Gesundheit und Ernährung I

Gesundheit und Ernährungen sind ohne Frage von einander abhängig.

Ich kann mich noch gut an eine Zeit erinnern, in der ich mich total identifizierte mit einer Bewegung in den USA. Diese Bewegung begann 1989 (in Form eines Buches von Boyd Eaton). Dort steht so viel Wahres, dass ich es wirklich nur empfehlen kann – die Empfehlungen hinsichtlich der Nahrungsauswahl sind natürlich konform mit den damaligen Richtlinien, aber die Argumentation vorher ist einzigartig und aufschlussreich!

Diese Bewegung endete 2008/09 in Fett-Diäten.

Das sickert jetzt natürlich so langsam nach Deutschland und wird gerade von Sportlern, besonders ehrgeizigen Wissenschaftlern und Ärzten aufgegriffen – der Rest erfährt davon höchstens im Facebook. Das reicht schon, dass eine „Diät“ heute sehr bekannt ist: low carb.

Wobei… Low carb ist eine gemilderte Form, in der es prinzipiell egal ist, wie viel Früchte ich esse, in der es aber hauptsächlich darum geht, künstliche und raffinierte Produkte zu meiden. Darunter fällt dann natürlich auch der Zucker, die Limonaden, das Weißbrot etc.

Nur das Problem dabei war, dass der Mensch ja konstant nach Verbesserungen strebt und konstant optimiert. Der Gedanke der low carb Diät (die ja eigentlich nur eine „esse natürlich Diät“ war) wurde weiter-entwickelt, weiter-gesponnen und bis ins Extrem „verfeinert“.

Auf einigen Seite lese ich heute: Obst macht dich dick.

Ich versuche einmal kurz zu erklären, wie es zu solchen Missverständnissen kommt.

  • Man nimmt ein paar Laborratten, füttert ihnen unendliche Mengen Fruktose und beobachtet dabei die Entwicklung von… zum Beispiel der Leber. Und die bildet daraufhin Triglyceride (Fett), die Tiere werden dick und entwickeln Züge die dem eines metabolischen Syndromes entsprechen.

Daraufhin steht überall geschrieben: Fruktose macht dick.

Der nächste Gedanke ist: Fruktose ist in Obst enthalten.

Schlussfolgerung: Obst macht dick.

Dabei werden (zum Beispiel) zwei Dinge vergessen:

  • mein natürlicher Appetit
  • Kalorien

Mein Körper ist nicht blöd. Der dirigiert mich nämlich (wenn nötig) immer eher zu stärkehaltigen Produkten, wenn es um die Kohlenhydrat-Speicher geht. Aber die waren ja verboten in dieser „Szene“.

Warum Fruktose nicht das Optimum darstellt, hat folgenden Grund:

After 2 h of recovery from either exercise or fasting there was no measurable glycogen repletion in red vastus lateralis muscle in response to fructose.

Selbst wenn man fastet oder Sport macht, wird die Fruktose in der Leber gelagert und nicht im Muskel, was ja aber der größte Abnehmer vom Zucker ist.

Diese Geschichte würde aber an Wert verlieren, wenn man noch die Kalorien mit in das Gesamtbild bringen würde, was aber dann multi-konzeptional und für den menschlichen Verstand nicht so einfach greifbar wäre.

Ganz egal: Kein Lebewesen auf der Welt isst 2 Kilogramm Obst/Tag.

Das heißt aber nicht, dass der Apfel jetzt gefährlich ist.

Doch, das heißt es, denn jetzt gilt: Stärkehaltige Produkte sind sowieso tabu (aus welchem Grund eigentlich?) und der Apfel enthält auch Fruktose und Glukose und daher… Das Fett muss herhalten!

Das steht zum krassen Gegenteil von dem, was wir ja jahrelang so gehört haben. Wir sollen nicht so viel Fett essen. Dieses Statement steht auf den Beinen einer ganzen Wissenschaft!

Jetzt heißt es: Wir sollen Kohlenhydrate ersetzen zugunsten von Fett.

Der Witz und das, worüber ich immer lache ist die Tatsache, dass es immer so schön heißt „Wir haben jetzt jahrelang low fat gelebt und gesehen, dass es nichts bringt“ – das jedenfalls, sind die Aussagen von „schlauen“ Menschen.

Bei uns hier auf dem Land hat nie irgendjemand davon gehört. Die einzigen, die Fett konstant meiden sind die Hipster, wo Vegan jetzt total im Trend liegt und man zwangsläufig mehr Kohlenhydrate isst (und weniger Fett).

Ich habe spaßeshalber mal eine Studie durchgeführt und penibel mitgeschrieben, wer denn was isst bei uns. Das hat angefangen bei meinen Eltern, die „augenscheinlich“ (ganz wichtig!) „viele“ Kohlenhydrate essen: Die essen Brot, Kartoffeln, Nudeln, Chips usw.

Aber auch… Bratwurst, Wiener, Schnitzel, Fisch, Wurst, fetter Käse usw.

Nach der Logik vieler Ernährungs-Besserwisser wäre das da oben zwangsläufig eine Kohlenhydrat-Ernährung, schließlich essen die das zu jeder Mahlzeit.

Bis ich das mal ausgerechnet habe (letzte Woche) und gesehen habe:

32%, 18%, 50%. 

50% Fett, 32% Kohlenhydrate. Das ist jedenfalls keine Kohlenhydrat-Diät.

Und so essen viele Menschen hier bei uns. Brötchen/Brot mit Butter und Lyoner/Käse etc.

Ich habe das damals in irgendeinem Forum (eines Wissenschafts-Bloges) artikuliert: Da hieß es nämlich, man solle viel Fett essen. Später wurde dann ergänzt, dass stärkehaltige Produkte ja doch nicht so schlecht seien. Und ich fragte nach, wo denn jetzt (biochemisch) der Unterschied liege, zwischen dem und der „normalen Ernährung“, wo ja auch Stärke und Fett gegessen wird.

Diese Entwicklung hatte zur Folge, dass sich viele Wissenschaftler (mit einem Blog!), aus dem Internet verabschiedet haben, weil sie sich für ihre Empfehlungen in Grund und Boden geschämt haben. Für die Missachtung der Tatsache, dass es 1000 Studien gibt, die zeigen: Kohlenhydrate bringen dich nicht um. Für die Missachtung der Tatsache, dass es ganze Völker gibt (z.B. natürliche Tarahumara, Kitava, Okinawa), die hauptsächlich vom Kohlenhydrat-Konsum leben und sogar alt werden!

Angesehene Wissenschaftler, also Leute, die das jeden Tag lang machen, sprangen damals auf den Zug von Gary Taubes und auf die „Insulin-Hypothese“, auf die Aussage, dass Insulin alleine schuld ist am Dickwerden. Angesehene Wissenschaftler formulierten ganze Ernährungsratschläge basierend genau auf dieser Hypothese.

Was ist, wenn die Hypothese – genau wie die von Ancel Keys formulierte Lipid-Hypothese – falsch war?

Was ist, wenn wir die komplette Misere nicht auf Insulin reduzieren können? 

Das dachten sich auch die ganzen Wissenschaftler, die ihre Konzepte reihenweise überarbeiteten oder – wenn die Schande so groß war – sich ganz aus dem Internet verabschiedeten.

Und das auch nur, weil sie den größter Fehler eines Wissenschaftlers gemacht haben: Cherry-Picking.

Aussagen machen und die dazu passende Arbeit suchen. 

Was ich damit sagen will: Der Trend, den wir hier haben, wird sich genau so entwickeln, wie in den USA auch. Jetzt sind noch die Kohlenhydrate schuld. Das klappt so gut, dass jeder Angst davor hat.

Alle diese Menschen wissen nicht, dass es niemals am Kohlenhydrat lag, sondern am Eiweiß und dem bewussteren Essen. (Wie sehen eigentlich deine Hormone aus?)

Das glaubt mir nur keiner, weil es ja viel, viel zu einfach klingt.

Ich – für meinen Teil – habe aus meinen Fehlern gelernt, denn: Ich habe ja alles bis zum Erbrechen ausprobiert.

Wer kann das schon von sich behaupten?

Bevor jetzt irgendjemand auf die Idee kommt, dass ich erzähle, dass man sich nur von Kohlenhydraten ernähren soll (Denken ist schwer!): Nein, aber eine Süßkartoffel bringt dich nicht um. Fett auch nicht – das ist eine Frage der Menge.

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  • Markus

    „Ganz egal: Kein Lebewesen auf der Welt isst 2 Kilogramm Obst/Tag.“

    Doch, doch, der Homo Sediens: 2 Kilo herzgesunder Fruchtsaft oder mit Fruktosesirup gesüßte Brause sind schnell verdrückt. Irgendwie muss man ja auf denn Richtwert der DGE für die Kohlenhydratzufuhr von mindestens 50 % der Kalorien kommen. Dummerweise sind’s dann meistens ja auch noch zuviel Kalorien. Weil der Weizen, also der real existierende Goldstandard der Kohlenhydrate, wie ein Appetitanreger wirkt.

    Yepp, diese von Dr. William „Wheatbelly“ Davis so oft zitierten 400 kcal, die man ohne Weizen im Schnitt weniger zu sich nimmt, kann ich für mich bestätigen.Das reicht mir als Beweis. Kann ja jeder für sich selbst mal ausprobieren, drei Wochen Abstinenz reichen vollkommen.

    Es kommt also definitv auch auf die Art der Kohlenhydrate an, nicht nur auf deren Menge.

  • Punkt ist, dass man das nicht auf Kohlenhydrat per se reduzieren kann. Der Kontext zählt immer.

    Wenn der Mensch natürlich meint, Vogelfutter essen zu müssen und literweise Fruchtsaft zu trinken – gut, selbst schuld.
    Hat aber wenig mit Wurzelgemüse o.ä. zu tun, was ja auch ein Kohlenhydrat ist.