Muskelaufbau – der moderne Weg

Viele leben bezüglich des heutigen Wissens eher hinterm Mond, als vorm Laptop.

Das liegt ganz einfach an einem Paradoxon unserer Gesellschaft. Menschen, die erforschen, erforschen meistens nicht fachübergreifend. Schon Wissenschaftler verstehen selten einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Sphären. Fachidioten, wenig Systemanalytik. Wenn dann tatsächlich etwas publiziert wird, dann bedarf es einer schlauen Person, um die Ergebnisse korrekt zusammenzufassen, weiter zu denken und auf unser Leben zu projizieren – alles andere würde auch keinen Sinn machen, denn was bringt denn Wissen, wenn es wenig oder nichts für unser alltägliches Leben bereithält?

Meistens läuft der Hase aber ganz anders und das Wissen wird von falschen Leuten aufgefasst, die das Falsche daraus lesen. Oder noch besser: Von Behörden, die 10 Jahre brauchen, um den Sachverhalt zu prüfen. Und wie ich bereits geschrieben hatte, ist es dann – selbst wenn es gut ist – lange nicht sicher, ob es tatsächlich auch beim Endverbraucher ankommt, denn zwischendrin muss das Wissen Menschengruppen durchlaufen, die diverse wirtschaftliche (etc.) Interessen vertreten – Dogma vernichtet Wissen.

Und letztendlich: Sickert das dann überhaupt irgendwann durch?

Wenn ja, dann sind meistens „Gelehrte“ am Werk, am Vermitteln, die gar nicht vermitteln können. Die verstehen dann die Sachen nicht richtig oder unterliegen einer „political correctness“.

Und wir Normalos sind die Unwissenden, die Unterlegenen und total verwirrt.

Im Bodybuilding ist man weiter. Dort werden Forscher ordentlich finanziert und die können dann publizieren und ihre Ergebnisse direkt auf den Markt… ääh an den Mann bringen. Oder: Forscher schnappen Sachen auf und gehen vorwärts, trauen sich mehr als andere. Das sind Menschen, die lieber mal einen Fehler machen, als immer keine Freude am Dasein zu haben. Das sind Menschen, die begeisterungsfähig sind. 

Die freuen sich, wenn sie mal wieder etwas entdeckt haben, was mTOR aktiviert und vor Sarkopenie schützt. Wieso sollten wir dann immer sagen: Das aktiviert zwar mTOR, aber… Menschen, die „aber“ sagen, sind noch nie weitergekommen. Auf die Schnauze fallen tut weh, aber nie vorwärts zu kommen tut noch mehr weh.

Das Jahr 2013 hat einen neuen Star hervorgebracht, Phosphatidsäure.

In dieser Sportswelt funktioniert einiges schneller als im wahren Leben. Ich hatte ja bereits darüber berichtet – molekulare Ebene.

Man kann das natürlich auch in vivo studieren.

  • Im Menschen könnte Phosphatidsäure dafür sorgen, dass man 10kg mehr drücken kann, an Stelle von 5kg,
  • es könnte dafür sorgen, dass man 17kg, an Stelle von 13kg squatten kann,
  • es könnte dafür sorgen, dass man 1,5kg Muskulatur aufbaut, an Stelle von 200g.

(Hoffman et al., 2012)

Das sind nie da gewesene Zahlen – nicht einmal Kreatin kann solche Zahlen überbieten.  

Und anstatt morgen Phosphatidsäure zu kaufen, höre ich schon wieder das „…aber“.

Phosphatidsäure moduliert ganz einfach – als integraler Bestandteil der Zellmembran – die mTOR-Antwort auf exogene Reize.

Man kann das natürlich weiterspinnen. Man kann – heute – Muskelaufbau „lenken“. Man kann sich Insulin-Sensitivität selbst machen.

Was ist denn, wenn man…

  • L-Carnitin
  • Taurin
  • Kreatin

dazu gibt?

Oder, wenn man – ganz neu – Estragon-Extrakt dazu gibt? 

Estragon, also Artemisia dracunculus L. extract, macht menschliche Muskelzellen, die insulinresistent sind, wieder „ganz normal“. Diese insulinresistenten Muskelzellen nehmen wieder Glukose auf, wie völlig normale Muskelzellen.

Das hat man bereits in vivo in Ratten getestet und das klappt jetzt auch – noch in vitro – bei menschlichen Muskelzellen.

(Haynie et al., 2014)

Natürlich wieder – wie immer – über den PI3k/Akt/mTOR-Signalweg.

Ich weiß – ich empfehle hier ständig, irgendwelche Pillen zu schlucken. Aber man muss alles im Kontext sehen. Es gibt Menschen, die ganz dringend auf ein solches Wissen angewiesen sind. Diabetiker zum Beispiel oder Menschen, die es nie werden möchte und ganz einfach auf Nummer sicher gehen wollen. Oder Menschen mit einer kardialen Dysfunktion, das heißt zum Beispiel mit Herzinsuffizenz. Wir wissen doch heute genau, wie wir Stammzellen im Herzen selbst züchten können.

Seht ihr, so etwas nenne ich fachübergreifendes Denken.

Das Problem dabei ist, dass wir niemals auf eine Akzeptanz stoßen werden, weil das Vorwissen ganz einfach fehlt. Die „Karte“ mancher Menschen ist ganz einfach noch sehr begrenzt.

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2 Kommentare, sei der nächste!

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