Lehreinheit: Biochemische Kenntnisse im Alltag

Aus gegebenem Anlass, möchte ich kurz auf eine Sache eingehen, die mir sehr wichtig ist. Ich möchte in diesem Punkt eure Karte erweitern.

Lean beef can be enjoyed as the predominant protein source in a DASH-like diet, along with fruits, vegetables and low-fat dairy, to effectively help lower blood pressure in healthy individuals, the researchers report in the Journal of Human Hypertension. This DASH-like diet is also called theBOLD+ diet — Beef in an Optimal Lean Diet plus additional protein.

Kris-Etherton and colleagues tested four diets to find the effects on vascular health. The diets tested included the Healthy American Diet — which served as the control — the BOLD+ diet, the BOLD diet and the DASH diet.

The control diet consisted of 0.7 ounces of lean beef per daywhile the DASH diet included 1.0 ounce. The BOLD diet had 4.0 ounces and theBOLD+ diet included 5.4 ounces of lean beef.

The researchers tested the four different diets with 36 participants, between the ages of 30 and 65. All participants followed each diet at different times throughout the study period. Subjects were randomly assigned an order to follow each of the four diet plans for five weeks each, with a break of one week in between each new plan. Blood pressure was taken at the beginning and end of each diet period.

The BOLD+ diet was more effective at reducing blood pressure when compared to the other diets tested.

„This evidence suggests that it is the total protein intake — not the type of protein — that is instrumental in reducing blood pressure, as part of a DASH-like dietary pattern,“ the researchers stated.

Hier geht es also um die Tatsache, dass mageres Rindfleisch ruhig auch in eine Diät eingebaut werden kann, die den Blutdruck senken soll. Und – das war ein wesentlicher Punkt – diese Sache besser funktioniert, je mehr Protein man isst.

Jetzt bin ich ja auch in facebook unterwegs und schaue mir jeden Tag irgendwelche science Gruppen an – vielleicht habe ich ja irgendwo etwas übersehen hinsichtlich neuer Arbeiten etc.

Und dann sind immer so Schlaubi-Schlümpfe unterwegs, die sich dann beschweren, dass man ja nur „mageres Fleisch“ getestet hätte, nicht aber „fettes Fleisch“, dass man so einer Studie, die Magerfleisch empfiehlt ja nicht trauen kann – fat phobia.

Ich habe dann natürlich geantwortet, dass sie den Punkt gar nicht verstanden haben.

Hinsichtlich solcher Arbeiten, leben wir noch immer im Mittelalter, denn wir diskutieren auf Stufe I nicht auf Stufe II:

Viele bewegen sich konstant auf Stufe I, testen irgendwelche Nahrungsmittel und sehen einen Effekt auf Stufe 3, der „Endstufe“ sozusagen, also auf der Stufe, wo dann tatsächlich etwas passiert. Da würde ich sagen: „Die verstehen die Zusammenhänge einfach nicht“.

Und so geht das mit allem. Viele Menschen raten auf Stufe I rum, in der Erwartung, auf Stufe III passiert etwas. Ich finde, das ist Mittelalter-Niveau.

Und deshalb werde ich in 100 Jahren auch nicht verstehen, wie man vegan leben kann. Ich werde es einfach nicht verstehen, völlig ungeachtet der Tatsache wie Homo sapiens die letzten 80.000 Jahre gelebt hat. Ich verstehe die moralischen Aspekte,  die ethischen Gründe etc. – aber es gibt keine biochemischen Hintergründe!

Noch einmal zurück zum „Stufen-Konzept“.

Das war die einfachste Variante. Mehr Protein heißt mehr Arginin heißt weniger Blutdruck.

Schwierig wird es, wenn es parallele Konzepte gibt. Beispielsweise dann, wenn ja tatsächlich auch Gewichtsverlust den Blutdruck senkt. Dann heißt es gleich: Siehste, Arginin macht das ja doch nicht alleine.

Jede einzelne Stufe ist somit anfällig für diverse Dogmen.

Ganz schlimm wird es, wenn Menschen Stufe II gar nicht kennen. Die glauben dann tatsächlich, dass irgendein Nahrungsmittel an sich, einen Effekt auf Stufe III zeigt. Also, die wissen gar nicht, dass Stufe II überhaupt existiert, dass dort einzelne Substanzen drin sein könnten, die da wirken. Oder sie kennen Stufe II, wissen aber nicht, wie die tatsächlich zusammengesetzt ist.

Ein klassisches Beispiel wäre der Typ, der mit veganer Ernährung 50 Kilogramm abgenommen hat. Wer jetzt Stufe II kennen würde, würde wissen und analysieren, was denn auf Stufe II so ankommt und würde sehen, dass der Gewichtsverlust nicht durch „vegane Ernährung“ hervorgerufen wurde, sondern durch eine Kalorienzahl – aber Kalorien zählen nicht mehr heutzutage. Liegt somit bestimmt am Grüntee. 🙂

Und da wären wir wieder beim Karten-Modell. Menschen, die sich also konstant auf Stufe I der Argumentation bewegen, sind anfällig für „Glauben“. Die Glauben dann, dass man mit Apfelessig abnehmen kann. Mein Gehirn analysiert Apfelessig auf Stufe II, sieht, dass da noch nicht einmal ein Polyphenol enthalten ist, was irgendwie einen Effekt haben könnte und … Ja, was mache ich dann? Zu sagen: „Ja hör mal, da ist aber nichts drin, was dir beim Abnehmen helfen könnte“, bringt nicht’s, denn dann ist man ja der Klugscheißer – außerdem: Glauben ist so stark.

Oder es kommt ein Veganer ganz stolz und sagt, er habe gelesen, dass Milch ja „verschleimt“ und sowieso Calcium „entzieht“. So etwas kann man noch akzeptieren. Aber wenn dann hinterher geschoben wird: In Sesam ist auch viel Calcium drin, dann hört der Spaß halt auf, weil die Leute mit solchen Tipps, andere Leute vergiften. Sesam enthält Phytinsäure und auch Phytoöstrogene. Das sind alles Substanzen, die man nicht im Darm haben möchte.

Letztendlich absichern kann man sich nur, wenn man sich löst vom „menschlichen“ Gedankenkonzept und akzeptiert eine andere Größenordnung, die Evolution.

Die kann uns dann nämlich erklären, warum und wie viel.

Man kann im Prinzip „gedanklich“ nur auf Stufe II leben und seine Ernährung dann nach oben auf Stufe I anpassen – nicht umgekehrt. Ich möchte genug Arginin, dann ernähre ich mich so, dass ich das über Lebensmittel aufnehme, die konform sind mit meinem evolutiven Hintergrund und genau die Menge davon, die mir mein evolutiver Hintergrund vorschreibt.

Genau genommen, müssten wir noch eine Stufe zwischen II und III einbauen, die Stufe der Hormone, die durch Stufe II beeinflusst werden.

Aber wir können festhalten: Du musst deine Biochemie verstehen, um zu wissen. Verbleibst du auf Stufe I, dann musst du glauben – das ist keine gute Argumentationsgrundlage.

PS. Morgen steht in der Bildzeit „Fleisch macht Herzinfarkt“, dabei hatte Loren Cordain vor 10 Jahren schon getitelt „Magerfleisch hat keinen Einfluss auf auf die Entwicklung von Herzinfarkt“ – siehe da. Wie denn auch? Seit wann macht dein Proteinshake Herzinfarkt?

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8 Kommentare, sei der nächste!

  1. Was würdest du einem Menschen erzählen, der aus ethischen Gründen sich vegan ernähren möchte?

    Nimm zusätzlich ein
    Arginin
    Carnitin
    Retinol
    Vitamin B12
    Protein
    n3 Fettsäuren
    Calcium
    Eisen
    Zink
    Jod
    Selen

  2. Also, nur weil du Calciumbedarf und Apfelessig dort oben fast in einem Atemzug erwähnst: Weil Milch und all ihre Derivate mir mittlerweile suspekt sind, aber ich natürlich die Giftigkeit von Körnern aus Erfahrung (!) kenne und obendrein kein Illusionist bin, machte ich mich etwas schlau. Für dich zum Überfliegen: http://www.paracelsus-magazin.de/alle-ausgaben/59-heft-032012/867-apfelessig-stoffwechselregulator-aktivator-und-bewaehrtes-hausmittel.html
    Und noch biochemisch präziser: http://www.ernaehrungs-umschau.de/media/pdf/pdf_2007/02_07/EU02_81_82.pdf
    Wenn etwas nicht-tierisches „magisch“ anschlägt, sind es eben nicht immer nur i-welche Mikros – manchmal kann es ganz einfach sein.

    Ich gebe also in meinen abendlichen Fenchelmuß einen Esslöffel Bio-Apfelessig und dahinein noch 300mg (penibel abgewogen) feinst zerriebene Eierschalen. Das Ganze würze ich mit Kalium- und Magnesiumchlorid, NaCl bleibt außen vor, um die Aufnahme von Ca zu forcieren und das Phosphat aus den Hefeflocken nicht übermäßig ins Blut zu schleusen. Bin ich nun genial – oder blauäugig?

  3. Hallo Dawid,

    Essig sorgt für verlangsamte Magenentleerung und wohl für einen niedrigeren Blutzucker-Anstieg. Das aber hat wenig Relevanz für gesunde Menschen und die Effekte sind auch nicht so ausgeprägt, als dass dies therapeutisches Potenzial hätte.

    Auch als AMPK-Aktivator dient Apfelessig allerhöchstens in Ratten – die Dosis, auf den Mensch übertragen, wäre viel zu hoch. Außerdem sorgt Apfelessig in diesen Dosen vor abnorme morphologische Veränderungen der Leber.

    Mir ging es in diesem Artikel aber nicht darum, Dinge, die „nicht-tierisch“ sind zu verurteilen, sondern die Verhältnisse zurechtzurücken.

    Leute sollten sich um ihren Mikronährstoff – und Hormonhaushalt kümmern, nicht um 30ml Apfelessig, der Blutglukose um 3% senkt.

    LG, Chris

      1. Hi,

        du hast natürlich recht 🙁

        Leider weiß ich gar nicht mehr, welche Bilder da waren, der Artikel ist schlicht alt geworden 🙂

        Ich überarbeite ihn aber die Tage!

        Herzlich,
        CM

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