Bist du ein guter Läufer oder ein Neanderthaler?

Hochinteressant ist die Frage, wie gut deine Laufeffizienz ist oder besser: Warum der kleine Dicke immer ins Tor muss. Es ist nämlich nicht nur ein Problem der Leibesfülle, sondern vielmehr auch ein Problem der Länge der Gliedmaßen, genauer: Der Unterschenkel-Länge.

Ein Satz könnte womöglich deine komplette sportliche Laufbahn auf den Kopf stellen, dieser eine Satz könnte darüber entscheiden, ob du das Laufen besser anderen überlässt, könnte der Grund sein, warum du niemals – nicht jetzt und auch nicht mit 1000 Stunden Training – ein guter Läufer sein wirst.

Neanderthals are estimated to have had locomotor costs 30% greater than those of contemporary
anatomically modern humans […]

Du fragst dich jetzt sicherlich, was das soll. Du bist ja kein Neanderthaler. Aber aufgepasst:

Es geht hier um die Lauf-Effizienz, die maßgeblich durch die Länge der Unterschenkel bestimmt wird. Das nennt man Crural-Index. Da setzt man die Länge der Unterschenkel in Relation zur Länge der Oberschenkel und erhält dann einen Wert.

Der Wert reicht von niedrigen 0,78 (Neanderthaler; Samen) bis hin zu extrem hohen Wert von Schwarzafrikanern mit ca. 0,86.

Wer Biologie in der Schule hatte, der weiß: Dieses Phänomen wird beschrieben mit Hilfe der Allen’schen Regel. Körperanhänge werden dort kleiner, wo es kalt ist und dort länger, wo es warm ist. Logischerweise deshalb, weil in kalten Regionen Wärme gespeichert werden muss und in warmen Regionen Wärme abgegeben werden sollte.

Jetzt fangen wir mal an zu denken: Dort oben steht, dass Neanderthaler beim Laufen bis zu 30% mehr Energie verschwenden. Jetzt steht da ja – im Graphen zu erkennen – geschrieben, dass Samen („Lapp“), die es noch gibt, den selben niedrigen Crural-Wert haben, die Eskimos bzw. die Belgier ja aber auch nicht besser dran sind mit einem Wert von 0,83.

Wir guten afrikanischen Langläufer, die wir vor 180.000 Jahren einmal waren, hatten einen Wert von ca. 0,86.

Wenn deine Vorfahren also vor 40.000 Jahren auf die glorreiche Idee kamen, sich mit Neanderthalern zu verpaaren, was nachweislich der Fall war, und du viel „Pech“ hattest, dann wurdest du hinsichtlich deiner Unterschenkel-Länge nicht so reich beschenkt.

Oder noch besser: Du hast skandinavische Vorfahren, die die selben niedrigen Werte haben, wie die Neanderthaler.

Angenommen das worst case Szenario trifft auf dich zu und deine Lebenspläne versinken gerade im Nichts, weil deine Unterschenkel kurz und dick sind (Letzteres ist leider auch ein Ausschluss-Kriterium für herausragende ausdauer-athletische Leistungen), dann könntest du es immerhin den Neanderthalern gleichtun:

The Neanderthal life style involved activities in which the greater power conferred by their shorter lower limbs (Smith and Savage, 1955) was of more importance than energetic efficiency. There is evidence (Schmitt et al., 2003) that Neanderthals
hunted with thrusting spears, engaging their prey directly. Powerful lower limbs could prove very useful in such a context.

Du kann dich also dann immerhin darin betätigen, 15 Treppenstufen schnell hoch und runter zu laufen oder Krafttraining zu machen 🙂

Im Ernst: Nicht jeder ist für Ausdauersport gemacht. So leid es mir tut, aber Genetik ist schon auch wichtig. (Ich kenne ja die Heilsversprechungen von so manchem Arzt mit netter Homepage und Produktwerbung).

Referenz zum Selbstlesen.

 

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3 Kommentare, sei der nächste!

  1. Ein weiterer Faktor, der die Proportionen beeinflusst, ist die Menge an Testosteron während des Heranwachsens. Viel Testosteron = kurze Beine, langer Rumpf.

  2. Von wo bis wo misst man seine Unterschenkel und Oberschenkel denn? Habe jetzt mehrere Versuche gehabt, mal stehend, mal sitzend bei denen immer etwas anderes herausgekommen ist.

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