Homo sapiens der Großwildjäger

Image

Das menschliche Gehirn assoziiert normalerweise immer direkt Bilder, Gedanken und Meinungen mit bestimmten Begriffen.

Beispiel Meditation. Ich jedenfalls denke an Zen-Buddhisten irgendwo in Tibet.

Mit Protein, also Eiweiß, verbinden viele Menschen sowas wie Bodybuilding, Fleisch, Tiere töten oder noch besser: Krebs.

Naja, jedenfalls so lange, bis sie besser Bescheid wissen.

Angefangen hat alles vor 2,6 Mio. Jahren, 2 600 000!!. Also eine für den Verstand überhaupt nicht greifbare Zahl. Man bedenke das immer bitte. Unsere, ich nenne sie mal, Affenvorfahren, Australopithecinen genannt, waren definitiv noch Individuen, die Bäume belebten.

Anatomisch gesehen, waren diese Geschöpfe nicht so reich beschenkt bezogen auf ihre Gehirngröße, die Natur hat sie daher mit einem riesigen Kiefer ausgerüstet, um die harte pflanzliche Nahrung effektiv zu verdauen (Verdauung beginnt im Mund).

Warum auch immer, vielleicht war es Zufall, begannen diese noch affenähnlichen Kreaturen vermehrt Fleisch zu essen – ich fasse mich kurz: Erst durch das Verzehren von Fleisch konnte die Gattung homo entstehen (Vgl. Dominguez-Rodrigo et al„ 2012)

I know this will sound awful to vegetarians, but meat made us human.

Manuel Domínguez-Rodrigo, Archäologe, Uni Madrid

Bevor wir entstanden, also homo sapiens, existierten vor uns noch viele weitere Arten innerhalb der Gattung homo. Die ältesten Fossilien, die man fand, bezeichnete man als homo rudolfensis und homo habilis. Weiterentwickelt nannte man den Vertreter dann homo erectus, der sich später jeweils in homo neanderthalensis (Neanderthaler) und homo sapiens entwickelt hat. Noch einmal: Wir, also homo sapiens, sind nicht die erfolgreichste Art, das war nämlich homo erectus. Und wir sind auch nicht der Nachfolger oder der direkte Verwandte vom Neanderthaler…

Naja, jedenfalls sind wir dann vor 100.000 Jahren (immernoch eine riesen Zeitspanne) aus Afrika ausgewandert, mitten in das kalte Europa (Eiszeit), man bedenke, dass die Eisgletscher bis hin zu den Alpen gereicht haben. Und dort fand man eine ausgedehnte Tundra vor, die reich besiedelt war von Großwild, Mammuts, Waldelefanten usw., also riesen Beutetiere.

Prof. Loren Cordain hat sein Leben genau dieser Thematik gewidmet und liefert auf Nachfrage unendlich viele Evidenzen:

  • extensives Benutzen von Werkzeugen, insbesondere um Tiere zu zerlegen
  • Verkleinerung des Verdauungsapparates zugunsten vergrößerter Hirnvolumina und erhöhter Stoffwechselprozesse
  • schlechte metabolische Adaptationen, um essenzielle (tierische) C20 und C22 Fettsäuren aus pflanzlichen C18 Fettsäuren zu gewinnen (bspw. alpha-Linolensäure zu DHA/EPA Omega-3 Fettsäuren)
  • Möglichkeiten zur Synthese von Taurin stark reduziert, da vermehrt auf exogene Quellen zurückgegriffen wurde (Taurin ist für Katzen z.B. essenziell)
  • Reduzierte Aktivität eines Enzyms, das der Synthese von Harnsäure dient, um die durch Fleischkonsum erhöhte Aufnahme von Harnsäure auszugleichen
  • Isotop-Werte (Messungen von Atomen aus dem Knochen) entsprechen denen eines arktischen Fuchses (fast reiner Fleischfresser)
  • naher Verwandter, der Neanderthaler, aß ausschließlich Fleisch (“plant consumption must have been close to zero”)
  • ethnographische Analyse: keine Menschengruppe lebt vegetarisch

Cordain kommt zum Schluss, dass der Proteinanteil in der menschlichen Ernährung, bis zum mittleren bis jungen Paläolithikum (also bis vor 20.000 Jahren) ungefähr 30-35% betrug.

Das menschliche Genom hat sich seither kaum verändert, genetisch betrachtet sind wir alle Jäger und Sammler.

Wir wissen, ohne nachdenken zu müssen, dass jede Art dieser Welt speziell an eine Art der Ernährung angepasst ist. Ein Löwe isst Fleisch, das Pferd auf der Weide isst Gras. Weicht die Art von dieser Ernährung ab, wird sie krank.

Gedanke: Angenommen das menschliche Genom ist präzise adaptiert an eine proteinreiche Diät, was würde passieren, wenn wir weniger davon essen?

Wieso muss ein Reh, ein Tiger, ein Löwe, ein Regenwurm eigentlich nie ins Krankenhaus wegen Herzschwäche, wegen Schlaganfall oder wegen Angina pectoris? Bekommt der freilebende Tiger auch 5x im Jahr die Grippe? Oder anders ausgedrückt: Warum ist unser kleiner Hund immer so fröhlich und freut sich, wenn er einen sieht? Wie oft freut man sich, wenn man den Nachbar sieht…? 🙂

Gedanken, die einen sehr beschäftigen können.

Protein, Eiweiß, aufgeschlüsselt heißt: Aminosäuren.

Das sind die einzelnen Bestandteile und ich möchte sie kurz in plastischer Sprache darstellen, weil sie essenziell (= lebensnotwendig) sind:

  • Arginin – einziger Stoff, der für Weit – bzw. Engstellen von Blutgefäßen verantwortlich ist.
  • BCAA (verzweigte Aminosäuren) – senken Cortisol, steigern Testosteron, der Muskel besteht zum Großteil aus BCAA, wichtig für die Generation von Mitochondrien
  • Methionin – wichtig für Methylierung (An – bzw. Abschalten von Genen), stellt Krebsgene stumm
  • Tryptophan – einzige Vorstufe für Serotonin, auch bekannt als Glückshormon
  • Phenylalanin und Tyrosin – Vorstufen für Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin, also genau die Stoffe, auf die es ankommt, wenn man inneren Antrieb erleben möchte
  • Lysin und Prolin – Gefäßschutzstoffe, ausdrücklich empfohlen von Nobelpreisträger Linus Pauling, dann, wenn man kein Arteriosklerose möchte

Das waren noch nicht alle und schon gar nicht die komplette Bandbreite an Wirkungen im menschlichen Körper.

Die Frage, die ich mir stelle und die sich jeder stellen sollte: Was passiert, wenn ich wenig Aminosäuren im Blut habe und was passiert, wenn ich mich lebenslang in der Hauptsache davon ernähre?

Fortsetzung bezogen auf den Titel folgt…

print