Das menschliche Gehirn

Unser Gehirn ist – bezogen auf seine Fähigkeiten – leider sehr limitiert.

Das wird einem schon im alltäglichen Leben bewusst, dann, wenn man merkt, dass a) andere nicht denken können oder b) man selbst (wie so oft) nicht denken kann.

Was meine ich denn „nicht denken können“?

Metakognition – das Denken über dem Denken, wird nur von sehr wenigen Menschen praktiziert (behaupte ich!) und wird meistens erst dann relevant, wenn das Gewissen einsetzt.

Was selten verstanden wird, ist die Tatsache, dass DU nicht DEIN GEHIRN bist (Buchtitel: You are not your brain). Viele Prozesse laufen automatisiert ab. Damit meine ich nicht, dass sie von dir – wie das Autofahren – explizit einstudiert wurden, sondern sind Verhaltensmuster, die nicht nur fest in deinem Gehirn einprogrammiert sind – viel mehr gibt es Verhaltensmuster, die 2,4 Mio. Jahre auf dem Buckel haben.

Ich würde jetzt gerne mal ein paar Beispiele aus Männlein-Weiblein-Beziehungen bringen, aber das soll doch lieber Mario Barth machen.

Hier mal ein anderes, sehr klassisches Beispiel:

Ich schreibe einen Artikel, einen Kommentar o.ä. zum Thema Kohlenhydrate, wie ich das eigentlich relativ regelmäßig mache. Bei einigen wird im Kopf die Alarmglocke angehen: „Der hat eine Fett-Phobie oder der will ein low fat Dogma vertreten oder so etwas“. Das habe ich alles schon gehört.

Das, war ein Beispiel eines Affengehirns.

Ich habe über Kohlenhydrate berichtet – ich habe nicht berichtet darüber, wie schlecht Fett ist oder dass ich den Kohlenhydrat-Konsum toll finde.

Und genau das ist ein Punkt, den viele Menschen missverstehen: Nur, weil man über eine Sache diskutiert, heißt das nicht, dass man eine direkte Position einnimmt.

Aber das menschliche Gehirn macht es sich ganz einfach: Es kontrastiert nicht stark genug, sondern erkennt nur Umrisse. Das heißt, es muss nur Aussehen, als sei es der Feind und dann wird es zum Feind.

Das ist ein Teil eines (übersteigerten) logischen Denkens: Mann A sagt, dass er nicht möchte, dass so viele Ausländer nach Deutschland kommen, daraus folgt, er ist ausländerfeindlich. Im schlimmsten Fall wird er öffentlich gesteinigt und als „Nazi“ beschimpft. Dann ist die Kacke am Dampfen.

Bevor dein Affengehirn hier schlussfolgert: Nein, ich bin nicht ausländerfeindlich und nein, von mir aus kann jeder nach Deutschland kommen.

Wieso passiert das eigentlich?

Jeder Gedanke ist mit einer Emotion verbunden, diese Emotion schafft quasi das gedankliche Umfeld. Schon ein Wort kann Dopamin (etc.) massiv ansteigen lassen. Im Gegenzug kann ein Wort, Dopamin (etc.) massiv sinken lassen.

Viele Menschen sind genau diesen zwei Tatsachen unterworfen. Schon in ganz banalen Diskussionen. Nur das Problem ist: Wenn Dopamin sich verabschiedet, dann können wir nicht mehr richtig denken. Zur Erinnerung: Ein Wort im Kopf reicht und dein Gefühl wird stark negativ.

EGAL! ob das der Realität entspricht (es IST negativ), oder nicht. Daraus ergeben sich so unendlich viele Probleme.

Ein Beispiel ist das Unterstellen. Wieso kann man nicht einfach aufhören, anderen eine Absicht zu unterstellen? Nicht jeder „plant“ jede „Tat“ bis ins Detail.

Und so kann ein Strauß Rosen unglücklich machen: „Den hast du mir sowieso nur geschenkt, weil XY“. Dopamin im Keller.

Was will ich mit dem Post überhaupt sagen?

Lerne dein Gehirn kennen, lerne das Gehirn anderer Menschen kennen und lerne, dass es auch im Gehirn Gesetze gibt. Du sollst nicht aufgrund von „Fehlinterpretationen“ deines Gehirns, falsche Lebensentscheidungen treffen.

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  • Michael

    Schon der Buddha soll gesagt haben:
    „It is your mind that created this world!“

    Hirnforscher können heute erklären, was Buddhisten seit Jahrtausenden wissen: Das Gehirn ist wandlungsfähig – und zwar viel mehr, als die westliche Welt es für möglich gehalten hätte. Je mehr man das Gehirn (ua durch Meditation) trainiert, desto besser wird es. Eine Revolution der Hirnforschung verändert das Menschenbild.
    siehe auch Singer-Hirnfoschung
    LG
    Michael