals schon. Keto-Diät gab es auch damals schon.
      Heißt: Keiner ist fehlerfrei. Und von „Mediziner und Physiker“ lassen sich leider zu viele Menschen blenden. Strunz schreibt auch, dass man sich wie ein Affe ernähren soll. Da wird jeder Zoologe nur den Kopf schütteln. Strunz ist nicht perfekt und macht bei seinen Ausführungen viele Fehler, er ist eben Physiker und Mediziner, kein Biologe oder Chemiker.

      Wenn du mir einen deutschen „Experten“ zeigst, der jahrelang ketogen gelebt hat … dann gib mir bitte seine Mail-Adresse. Glaubst du nicht, dass die amerikanischen „Experten“ vor knapp 10 Jahren nicht auch so „begeistert“ waren von diesem „magischen Zustand“? Glaubst du wir in Deutschland haben jetzt den heiligen Gral gefunden?

      Ich schreibe deshalb über die Nachteile von einer KD, weil es offensichtlich niemanden gibt, der sich dafür interessiert, obgleich sie real sind. Ich habe sie ja selbst erleben dürfen.
      Das heißt aber nicht, dass jeder (!) plötzlich hohe Cholesterin-Werte etc. hat. Daher auch „Differenzierung“.

      Ich frage mich auch, woher du weißt, dass die ganzen Krebspatienten von ketogener Kost profitieren. Warst du dabei und hast sie betreut? Oder ist „profitieren“ einfach nur, dass sie 30 % länger leben durften? Die „Wunderheilungen“, wie sie Strunz in seinen News schildert sind … Cherry-Picking-Beispiele.

      In den USA gab es auch genug Ärzte, die wollten, dass die Krebs-Behandlung revolutioniert wird. Denkst du nicht, dass wir mehr darüber wüssten, wenn es solche Wunderheilungen am laufenden Band gäbe? Bedenke: Ketogene Diät gibt es seit mehr als 30 Jahren. Es gab schon etliche andere schlaue Menschen vor uns, die genau so argumentiert haben wie du und Dr. Strunz etc.

      Und nochmal: Ich „lebe“ nicht davon, mich von irgendwem abzugrenzen. Ich verdiene hiermit kein Geld und ich brauche auch kein „Alleinstellungsmerkmal“. 5 % von meinen Themen hier handeln von Ketose und ketogener Diät. 5 %,wenn überhaupt. Ich interessiere mich mehr für Mitochondrien und deren Gesundheit.

      Ich will auch niemandem Angst machen. Ich schreibe ja nicht, dass man direkt an irgendetwas stirbt, aber die (möglichen) Nachteile sollte man doch kennen, oder nicht? Oder soll man die Aspekte einfach unter den Tisch fallen lassen, damit es einem (psychisch) besser/gut geht?

      Provokante Thesen nenne ich, wenn man jedem verklickern will, dass es auf dem Planeten (bei Menschen) nie Krebs gab, weil seit 2 Millionen Jahre jedes Individuum in der gleichen ökologischen Nische gelebt und immer „genetisch korrekt“ gegessen hat.

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