Freunde der Sonne

Vielleicht kennt ihn der ein oder andere: Stephan Guyenet, ein Wissenschaftler, der sich mit (deiner) Fettlebigkeit beschäftigt. Ich selbst habe schon mail-Kontakt mit ihm gehabt und mag seine offene, korrekte und freundliche Art.

Doch auch er verfiel 2010/2011 dem low carb Wahn. Das ist ja nichts Neues. Jeder, der in dieser (amerikanischen) Paleo-Welt (damals) bekannt war, hat irgendwie das gleiche gefaselt.

Das Lustige an der Sache ist, dass wir hier in Deutschland ja Spätzünder sind. Wenn sich die Amerikaner also schämen für ihre Empfehlungen, dann kommen die Empfehlungen aus dem Jahr 2010 erst heute bei uns an. Es dauert also noch 4 Jahre, bis wir dann endlich verstehen, dass unser Glaube bullshit war.

Wichtig: Mir geht es in erster Linie um die absurde Idee, den gesundheitlichen Zustand und die Leistungsfähigkeit festzumachen anhand von Kohlenhydrat-Mengen.

Natürlich hat das mittlerweile auch jeder eingesehen. Selber Hype um IF, das Kurzzeit-Fasten.

Man merkt also ganz deutlich immer, wie sehr der Mensch sich nach Lösungen, nach besseren Alternativen sehnt, worauf er dann auch letztendlich sein Ego bauen kann.

Es ist nur immer dumm, wenn man sich die Welt zurecht denkt mit dem begrenzten Verstand.

Egal. Was hat Stephan gemacht?

Er hat drei Mäuse-Gruppen getestet.

  • Eine erhält die Standard-Ernährung (Chow), die seiner Meinung nach okay ist für die Tiere,
  • eine erhält die typische „high fat diet“, die in Wahrheit eine „high fat, high carbohydrate diet“ ist,
  • die letzte Gruppe erhält 4 Monate die HFHC diet, muss aber dann anschließend einen Monat „normal“ (Chow) essen.

Die Frage, die sich Stephan stellte war, ob man eine Leptin-Resistenz umkehren könne.

Leptin ist bekannt als Satt-Hormon, logischerweise steigt der Leptin-Wert im Blut dann an, wenn der Körper eine gewisse Menge an Körperfett gespeichert hat, um nicht noch weiter zuzunehmen.

Leider scheint gerade der Hypothalamus dann nicht mehr auf Leptin zu reagieren, was man Leptin-Resistenz nennt – diese Menschen sind hungrig, obwohl sie viel Leptin im Blut haben.

Stephan also wollte wissen, ob man diese Veränderungen (des Hypothalamus) wieder rückgängig machen kann.

Nach 5 Monaten war er erstaunt: Die vollfette (dritte) Gruppe, verlor innerhalb des einen Monats das komplette überflüssige Körpergewicht – ohne Diät, nur durch „normale“ Kost.

Und: Die Leptin-Resistenz war verschwunden.

Daraus schlussfolgere ich für dich zwei take home messages:

  • Egal WAS (Kohlenhydrate, nicht Kohlenhydrate, Fett, nicht Fett) du isst, sobald du „normal“ isst, wird auch dein Körpergewicht wieder normal. Die Heilsversprechungen irgendeiner besonderen Diät, gilt für jede „Diät“ (= Ernährungsform), wenn sie dein Gewicht reduziert: Blutdruck normal, Diabetes weg, Arteriosklerose weg etc.
  • Leptin-Resistenz ist umkehrbar.

Weil ich genau weiß, dass du überhaupt nicht weißt, welche Ernährung „normal“ ist (trotz, dass ich hier mehrfach darüber geschrieben habe): Natürliche, unverarbeitete Lebensmittel.

Das ist also das Gegenteil von Pizza, Döner, Milchschokolade, McDonalds.

Übrigens ist es auch nicht normal, „keine Kohlenhydrate“ zu essen, aber dann 200g Mandeln als „Snack“ zu konsumieren.

Du solltest dir also vorstellen, dass du ein Buschmann bist, der Nahrung sammelt. Dort wirst du also kaum 200g Mandeln „pflücken“, einen „Olivenöl“-Baum finden oder Käse-Fondue (ist ja auch „no carb“).

Hier ist die Arbeit von Stephan.

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5 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Chris,

    ich glaube, du irrst dich mit den Mandeln.
    Soeben habe ich von Nat Geographic eine Doku über die San in der Kalahari gesehen..über ihre Jagdmethoden, das stundenlange Laufen. Sie hatten einen Monat lang kein Fleisch gegessen. Es wurde gezeigt, wie sie beutelweise (!)eine Art Nüsse gesammelt haben (mineralienhaltige Mangetti-Nüsse: mit 24% Protein und 60% Öl ), betont wurde extra „eine ausgezeichnete Energiequelle bei der Jagd, welche ihnen das Leben retten kann“, sie dienten als Zwischennahrung bis wieder Fleisch zur Verfügung stand. Also dauerte diese „Nußernährung“ schon ein paar Wochen an… Ich denke, da können wir uns auch mal ein paar Mandeln genehmigen..;-)
    VG und immer wieder Kompliment und danke für deine Kompetenz!
    Diana

    1. Hallo Diana,

      du solltest mein Buch lesen! Dort erzähle ich ausführlich über die Kung San und auch über das, was du hier berichtest.
      Die Nuss heißt: Mongongo.

      Die Buschmänner der Kalahari stellen – bezogen auf die Diversität der Nahrungsmittel – die absolute Ausnahme dar, denn sie beschränken sich sehr auf dieses sehr energiereiche Nahrungsmittel.

      Mein Beispiel sollte aber nicht direkt als Fakten-Grundlage dienen, sondern ein überspitztes Beispiel darstellen bzgl. der Absurdität der „Diäten-Vielfalt“ dieser Tage.

      Der eigentliche Grund, warum „200 g Nüsse“ nicht „normal“ sind bei uns … Die Buschmänner sorgen dafür, dass die Anti-Nährstoffe entfernt werden. 200 g Mandeln vom Supermarkt ist also nicht gleichzusetzen mit 200 g präparierte Mongongo-Nuss der Buschmänner.

      Vielen Dank für dein Feedback!

      Schöne Grüße,
      Chris

  2. Hi Chris,

    es wurde direkt gezeigt, wie sie die Nüsse während der Jagd vom Boden aufsammelten und die harte Schale sofort mit der breiten Spitze ihres Messers spalteten und aßen. Man hat nichts von Präparation gesehen oder erwähnt. Auch wurden sie in der Doku Mangetti-Nüsse genannt, das war jetzt kein Fehler von mir, Mongongo ist nur ein anderer Name für diese Nuss. (Der Baum heißt ja eigentlich Manketti-Baum). Es waren übrigens San aus Südafrika.
    Ich hatte eben bei dieser Doku gleich an diesen Artikel von dir gedacht, da sie die Nüsse so vom Boden aufgesammelt gleich aßen.
    VG Diana

    1. Hallo Diana,

      ja – das steht völlig außer Frage! Aber meinst du nicht, dass „ein paar Nüsse auflesen und essen“ nicht gleichzusetzen ist mit meiner Ausführung „ernähre dich nicht nur von Mandel (200 g) pro Tag“?

      Du kannst mal bei Wikipedia nachlesen oder in Büchern, in wie weit die Buschmänner die Mongongo-Nuss als Hauptnahrungsmittel verwenden. Die machen beispielsweise auch Suppen daraus.

      Wie gesagt: Es ging mir nicht darum, die Nuss zu verurteilen, sondern eher darum zu zeigen, dass es nicht normal ist, nur von Reinfett zu leben in Form von Nüssen – in der Natur muss man die Nüsse eben intensiv bearbeiten, dass sie als Nahrungsgrundlage dienen können. Siehe meine Artikel zu Phytinsäure etc.

      Wir reden gerade ein bisschen aneinander vorbei, glaube ich 🙂

      Herzlich,
      Chris

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