Kohlenhydrate – die zweite Perspektive

Dazu muss man kurz nachdenken, ich hoffe dazu hast du Lust. Wenn ja, dann los.

Wir erinnern uns: In einem Artikel habe ich erklärt, dass Fett und Kohlenhydrate um ihre Oxidation (also Verbrennung) konkurrieren. Deshalb entsteht Diabetes und Insulinresistenz.

Warum ihr alle Angst vor Kohlenhydraten habt, hat zwei Gründe (auch wenn ihr davon vielleicht gar nichts wisst):

  • Insulin hemmt die Fettfreisetzung
  • Insulin stimuliert den Fettaufbau

Klingt also so, als ob Insulin tatsächlich der übelste Feind ist, wenn es darum geht, eine schlanke Linie zu haben.

Dass dies Unsinn ist, das habe ich erklärt anhand der Bevölkerung von Kitava und anhand meiner Mama, die ja sehr, sehr schlank ist und an Weihnachten 1 kg Lebkuchen isst.

Die zwei Punkte, die da oben stehen, würde ich als Monoperspektive bezeichnen. Wir haben vergessen, dass wir nicht in einer eindimensionalen Welt leben, sondern alles sehr plastisch ist.

Das habe ich zum Beispiel gestern erklärt in meinem Artikel “Insulin und Eiweiß”. Wo ein sehr cleverer Mensch nachgedacht und gesagt hat: Eiweiß lockt doch auch Insulin?!

Ha! Eiweiß lockt genauso viel Insulin wie Spaghetti.

Zu Punkt zwei: Insulin stimuliert tatsächlich den Fettaufbau, aber eben nicht so, wie wir das gerne hätten. Fettaufbau, also Lipogenese, bezeichnet einen Prozess, bei dem – Achtung! – Kohlenhydrate in Fett umgebaut werden.

Wir vergessen dabei aber immer: Je mehr Kohlenhydrate du isst, umso mehr wird dein Körper davon auch oxidieren, heißt dann: Glukose-Toleranz.

Und wir vergessen dabei auch immer: Damit Kohlenhydrate in Fett aufgebaut werden kann, brauchen wir die dazugehörigen Enzyme.

Und wir vergessen dabei auch immer: Wir haben ja eine Kalorienbilanz. DOCH! Die gibt es. Ganz, ganz sicher.

Und die Sache mit den Enzymen und dem Fettaufbau kann man wunderbar … “modulieren”. Man kann da etwas verändern!

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Abb. 1: Schematische Darstellung der Glukose – bzw. Fettsäureoxidation

Das letzte Abbauprodukt, egal ob Fettsäureoxidation oder Glukoseoxidation, heißt Acetyl-CoA – nur diese Substanz wird im Citrat-Zyklus verarbeitet.

Bei Zuviel an Kohlenhydraten ist logischerweise auch zu viel Acetyl-CoA da, was der Körper mit Hilfe eines Enzyms namens ACC (verstärkt exprimiert durch Insulin) in Malonyl-CoA umwandelt (daraus macht der Körper Fett!).

Jetzt kommt der Punkt: Selbstverständlich kann man diese Umwandlung effektiv hemmen.

Und was macht der Körper dann mit dem Zuviel an Acetyl-CoA? Er oxidiert es einfach.

Wenn man es jetzt schaffen würde, die Fettzellen nicht noch zu füllen mit einem Überfluss an Fett (denn Fett wird direkt dort gespeichert), und zusätzlich noch für eine niedrigere zelluläre Glukoseaufnahme und erhöhte Fettfreisetzung sorgen würde … dann, ja dann … würde man ohne Zutun abnehmen.

We also discovered that arginine differentially regulates expression of fat-metabolic […],lipolysis in white adipose tissue. Specifically, arginine down-regulates expression of lipogenic genes, such as lipoprotein lipase (LPL), acetyl-CoA carboxylas (ACC) alpha but up-regulates expression of genes for lipolysis in white adipose tissue, […] In addition,decreased expression of GLUT4 in adipose tissue of arginine-treated pigs is sufficient to impair glucose transport and fatty acid synthesis, suggesting that energy substrates are preferentially partitioned to skeletal muscle rather than white adipose tissue

Arginin macht das alles, genau wie oben beschrieben.

Also bevor man sich dazu entscheidet, seinen Tag mit 100 g Olivenöl, 100 g Nüssen vollzufetten, sollte man vorher bedenken, dass man a) in der Ketose sein sollte und b) selbst die dünnsten meiner Freunde mit einer Fett-Diät zu -, nicht abnehmen. Nur mal meinen Senf dazu.

Wer jetzt aber immernoch glaubt, das Stück Brot macht dick, der kann ganze Experiment-Reihe dazu hier nachlesen.

Oder mal darüber nachdenken – wenn “Ängste” vorhanden sind – ob man nicht ein gestörtes Essverhalten hat.

Denn da wo das rationale Denken aufhört und aufgegeben wird zugunsten einer unbegründeten Angst, der hat … na ja, ein Problem im Kopf.

Weiß ich deshalb, weil ich vier Jahre lang genau so war. Und das war gestört, das weiß ich heute. Weil der Apfel mich eben nicht dick macht, da sind ja auch Kohlenhydrate drin.

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