Grundlagen der Argumentation

Nachdem ich mich zufälligerweise mit diversen Veganern auseinandersetzen musste auf einer (facebook-)Seite eines bekannten Vegan-Vertreters, ist mir (wieder) klar geworden, in wie weit sich die „Karten“ einzelner Menschen unterscheiden, wie stark die einzelnen Argumentationsgrundlagen variieren.

Ich wusste, dass meine Argumentation völlig wirkungslos sein wird. Dort spielen so viele – für den Mensch – typische psychologische Faktoren eine Rolle, dass eine Argumentation nur selten fruchtet:

  • „Alles wissen“-Paradox
  • „Ego“-Paradox
  • „Dogma“ bzw. „Glaubens“-Paradox

Paradox deshalb, weil viele Menschen so etwas von „außen“ erkennen, aber nicht, wenn sie selbst reden oder denken müssen.

Aufgrund der Eigenheit des menschlichen Gehirns, glauben wir, wir wissen alles, ohne auch nur ein 1/100tel davon zu kennen. Das erkennt man auch daran, wenn ein hochbegabter Chemiker sagt, dass wir allerhöchstens 0,001% der Welt „kennen“. Ich glaube, dass jeder Mensch „meint“, dass er bereits „vieles kennt“.

Das ist ein Schutzmechanismus des Gehirns: Es wäre fatal für das Gehirn, wenn es erkennen würde, dass es eben höchstens 0,001% weiß. Dieses Phänomen muss also ein selektiver Vorteil gewesen sein, eine „Grund-Naivität“, die für unser Überleben sorgt.

Ohne diese „Grund-Naivität“, hätten wir wahrscheinlich nicht mal den Antrieb, morgens aufzustehen.

Und so leben viele Menschen wie bei „The village“ (Film) in einem Dorf, sind fest von ihrem Mikrokosmos überzeugt, in dem man lebt wie im 18ten Jahrhundert, dabei fahren außerhalb ihres Kosmos schon Autos, es gibt moderne Städte und Medizin.

Die Frage ist nur: Wie will man das diesen Menschen klar machen? Klar machen, dass es Medikamente gibt, die ja aber eben auch nicht „vorstellbar“ sind, weil man im eigenen Mikrokosmus nur Holzhütten hat ohne Strom.

Und so wird argumentiert über die Biologie und ich merke, dass ich Argumentatiosgrundlagen voraussetze, die viele Menschen gar nicht kennen.

Einige davon:

  • jede Art ist eine gewisse Lebensweise, an eine gewisse Ernährung angepasst,
  • was sich daraus ergibt, dass unsere DNA, 2,4 Mio. Jahre lang so mit der Umwelt interferierte, dass wir – Homo sapiens – heute so sind.

Weiterhin: Wie genau recherchiert jemand? Woher bezieht er seine Quellen? Aus Meta-Analysen oder biochemischen Analysen? Aus Korrelationsstudien?

Und das hat viel mit Erfahrung zu tun. Man muss gewisse „Wege“ auf dieser Landkarte (siehe oben) „erkunden“, damit man überhaupt mitreden kann.

Ein Grundschulkind wird nicht die Methoden und die Hintergründe einer Lehrerin kennen. Das liegt ganz einfach daran, dass das Kind die Welt auf Stufe 1 des Denkens wahrnimmt, wohingegen der Lehrer die „Mechanik“ dahinter weiß, also auf Stufe 2 denkt.

Außerdem: Der Mensch hat ungern Unrecht. Er möchte immer seinen Standpunkt vertreten und am besten noch Recht haben. Selbst wenn man im tiefsten Herzen davon überzeugt ist, dass der andere Recht hat, dann will man das trotzdem so hindrehen, dass wir ja beide „eigentlich Recht haben“.

Und wenn diese Taktik nicht klappt, dann wird der Mensch meistens beleidigend.

Fängt dann an, den anderen Menschen als „rechthaberisch“ zu betiteln, auch wenn er einfach nur die besseren Argumentationsmethoden hat, das bessere „Stufe 2“-Denken.

Es wäre absolut kein Problem, wenn ein Mensch einsieht, dass man eine Argumentation nicht zwingend „gewinnen“ muss. Eine Diskussion ist wie ein Spiel – derjenige, der die besseren, wissenschaftlich fundierten Argumente hat, am besten abgesichert mit persönlicher Erfahrung, der gewinnt dieses „Spiel“. Der andere ist aber doch deshalb kein schlechter Mensch, sondern hat einfach mit schlechteren Argumentationsgrundlagen diskutiert.

Aber auch hier gilt: Wer „verliert“ schon gerne? Es heißt dann am Ende meistens „das A*schloch“, „ich weiß eh, dass ich Recht habe“, „so ein Spinner“ – Gott sei Dank lernen Kinder in Mannschaftssportarten, dass man sich nach einem „fight“ auch die Hand geben kann: „Heute warst du halt besser“.

Gestern Abend war eine interessante Doku im TV zu sein: Eine Sekte, die ihre Kinder schlägt.

Da war also ein Undercover-Reporter live vor Ort und hat das Geschehen sogar mit einer versteckten Kamera gefilmt.

Lustigerweise wollten die Sekten-Mitglieder diesen Reporter dann verklagen, auch wegen Falschaussagen – der Witz: Er hatte es ja gefilmt. Aber so ist das: Da stehen die Menschen dann da, schlagen ihre Kinder mit dem Stöckchen und behaupten bei einer offiziellen Pressekonferenz dann rotzfrech, dass sie den Kindern „so etwas“ ja niemals antun würden.

Klar: Sie stellen das nicht in einen Moral-Kontext, denn sie glauben daran, dass Gott das so will.

Und somit werden diese Menschen „blind“ für jegliche Form der Argumentation. Sie sagen dann: Das ist keine Misshandlung, das ist kein massiver Eingriff in die Entwicklung der Kinder, sondern es ist Disziplinierung, ein reinigender Akt wieder zu Gott zu finden.

Ich finde, das zeigt so gut, wie das menschliche Gehirn arbeitet: Im Glauben gibt es keine Argumentation mehr.

Glauben schaltet das rationale Gehirn – plus die Moral – einfach aus.

Und so argumentiere ich mit diversen Anhängern verschiedener „Sekten“, die ernsthaft glauben, dass der Körper dazu gedacht war, ihm seine Ernährung zu konzeptionalisieren. Zu sagen: Die Wurst ist scheiße, dann muss das Magerfleisch auch schlecht sein.

Zu sagen: Der Apfel ist „gesund“ (… kennst du die Nährwerttabelle?), dann muss es noch besser sein, wenn ich mich nur davon ernähre.

Und so sehen wir noch eine weitere Eigenschaft des Menschen: Was in Maßen gut ist, muss in Massen noch besser sein.

Unser Gehirn kann nicht exponentiell oder unrhythmisch denken: Es denkt linear.

Die Griechen wollte uns schon vor 2500 Jahren sagen: Junge, dein Verstand hat die Welt nicht erfunden, du bist eigentlich ein limitierter Affe, höre auf dich a) zu überschätzen und b) zu glauben, dass „Radikale“ dir in irgendeiner Weise gut tun, auch wenn dein Gehirn Radikalität liebt.

Aber so ist das.

Im Mittelalter hat man Hexen verbrannt.

Vor 75 Jahren hat man Juden ausgelöscht.

Heute fliegen Bomben, Kinder sterben, weil man meint, im Glauben von Gott zu handeln.

Und: Leute werden gesteinigt, wenn Argumente fallen gegen einen Glauben hinsichtlich der Ernährung.

Das sind die selben Prinzipien, das selbe primitive Denken.

Na und rate mal wo das herkommt?

DU BIST DUMM! 

Du hast nicht gelernt ordentlich zu denken.

Du lebst in Unwissen und plapperst alles nach, was dir irgendein „Heiliger“, „Auserwählter“, „Führer“ oder … „Ernährungsberater“ so erzählt.

Gleiches Prinzip: Diese Leute benutzen ihr eigenes Gehirn nicht.

Mein Vorschlag an dich: Setze dich die nächsten 48 Monate an den Laptop und studiere (!!) Studien-Datenbanken und am besten nur Studien, die nachmessen, nicht Studien, die Korrelationen „finden“.

Und dann haben wir die selbe Grundlage, dann können wir vernünftig reden.

Vorher bist du nur ein unwissender Papagei.

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2 Kommentare, sei der nächste!

  1. „Unser Gehirn kann nicht exponentiell oder unrhythmisch denken: Es denkt linear“.

    Wie wahr! Altbert Bartlett hat dies sehr schön am Beispiel der Bevölkerungsentwicklung und er fossilen Energieversorgung in seiner beliebten Erstsemerstervortlesung für die Wirtschaftswissenschaftler gezeigt. Ich habe hier noch kein einziges Video empfohlen, aber das its in meinen AUgen ein Must-See (Ingenieure, Naturwissenschaftler und Mathematiker ausgenommen):

    https://www.youtube.com/watch?v=u5iFESMAU58

    „The greatest shortcoming of the human race is our inablity to understand the exponential function“

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