Fanatismus

Fanatismus sehen wir derzeit – wie so oft – im Nahen Osten. Dort gibt derzeit eine unfassbar radikale Terror-Gruppe. Sie töten und vertreiben im Glauben.

Das ist einfach unfassbar. Wir töten im Glauben.

Wenn wir uns nur eine Sekunde von außen betrachten würden, dann würden wir erkennen, welch limitierte Art wir doch sind.

Dieses menschliche Gehirn ist genial, genauso wie wahnsinnig. Es ist das Gehirn, das bist nicht du! Du schaust nur zu, du bist nur „dabei“, aber dein Gehirn färbt dir die Welt, du machst nur das, was dir dein Gehirn als richtig markiert.

Vor 2000 Jahren gab es nichts. Wenn ich in dieser Zeit also krank wurde… an was habe ich dann gedacht? „Ich bin jetzt krank“? Wohl kaum. Das menschliche Gehirn wird immer nach Logiken suchen, nach Begründungen. Und weil es keine Begründung gab, für etwas, das mich „gerade befällt“, war es halt das Unsichtbare, das Böse, das Todbringende.

Vor 2000 Jahren gab es kein gutes Essen. Ihr glaubt immer, dass die Menschen dort genauso waren wie wir, genauso gelebt haben etc. Man muss ja davon ausgehen, weil man keine andere Referenz, keine andere Erfahrung hat. Man kann sich nicht in etwas einfühlen, was man selbst nicht schon erlebt hat. So viel zum Thema Empathie.

Aber trotzdem: Ihr ernährt euch doch super, habt aber trotzdem ständig irgendwelche Defizienzen.

Und vor 2000 Jahren hat man von Vitamin B (etc.) so viel gewusst, wie wir heute über… ja, dazu fällt mir kein Beispiel ein. Einfach deshalb, weil es dieses Thema, Vitamin B (etc.) nicht gab.

Wusstet ihr, dass man in jedem Biochemie-Buch lesen kann, dass Vitamin B12 Mangel, eine Halluzination hervorrufen kann? Eine Psychose?

Das Gleiche gilt für Vitamin B1.

Okay. Wenn also vor 2000 Jahren einer auf die Idee kommt ein Buch zu schreiben, das eine Geschichte erzählt, dann… kommen im Jahr 2014 immer noch Menschen auf die Idee, jede Zeile, jeden Buchstaben wörtlich zu nehmen. Nicht einmal sinngemäß, „hier hast du ein paar gute Lebensregeln“, sondern wörtlich. Jedes einzelne Wort.

Nicht geschrieben von einem Gott, sondern von Menschen, die genauso – oder noch mehr – limitiert waren wie du, ich, wir alle. Nur, dass die dort gar nix hatten. Kein gescheites Essen, keine Bildung, kein gar nix.

Ich brauche kein Buch um im tiefen Inneren eine Wahrheit zu finden für mich. 

Ich bin mir sicher: Falls es einen Gott gibt, dann wird er mich akzeptieren wie ich bin. Dazu muss ich nicht alle 2 Stunden ein Gebet sprechen oder einer speziellen Religion angehören.

Apropos Religion… 

Essen.

Fanatismus sehen wir auch beim Essen. Es gibt Leute, die ernsthaft glauben, sie seien jetzt ganz besonders „cool“, weil sie eine bestimmte Art von Ernährung für sich entdeckt haben. Und diese Art von Ernährung wird so hart verteidigt, wie nur irgendwie möglich.

Junge – bleibe doch mal normal. Ernährung ist ein Teil des Ganzen. Eine korrekte Ernährung wird auch (womöglich) helfen, insgesamt wieder in die Spur zu kommen. Wird vielleicht dafür sorgen, dass du wieder zufriedener mit dir bist, du dich wieder wohler fühlst, wieder mehr Spaß am Leben hast, dich wieder öffnest, dich mehr mit Freunden triffst, aktiver bist, dir Hunde kaufst, dich dazu entscheidest, wieder mehr Sport zu machen.

Aber siehst du nicht, dass die Liste deutlich länger ist, als nur „Ernährung“ allein?

Und du freust dich, weil du morgens dein komisches Eiweißpulver vom Guru löffeln kannst.

Ich gehe in der Zeit, total ausgeschlafen, mit meinem kleinen Hund auf dem Feldweg, an meinen Hügel und schaue auf den Pfälzer Wald. Atme die frische Luft ein und freue mich, dass mein kleiner Hund jetzt „Sitz!“ gelernt hat. Ich habe in der Zwischenzeit nicht einmal über irgendein komisches Eiweißpulver nachgedacht.

Wetten, dass mir mich das gesünder macht? Als ein komisches Eiweißpulver?

Mensch-sein ist schwer.

Es ist deshalb schwer, weil wir ständig den Eindruck haben, wir müssten etwas Besonderes machen. Extreme sind in. Wir bewundern es, wenn jemand 18 Stunden am Tag arbeitet, den Ironman absolviert, heute nicht nur „low“ sondern „no“ carb isst, lieber nicht nur laufen geht, sondern am besten auch noch 10 Stunden.

Wir hören auf Menschen, die selbst absurd extrem in ihrem Denken sind, meinen „das ist gut“ und verrennen uns selbst in den Extremen. Und mit diesen Extremen kommen die nächsten Probleme.

„Laufen ist gesund“ – genau. Dann ist der Ironman natürlich noch besser.

Wir sind verbissen. Denn der eigentliche Teil in deinem Körper, der den Ironman bestehen will, ist nicht die Arterie, dein Muskel, dein Herz, dein Pipimann, sondern einzig allein dein verkorkstes Ego.

Ich respektiere es absolut, wenn jemand am Ironman teilnimmt. Aber ich kenne meine Athleten. Ich weiß das, weil ich selbst aus der Ecke komme.

Das, was wir nicht können, ist normal bleiben. Wir haben uns nicht „normal“ verhalten, deshalb wurden wir krank. Wir hätten ein paar Sachen ändern müssen, aber weil wir jetzt keinen Diabetes mehr haben aufgrund der veganen Ernährung, muss das die ultimative Lösung sein. Wer weiß schon, dass der Diabetes nichts mit veganer Ernährung zu tun hat, sondern mit der Tatsache, dass wir den anomalen Körperfettanteil gesenkt haben. Woher kommt der Körperfettanteil? Ja, frage dich das mal. Bist du vielleicht eine Fress-Maschine, weil deine Psyche katastrophal aussieht? Ja, komisch.

Aber, weil vegane Ernährung das nächste Extrem ist, dauert es nicht lange und wir haben wieder Probleme an der Backe. Die Libido ist weg. Testosteron ist weg.

Und so geht dieses Spielchen weiter.

Waren wir jemals normal?

Normal-sein bedeutet, das zu machen, was der Körper von einem will.

Mein Hund wird mittags müde und will schlafen. Der gibt sein Geld nicht für Eiweißpulver aus, in der Erwartung, er wäre dann nie wieder müde.

Aber mein Hund lebt halt auch normal. Der hat normale Blutwerte, keine extremen Mängel überall so wie du. Der bewegt sich halt auch 2-3-4x pro Tag und freut sich, wenn er einen sieht. Der frisst gerne und ist gerne an der frischen Luft, während du zu faul bist, 3 Treppenstufen zu steigen.

Glaubt ihr denn wirklich, dass eine Art der Gattung homo, jemals das gemacht hat, auf was sie kein Bock hatte? Wieso gibt es so etwas wie „Bock“ überhaupt? Wir können nichts mögen, was nicht förderlich für unsere Entwicklung war und umgekehrt können wir nicht mögen, was unserer Entwicklung abträglich war.

Kein einziger Mensch wäre jemals auf die glorreiche Idee gekommen, bei Puls 165 stundenlang durch den Wald zu joggen. Nicht bei Puls 165, wie du das jeden Tag machst, weil du dich auf irgendwelche Läufe vorbereitest.

Stundenlanges Laufen bei Puls 165 wäre das Unökonomischste gewesen, was eine Art der Gattung homo jemals hätte tun können.

Kein einziger Vertreter von Jägern und Sammlern „joggt“ gerne. Die liegen faul in der Gegend herum. Die haben nicht mal mehr Kalorien-Ausgaben als ihr.

Denkt ihr, die haben mehr Bock sich da durch die Gegend zu schaukeln als ihr?

Hört doch mal auf immer zu glauben, dass das Leben vor 20.000 Jahren die „Hölle“ war.

„Die mussten sich ja auch stundenlang bewegen“ – die mussten gar nix. Homo sapiens war nicht saudumm. Die haben sich wohl ökologische Nischen gesucht, die sehr ergiebig waren.

Hast du mal ein Mammut gejagt und weißt, wie viel Fleisch und Fett das ist? Das ist eine Monatsration Fett, ausgedrückt in Kalorien.

Du kannst glauben was du willst, aber 95% von dem, was im Internet geschrieben wird, ist frei erfunden, falsch interpretiert oder erzählt wie eine schöne Märchengeschichte.

Bist du ein Fanatiker?

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2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Sehr guter Beitrag!
    Deine oft schon angesprochene „Mäßigung“ ist glaube ich ein durchaus güldener Weg zu einem stabilen und gesunden Leben.

    Aber was sagst du denn zu den Tarahumara / Raramuri-Indianern (Raramuri = jene, die schnell rennen“) in Mexiko?
    Gemäß meiner Recherchen im Netz und dem Buch „Born to run“ (ich habs leider nicht nicht komplett gelesen) sind die ja in der Lage, bis zu 300km Dauerläufe durchzuführen.
    Und das mit viel Freude! Die halten Treibjagten auf Wildtiere in den Canyons ab und laufen und laufen und laufen.
    Hier mal was Wikipedia dazu meint: http://de.wikipedia.org/wiki/Tarahumara

    Auf jeden Fall interessant…vielleicht gibt es zwischen den Ethnien doch auch einfach kleine, aber feine genetische Unterschiede, die in Verbindung mit den Umweltfaktoren dann solche Lebensmuster ausprägen.

    1. Vielen Dank.

      Ich denke, dass es einen großen Unterschied macht, ob Tarahumara leben wie im Paradies und dann 200km vor sich hintraben.

      Tarahumara leben tatsächlich wie im Paradies, wenn man sie mit unserem Lebensstil vergleicht.

      Sie leben in der Sonne, in abgelegenen Bergen, feiern jeden Tag, jeden Abend werden mehrere Liter ihres eigenen Bieres getrunken.

      Was ich damit sagen will: Die arbeiten nicht jeden Tag 10 Stunden hart im Konkurrenzkampf mit anderen, sind dem enormen psychischen Stress ausgesetzt wie wir, haben viel mehr Kontakt zur psycho-stabilisierenden Natur, sind sozial deutlich gefestigter und feiern tatsächlich täglich.

      In diesem Zusammenhang wird ein Lauf, ohne Konkurrenz, der auch noch deutlich weniger Tempo hat, ohne Wettkampfcharakter, ganz anders zu beurteilen sein.

      Es gibt schöne Aufnahmen, wo sie Läufe „veranstalten“, aber das hat Volksfest-Charakter und kein Ironman-Charakter, wo manche für ihren Erfolg sogar sterben würden.

      Und dann glaube ich auch, dass es genetische Unterschiede gibt.
      Buschmänner aus der Kalahari, die nur 1.54m groß sind und ca. 50kg wiegen, können weite Distanzen ohne Probleme zurücklegen.
      Männer, die 95kg wiegen… naja 🙂

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