Ketogene Diäten: Evolutiv normal, heute modern

Ketogene Diäten sind Allheilmittel.

Jedenfalls bekommt man den Eindruck, wenn man als Wissenschaftler sowieso verschiedene Journals durchguckt. Nicht, weil jetzt plötzlich viel über ketogene Diäten erscheint, sondern weil man die Artikel bei most viewed bzw. highly accessed findet – die werden also am meisten gelesen. Das zeigt uns, dass ketogene Diäten in Mode sind.

Jetzt wird plötzlich etwas propagiert, was sowieso …

Lasse mich das so erklären: Mein Hund isst alle 15-24 Stunden mal eine Mahlzeit. Die restliche Zeit bedient er sich seiner Fettreserven. Das ist die Natur.

Alternativ dazu bewegt sich der Hund den ganzen Tag und muss entsprechend viel Essen. Das nennt man turn over.

Das ist ein logischer Gedanke, oder? Wir Menschen essen auch dann, wenn der Verbrauch niedrig ist und ein „gezwungener Verbrauch“, wie in der Natur üblich (man musste sich bewegen, um Essen zu beschaffen) wird heute nicht mehr praktiziert (Sportler sind hier privilegiert).

Dann kam die Entdeckung mit den Kohlenhydraten. Obwohl niemals jemand von den Menschen, die uns unsere „genetisch richtige” Ernährung beibringen wollten, von Kohlenhydraten 0 % geredet hat. Damals hieß es so ca. 40% ist gut (Boyd Eaton, 1989: The Paleolithic Prescription: A Program of Diet & Exercise and a Design for Living).

Das hat uns Boyd Eaton 1989 erzählt, bis 2014, trotz 25 Jahre dazwischen, Bestand hatte. Unzählige Male wurde das überarbeitet, neu ausgewertet, verfeinert, gelesen und … am genetischen Kohlenhydratkonsum hat sich nichts geändert.

Aber schon 1989 war Boyd Eaton schlauer: Es war nicht normal konstant zu essen.

Diese natürlichen Fluktuationen an Kalorien wollte ich klar machen in Form von Aborigines. Die haben sowieso schon kein Körperfett, müssen aber dann zwei Wochen mit 1300 kcal/Tag auskommen.

Bis dann mal wieder ein fettes Stück Fleisch angerannt kommt. Daran essen die sich dann satt und sehen ein paar Tage wieder kein Fett. Vielleicht kommt ja direkt zwei Stunden später noch einmal ein dickes Tier.

Aber eins ist sicher: Die betreiben intermittierendes Fasten und Kalorienrestriktion (immer diese neumodischen Begriffe) jeden Tag! Für die ist das die Regel. Für uns die Ausnahme.

Und dann wird immer geredet, geredet, geredet und ich denke mir: Hör doch einfach mal auf zu essen und gut ist.

Genau das ist der allergrößte Denkfehler in dieser ganzen Szene. Einige verstehen nicht, dass Konzepte nicht „nebeneinander” stehen, nach dem Prinzip „entweder/oder”, sondern „überlagert” sind. Dort heißt es nicht: Kohlenhydrate/keine Kohlenhydrate, sondern … Kohlenhydratkonsum ist egal, solange du dich nicht konstant damit mästest. Das Gleiche gilt für den anderen Makronährstoff – Fett. Chylomikrone, also die Proteine, die Nahrungsfett im Blut transportieren, wirken auch entzündlich auf deine Arterien – im Endeffekt genauso ungünstig wie zu hohe Blutglukose-Werte auch.

Und dann hatte ich eine Arbeit präsentiert, die zeigt: Glukose kann ganz anders wirken, wenn die mit Phytochemikalien kommt – gilt auch für Fett. Diese so genannten sekundäre Pflanzenstoffe verändern den Kontext noch einmal komplett.

Natürlich kann man die ketogene Diät, Kalorienrestriktion, Sport, Fasten etc. auf eine Sache reduzieren: AMPK und seine downstream targets.

Wir erinnern uns: Beim Essen mit viel Insulin verabschiedet sich AMPK zugunsten von mTOR.

Doch ziehe keine voreiligen Schlüsse in Form von „AMPK gut, mTOR schlecht“. Nein, nein, denn ohne mTOR hättest du keine Muskeln, hättest du keine Möglichkeit deine Herzstammzellen zu aktivieren oder deine Neuronen zu schützen.

Balance und Kontext. Etwas, was du lernen musst zu verstehen, wenn du dich mit Biologie befasst.

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